Atlantic Crossing Tag 1 bis 3

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Tag 1
Puenktlich um 11:04 stehen wir an der Startlinie zur MAR – der Mini Atlantik Ralley, ausgerufen von der Robusta und von Anja auch grosskotzig kommentiert: „Wer zu spaet an den Start kommt, zahlt eine Runde Caipirinha!“ Tomy behauptet sogar, sie sprach vom Abendessen…

Abschied von Mindelo (Foto: Olaf Barthels)

Abschied von Mindelo (Foto: Olaf Barthels)

Zugegeben wir hatten Glueck: Die Tankstelle an der Marina schaltete hinter uns die Pumpe aus, wegen Reparatur. Wie warten dort noch ein wenig, bis wir sehen, dass die Sailor Moon ablegt, dann machen wir los: vollgetankt und mit gerefftem Grosssegel. Die „Ralleyleitung“ rund um Milan macht Fotos vom Dinghi aus und wuenscht noch mal Gute Fahrt.

Recht schnell sind wir draussen im Kanal zwischen Santo Antao und Sao Vicente, etwas hinter uns die Sailor Moon. Doch schon wenige Minuten spaeter koennen wir sie nicht mehr ausmachen. Hinter Sao Vicente schauen wir noch mal zurueck, sehen die roten Segel der Cariad und erfahren ueber Funk, dass die Sailor Moon kurz dahinter ist. Dann sind wir allein.

Und die Robusta? Die zahlt den Caipi! Anja und Thomas waren um elf alles andere als startklar, dass die den Start verpassen stand schon morgens fest. Erst etwa fünf, sechs Stunden spaeter konnten sie los: Sie hatten weder in der Marina noch im Fischereihafen Diesel bekommen.

Bis zum spaeten Nachmittag haben wir Funkkontakt per UKW mit Tom auf der Cariad und Mischa auf der Sailor Moon. Es tut unheimlich gut, ihre Stimmen zu hören. Abends erreiche ich keinen mehr: Wir rauschen mit 6 Knoten Richtung 190 Grad nach Sueden, und sind damit recht schnell. Leider wird das so nicht bleiben: Der Kalmenguertel soll 600 Meilen breit sein – da bringt uns auch der Motor nicht durch!

Barbara, leg mal ein gutes Wort bei Iansa für uns ein!

Wir haben anfangs ein wenig Schwierigkeiten, das Ruder festzustellen: Festdrehen haelt diesmal nicht, die seitlichen Wellen schlagen es los. Die von Peter Foerthmann vorgeschlagene Loesung, das Ruder mit einem Holzklotz festzuklemmen funktioniert schon gar nicht: Unsere Steuersaeule ist rund, da klemmt nichts! Also spinnen wir ein Netz: Links und rechts eine Leine, jeweils festgezurrt an einer Curryklemme. Haelt!

Nachts verkrieche ich mich wieder in meine Zwiebelschalen, um die Nieren sind es sieben. Doch diese Nacht keimt Hoffnung auf: Ich brauche keine Handschuhe, meine Haende bleiben auch so warm!

Heute Morgen gelingt es Tomy mit Thomas auf der Robusta ueber Kurzwelle Kontakt aufzunehmen, daher wissen wir auch, dass sie nicht tanken konnten. Mischa, Anja und ich quatschen derweil auf UKW: Die beiden sind etwa 25 Meilen hinter uns. Und Tom? Von dem haben weder wir noch die anderen etwas gehoert oder gesehen. Na, vielleicht hat er unsere Anrufe immer verschlafen und ist bei der naechsten Runde dabei.

Tag 2

Heute Morgen finden wir den ersten Fliegenden Fisch an Bord. Tot. Fischetot. Und noch einen. Und noch einen. Ich dachte schon, die machen einen Bogen um uns!

Der erste fliegende Fliegende Fisch verwirrte mein Denkorgan voellig. Waehrend der Ansteuerung von Mindelo kreuzte etwas unseren Weg. Es dauerte eine Weile bis mein nach 8 Tagen auf See leeres Hirn aus ‚Schlaegt die Flügel wie ein Kolibri + hat einen langen Koerper + taucht ins Wasser = Fliegender Fisch‘ errechnete. Na und spaetestens seitdem erwarte ich sie auch an Bord.

Gustav und die Fliegenden Fische

Gustav und die Fliegenden Fische

Erstaunlich viele Voegel treffen wir hier draußen an. Immer wieder kreist ein einsamer Wasservogel um uns herum. Dreimal tauchte bisher weit entfernt ein Schiff auf dem AIS auf. Aus dem Aether auf Kanal 16 toent schon mal sie Stimme einer „Station“, meist kurz English, dann unverstaendlich. Ist es ein Hafen in Festlandafrika, oder Praia auf den Kap Verden?

Ah, Dakar! Und es soll franzoesisch sein! Konnt ich noch nie gut!

Morgens und abends funken wir per SSB mit Anja von der Robusta: Wo Tom geblieben ist, wissen sie auch nicht, nur, dass Joris seekrank ist. Auch Jaqueline scheint es ziemlich erwischt zu haben, doch seit heute Morgen geht es ihr besser. Die Sailor Moon hat Amateurfunk, mit der keonnten wir nur per UKW funken, doch Mischa koennen wir nicht hoeren, er war heute Morgen etwa 28 Meilen hinter uns, die Robusta nur 25. Anja vermittelte. Mit wenig Wind, der auch noch dreht und eher aus Norden kommt, kaempfen wir alle.
So war unser erstes Etmal 133 Seemeilen, das heutige nur mehr 104. Im Moment geht es gerade wieder ganz gut, auch wenn wir den angestrebten Kurs von 190 nicht ganz halten können – 185 geht.

Tag 3

Reifer Marillen-rot-orange-gelber Sonnenaufgang.

Nein, nicht aprikosenfarben.

Aprikosen, das sind jene gruen-blassgelblichen kleinen runden, geschmacksneutralen Dinger, die der Marillenbaumlose Mensch auf Maerkten und in Supermaerkten kaufen kann.

Marillen, das sind jene koestlich aromatischen Fruechte die im Garten meiner Kindheit wachsen. Reif sind sie an der sonnenzugewandt gewachsenen Seite rot, dunkelrot. So wie die Sonne, von dem Moment an, von dem an sie aus dem Meer emporsteigt. Drehst du die etwas, oder beisst du hinein, ist die Marille von einer unvergleichlich rosa-orangen Farbe – so wie die Sonne nach ein paar Minuten. Sie, die Sonne, taucht jetzt die kleinen Woelkchen am Himmel in dieses zauberhafte Licht. Nicht lange waehrt diese magische Stimmung, dann drehst du die Marille zur sonnenabgewandten Seite – dort ist sie eher blassgelb, so wie die Sonne wenn sie ein wenig ueber dem Horizont steht und ihre Kraft zu entfalten beginnt. Bald schon wird sie gleissend weiss – und der Geschmack der reifen Marillen ist nur Erinnerung!

Nicht jeden Tag geht die Sonne so auf, aber Dienstag reichte, um mich immer wieder kurz vor Sonnenaufgang aufstehen zu lassen – es koennt ja sein!

Wir richten uns nach UTC, früher Greenwich Meantime genannt, um Logbuch zu fuehren oder uns mit der Robusta zum Funken zu verabreden. Doch im Tagesablauf richten wir uns nach der Sonne – wer weiss schon wie spaet es hier ist? Nach Sonnenuntergang geht Tomy schlafen, ich schaue auf die Uhr und wecke ihn etwa fuenf Stunden spaeter fuer seine Wache. Die geht dann bis zum Sonnenaufgang. Den Rest des Tages verschlafen wir beide ;-)

Eigentlich schlaeft immer einer. Zu tun gibt es ja nicht viel. Mal ein Rundumblick, mal den Kurs etwas korrigieren, Zaehne putzen, Essen, Naschen, Grib-Files, also Wetter deuten, funken und ein paar Emails schreiben. Oder einen Bericht, den ich dann auch per Email und Funk poste.

Der Wind soll in den naechsten Tagen auf unserem geplanten Kurs noch weniger werden. Da wir diesen Kurs eh nicht ganz halten konnten und weiter oestlich sind, beschlossen wir heute Frueh eine groessere Korrektur vorzunehmen: Wir fuhren eine Wende und fahren jetzt etwa 230 Grad, um in den naechsten Tagen in etwas besseren Wind zu kommen. Ob diese Ueberlegung aufgehen wird? Heute Abend drehen wir erst mal wieder zurueck auf den alten Kurs, morgen sehen wir weiter.

Die Robusta konnte den Kurs noch schlechter halten, sie sind noch oestlicher, und wollten auch abdrehen. Sie sind etwa 40 Meilen von uns entfernt. Joris kocht wieder, und Tom macht sich Gedanken, wegen des nachlassenden Windes. Mischa und Jaqueline geht es ganz gut, je nach Wellen. Die waren heute ab Mitternacht weit und ruhig, aber doch auch hoch. Im Moment ist es wieder etwas unruhiger.
So, dann werde ich jetzt weiter von Marillen traeumen! Oder Erdaepfeln fuers Abendessen kochen.

2 Kommentare

  1. Hi!

    Wenn Euch in Zukunft nicht mehr nach „Netz“ ist zum Feststellen des Ruders:
    Unsere Steuersäule ist auch rund, wir haben trotzdem einen in allen Seebedingungen haltenden Klemmklotz.
    Wir haben einfach die Rundung mit einem Stechbeitel aus dem vollen Klotz ausgestochen, geglättet und gegen Rutschen mit Leder bezogen. Hält seit 10 Jahren.

    Gruß aus Malaysia und viel Spaß in Brasilien. War ne sxhöne Zeit…
    Andrea

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