14. August 2022
von Steffi
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PortoPollo – wo der Tiger grast

Morgens um halb neun rufe ich in der Capitainerie in PortoPollo an, telefonisch, um nach einem Liegeplatz zu fragen. Natürlich meldet sich keiner, scheint ja in Korsika üblich zu sein, weder ans Telefon noch ans Funkgerät zu gehen, und schon gar nicht Mails zu beantworten. Wenn man überhaupt eine Chance hat, jemanden in der Vorsaison zu erreichen, dann auf keinen Fall vor 8, nicht zwischen 12 und zwei und nicht nach 17 Uhr. Kommst du später, weißt du nicht wohin. Wir als Zweiercrew tun uns dann auch mit Moorings schwer.

Das scheint allerdings ein Generationsproblem zu sein. In all den Häfen, in denen junge Hafenkapitäne das Sagen haben, Ile Rousse, Girolata, und erst recht in Porto Pollo ist das anders:

Kurze Zeit später klingelt mein Telefon: Der Hafenkapitän ruft in tadellosem Englisch zurück! Ja, er hat Platz, aber wenn wir vor drei kommen sollen wir uns erst mal provisorisch am Quersteg festmachen. Da ausnahmsweise Wind ist und wir gut und flott segeln können, kommen wir tatsächlich zu früh an. Wir legen uns an den Quersteg, an dem übrigens die erste Abpumpanlage für Schwarz- und Grauwasser steht, die mir seit Monnickendam begegnet ist! Der Capitain kommt pünktlich zu uns, hilft uns mit den Moorings. Nichts steht einer Wanderung im Weg! Wir wollen hinauf zu den Aussichtspunkten und dem größeren Ort, zum Etang, dem Teich, und zum Tigerfleisch.

Porto Pollo

Yemanja am Servicesteg von PortoPollo

Tigerfleisch? So übersetzt Navily den Tipp eines Seglers: Es wäre sehr gut und man bekommt es in der Metzgerei beim Etang.

PortoPollo

Aussicht auf das Muringfeld in Porto Pollo

Hinter dem Supermarkt beginnt links der Aufstieg. Über natürliche Steintreppen geht es nach oben. Immer wieder überraschen schöne Ausblicke auf PortoPollo und die Bucht dahinter. Auch der Ort Serra … verblüfft: Ein korsisches Straßendorf mit neuem, gepflastertem Gehweg und einzelnen Steinhäusern oder Villen. Auch die Kirche ist schön renoviert, gegenüber wächst eine üppige orangerote Bougainvillea.

Dorfplatz in Sierra, hoch über PortoPollo

An der Kirche weist ein Schild rechts zurück nach PortoPollo. Doch den nächsten Abzweig hinunter übersehen wir erst mal: Es ist ein grasüberwucherter schmaler Trampelpfad zwischen zwei Steinmauern. Es scheinen ihn mehr Wildschweine als Menschen zu benutzen, denn im kniehohem Gras ist er immer wieder ist aufgewühlt.

Und dann eine Weide! Mit hunderten grasenden Tigern!

Ja, ja, es sind Rinder, gestreifte Rinder. Wenn du Tigerrind googelst, kommst du auf eine deutsche Rinderrasse. Wenn du Vache Tigre googelst, kommst du auf die Seite der Farm. Die gibt es sogar auf englisch: Die Tigerrinder gehen auf eine nordafrikanische Rasse zurück, die sich über jahrhunderte perfekt den korsischen Gegebenheiten angepasst hat. Sicher erscheint mir: Zu Lebzeiten sind es glückliche Kühe, mit viel Weideland und mit Kälbern.

Vache Tigre

Vache Tigre, ein getigertes Rind, eine alte korsische Rasse?

An den See führt uns der Weg allerdings nicht, er kommt seitlich davon an der Straße aus. Wir müssten links an ihr entlang, um an die Hofmetzgerei zu kommen. Doch erstens tun unsere Beine weh und zweitens könnte ich dieses edle Fleisch nicht so zubereiten, wie es ihm gebührt. Außerdem ist das Geheimnis um das Tigerfleisch gelüftet, wir gehen zurück zum Schiff nach PortoPollo und genießen den Abend vegetarisch mit Tomatensalat, Käse und Rotwein

Blick auf PortoPollo, Porto Pollo Korsika

Blick auf Porto Pollo

Etang bei PortoPollo, Porto Pollo, Korsika

Der Etang, um den herum riesige Weiden liegen

Ajaccio

27. Juli 2022
von Steffi
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Ajaccio – die Entäuschende

Durch die blutigen Inseln – Navily, die Ankerapp,  übersetzt sie mit blutrünstig – fahren wir nach Ajaccio. Von weitem schon begrüßen uns die Hochhäuser der Hauptstadt. Wir wundern uns über die kleinen Hütterln in bester Lage davor. Es ist – mal wieder – der Friedhof! Den alten Korsen war nix zu schad‘ für ihre Verstorbenen!

Ajaccio

Friedhof in bester Lage

Ajaccio

Einladend ist dieser Anblick nicht

Wer uns nicht begrüßt, ist der Hafenmeister vom Port Charles Ornano. Zumindest braucht es wieder mehrere Anrufe auf Kanal VHF 9, bis jemand antwortet. In der Zwischenzeit kreisen wir in der Hafeneinfahrt gegenüber der schönsten Flagge Korsikas:

Ajaccio

Die schönste Flagge Korsikas begrüßt uns in Ajaccio

Warum auf dieser Flagge ein Maurenkopf, der eher schwarzafrikanisch aussieht, abgebildet ist, habe ich noch nicht abschließend herausgefunden. Klar, geht auf die Mauren zurück, die auch Korsika besetzten. Angeblich besiegte ein Korse einen Mauren, der dessen Verlobte entführt hatte. Ich verstehe trotzdem nicht, wieso ein Land auf seiner Flagge einen Feind zeigt, auch nicht wenn er ihn besiegt hat. Aber gut, die Korsen versteht man ja nicht unbedingt.

Endlich antwortet der Platzzuweiser auf meine englische Anfrage – auf Italienisch. Oder Korsisch. Jedenfalls unverständlich. Aber er führt uns zu einem guten Platz mit Seitensteg: welch ein Luxus! Kann mich gar nicht erinnern, wann wir den zuletzt hatten!

Übrigens spricht auch in der Capitainerie keiner wirklich Englisch. Darf ich erinnern: Wir sind in Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas.

Die Stadt selbst ist vergleichsweise enttäuschend. Die Kirche St. Erasmus, in der Schiffsmodelle, gespendet von glücklich heimkehrenden Seefahrern, hängen sollen, hat an beiden Tagen unseres Aufenthaltes geschlossen. Als Geburtsstadt Napoleons trifft man ihn oder einen Hinweis auf ihn an jeder Ecke. Mir ist nicht ganz klar, warum ein Mann, der Europa mit Krieg überzog und die Sklaverei wieder einführte, verehrt wird. Ich glaube, solange wir unsere alten Idole, die Kriegsherren der Vergangenheit, nicht vom Sockel stoßen, wird das nichts mit Frieden. Aber gut, Napoleon hat wenigstens die Anfänge des Zivilrechts geschaffen.

Ajaccio, Geburtsstadt Napoleons

Napoleon

Was toll ist, ist der Markt. Klar, korsische Spezialitäten, Schinken, Wurst und Käse, gibt es in jedem Supermarkt. Aber die von diesem Markt waren schon besonders gut. Und dann erst der eingelegte Knoblauch! Den wird Tomy in ewiger Erinnerung behalten! Das schlechteste Baguette Frankreichs werden wir auch in Erinnerung behalten. Wir haben es in der Altstadt gekauft, in der Straße mit den Läden für die Touristen. (Gutes gibt es in der Boulangerie die rechts gegenüber dem Port liegt)

Markt in Ajaccio

Ja, das weiße ist der köstlichste Knoblauch der Insel!

Wirklich gefallen haben wir aber nur die Murals am Bahnhof: Einige Künstler haben interessante Zugmotive gemalt. Und einer die schöne Korsin!

Cargese

16. Juli 2022
von Steffi
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Cargese – die Korsische

Cargese – Die wahren Korsen sind –

die Griechen! Gut, Cargèse wird als griechische Stadt angepriesen, weil sich dort vor ein paar hundert Jahren Flüchtlinge vom Pelepones niedergelassen haben. Aber außer der griechisch-orthodoxen Kirche und einer griechischen Flagge, habe ich dort nichts Griechisches gefunden. Im Gegenteil: An keinem anderen Ort prangt an fast jeder Hauswand ein Graffiti der korsischen Helden, in keinem anderem Ort schmückt quasi jedes Haus die korsische Flagge! Ja, selbst die griechische weht unter dem Maurenkopf!

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Girolata

9. Juli 2022
von Steffi
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Girolata – Logenplatz im Hafenkino

Vor uns öffnet sich der Golf von Girolata. Tomy bittet mich, den Tiefenmesser anzuschalten. 68m, dann nichts mehr. „Hat der Tiefenmesser den Geist aufgegeben?“ fragt er, „Nein, es ist hier über 600m tief, das schafft er nicht!“

An der engsten Stelle ist der Golf etwa eine Seemeile weit, ringsum nichts als Berge. Kaum vorstellbar, dass es hier eine Ankerbucht geben soll! Doch am fernen Ende leuchtet hell eine Burg! Dahinter verbirgt sich das Fischerdorf Girolata, nur per Schiff oder über einen Wanderweg erreichbar. Es ist ein beliebtes Ausflugziel, ein Ort wie aus einer anderen Zeit, ohne Autos und Kühen, die am Strand liegen.

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Saleccia

5. Juli 2022
von Steffi
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Saleccia – Wo die Karibik, Afrika und Brasilien einander treffen

Türkis wie in der Karibik leuchtet das Wasser in der Saleccia Bucht. Es muss eine der beliebtesten Ankerbuchten Korsikas sein. Eine der schönsten ist es bestimmt: weit und offen, mit Sandstrand vor Kieferwäldern und einer markanten Landschaft im Hintergrund.

Im Sommer ist es sicher auch eine sehr belebte Bucht, doch in der ersten Maihälfte liegen tagsüber nur zwei Segelschiffe vor Anker. Nachts sind wir alleine

Wind ist keiner, Yemanjas Anker ist tief in den Sand von Saleccia eingegraben, Tomy rudert uns an den Strand. Laut der App Maps.me, die auch offline funktioniert, gibt es einen kleinen Rundweg hinter den Dünen und am Strand entlang. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob wir auch wirklich durch das Sumpfgebiet kommen.

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