18. April 2014
von Steffi
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Sechster Seglerhimmel

Tomy ist im sechsten Seglerhimmel: Endlich kann er all die Ausrüstung montieren, die sich seit Wochen im Keller stapelt, und das Schiff für die lange Fahrt über die Ozeane vorbereiten. Es wird gestrichen und geschrubbt, gebohrt und geschraubt, gesäubert und geölt, ausgebaut, ausgetauscht und befestigt – je nach Situation könnte das auch die Vorhölle sein. Yemanja ist ganz schön dickhäutig, für manche Löcher braucht er fast eine Stunde! Die eine oder andere Stelle ganz hinten unter dem Motor ist nur mit Affenarmen und unter akrobatischen Verrenkungen zu erreichen. Gut, dass die Experten bei Yachservice Visser in Monnickendam ihn professionell unterstützen. So lernt er nicht nur den Motor kennen, sondern auch noch ein paar Tipps und Tricks.

Nach den arbeitsintensiven Tagen auf dem Trockenen, schnurrt der Motor wieder, Yemanja ist neu geschminkt, das automatische Windsteuersystem von Windpilot wartet auf ihren Einsatz. Dank Rob von Robienautical, dem Experten für die Elektronik funktioniert jetzt auch das AIS so wie es soll: Wir können andere Segler anfunken und können auf Marinetraffic gefunden werden!

Tomy is  happy: Finally he can install all that gear that filled up our basement and prepare the ship for the long journey. He paints and scrubs, drills and screws, cleans and oils, dismounts, attaches and exchanges. Yemanja has got a thick skin. For some drills he needs  almost one hour. You also need to have long arms and be rather flexible to reach some areas beneath the engine. Luckily he has got the professional support from  Yachtservice Visser in Monnnickendam  at his side. This way he gets to know the engine and learns some tips and tricks.

After work intensive days on dry dock the engine is running smoothly again, Yemanja has got new make-up and the windpilot steering gear is ready to go. Thanks to Rob from Robienautical , the expert for the electronics the AIS system is now working correctly: We can now radio directly to other ships and can be found on marinetraffic.com.

12. April 2014
von Steffi
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Was Funkemariechen mit Sailmail und blauen Flecken zu tun haben

Funkemariechen? Das sind im Kölner Karneval die Mädchen mit den kurzen Röcken, die sich von den Tanzoffizieren  durch die Luft wirbeln lassen. Blaue Flecken haben die bestimmt viele!

Bei uns an Bord wirbelten vergangene Woche unbekannte Begriffe, meine grauen Zellen und echte Funkwellen durcheinander: Michael Wnuk von Lunatronic installierte ein Kurzwellenfunkgerät, Antennentuner und Pactor Modem an Bord. Damit bin ich zwar auf hoher See nicht online, kann aber per Funk via Sailmail Emails schreiben und empfangen. Wie man das installiert, einrichtet und benutzt, wie ich außerdem Wetterberichte abrufen und einen Positionsreport senden kann, brachte er mir auch mit viel Geduld bei. Auch das Funkgerät erklärte er uns ganz genau.

So nebenbei bekamen wir auch noch jede Menge wertvolle Tipps für unsere große Fahrt: Micha, Natalie Müller und ihre beiden kleinen Töchter Maya und Lena segelten schon einmal um die Welt. Wobei – die Mädchen waren nicht von Anfang an dabei. Von ihrer ersten Reise erzählen die beiden in einem unserer Lieblingssegelbücher „Meer als ein Traum“. Ihr letztes Abenteuer führte sie um Kap Horn, zu einem neuem Schiff, der Marlin, und nach Kuba. Lesen könnt ihr das hier – und bald auch in einem neuem Buch.

Tomy schraubte derweil den Tuner kopfüber in der Backskiste hängend fest – ohne Schrammen oder eben Blutergüssen geht das nicht. Und damit wären wir wieder bei den Funkemariechen ;-)

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14. März 2014
von Steffi
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Lange Listen und kalte Füße

„Noch 72 Tage? Hast du nicht schon kalte Füße?“

Nein – heiße!

Das kommt vom Mit-den-Füßen-scharren. Oder auch vom aufgeschreckt hin- und herlaufen, und nicht weiterkommen.

In all den Büchern von Weltumseglern steht, wie lange sie sich vorbereitet haben. Da lese ich von Einkaufs-, Pack- und Proviantlisten, vom Werken und Schleifen und Streichen, vom Planen der Routen und und und – und ich bekomme langsam Panik.

Es gibt noch sooo viel, das ich vorher noch tun möchte: mich mit Lians Lachen volltanken, Haus und Garten entrümpeln und ordentlich übergeben, zwei Quilts nähen, meine Kinder genießen, Mutter besuchen, Freundin in Venedig treffen…

Und noch viel mehr, das getan werden muss. Ich habe wirklich keine Ahnung, ob und wie ich das alles hinbekommen werde. Meine Einkaufs- und To-do Listen werden immer länger. Immerhin: Die Dokumente sind kopiert und gescannt  und in der Dropbox, alle großen (und teuren!) Ausrüstungsteile sind bestellt und geliefert, ebenso Seekarten und Handbücher. Im Keller und in der Garage stapeln sich die Kartons mit großen und kleinen Dingen, die aufs Schiff müssen. Kontovollmachten sind erteilt…

Paket aus England

Paket aus England

Der Windgenerator ist installiert, ein Termin in der Weft für weitere Arbeiten ist vereinbart. Unsere Göttin ist nicht mehr ganz so grün wie vor ein paar Tagen. Tomy hat gut geschrubbt!

Heute geht’s nach Holland – es gibt viel zu tun!

24. November 2013
von Steffi
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Istanbul Highlights

Hier sind unsere persönlichen Highlights von Istanbul:

1. Das atemberaubende Panorama von Istanbul von der Terrasse von 360Grad, tagsüber wie abends, das leckere Essen dort – mit frisch gezapften Bier.
Awesome view from the rooftop at 360 Grad Istanbul Restaurant, good food, cold beer!

Aussicht vom Restaurant und Bar 360 Grad in der Istiklal Caddesi

Aussicht vom Restaurant und Bar 360 Grad in der Istiklal Caddesi

2. Die Aussicht vom Cafe Sultan neben der Süleymaniye Moschee in der Fetva Yks ist auch nicht zu verachten, leider nur mit Tee zu genießen.
The view from the rooftop at Cafe sultan in Fetva Yks isn’t bad either – but no beer!

Bosporus von der Terrasse des Cafe Sultan

3. Der frisch gepresste Granatapfelsaft, für sage und schreibe eine Lira (vor den Sehenswürdigkeiten kostet er 5 Lira)
Freshly made juice for 1 Lira (or 5 if close to sights)

Frisch gepresster Saft

Frisch gepresster Saft

4. Die Fliesen, Mosaike, Malereien und Fresken, der Gegensatz zwischen ihrer üppigen Vielfalt und der Schlichtheit der Moscheen und dem Topkapi Palast, seltamerweise obwohl das eine ja in dem anderen ist.
Just watch:

[slickr-flickr tag=“topkapi“ items=“45″ type=“slideshow“ orientation=“landscape“ id=“11175583@N04″ size=“medium“]

5. Das gütige Lächeln in den Augen der alten Männer, die schönen, selbstbewussten Frauen, die Freundlichkeit aller. Fotos habe ich, aber leider habe ich nicht danach gefragt, ob ich sie veröffentlichen darf.
Great people: smiling old man, proud ans beautiful women – no pictures due to privacy reasons.

6. Das Gewusel in den alten Einkaufstraßen von Eminönü, wo sich nach acht Uhr Hund und Katz Gute Nacht sagen, und man außer zwei Tee trinkenden alten Männern keiner Menschenseele mehr begegnet.
Shopping in Eminönü, which is completly deserted after 8pm.

Eminönü

Eminönü

7. Der Fischmarkt in Kumkapi.
Fish market in Kumkapi (picture taken in Kadaköy)

Frische Fische, allerdings in Kadaköy

Frische Fische, allerdings in Kadaköy

8. Köstlicher Döner auf die Hand und  Baklava zum Chai, Nüsse und Trockenfrüchte
Delicious food and treats!

Turkish Delight

Turkish Delight

9. Fähre über den Bosporus, Essen in Kadiköy
Ferry to Kadaköy and restaurants there

Von der Fähre nach Kadaköy

Von der Fähre nach Kadaköy

10. Der unglaubliche Verkehr und vor allem diese Säcke, die ständig hin- und hergetragen, geschoben, gefahren werden!
Amazing traffic!

"Schlepper"

„Schlepper“

11. Die mit Waren überfüllten Geschäfte in Eminönü # der alte Bazar # die moderne Istiklal Caddesi mit den Bazaren der Neuzeit
Packed shops in eminönü # Old Bazaar # „new bazaar“ – shopping center on Istiklal Caddesi

12. Weihnachtsbeleuchtung
Christmas!

Vor Weihnachten in Istanbul

Vor Weihnachten in Istanbul

13. Eine Sprache, sie selbst für deutsche Verhältnisse viele Punkte auf den Buchstaben hat:
Lots of little dots…

ÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜ

Viel Spaß!
Steffi

Mehr Tipps für die Türkei und Istanbul findet ihr unter der Blogparade von tuerkische-riviera-urlaub.de

12. November 2013
von Steffi
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Istanbul

Der Novemberhimmel über Istanbul ist blau – strahlend blau! Wie schön eine Stadt doch ist, wenn sich das Laub der Bäume in warmen rot-orange-braun und die Türme und Kuppeln der Gebäude vor einem kühlen blauen Himmel verneigen! Und da ist dann noch das Meer – Wasser fügt immer einen besonderen Charme hinzu!

Doch nein, wir haben nicht das Wunder vollbracht innerhalb weniger Tage nach Istanbul zu segeln – wir nahmen das Flugzeug. Sicher steht die Türkei auch auf unserer Törn-Wunschliste, doch erst in ferner Zukunft…

Das erste, das mir in Istanbul auffällt, sind die Ähnlichkeiten mit Salvador: Der Baustil, der Verkehr, die Hügel, die mit Waren überfüllten Geschäfte in der Altstadt, die Saft-, Brezel- und Nüsseverkäufer, die Elektro-Installationen, die vielen Menschen – und ein den Alltag durchziehender Glaube.

Kabelsalat in istanbul

Kabelsalat in Istanbul

Gleichzeitig bin ich entsetzt: Bin ich schon so abgebrüht, so weitgereist, dass mir der Blick fürs Wunderbare, Kuriose, Fremde, Verwirrende, Andere, Eigene, Skurrile – für die bunte Vielfalt dieser Welt – fehlt und ich Eindrücke nur mehr in Schubladen sortiere? Ist mir das Staunen abhanden gekommen? Sicher, es ist eine nützliche Eigenschaft des Gehirns, dass es Ähnliches zusammen strukturiert, aber hindert es mich nicht daran, das Besondere dieser Stadt wahr zu nehmen?

Philipp, der Freund meiner Tochter, ist am Abend platt vom Gehupe und Gedränge und den plötzlichen Abgründen in den Gehwegen, den Treppen, die zu Geschäften im Keller führen. Wieder fällt mir auf, wie sehr vertraut mir das ist, wie sicher ich mich darin bewegen kann! Gerade diese Erkenntnis, diese Sicherheit, öffnet meine Augen und mein Herz:

Ich genieße den Ruf des Muezzins, der übers Meer und durch die Stadt schallt, mich beruhigt und tröstet er, er erfüllt seinen Zweck: Innehalten, mich daran erinnern, wer ich wirklich bin. Auch Glocken tun das. Sie läuten übrigens sehr wohl auch in Istanbul, zwar leise und verhalten vom Band, doch sie tun es!

Ich sehe mir die Frauen an: Mir fällt die in meinen Augen große Anzahl der Frauen mit Kopftuch unangenehm auf, Philipp ist erstaunt, dass es so wenige sind…

Jedenfalls sind es im Gassengewirr von Eminönü und rund um die Sehenswürdigkeiten deutlich mehr als auf der mondänen Istiklal Cadesi.

Immer wieder gelingt es mir, mit einer der Frauen ein Lächeln auszutauschen, Augenkontakt herzustellen, eine Art schwesterliches Verstehen unter Frauen, die sich ihrer Selbst, ihrer Stellung und ihres Mannes sicher sind. Dieses Vertrauen zwischen Frauen finden wir auch im Westen in reinen Frauengruppen, doch es bedarf immer besonderer Umstände, bis wir uns sicher genug dafür fühlen. Es scheint mir in manchen muslimischen Ländern selbstverständlicher zu sein. Andrerseits sind die – wenigen – ganz verschleierten Frauen unnahbar hinter ihren schwarzen, weichen Wänden.

Women in Black

Women in Black – zwei Welten

Gleichzeitig beobachte ich erstaunt meine Vorurteile…

Vorurteile? Ich doch nicht! Oh doch! Die Diskussion, Fehlinformationen, Vorurteile in Deutschland und Österreich haben Spuren hinterlassen, selbst wenn es in mir weniger sind als in anderen – hoffentlich.

Und so sehe ich wieder nicht was ist, sondern das, von dem ich glaube, das es zu sein hat. Und wenn es offensichtlich anders ist, wundere ich mich:

Da ist zum Beispiel die junge Frau im Hotel, mit Kopftuch, doch schick, die selbstbewusst auf Englisch auscheckt, während ihr Mann nichts verstehend daneben steht.

Da sind Väter die sich liebevollst um ihre Kinder kümmern, Kinderwagen schieben, und Frauen, mehr oder weniger verschleiert, gleichwertig und selbstverständlich, die ein- und verkaufen, im Restaurant bestellen, mit ihren Männern diskutieren…

Vor der Hagia Sophia winkt eine Frau meine blonden Zwillinge zu sich heran, sie möchte unbedingt mit ihnen aufs Foto, ihr Sohn doch bitte auch, ja und ich, die Mutter auch – ihr Mann steht glücklich lächelnd daneben.

Die nächste Familie hält Abstand. Nicht zu uns, zueinander. Vereinzelt wie Statuen stehen sie Modell für ihr Familienfoto.

Meine Kinder demonstrieren ein Foto Shooting

Meine Kinder demonstrieren ein Foto Shooting

Und die Kinder?

Muslime bekommen doch viel mehr Kinder als Deutsche!
Das ist relativ: Die Muslimas in Deutschland und die türkischen Frauen bekommen knapp unter zwei Kinder pro Frau. Kinder sind also auch in Istanbul rar. Nur die bettelnden Roma-Frauen sind von Kinderscharen umgeben!

Die Kinder sorgen auch für den skurrilsten Moment der Reise: Auf der Suche nach einem Restaurant, das uns empfohlen wurde, und das wir nicht fanden, kommen wir am 11.11. abends am Lyzeum vorbei. Hinter den Mauern singen die Kinder: „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne…“

So kehrte nach und nach meine Fähigkeit zu Staunen, zum Wundern und Genießen zurück. Die Menschen sind alle verschieden und doch gleich in ihren Sorgen, Nöten und Freuden, die Welt ist bunt und traumhaft schön, Istanbul einfach eine Reise wert!

Was genau? Das steht hier!

Am Ende bleiben Fragen, zu beantworten beim nächsten Besuch:

Wer kauft um Mitternacht noch Koffer? Oder Bilder? Kann doch keiner die Farben erkennen!
Wann werden die Istanbuler aufhören, die Tauben zu füttern?
Und vor Allem: Was ist in den Säcken?