SY-Yemanja ist seit 2 Jahren unterwegs im Atlantik!

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Erster Juni 2014, Katwoude, Holland – wir werfen die Leinen los, vergießen ein paar (viele) Tränen und winken unseren Kindern: Unsere Weltumseglung hat begonnen!

Anfangs ist alles neu und aufregend, durchdrungen von dem berühmten Zauber, der allen Anfängen innewohnt.

Zwei Jahre später liegen viele Häfen, Freunde, Abschiede und Erfahrungen hinter uns: Zeit für Dankbarkeit, Zeit zu feiern, Zeit zurückzublicken!

Ich befrage uns da einfach mal selbst. Das Besondere dabei: Tomy kommt (auch) zu Wort!

Was war der bisherige Höhepunkt eurer Reise?
Tomy: Zwei Dinge: Das erste Mal, also die erste längere Fahrt, über die Biskaya. Dann die Atlantiküberquerung und Ankommen in Salvador, auch wenn es seglerisch keine große Herausforderung war.
Steffi: Die Biskaya, das war bisher auch das tollste Segeln. Und Bolivien. Da sind wir natürlich mit dem Flugzeug hin. Wir wären aber ohne die vielen Reiseblogs, mit denen ich durch diesen Blog verbunden bin bzw. ohne die Notwendigkeit alle 90 Tage aus Brasilien auszureisen vermutlich nicht auf die Idee gekommen, dorthin zu reisen.

Welche Orte eurer bisherigen Route sollten Weltbesegler unbedingt anlaufen?
Tomy: Rias in Spanien, Madeira, La Palma, Salvador
Steffi: A Coruna, Combarro, Aveiro, Porto, Madeira, La Palma, Mindelo/Santo Antao, Salvador

Aveiro

Gondeln in Aveiro

Was war die herausforderndste Situation?
Tomy: Bei 40 Knoten Wind Segel reffen vor La Restinga
Steffi: Es gab ein paar herausfordernde Situationen: Seekrankheit, die uns im Atlantik zwar leicht, aber doch befällt; als das Segel riss und wir bei Windstärke 8 gegen an nach La Restinga segelten.

Gibt es eine Situation, die ihr nicht nochmal erleben wollt, wenn ja, welche?
Tomy: Wüsste ich jetzt keine.
Steffi: Gewitter, dem fühle ich mich ohnmächtig ausgeliefert. Und ehrlich: 22 Tage übers Wasser schippern ist einfach langweilig. Brauch ich nicht wirklich nochmal, auch wenn ich dem nicht entgehen werde.

Wo gefiel es euch am besten?
Tomy: Madeira und Salvador, Camamu
Steffi: Bretagne, A Coruna, Combarro, in Portugal, Madeira, La Palma, Santo Antao, Camamu und Bolivien: Die Welt ist an vielen Flecken schön!

Was würdet ihr heute anders machen?
Tomy: Ich würde mir mehr Zeit lassen für die französische und spanische Atlantikküste.
Steffi: Ich auch! Ich würde ein oder sogar mehrere Saisons in der Bretagne und in den Rias Galiciens verbringen.

A Coruna

A Coruna

Wie hat euch die Reise verändert?
Tomy: Ich habe Geduld, Achtsamkeit und Respekt vor der Natur gelernt. (Kommentar von Steffi: Er ist unterwegs viel kontaktfreudiger und unternehmungslustiger als zu Hause)
Steffi:  Ich weiß nicht, ob sie mich verändert hat. Vielleicht bin ich noch dankbarer geworden, dass ich all diese tollen Dinge erleben darf, für meine wunderbare Familie, meine Freunde und all die Menschen, ohne deren Unterstützung diese Reise nicht möglich wäre. Ich vertraue noch mehr, in mich, die Menschen und das Leben. Ich vergebe noch leichter und kann fünf besser gerade sein lassen, wenn es hilfreich ist. Gelernt habe ich viel, aber das kommt in einem anderen Bericht. Segeln ist nicht darunter ;-)

Was waren die schönsten Naturerlebnisse?
Tomy: Die Delfine, die zu meinen 60. Geburtstag auf der Biskaya vorbeikamen und Delfine im Allgemeinen
Steffi: Delfine und die Sterne auf See und im Altiplano in Bolivien

An welche Begegnungen denkt ihr am liebsten zurück?
Tomy: An die mit meiner Frau während 22 Tagen Atlantiküberquerung ;-) Ich finde es schön, unterwegs Leute kennen zu lernen und immer wieder mal zu treffen.
Steffi: Ach, da sind viele: Martin und Violetta, Heinz und Christine, Walter und Elke, Leentje und Patrick, Marisa in Oeiras und andere tolle Marinastaff,  Milan und Ilse, Jaqueline und Mischa, Anja und Thomi, Tom, Jochen und Hanna, die Crew dere Chulugi, meine Freundinnen, die zu Besuch kamen, unsere Freunde in Salvador und viele kleine Momente und kurze Begegnungen, zu viele, um hier Platz zu finden, aber dennoch in meinem Herzen.

Unser Freund Nico

Unser Freund Nico

Euer peinlichster Hafenkinomoment?
Tomy: Als sich die Leine des Dinghis beim Ankern um die Schraube wickelte, weil ich das Dinghi nicht beigeholt hatte.
Steffi: Der war noch vor unsere Abreise: Als wir das Vorsegel verkehrt herum einzogen… Unter Langzeitseglern gibt es die nicht wirklich: Alle wissen, dass sie mal Scheiß bauen und sind viel zu beschäftigt, ihr Schiff seetüchtig zu erhalten und einander zu helfen und zu unterstützen, als schadenfroh Filme zu drehen und auf Facebook zu stellen.

Welchen Rat habt ihr an Menschen, die von einer Weltumsegelung träumen, und hundert „Aber“ im Kopf haben?
Tomy: Losfahren! Man muss sich schon vorbereiten, aber dann auch losfahren. Unterwegs trifft man viele Leute, die keine Profis sind, kaum Erfahrung haben, teils mit beschränkten finanziellen Mitteln, auf winzigen Schiffen, manche Einhand oder auch mit zwei bis vier kleinen Kindern unterwegs sind und den Atlantik überqueren oder gar um Kap Horn fahren – da werden die eigenen Bedenken schnell klein!
Steffi: Bevor wir losfuhren, hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie eine Weltumsegelung auszusehen hat: Man kratzt genug Geld und Zeit zusammen, fährt im Mai, Juni in Europa los, spätestens im August über die Biskaya, im November in die Karibik, man kann Abstecher nach Gambia machen, aber im Großen und Ganzen ist man dann drei oder mehr Jahre unterwegs, kommt höchstens einmal dazwischen heim… Da bekommen viele Bedenken!
Inzwischen weiß ich, dass es so viele Arten einer Weltumsegelung gibt, wie es Menschen gibt. Ich spreche daher auch lieber von einer WeltBEsegelung: Manche dingeln die Atlantikküste entlang, bleiben jahrelang in der Bretagne, andere sind erst mal im Sommer in den Rias und im Winter daheim, weil Kinder und alte Eltern – Ansprüche haben? Nein, geliebt werden! Manche zieht es dann doch ins Mittelmeer, andere auf die Kanaren, wo sie bleiben. Wieder andere, so wie wir, finden immer wieder Wege, um nach Hause zu fliegen. Es gibt auch die, die in einem Jahr um die Welt stürmen.  Die einen fahren ganz alleine, andere lassen ihre Frau oder die Familie immer wieder einfliegen, andere segeln als Paar. Es gibt auch „betreutes Segeln“ (ARC) und die, die kein eigenes Boot haben, fahren per Anhalter. Manchmal ergibt sich erst unterwegs, was für dich richtig ist. Leg dich nicht fest: Wichtig ist nur das Loslassen des Alten, Vertrauten und auch das ruhig nach und nach. Mach einnfach den für dich ersten Schritt. Alles andere kommt von selbst. Einen schönen Beitrag dazu gibt es auf Fortgeblasen.

Saveiros im Sonnenuntergang

Saveiros im Sonnenuntergang

Was inspiriert euch zu der Reise und der Route?
Tomy: Bücher, Erzählungen, da ist der Wunsch gereift, mit eigenen Mitteln, also mit dem Schiff aus eigener Kraft Orte zu erreichen, von denen ich gelesen habe.
Steffi: Ähm, zu segeln? Tomy. Ich muss nicht aus eigener Kraft irgendwohin, das weiter als einen Tagesmarsch auf eigenen Füßen entfernt ist. Ich nehme gerne den Bus, das Auto oder ein Flugzeug.
Aber ja, irgendwohin zu gelangen, wo „normale“ Touristen nicht hinkommen, hat bei beidem, Wandern und Segeln, seinen Reiz. Wohin genau es gehen soll, das lese ich in Büchern oder auf Reise- und Segelblogs oder durch Gespräche mit anderen Abenteurern

Traumbucht im Channel: Sark

Traumbucht im Channel: Sark

Was sind die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände an Bord?
Tomy: Windsteueranlage, AIS, Funk, eigene Stromversorgung
Steffi: Außer Segeln, einem Bett und einer Kochgelegenheit? Motor, Windsteueranlage und AIS. Und natürlich das Modem und die WLan Verstärker Antenne!

Hattet ihr schon mal Angst an Bord? Wie seid ihr damit umgegangen?
Tomy: Nein
Steffi: Regelmäßig, wenn Tomy an Deck rumtanzt! Ich weiß, dass ich, wir Hier und Jetzt sicher sind. Das ermöglicht mir, nicht die Nerven zu verlieren. Aber nein, richtig Angst hatte ich noch nie.

Wohin wollt ihr als Nächstes und was ist euer langfristiges Ziel?
Tomy: Im Herbst nach F. Guyana, Surinam und die Karibik, und jetzt gerade: Mücken töten. Langfristig? Weiß ich nicht, möglicherweise zurück nach Europa. Das wird dann in der Karibik entschieden.
Steffi: Ich bin immer zwischen Fern- und Heimweh hin- und hergerissen. Ich möchte in die Karibik, nach Kolumbien, Kuna Yala, Guatemala, vielleicht Kuba; Ich will nach Vancouver und dort segeln; Ich will aber auch nach Afrika, eine Safari machen. Und zurück nach Europa, in die Rias, nach England, da werde ich dann spätestens segeln lernen; durch den Caledonian Canal, den Götha Kanal, also in die Ostsee, die Donau bis ins Schwarze Meer, oder noch besser, auf die Wolga. Ich will vor der Einschulung unseres ältesten Enkelkindes zurück sein und mit ihm einen Sommer auf dem Boot verbringen. Viele Sommer und nicht nur mit ihm. Und mit dem Flugzeug reisen… Und Nähen, nähen, nähen. Unkraut jäten, mit meinen Kindern plaudern und den Engelskindern beim Wachsen zusehen.
Ach so, es waren die Pläne gefragt: Die werden den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Wunder warten an jeder Ecke!

Und was sagt Gustav dazu?Gustav-0373

Bei der Begleitung? Das Schwein von Welt schweigt und genießt!

 

Danke dir, lieber Leser, dass du uns in den vergangenen zwei Jahren immer wieder auf dem Blog besucht hast. Bitte bleibe uns die nächsten Jahre treu! Wir freuen uns auch immer über Fragen, Kommentare oder einem „Like“ der Facebookseite. Bis bald!

 

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