Yemanja, die Mondin und wir (in der Biskaya)

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So, da sind wir nun in A Coruna, hinter uns liegt die Biskaya. Mein Hirn ist leer, so leer kann es mit Meditieren gar nicht werden: Ich finde kaum Worte, um von unserer ersten „langen“ Zeit auf dem „echten“ Meer zu erzählen!

Kurz: Es lief alles bestens und war schön.

Wir verließen Camaret sur Mer um 9:30 morgens, gut ausgeschlafen und ohne uns um Gezeitenströme zu kümmern. Das Großsegel setzten wir noch in der ruhigen Bucht ins erste Reff. Der Wind brauchte noch eine Stunde länger zum Aufwachen, so lief noch der Motor, dann segelten wir mit etwa 18 Knoten Wind, raus bis zum Leuchtturm Ar-Men und drehten dann nach Süden ab. Von da an übernahm Sissi, unser Windpilot, eine Pazifik Plus, die harte Arbeit, uns auf Kurs zu halten. Es dauerte ein wenig, bis wir das richtige Verhältnis Steuerstellung – Segelgröße und Segelstellung – Windfahne ausgetüftelt hatten, doch dann hatten wir nichts mehr zu tun, als den Wellen zuzusehen.

Wellen sind ja nicht einfach Wellen. Es gibt langgezogene und kurze spitze, vom Wind aufgetriebene. Und alles dazwischen und in Kombination. Rund zwei Meter Welle aller Sorten hatten wir im Schnitt, mal bei ruhiger See – also langgezogen, mal bei leicht aufgewühlter See, also kurz, spitz und brechend. Hie und da war auch eine höhere dazwischen, dann verschwanden wir hinter einer Wellenwand… Doch Yemanja machte der Ritt auf den Wellen offensichtlich Spaß! Sie kletterte hinauf und surfte fast schon mit einem Jubelschrei hinunter oder ließ die Wellen unter sich rollen, sich von ihnen den Bauch massieren – wie ein fröhlicher, kleiner Korken tanzte sie auf den Wellen! Ein wirklich tolles Schiff!

Wir waren übrigens die einzigen, die an diesem Tag den Sprung wagten. Obwohl alle am Steg darin übereinstimmten, dass die nächsten drei, vier Tage gut dafür sind – der eine oder andere scheute den angekündigten Wind vor A Coruna – 25 bis 30 Knoten, der auch stellenweise unterwegs angekündigt war. Wir sahen darin einen Vorteil, weil das auch schneller macht. Und so war es denn auch. Gegen Abend frischte der Wind auf, bis gut nach Mitternacht ging die Anzeige auf bis knapp 30 Knoten hinauf – und Yemanja schoss mit bis zu 9 Knoten durch die Nacht. 155 Meilen ist unsere erstes Etmal, also die Strecke, die wir in 24 Stunden segelten.

Ruhig schoss Yemanja dahin, trotz der Wellen! Schlafen auf der Leeseite war überhaupt kein Problem. Wir hatten keine feste Einteilung für die Nacht, einer schlief in voller Montur – ohne Polarvliesunterwäsche, ein paar T-shirts, einem Pulli und Off-Shore Ölzeug wäre es ziemlich kalt – etwa zwei Stunden unten im „Salon“, dann wurde er vom anderen geweckt und übernahm die Wache. Da ja alles neu für uns war, war es uns wichtig, den Anderen notfalls schnell bei der Hand zu haben. Oder sagen wir so: Mir war das wichtig, da ich ja weitaus weniger Segelerfahrung als Tomy habe.

Doch Sissi tat ihre Arbeit gut! Hie und da musste ich leicht am Steuer korrigieren, doch die meiste Zeit saß ich eingemümmellt in eine Decke hinterm Verdeck und bewunderte das Haar von Yemanja, wie die brasilianischen Fischer jenen silbrigen Streifen, den die fast runde Mondin auf das Wasser zaubert, nennen, und in dessen Schimmer unser Schiff mit uns gegen Süden zog. Dann versank Mondin im Meer und wir rasten in eine dunkle Wand – sehen tut ma da nix mehr! Wir waren aber auch weit und breit die einzigen unter dem Himmelzelt. Die Sterne! Im Cockpit liegend und in den Himmel starrend, erinnerte ich mich an die dunklen Nächte in meiner Kindheit, als ich so in der Ramsau auf einer Wiese lag, oder in Kroatien am Strand. Ach, wo sind sie geblieben? Nein, nicht die Kindheit fehlt mir, traurig bin ich, dass mein Engelchen Lian dieses Sternenwunder nicht so einfach sehen kann!

Da – eine Sternschnuppe! Was ich mir gewunschen habe? Nichts für mich, etwas für Lian!

Morgens früh, der Wind hatte nachgelassen, das Meer sich etwas beruhigt, die Sonne gerade links hinter uns über den Horizont gespingst*, da tauchten blinkte plötzlich eine schwarze Flosse neben mir aus dem Meer.

„Tomy, schnell, die Delpine sind gekommen, dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag zu wünschen!“

Was für flinke, anmutige Gestalten! Mit welcher Anmut, Kraft und Geschwindigkeit sie durch das Wasser flitzen, unterm Kiel durch, vor dem Bug, springend, gleitend, surfend. Wie durch einen Zauberspruch beginnen wir zu lächeln, es geht gar nicht anders! Magier der Meere sind das!

Delphin in der Biskaya

Delphin in der Biskaya

Ach so, die Quiche war sehr lecker, ich hoffe, sie hat auch den Fischen geschmeckt. Schnelles Aufstehen aus dem Schlaf und Wellen vertragen sich dann doch nicht so gut. Und so wurde aus dem leicht flauem Gefühl in der Magengegend dann plötzlich ein nicht zu widerstehender Würgereiz…

Danach war mir viel wärmer, so als hätte ich viel zu viel Energie für’s Verdauen verbraucht!

Den Rest des Tages war jedenfalls weder Tomy noch mir zum Anstoßen, auch wenn es keinen von uns beiden schlecht ging.

Die Delphine schauten immer wieder mal vorbei, ansonsten verging der Tag wie der erste, wenn auch mit etwas weniger Wind und sanfterer Welle. Der Wind drehte auf achterlicher, der Bulle musste in den Stand… Keine Ahnung, wieso man zu einer Leine, die das Großsegel vorm Umschlagen, also das Schiff vor einer gefährlichen Patenthalse schützt, Bullenstander sagt – weil er so stark wie ein Bulle sein muss, vielleicht? Jedenfalls experimentierten wir den zweiten Tag damit rum. Die Nacht kam und ging wie die erste, da der Kurs aber vorlicher war, war schlafen sehr viel schwieriger:  Yemanja rollte sich in alle Richtungen verwindend hin und her, es knirschte und knarrte, und wir rollten mit. Morgens früh passierten uns in einiger Ferne die einzigen Frachtschiffe auf dem Kurs.

Mit dem neuen Tag ging der Wind auf 12 bis 16 Knoten zurück, zu wenig um auf dem vorlichen Kurs mehr als 4 Knoten zu fahren. Wir hätten die Fock ausbaumen müssen, dazu hatten wir keine Lust, außerdem brauchte die Batterie mehr Power, als der Silentwind des nachts geliefert hatte – auch ein Problem bei wenig Wind und vorlichem Kurs. Wir hatten keine Lust auf eine weitere Nacht auf See, nicht weil die nicht einfach zu schaffen gewesen wäre, sondern weil wir dann nachts in A Coruna angekommen wären. Dank der Berichte im Internet hatte Tomy eine Heidenangst vor schlecht gegenzeichneten Fischernetzen vor A Coruna – wir wollten im Hellen ankommen. Also übernahm der Dieselwind die Arbeit für 6 Stunden, dann kam der Wind vor A Coruna! Mit Wind von der Seite, 22 bis 27 Knoten, konnten wir drei Stunden lang schön per Hand aufs Land zu rauschen, vorbei an Fischerbooten und  – nee da war praktisch nichts. Erst in der Bucht drinnen lag ein wenig „Fischerscheiß“. (Liebe Fischer, ihr geht auch nur eurer Arbeit nach, vergebt mir also bitte diesen Ausdruck – aus Seglersicht ist er kurz und prägnant, zur schnellen Warnung geignet!)

Um 21:30, nach 60 Stunden waren wir da, kündigten uns per Funk an, der Marinero half beim Anlegen. Übrigens waren immer noch gut angezogen, trotz drei Tage Sonnenschein! Erst im Hafen wurde uns die milde südliche Luft bewusst und mit ihr: Wir sind da, wo wir hinwollten. Nicht nur örtlich…

Ein paar Stunden später, geduscht, mit Internet versorgt, essen wir die restliche Quiche, stoßen mit Sekt auf die Überfahrt an und lesen die Glückwünsche zu Tomys Geburtstag: Danke, liebe Freunde und Familie, eure Liebe und Anteilnahme, hat uns sicher übers Meer getragen!

* Kölsch für schauen

Tomy feiert Geburtstag

Tomy feiert Geburtstag

Now you may hope for a good translation, but honestly it is too much work for me at the moment. So either use the translator and be prepared for some extra information, or read the short version:

We had a good trip! All went very well! The first day we had wind between 20 and 30 knots, made good speed. Waves and state of sea varied, but all was fine, with 1 to 3 meter waves. Our ship loves to play with the waves, to surf on them. The second day we had less wind, still okay speed.  Dolphins dropped by from time to time to play with the boat. The nights were fine, we had no fixed plan, but rather slept till the other one asked for change. It was perfect for us. Racing in the moonlight or in pitch dark night was great. We both had a hint of funny feeling in our stomachs, but were generally okay. The second day we had less wind, but still fine. The third day we went by engine for about 6 hours as we did not want to arrive at night. Before Coruna the wind increased again and we could sail into A Coruna, this time not with wind pilot, but steering ourselves. We arrived at 9:30 pm, 60 hours after we have left, normally tired, but kind of empty.

Now, after a good shower, we finally have champagne on our trip and Tomy’s 60 th birthday. Thank you all for your wishes and company in mind: I feel, your love and friendship carried us over the sea!

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