9. Juni 2014
von Steffi
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Dieppe

„Segeln ist eigentlich langsames Motorbootfahren.“ Diesen Satz des erfahrenen Seglers und Schwippschwagers Heinz habe ich seit unserer Abfahrt im Ohr. Denn der Wind war bisher  mau, das Meer  zwischen leicht bewegt bis glatt.

So hatten wir freie Sicht nach England und den Schiffsverkehr dazwischen. Ich war überrascht, wie nah Dover ist. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich mein geliebtes England links, oder eigentlich steuerbord, liegen lasse. Aber die Winde, die in den nächsten Tagen wehen, wenn überhaupt, sind auf dieser Seite des Ärmelkanals günstiger. Außerdem gibt es ja auch hier vieles zu entdecken.

Auf dem Weg nach Calais konnten wir etwas segeln, auf dem Weg nach Dieppe die Fock zumindest unterstützend einsetzen. Besser wird es wohl auch in den nächsten Tagen nicht…

Dieppe, hinter einem Einschnitt in den Klippen gelegen, ist recht hübsch, mit einer alten Burg, einer kleinen Fußgängerzone, vielen Restaurants rund um den Hafen, und wunderschönen Villen hoch oben über den Klippen. Ich denke an Tante Gerda, kürzlich verstorben, und an ihren stereotypischen Satz der letzten Jahre:

„So schöne Häuser!“

Mit den Gedanken an Gerda, kommt mir Dorli in den Sinn. Die Rosenbüsche in den Gärten erinnern mich wieder an meine Freundin Bigi, und dann an Barbara und so geht es rund. Nicht dass ich sie vermisse, nein da ist einfach nur Liebe und Dankbarkeit für meine Freunde, die mich schon so lange durchs Leben begleiten.

Ich vermisse allerdings Lian. Diesmal nicht sein Lachen und seine Fröhlichkeit,  nein diesmal aus rein egoistischen Gründen: Mit ihm hätte ich eine Ausrede „Ringelspüh“ zu fahren…

 

Im Hafen von Dieppe

Im Hafen von Dieppe

„Sailing actually means to travel slowly under engine.“ I still remember these words from the experienced sailor Heinz, who happens to be the brother of my brother in law. There was not much wind till now, the sea was quite calm.

We had a good view of the coast around Dover and the traffic in between. I was a bit sad to leave my favorite country behind, but the wind, if any, will be better for us on this side of the Channel. Also there is a lot to explore over here as well.

We could sail a bit on our way to Calais  and also use the foresail as a support on the way to Dieppe. It won’t get much better the next days.

Dieppe is situated behind a cut in the cliffs. It is quite pretty, with an old castle, a nice pedestrian zone, lots of restaurants around the harbour, and old mansions on top of the cliffs. They remind me of the late Tante Gerda, who’s most important sentence in her last years was: „There are such pretty houses!“

With her, I remember Dorli. The rosebushes in the yards  remind me of my friend Bigi, then Barbara and so on. I am not missing them, but there is such a lot of love and gratefulness for my friends, who have been with me for a long time.

However I miss Lian. Not his laughter and his joyfulness, no this time I am very egoistic: He would be the perfect excuse to ride the carousel…

 

Calais

7. Juni 2014
von Steffi
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Calais

„Yemanja, Yemanja ijfndkv ndösh nfehi“

Die freundliche, klare und sehr sympathische Stimme einer jungen Frau tönt genau zu dem Zeitpunkt aus dem Funkgerät,  als ich mich frage, was denn die kleinen Flämmchen auf der Karte im Plotter bedeuten könnten.  Auf der gedruckten Version habe ich sie nämlich gänzlich übersehen!

„This is Yemanja, sorry I do not understand!“

„Yemanja, this is shooting range. What is your destination?“

„My destination is Calais!“

“ We are shooting for four miles today. Can you change your course?“

„What course do you recommend?“

„300 degrees.“

„Okay, we go to 300 degrees.“

„Thanks for your cooperation. We will call you when you can go back on your course.“

Mit anderen Worte: Vor Nieuwport spielen die Belgier Krieg und wir müssen circa drei Meilen von unserem Kurs abweichen. Für die, die unseren Kurs verfolgen – daher die Ecke!

Im Ärmelkanal wird nicht nur scharf geschossen. Er ist voller Fähren, Containerschiffen, Bojen aller Art, Wracks,Windparks, Bohrinseln. Auf den Sandbänken vor Calais sind Fischfarmen oder Angler mit ihren kleinen Motorbötchen. Eine dieser Sandbänke ist für den Umweg vor Calais verantwortlich. Langweilig wird es draußen jedenfalls nie, weil es immer irgendetwas zu beobachten oder beachten gibt.

Calais ist eine blühende Stadt – im Gegensatz zu Oostende, trotz ähnlicher Ausgangsumstände. Überall sind Blumen! Die Franzosen verstehen etwas davon, sommerliche Blumenbeete und Gartenanlagen anzulegen. Die schönen alten Häuser sind auch hier den Bomben zum Opfer gefallen, doch sind die Neubauten – nicht schön, aber zumindest nicht grauenhaft. Calais ist immer noch ein sehr lebendiger Fährhafen: Etwa alle 20 Minuten kommt oder geht eine Fähre nach England, 30 Millionen Menschen und 1,7 Millionen LKWs queren hier jährlich den Ärmelkanal.

Ein wenig nervös war ich vor der Einfahrt schon: Mein Französisch ist doch schon sehr eingerostet! Wie sollte ich mit der Port Control kommunizieren? Doch auch hier wird Englisch gesprochen, ja es war mir eine besondere Freude zu hören, dass selbst die Franzosen hier Englisch miteinander reden, damit alle zuhörenden Schiffe, auch die Segler, wissen, wer wann wo anlegt oder ablegt.

Wir kamen pünktlich zum Öffnen der Brücke zur Marina, wurden von zwei Hafenmeistern in Empfang genommen, meldeten uns ordnungsgemäß an – auch hier ist Frankreich etwas anders gestrickt als Belgien, wo sich kein Mensch um dieses Schild kümmert:

Schengen

Freitag abends fahren die Menschen hier zum Quai, suchen sich einen Parkplatz mit Aussicht aufs Meer. Familien mit Kindern, junge Liebespaare, Damen gesetzten Alters, mit Hund oder Katze, alle sitzen sie im Auto und essen Eis, belegtes Baguette oder so etwas wie Krapfen aus der Friterie de la Nation, dem Büdchen am Strand. Sie halten ihren Kaffeeklatsch, streiten und küssen sich – ein Hauch von Leichtigkeit, von Savoir Vivre , schwebt über allen. Bienvenue a France!

Hotel de Ville

Hotel de Ville

„Yemanja, Yemanja ijfndkv ndösh nfehi“

The friendly, clear and very nice voice of a young woman comes from the VHF. I’ve just been asking myself why there are little red flames in the chart and what they could possibly mean.

„This is Yemanja, sorry I do not understand!“

„Yemanja, this is shooting range. What is your destination?“

„My destination is Calais!“

“ We are shooting for four miles today. Can you change your course?“

„What course do you recommend?“

„300 degrees.“

„Okay, we go to 300 degrees.“

„Thanks for your cooperation. We will call you when you can go back on your course.“

In other words: In front of Nieuwport the Belgians still play war. And this was the reason for that first  hook in our track.

There’s not only shooting in the Channel, but lots of ferries, container vessels, wind parks, oil drilling, wrecks, bouys of any kind. On the banks in front of Calais there are fish farms and small fishing boats. Due to one of these banks we had to do that little detour before  entering Calais. Anyway it’s never boring out there, as there is always something to watch and to obey.

Calais is a thriving little town, in opposite to Oostende despite similar circumstances. There arhorriblee flowers everywhere. The French really know about gardening and summer bedding. The beautiful old houses were bombed down as well, but the new ones are – well, not pretty, but at least not horrible. Calais still is a very thriving ferry terminal:  Ferries leave and come in aprox. every 20 minutes. 30 million people and 1,7 lorries pass through here yearly.

I was a bit nervous  about entering the port: I lost most of my French – so how should I talk to port control? But they speak English here as well. Actually it was a special pleasure to listen to the French talking English to each other, so that all the sail ships understand as well what is going on in the port.

We arrived just in time for the opening of the bridge to the marina. We were welcomed by two harbor masters and had to register immediately with our papers. Quite different to Belgium where nobody cared about the Schengen sign!

Friday evenings people here drive to the quay and park with a good view of the sea. Families with kids, young lovers, elderly ladies, with dogs or cats, all are sitting in the car and eat ice cream, baguette or fried stuff from the Friterie de la Mer. They talk, fight or kiss, there is a flair of easiness in the air, of Savoir Vivre. Bienvenue a France![codepeople-post-map]

5. Juni 2014
von Steffi
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Gustav

Das ist Gustav,  unser neues Crewmitglied. Gustav wurde von unserer treuen Nachbarin (Danke, Dagmar!), die bis zu Melisas Einzug auf Haus und Katze achtgeben wird, auf unser Boot geschmuggelt, und zwar unter dem Vorwand, uns Glück zu bringen.

Gustav steht also für all die guten Wünsche, die uns begleiten:

Gute Reise, viel Spaß, tolle Abenteuer und Begegnungen, allzeit Sicherheit, Erfolg und natürlich immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.

Uns begleiten Umarmungen, Gedanken, Gebete und gute Wünsche.

Euch allen, liebe Freunde und Verwandte, vielen, vielen Dank dafür!

Immer, wenn mein Blick auf Gustav fällt, denke ich an euch alle und weiß mich getragen von eurer Liebe.

Gustav selbst freut sich riesig auf all die bevorstehenden Abenteuer!

Gustav blickt sehnsüchtig auf das Meer

Gustav blickt sehnsüchtig auf das Meer -Gustav is longing for the sea

This is Gustav, our new crew member. Gustav was smuggled on board by our good old neighbour who will take  care of the house and the cat till Melisa moves in.  He is supposed to bring luck.

So Gustav symbolizes all the good wishes, that accompany us:

Good journey, fun, great adventures and accountings, safety and success.

We are accompanied by hugs, prayers and good wishes.

A huge thanks to all of you, dearest friends and family.

Whenever I’ll look at Gustav, I will be reminded of you!

Gustav himself is looking forward to his new adventures!

4. Juni 2014
von Steffi
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Oostende

Oostende muss mal eine schöne Stadt gewesen sein. Damals, bevor die Allierten es mit Bomben und Granaten zerstörten, damit die Deutschen nicht den Hafen nutzen konnten. Danach kamen die Belgier wieder und bauten es über Nacht auf und überließen die Häuser dann sich selbst. Zu guter Letzt bauten Engländer und Franzosen zusammen den Tunnel unter dem Ärmelkanal, jetzt fahren auch die Fähren nicht mehr. Allen anderen Ländern ist es gelungen Fördergelder zum Renovieren und Rekultivieren ihrer Städte und Häuser zu bekommen, den Belgiern nicht. Vielleich lag ihnen ja auch nichts daran, mit dem holländischen Drang alles mit Blumen, Schnickschnack und liebevollen Details zu verzieren, haben sie jedenfalls nichts zu tun.

Das Beste hier ist der Hafenmeister des Royal Yacht Club Oostende, des ältesten Yachtclubs in Belgien. Alt kann man so und so sein.  Der Hafenmeister ist jedenfalls ein Original! Unsere Einfahrt um halb 10 Uhr abends war ihm völlig entgangen, bei der Anmeldugn heute morgen schaute er nur total verwundert aus dem Fenster und suchte unser Schiff. Dass dort, wo es lag, Platz gewesen war, verblüffte ihn noch mehr. Die Schiffslänge war ihm völlig egal, er kassierte einfach eine Nummer kleiner, uns soll’s recht sein. Ach ja: In Holland sprechen alle Englisch oder Deutsch, mit dem Hafenmeister spreche ich Deutsch, er mit mir die belgische Variante des Niederländischen und gut ist es!

Und die Fahrt hierhin? Vor der Hafeneinfahrt von Rotterdam hatten wir ziemlich Respekt. Man meldet sich per Funk bei Maas Entrance um sich anzumelden, war alles kein Problem. Die Einfahrt von Vlissingen/Antwerpen und Zeebrugge war dann schon ein anderes Kaliber:  Viel mehr Verkehr, und die Port Control Zeebrugge, die für das Gebiet zuständig ist … ist halt belgisch. Was aber eigentlich auch egal ist, denn wir müssen ja so und so ausweichen. Drei Schiffe kamen uns in die Quere, wir mussten sie vorbeilassen  oder ausweichen. So kamen wir erst nach mehr als 16 Stunden unter Motor und per Autopilot an. Wind war keiner.

Der frischt heute ziemlich auf. Und morgen erst recht. Windstärke 5 bis 6, ist vielleicht ja für erfahrene Segler harmlos, wir wollen lieber unter ruhigeren Bedingungen die Sandbänke vor Oostende und Nieuwport hinter uns bringen. Oder hat die der Frachter heute Nacht alle nebenan am Pier abgeladen? Er hat lange genug Krach gemacht!

Wir bleiben bis Freitag hier, und überlegen in Ruhe, wie wir weiterfahren – Frankreich und Jersey oder England?

Oostende

Oostende

Oostende must have been a beautiful town before the Allies bombed it down so that the Germans could not use the port. The Belgians rebuilt it as quickly as possible and then left it alone. After the French and British built the tunnel between their countries, the ferry terminal closed down. All other countries managed to get money from the EU to rebuild and renovate their towns and houses, not so the Belgians. But maybe they do not care: The Dutch skill of decorating everything with flowers, pretty things and cute details is completely unknown to them.

The best is the harbor master of the Royal Yacht Club Oostende, the oldest yacht club in Belgium. Well, old can be seen in different ways… Anyway he is an original! He kept wondering about our arrival and the berth we found in the evening, he never asked the length of our ship, so charged less. Perfect for me! By the way – in the Netherlands almost everybody speaks perfect English and/or German, not so in Belgium: The harbor master speaks the Belgian variety of Dutch to me, I speak German to him. We both get it.

And the journey? We both were a bit concerned about crossing the entrance to Rotterdam port, but it was no big deal at all. Entrance to Flushing/Antwerp and Zeebrugge was quite different! There was a lot more traffic. We had to give way to three huge ships. So it took us more than 16 hours under engine and autopilot. There was no wind.

However there wind today, and even more tomorrow. 5 to 6 Beaufort might me nothing for experienced sailors, but we prefer to cross the banks in front of Oostende and Nieuwport under better conditions. On the other hand – there might be no more banks: A vessel was unloading lots of sand on the pier right next to us last night.

Anyway, we stay till Friday  and plan our optional routes: France and Jersey or the British Isles?