2. Juni 2014
von Steffi
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Los geht’s

Los geht’s!

Wir sind nicht wirklich vorbereitet. Die Routenplanung bis Ijmuiden stammt vom letzten Jahr, gut das ist in Ordnung. Darüber hinaus gibt es nichts: Keine Route, das Berechnen der Gezeiten haben wir mal gemacht…, mit Sailmail oder OpenCPN hab ich zuletzt im April gearbeitet, auch den Plotter* haben wir noch nie richtig ausprobiert.

Und so kommt es, dass wir zwar zweieinhalb elektronische und eine Seekarte auf Papier haben, auch drei GPS, nur nicht beides zusammen.  Am Computer ist eine schöne Karte, doch die GPS Maus zeigt nichts an, der Plotter mit der CMap findet keine Position. Am iPhone habe ich eine Position, aber dafür nur eine behelfsmäßige  Karte. Also ausgestattet sind wir doppelt und dreifach …

Doch unsere Position lässt sich auf keiner der elektronischen Karten darstellen.

Also erfinden wir die AIS Navigation (AIS ist das Kollisisonswarnsystem, mit dem ihr uns auf www.marinetraffic.com verfolgen könnt): Die Schiffe um uns herum werden sehr wohl auf dem Plotter dargestellt. Da ist zum Beispiel die MSC Magnifica, ein großes Kreuzfahrtschiff, das uns durch den Nordzeekanal begleitet. Mit ihrer Hilfe wissen wir auch, wo wir sind.

Kurz vor Ijmuiden hat Tomy dann den Geistesblitz: Rob, der Elektronik Experte, muss einen Port am Plotter verstellt haben – GPS von Auto auf NMEA geändert und  – voila – Yemanja erscheint auf dem Bildschirm, unser Track wird aufgezeichnet!

Der Rest ist dann ein Kinderspiel, Schleuse anfunken, schleusen, in die Marina, sich ein bisschen doof anstellen beim Anlegen,  anmelden im Hafenbüro, über die Dünen an den Strand, Sundowner Bierchen, zurück auf’s Boot und Käsekrainer kochen!

 

So, und jetzt sind wir in Scheveningen und planen unser weiteres Vorgehen: Morgen wollen wir früh los, weil es bis Oostende rund 80 sm sind, also bis zu 16 Stunden unter Motor. Wind ist nämlich keiner!

 

*Für die Landratten: Plotter sind praktisch spezielle Computer, auf denen alles dargestellt wird, was die Seefahrer so brauchen.

Katwoude

30. Mai 2014
von Steffi
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Abfahrt aus Deutschland

Mit der Abfahrt aus Deutschland verstummt das Gedankengewirr um die Dinge, die ich noch erledigen oder unseren Töchtern sagen und zeigen will. Da ist nur noch Leere, so als wäre alles aus meinem Kopf gefallen.

Bei Tomy fällt die Krone. Nein, nicht die vom Kopf, auch nicht die von dem Zahn, den der Zahnarzt unbedingt noch ziehen wollte, nein, die oben drüber fällt ihm beim Kaugummikauen aus dem Mund. Wir sitzen im vollgepackten Auto auf dem Weg nach Holland.  Am Sonntag soll es losgehen.

Es fängt gut an.

Den Tag verbringen wir mit dem Verstauen des „Zeugs“. Melisa, unsere jüngste Tochter, kam vor ein paar Tagen von einer dreimonatigen Reise durch Südostasien zurück und wundert sich über die Unmenge Klamotten, die ich mithabe.

„Mama, weiß du eigentlich, wie wenig man braucht?“

Weiß ich. Nur nicht was davon.

Am Nachmittag kommen auch die andern beiden Töchter, samt Familie. Lian, unser Engelskind, fühlt sich wohl an Bord, macht Klimmzüge, damit er sehen kann, welche aufregenden Dinge auf dem Tisch liegen. Thomas, unser Schwiegersohn, klemmt  nochmal die bordeigene WLan Antenne an, diesmal funktioniert alles.

Am frühen Abend fahren die Kinder dann in ihr Ferienhaus.

Und dann füllt sich die Leere in meinem Kopf.

Mit Tränen.

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When leaving Germany my busy mind stops thinking. No more worries about all the things I need and want to do, or tell or show the kids. Suddenly my mind is empty. All thoughts have fallen out of my head.

Tomy’s crown falls as well. Not the one from his head, not the one the dentist wanted to change, no,  the one above it falls off his mouth while chewing gum. We are n the car on our way to the boat.

Definitely a good start!

We spend the day putting our stuff away. Melisa, our youngest daughter, who just came back home from travelling South East Asia for three month, wonders about the amount of clothes I brought.

„Mum, do you know how little you will need?“

Yes, I do. But not what.

Later the other two girls with family arrive. Lian, our grandchild happily explores the boat. Thomas, his father finally manages to install the WLan system.

Early evening they leave for their holiday home.

And now my head fills up again.

With tears.

27. Mai 2014
von Steffi
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Vache qui pisse

Es regnet. In England würde man sagen, es regnet Katzen und Hunde, in Frankreich: „Il pleut comme vache qui pisse.“ Im Moment tendieren wir ja dazu, auf der französischen Seite des Ärmelkanals Richtung  Biskaya zu segeln. Trotzdem sage ich: „Salzburger Schnürlregen“. Der Regen fällt in langen, geraden Schnüren vom Himmel. Es ist die Art Regen, die ein paar Tage bleibt.

Dabei  wollte ich Vincent doch heute noch ein paar Arbeiten zeigen, die er in meiner Abwesenheit im Garten erledigen kann. Vincent wurde mir letzte Woche, als ich schwer bezweifelte, alles vor unserer Abfahrt fertig zu bekommen, vom Himmel geschickt. Es kam die Treppe vom Nachbarhaus runter, stand plötzlich neben mir und fragte, ob er mir helfen könnte. Ja, und ob: Rasenkanten abstechen,  Unkraut  am Zaun entfernen, rundherum kehren, die Erdbeeren vom Unkraut befreien, im Herbst Blätter fegen, Verblühtes abschneiden. Genau das wollte ich ihm heute und morgen noch zeigen, denn Vincent sucht erst noch eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner und ist sehr wissbegierig.

Und jetzt schüttet es aus Kübeln und Eimern, wie pissende Kühe.

Im Keller kämpfen Trockner und Ventilator Seite an Seite gegen die Feuchtigkeit und ihren muffigen Geruch in Jeans und T-shirts.

Tomy ist in Holland, er bringt eine vorletzte Fuhre Zeugs auf Schiff: Medikamente, Bulgur in Flaschen, Klamotten, Bettwäsche, Handtücher, Vorratsdosen, Druckkochtopf, Nadeln und Garn, H-Milch, noch ein paar Bücher – das Auto ist wieder voll. Und das wird es auch am Donnerstag sein, wenn wir mit den letzten gepackten Säcken endgültig aufs Boot ziehen. Unsere Kinder werden mitkommen um uns zu verabschieden. Davor graut mir so ein bisschen.

Sehr.

Ob ich fertig werde? Die To-do Liste wird doch tatsächlich kürzer.  Vor allem weil ich ein paar Aufgaben einfach streiche. Möglicherweise auch, Vincent im strömenden Regen das fachgerechte Abschneiden von Verblühtem zu zeigen.

4. Mai 2014
von Steffi
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PET-Flaschen, Gastlandflaggen und Impfungen

Steffi füllt Vorräte in PET-Flaschen

Steffi füllt Vorräte in PET-Flaschen

Wir füllen Vollkornmehl, Bulgur und Flohsamenschalen in leere PET-Flaschen, die sind leicht, wasserfest, billig und haltbar. Ungeziefer beißt sich daran die Zähne aus.Wir werfen fragende Blicke in alle Schaps und Backskisten – wieviel wovon könnte da reinpassen? Ich nähe Leesegel und Haltegurte für Kombüse, Navi Ecke und Rettungsinsel. Die Steuer ist bereit für den Steuerberater, die Ablage erledigt – darauf muss ich noch ein Glas Sekt trinken. Tomy lädt unsere Lieblingsmusik auf iTunes und iPod, Dokumente werden gescannt, in Dropbox geladen, auf einem Memory Stick gesichert. Crewliste, Flaggenzertifikat, Versicherungsnachweis werden schon mal 30  mal kopiert, die Auslaufcheckliste und die Vorlagen fürs Logbuch noch öfter. Wir lassen uns gegen diverse exotische Krankheiten impfen, denn es soll ja auch schon mal das Landesinnere erkundet werden. Der Besuch beim Zahnarzt, Hautarzt und Tauchmediziner steht noch aus. Gibt es eine bezahlbare Krankenversicherung für lange Auslandsaufenthalte?

Ich drucke exotische Flaggen aus, Tomy laminiert sie ein – als Gastlandflaggen für ein paar oder auch nur für die ersten Tage reicht das allemal. Ich studiere Internetforen und Erfahrungsberichte. Und Einreisebestimmungen. Und Visaanträge. Fotos müssen wir noch machen lassen. Um ein Visum für Senegal zu bekommen müssen wir nach Berlin. Kriegen wir das noch hin? Wollen wir in den Senegal? Ich will nach Gambia, die Ankunft ist von Dakar aus leichter zu timen als von den Kanaren oder den Kap Verden. Ja, ja erst mal nur über die Biskaya, und dann spontan mit dem Wind, aber ein bisschen Planung ist schon hilfreich. Aber vielleicht denken nur deutsche Landratten so?

Was fehlt noch?

Ich glaub, unsere Listen werden nicht kürzer, sie werden länger.

Dafür wird das Geld immer weniger…

Tessa, der Beste aller Hunde, hat noch kein Heim im Juni, auch das darüberhinaus ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, Freundinnen will ich treffen, mich verabschieden, einen Quilt fertig nähen und Melle, unserer Tochter, das Nähen auf der Overlockmaschine erklären, die Blumen umtopfen und verteilen. Meine Nächte werden kürzer…

Werden wir es schaffen?

Bis Ende Mai?

Update 13.5.2014: Tessa wir ihren Lebensabend bei unserer Tochter und ihrem Partner verbringen. Mir fällt ein Stein vom Herzen!

27. April 2014
von Steffi
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Wohin soll’s gehen?

Wie lange seid ihr weg? Was habt ihr vor? Wohin segelt ihr zuerst? Wann kommt ihr wieder? Habt ihr einen Plan? Welche Route segelt ihr?

Meine Freunde zu Hause in Österreich, auch meine Familie, bombardierten mich in der vergangenen Woche mit Fragen. Doch auf die meisten habe ich keine Antworten! Keine genauen, jedenfalls.

Haben wir einen Plan? Ja! Auf keinen Fall noch ein Jahr im IJsselmer herumdümpeln. Also ich liebe Holland, die kleinen verspielten Orte hier rundherum.  Ich finde auch immer wieder Neues, das mich entzückt. Nur reicht mir das nicht.

Der Plan ist also, Ende Mai von unserem Hafen De Zeilhoek in Katwoude an Amsterdam vorbei durch den Nordzeekanal nach IJmuiden zu fahren.

Danach gibt es keinen Plan mehr, nur mehr Träume.

Sicher, wir wollen über die Biskaya und das bis Mitte August, weil danach das Wetter zu schlecht dafür wird.  Ob wir aber von Falmouth in England oder Brest in Frankreich lossegeln – keine Ahnung! Steuern wir vorher Dover an oder die Kanalinseln? Wer weiß, das entscheidet der Wind, der Wind, das himmlische Kind!

Wie sagt unser Stegnachbar?

„In IJmuiden halt ich den nassen Finger in den Wind, je nachdem wo der herkommt, segeln wir dahin oder dorthin…“

Jedenfalls sind wir, wenn alles gut geht, irgendwann im Sommer in Nordspanien und Portugal. Dort, nach unserer ersten Hochseeerfahrung und den Situationen zu Hause (Wir haben alte Mütter und junge Töchter, die von Familie träumen), entscheiden wir: Geht es vor Gibraltar nach links ins Mittelmeer oder nach rechts nach Madeira? Oder doch erst gegenüber Marokko? Die Kanaren interessieren uns etwas weniger, wir wollen lieber auf die Kap Verden und nach Gambia.

Irgendwann dazwischen werde ich sicher meine Töchter, mein Engelskind und meine Mutter besuchen. Mit Tomy? Das hängt von der Situation vor Ort ab. Wann? Wie lange? Das kann ich jetzt nicht wissen, kommt eben drauf an!

Von den Kap Verden oder Gambia aus geht es über den Atlantik. Das muss im Dezember oder Januar sein – wieder wegen dem Wind und dem Wetter. Also diesen Winter. Oder nächsten. Und ob wir dann in der Karibik landen, oder in Brasilien? Beides reizt und schließt einander so gut wie aus. In der Karibik jedenfalls kann man nur bis Juni bleiben, dann beginnt die Hurrikansaison. Will man durch den Panamakanal und in den Pazifik, dann muss das bis Ende März sein, denn sonst hat man zu wenig Zeit, die Südsee zu erkunden. Denn auch dort gibt es Wirbelstürme.

Ja, das heißt wir wollen in die Südsee. Und vorher so ziemlich überall hin, wo es schön ist: Kuba, St. Blas Inseln, Kolumbien, Guatemala, Trinidad Tobago, Venezuela, Brasilien Argentinien… Alles geht vermutlich nicht!

Doch wir müssen nichts und können alles. Uns Zeit lassen. Die Familie besuchen. Pause machen. Abbrechen. Wieder lossegeln. Und insgeheim von vielen Zielen träumen! Ultimative Freiheit!

Aber erst mal über die Biskaya!

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Last week I got many questions about our plans, the route, the first leg… Well, I don’t know! Not exactly anyway!

So the plan is, not to stay another year at the IJsselmer. As much as I love the small and cute little villages around it, I am longing for more. So end of May we will sail past Amsterdam through the North Sea Canal to IJmuiden.

Then there is no more plan. Yes, we want to cross Biscay until mid August the latest, as it becomes rather stormy later in the year. Will we start from England? From France? Will we visit Dover first or the channel islands? Who knows except the wind?

Our neighbour in the marina says „In IJmuiden I stick my wet finger in the air, depending on the wind we sail here or there…“

Anyway, if all goes well, we will be in North Spain and Portugal sometime this summer. On the height of Gibraltar we will decide on our next port: Will it be to the left in the Mediterranean Sea or to the right on Madeira, or maybe straight on in Morocco? This is depending on the situation at home – both our mothers are old and our three daughters are young, with dreams of a family.

We are less interested on the Canaries, but we would like to go to Cape Verde and The Gambia. Sometime in December or January we may cross the Atlantic. Will it be this winter, or next? Will we go ashore in Brazil or in the Caribbean? Both destinations are tempting, but sort of contratictionary. To have lots of time for exploring the South Seas we need to pass Panama Canal end of March. All this is due to the wind – trade winds, hurricanes and typhoons.

Yes we want to go to the South Seas. And yes we dream of many ports: Cuba, St. Blas, Columbia, Guatemala, Trinidad Tobago, Venezuela, Brazil, Argentina…

But we do not have to go anywhere, do anything. We can do what pleases us. We can go where ever we want. We can take a break. Go home for a while. Stop it all. Start again. Ultimate freedom.

But first we need to cross Biscay!