18. Juli 2014
von Steffi
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Serendipity in A Coruna

Serendipity!
Ich liebe dieses Wort! Dieser Klang: Serendipity! Er ist voller Steeldrums, Rhythmus und Tanz!

Mit Spürsinn, Entdeckung, glücklicher Zufall übersetzt leo.com das Wort, oder auch mit die Gabe, glückliche und unerwartete Entdeckungen zu machen. Für mich heißt es: Ohne zu suchen, etwas zu finden, das mich in irgendeiner Weise besonders erfreut:

Manchmal sind das seltene Blumen, eine Wiese mit wilden Orchideen wie in L’Aber Wrac’h.

Eine besonderer Pfefferdip in Frankreich.

Eine echte heiße Schokolade, also eine geschmolzene, die erste meines Lebens, in Spanien.

Das Leben unter Wasser im Hafen von A Coruna – ich bin hin und weg davon:

Oder der Abend vor ein paar Tagen in A Coruna. Wir schlenderten zur Markthalle, schauten unterwegs in alle Kirchen und fanden eine Prozession: La Virgen de Carmen, die Schutzpatronin der Fischer wird zum Hafen getragen, auf einem Schiff durch die Bucht gefahren, gefolgt von geflaggten Schiffen. Alles geht sehr getragen und ernst vor sich – die Welt  ist bunt und vielfältig, voller Kontraste! Soll heißen: Wenn alle Feste, wie die in Bahia wären, wäre das ganz schön langweilig!

Schutzpatronin der Fischer

Schutzpatronin der Fischer

Weil es zum Essen noch zu früh war, setzten wir uns in eine andere Kirche vor den vergoldeten Seitenaltar der Maria Rosario, die ebenfalls einst die Stadt vor Eindringlingen bewahrte. So wird es erzählt.

Es kommen mehr und mehr ältere Damen, auch einige alte Weiblein waren darunter. Zwei alte Mönche schauen vorbei, schlagen den Damen freundschaftlich auf die Schulter, eine beginnt laut den Rosenkranz zu beten, die anderen antworten. Einer der Mönche geht zum Tabernakel, entnimmt den Kelch, geht zu einer der Frauen, spendet ihr die Kommunion, geht zurück, schließt alles weg, und beide verschwinden wieder. Die Damen rasseln weiter ihr Gebet herunter, Santa Maria, madre de deus …, so schnell, dass fast die Zunge bricht!

In der Jamoneria La Leosina hängen die geräucherten Schinken von der Decke, hinterm Tresen liegen die Köstlichkeiten der Region. Drinnen an den einfachen Tischen sitzen die Einheimischen bei einem Glas Wein, es wirkt wie ein Mischung zwischen Kölscher Eckkneipe und Badner Heurigen. Corunense eben. Wir überlegen noch, wie wir hier etwas zu essen bestellen, da spricht uns der junge Kellner mit freundlicher Begeisterung auf Englisch an, macht Vorschläge und bringt uns eine Platte mit Spezialitäten. Während ich mir den Schinken munden lasse, bedanke ich mich still bei dem Schwein, zu dem er einst gehörte, sinniere darüber, dass Nicht-essen das Tier auch nicht mehr lebendig macht. Und darüber, dass diese wunderbare Welt sich am Leben erhält, indem es anderes Leben tötet und isst. Das Leben an sich überlebt nur, indem es stirbt…

Menschen sind davon nicht ausgenommen!

Jamoneria La Leosina

Jamoneria La Leosina

Am Leben der Stadt am Rande teilnehmen – wie wunderbar das doch ist, nach den oft verlassen wirkenden Dörfern der Bretagne! Leben, das draußen stattfindet: Kinder, die bis spät am Abend vor dem Rathaus mit den verglasten Restaurants davor, Fußball spielen; ältere Damen, die auf der Parkbank tratschen; junge Leute, surfend, Kanu fahrend, schwimmend , tauchend, A Coruna ist gesäumt mit Sportplätzen, Stränden und Schwimmbädern; alte Männer, fischend oder auch auf Parkbänken die  Welt beredend – ich mag diese Stadt! Sie ist eine Reise wert, kommt her!

Und sucht nicht, findet!

I love the word „serendipity“. There is rhythm in it, steel drums, music and  dancing!

And I love finding things, which bring joy into my life, without actually looking for them.

Like a meadow with wild orchids in L’Aber Wrac’h.

A pepper dip in France.

A „real“ – melted – hot chocolate, the first one in my life, in Spain

Sea life in the marina of A Coruna, I am so excited! See video above!

Or this evening a few days ago in A Coruna, when we walked to the market hall, looking in all churches on our way. In one they prepared the procession of La Virgen del Carmen, the fisher’s patron.  The statue is carried to the port, then they sail through the bay and carry her back.  All is pretty stern. It’s a colorful, diverse world – it would be pretty boring if all festivals were like the ones in Bahia!

As it was too early to go to a restaurant we just sat in another church where old ladies recited the roseary. Two elderly monks came, gave the communion to one of the ladies and off they went. Pretty strange!

At the Jamoneria La Leosina the gammon is hanging from the ceiling, other specialties are sold. Locals sit at simple tables, with cheese, gammon, chorizo and red wine. It is a mixture of a Cologne pub and an Austrian „Heurigen“. We wonder how we will ever manage to order something to eat when a young waitor adressed  us in good English. He was quite enthusiastic about the products and really charming. He brought us a choice of the specialties. While I enjoy the gammon, I say a silent thanks to the pig which it once was, ponder that not eating it won’t make the animal alive again, and that living beings stay alive by killing and eating other living beings. Live itself only survive by dying…

And man is no exemption to this.

Taking part on the live in the town is great, especially after the sometimes deserted villages in Brittany. Live is happening outside: kids playing football, old ladies chatting on park benches, old men fishing or chatting on park benches, young folk, surfing, canoeing, swimming, there are lots of sports grounds and pools around A Coruna – I like  this city!

Come and see yourself!

16. Juli 2014
von Steffi
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Santiago de Compostela

Sind körperliche Schritte notwendig, um sich in Santiago de Compostela als Pilger zu fühlen? Oder reichen die im Kopf, die auf einem Schiff?

Ich denke schon, dass unsere Reise etwas mit Pilgern zu tun hat, mit los lassen, sich fallen lassen, vertrauen, frei werden, sich öffnen, mit dem Verändern der Sichtweise, mit Fügungen und Begegnungen und Verbundenheit mit der Quelle, erzählt habe ich davon. Dennoch – uns packt der Ort nicht.

Santiago ist wunderschön, das Mittelalter ist greifbar, die Kirchen hübsch mit Blumen bewachsen und schwer renovierungsbedürftig. Das ist wohl auch der Grund, warum sie uns so sehr an Südamerika erinnern. Auch die Kathedrale ist eingerüstet und wird es lange bleiben! Sie zu renovieren ist ein Jahrhundertprojekt! In allen Kirchen ist übrigens  Maria – oder der Apostel Jakob/Santiago – sehr viel greifbarer als Jesus.

Viele Menschen erklimmen mit uns die Stufen zum Hauptportal: Es muss ein unbeschreibliches Gefühl sein, nach all den Strapazen einer langen Wallfahrt hier hinauf zu steigen so wie es Millionen Menschen seit 1000 Jahren getan haben! Pilger sind gar nicht so viele hier, so scheint es mir, doch in die Herzen der Menschen kann ich nicht blicken. Doch die meisten sind, wie wir, der Neugier viel näher. Die Pilgermesse ist  – eine katholische Messe eben, auf Spanisch, wohl bereichert durch den klaren Gesang einer Nonne. Ihre Stimme klingt eins mit sich selbst und der Welt. Dennoch kommt Ergriffenheit nicht auf, nicht bei uns, nicht bei Heinz und Christine, die mit uns sind. Es fehlt uns wohl an der Einstellung, am Glauben, an den Schritten…

Wir belassen es dabei, die Kirche zu bewundern, ein erhabenes, schlichtes Bauwerk, in das irgendwann ein riesiges barockes  Altarbild mit dem Apostel Jakob/Santiago gepresst wurde. Der Botafumeiro, das größte Weihrauchfass der Welt, wird heute nicht geblitzt: Mit 68 Km/h schwingt es an Feiertagen durch die Kirche.  An den Rändern stehen alte Beichtstühle, in denen in so ziemlich allen Sprachen Europas gebeichtet werden kann, kniend, so wie ich das aus meiner Kindheit kenne. In den seitlichen Kapellen werden Andachten und Messen in verschiedenen Sprachen gehalten. Die Polen singen besonders schön – ihnen zuzuhören ist erhebender als alles andere.

Interessanterweise empfindet Heinz die Kathedrale als eher nichtssagend, nur der Altar wäre schmückend.

Ich ertappe mich bei dem Gedanken: „Die Dinge sind doch wie sie sind“ – und, mit Erstaunen,  – „Wie sie sind bestimme immer noch ich.“ Wie anmaßend  und verrückt  bin ich immer noch, welch kosmischer Witz sind diese letzten Worte!

Kommt her, seht selbst, lasst Santiago de Compostela sein, was es für euch ist!

Und damit kehre ich zurück auf mein Schiff, zu Delphinen und Sternen, an einem Ort, an dem ich mich der Quelle allen Seins verbunden fühle!

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Is it necessary to hike the Road to Santiago feel like a pilgrim in Santiago de Compostela? Or is it enough to walk in your mind, on your ship?

I am convinced that our journey is similar to a pilgrimage, with letting go, trusting, freeing ourselves, opening up, changing our perception, with lucky coincidences and connection with the Source of Life. However, Santiago does not do the trick for us.

It is a beautiful town, middle age is close. The churches are covered with flowers and have to be preserved urgently. This may be the reason why they remind us of South America. The cathedral is under construction as well, it will take a century to preserve it. In all churches statues of Maria and Jacob/Santiago are represented better than Jesus.

A lot of people climb up the stairs to the entrance of the cathedral with us. It must be an awesome feeling to come here after the long and exhausting hike on the old pilgrim routes, to catch sight of the golden statues, like millions of pilgrims have done since more than 1000 years. However there are not many pilgrims around, as least for what I see, but I can’t look into people’s hearts. Most seem to be here as tourists, like us. The pilgrim mass is – well, a catholic mass in Spanish. Only the clear voice of a nun singing makes it special.

I guess, we are lacking faith and mind setting.

Anyway, we admire the church, a huge but simple building inside, which has got a baroque altar in it with a bust of Jacob, the apostle. The golden altar does not fit in there, but Heinz from Anima Mea, likes it better than the church. How different perceptions are! It makes me think about me going on judging things. Unfortunately I cannot translate the ironic play on words into English.

Anyway, come here to Santiago and see for yourself whether it is a holy or a just a pretty place for you!

This said, I return to my ship, to dolphins and stars, where I feel connected to the Source of Life.

14. Juli 2014
von Steffi
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Mutig in A Coruna

Vor ein paar Tagen war es die Leere, die mir das Schreiben schwer machte, heute ist es die Fülle. Die Fülle an Erlebenissen, Eindrücken und Freude. So wie Yemanja vor ein paar Tagen über die Wellen surfte, surfe ich auf Wellen der  – ja fast Seligkeit. Ich habe kein anderes Wort für das Glück, das von innen kommt, auch wenn es scheinbar an äußere Ereignisse gebunden ist.

Freitag abends schlenderten wir durch die Altstadt, tranken ein Bier vor dem Rathaus, beobachteten das rätselhafteste Brautpaar, das wir je sahen um dann in der Gasse dahinter eine Meeresfrüchteplatte zu genießen.

 

Die Gasse ist eng, um links und rechts steht je eine Reihe Tische und Stühle, dazwischen flanieren so ab 9, halb 10 die Menschen.  Kinder jeden Alters, Verliebte, Familien ziehen vorbei. Die Gesichtszüge der Spanierinnen wirken auf uns sowieso etwas hart, doch die meisten Frauen hier schauen so grimmig in die Welt, als würden sie wie einst die Heldin der Stadt, Maria Pita, A Coruna vor fremden Eindringlingen verteidigen!

Lauf ich auch mit so einem Gesicht herum?

Und warum sehen die Kinder so anders aus? So weich, frei, offen und verletzlich? Kinder, die weinen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, ansonsten aber einfach laufen, spielen, fasziniert einem Clown zusehen, immer etwas aufregend Neues entdeckend, Menschen offen anstrahlen oder auch sich scheu zurückziehend, immer authentisch, tanzend, hüpfend einfach jetzt da sind. Sie strahlen von innen heraus.

Die gewohnte Umgebung zu verlassen, eröffnet da ungeahnte neue Möglichkeiten. Niemand kennt dich, was kümmert es dich, was die Leute sagen, niemanden musst du gefallen, du musst keine Liebe verdienen, wie wir meist zutiefst im Inneren immer noch glauben – plötzlich kannst du sein, spontan tun, wonach dir der Sinn steht – wie ein Kind.

Die Erkenntnis war am Freitag nicht neu, habe ich Ähnliches schon in Brasilien und Russland erfahren. Und schon vor ein paar Wochen beschloss ich drei Dinge:

Auf jedem Spielplatz zu schaukeln oder zu klettern.
Alles zu unternehmen, was mich lockt.
Menschen, die mich neugierig machen einfach anzusprechen.

Gut, letzteres ist mir zumindest vor dem Rathaus schon mal nicht gelungen: Ich möchte immer noch wissen, wieso der Bräutigam diese Frau geheiratet hat. Ununterbrochen wurden Fotos von ihr gemacht, doch wir konnten erst nicht herausfinden, wen sie geheiratet hat. Der im blauen Anzug und Krawatte interessierte sich in keinster Weise für sie, sah nicht zu ihr, lächelte nicht rüber, und als er endlich neben ihr stand, sie sich ihm vertraut zuwandte, hätte auch ein vollkommen Fremder neben ihr stehen können. Nein, falsch, der hätte sich sicher zu ihr geneigt! Hübsch war sie! Also: Warum???
Aber ich bin nicht hingegangen und hab ihn gefragt.

Auch den Salzburger Kärntner von der Adrenalina hab ich erst im letzten Moment, als er schon beim Ablegen war, angesprochen. Die österreichische Flagge ist ja nicht ganz so oft auf Schiffen außerhalb der Adria zu sehen – das macht neugierig!

Eine mutige Frau sei ich, meinte er anerkennend, so einfach ohne viel Erfahrung über die Biskaya zu segeln.
„Mutig? Nein, das bin ich nicht. Ich mache nur einen Schritt nach dem anderen.“

Nachmittags dann viele Schritte durch die Stadt. A Coruna zeigt seinen Charme nicht auf den ersten Blick, zumindest nicht von See aus. Eher hässlich ragen die Häuser an der Küste entlang in den Himmel,  auch der Hafen ist keine Zier. Da hilft auch der Torre de Hercules, der von den Römern erbaut, seit 2000 Jahren seinen Dienst tut, nicht viel. Doch die Uferpromende, weit, großzügig, mit Palmen und Blumenbeeten beeindruckt. Dann öffnet sich der Blick auf den Platz am alten Hafen – wunderschön!

Staunend verlieren wir uns vor den verzierten Häusern  der „modernen“ Altstadt: Zuckerguss, Kacheln, hie und da bunte Fenster, eine Pracht! Wie kommt es, dass die Menschen früher so viel mehr Wert auf schöne Häuser gelegt haben? Geld allein kann nicht die Ursache sein!

Später Schritte auf der Wippe balancierend, denn der Spielplatz ist um 3 Uhr nachmittags verlassen. Zeit, für uns zu spielen, zu schaukeln, mich vor Freude zu drehen. Dann eine heiße Schokolade im Kaffeehaus im Park: Meine erste „echte“, also geschmolzene heiße Schokolade… hmm!

Zurück am Schiff kommt Heinz vorbei, der mit seiner Christine wie wir am Dienstag von Camaret übers Meer kam, auf einem kleineren Schiff, den Wellen viel näher. Auch Martin, von der Ganescha, schaut vorbei. Er vermisst wie wir seinen Hund und seine Enkelkinder, er freut sich auf seine Frau, die morgen kommt. Man fragt, woher und wohin und wie war es, tauscht Erfahrungen aus, gibt und nimmt an. Die Elektronik Spezialisten von „Volker von Alzey“ helfen auf der Anima Mea das Pactor Modem zu installieren, später werde ich Heinz zeigen, wie er Sailmail nutzt. Von Martin bekommen wir ein Fahrrad geliehen, und einige Tipps bezüglich Ausrüstung und Motorwartung, sowie leckeres Flensburger Bier, ihm schmeckt meine Lasagne. Von der Blue Shadow of London und Patrick und Leentje von der Silmaril erfahren wir, wo der Supermarkt und die schönsten Häfen gegen Süden sind. Georg, Zahnarzt auf La Palma, gibt uns seine Telefonnummer und lädt uns schon mal auf seine Finca ein. Gemeinsam feiern wir die Weltmeisterschaft.

Das was ich einst verlor, durch Groll, Schuldzuweisung und Misstrauen, ist wieder da: Pure Lebensfreude!

Es war ein langer Weg, und vielleicht muss frau doch mutig sein, um offen, verletzlich, vertrauend, vergebend zu sein wie ein Kind? Und das erst mal zu Hause, dort, wo dich alle kennen, Schritt für Schritt!

Fast vergessen: Tomy nimmt gerade die Rollfock auseinander, Schritt für Schritt, um eine neue Leine einzuziehen. Sehr mutig finde ich das!

Auf der Schaukel

Auf der Schaukel

Dear English speaking readers, again, this will be a short version of the above.

Was emptiness the reason why I had difficulties writing the other day, so now it is abundance – abundance of experiences and joy. Like Yemanja was surfing the waves I am now surfing the waves of bliss. There is no other word for the kind of happiness that comes from within, although it seemed to be linked to outer situations.

A dinner in the old part of the town i kept watching the people going by: The women, although pretty, look very stern and sad at the same time, while children look so much different. How come? and do I look like that?

Kids, just are, express what they feel, joy or fear, full of love, vulnerability, they are open, curious, there is always something new, something to do.

To leave the familiar surroundings opens new possibilities. Away from home nobody knows you, there is no need to care what people talk or think about you, there is no need to please or earn love – suddenly you can do whatever you like, spontaneously like a child

So I started talking to strangers, for instance to the guy on the Austrian ship. He says, that I am brave, just sailing the Bay of Biscay.

„No, I am not brave, I just make one step after the other.“

In the afternoon we walked on the promenade. A Coruna does not reveal its beauty at first glance, at least not if coming from sea. The houses do not look nice, not even the Torre de Hercules, a light tower built by the Romans can change that. But it is beautiful! With Awe we are admiring the houses in the older part of the city: They look like candy!

Later on we play on the deserted playground, I drank the first „real“ – melted – hot chocolate of my life.

Then other sailors come by: Heinz and Christine crossed Biscay shortly after us, Martin on Ganescha is missing his dog and his grandchildren, he is looking forward to his wife to come. You ask, where from, where to, how was the trip? You exchange tips and hints, everybody gives and takes. One crew helps Heinz with the communication system, later I will help him with airmail. Martin lends the bike, he likes my lasagna. The crews of Silmaril and Blue shadow of London know about the best ports. Georg is dentist on La Palma and invites everybody to his Finca. Together we celebrate the world cup.

What I once have lost through mistrust and resentments, is here again: pure joy, zest for life!

It was a long way, and maybe you do need to be brave, to open up, to trust, to be vulnerable and forgiving  like a kid. It has to leaned at home, step by step…

 

11. Juli 2014
von Steffi
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Yemanja, die Mondin und wir (in der Biskaya)

So, da sind wir nun in A Coruna, hinter uns liegt die Biskaya. Mein Hirn ist leer, so leer kann es mit Meditieren gar nicht werden: Ich finde kaum Worte, um von unserer ersten „langen“ Zeit auf dem „echten“ Meer zu erzählen!

Kurz: Es lief alles bestens und war schön.

Wir verließen Camaret sur Mer um 9:30 morgens, gut ausgeschlafen und ohne uns um Gezeitenströme zu kümmern. Das Großsegel setzten wir noch in der ruhigen Bucht ins erste Reff. Der Wind brauchte noch eine Stunde länger zum Aufwachen, so lief noch der Motor, dann segelten wir mit etwa 18 Knoten Wind, raus bis zum Leuchtturm Ar-Men und drehten dann nach Süden ab. Von da an übernahm Sissi, unser Windpilot, eine Pazifik Plus, die harte Arbeit, uns auf Kurs zu halten. Es dauerte ein wenig, bis wir das richtige Verhältnis Steuerstellung – Segelgröße und Segelstellung – Windfahne ausgetüftelt hatten, doch dann hatten wir nichts mehr zu tun, als den Wellen zuzusehen.

Wellen sind ja nicht einfach Wellen. Es gibt langgezogene und kurze spitze, vom Wind aufgetriebene. Und alles dazwischen und in Kombination. Rund zwei Meter Welle aller Sorten hatten wir im Schnitt, mal bei ruhiger See – also langgezogen, mal bei leicht aufgewühlter See, also kurz, spitz und brechend. Hie und da war auch eine höhere dazwischen, dann verschwanden wir hinter einer Wellenwand… Doch Yemanja machte der Ritt auf den Wellen offensichtlich Spaß! Sie kletterte hinauf und surfte fast schon mit einem Jubelschrei hinunter oder ließ die Wellen unter sich rollen, sich von ihnen den Bauch massieren – wie ein fröhlicher, kleiner Korken tanzte sie auf den Wellen! Ein wirklich tolles Schiff!

Wir waren übrigens die einzigen, die an diesem Tag den Sprung wagten. Obwohl alle am Steg darin übereinstimmten, dass die nächsten drei, vier Tage gut dafür sind – der eine oder andere scheute den angekündigten Wind vor A Coruna – 25 bis 30 Knoten, der auch stellenweise unterwegs angekündigt war. Wir sahen darin einen Vorteil, weil das auch schneller macht. Und so war es denn auch. Gegen Abend frischte der Wind auf, bis gut nach Mitternacht ging die Anzeige auf bis knapp 30 Knoten hinauf – und Yemanja schoss mit bis zu 9 Knoten durch die Nacht. 155 Meilen ist unsere erstes Etmal, also die Strecke, die wir in 24 Stunden segelten.

Ruhig schoss Yemanja dahin, trotz der Wellen! Schlafen auf der Leeseite war überhaupt kein Problem. Wir hatten keine feste Einteilung für die Nacht, einer schlief in voller Montur – ohne Polarvliesunterwäsche, ein paar T-shirts, einem Pulli und Off-Shore Ölzeug wäre es ziemlich kalt – etwa zwei Stunden unten im „Salon“, dann wurde er vom anderen geweckt und übernahm die Wache. Da ja alles neu für uns war, war es uns wichtig, den Anderen notfalls schnell bei der Hand zu haben. Oder sagen wir so: Mir war das wichtig, da ich ja weitaus weniger Segelerfahrung als Tomy habe.

Doch Sissi tat ihre Arbeit gut! Hie und da musste ich leicht am Steuer korrigieren, doch die meiste Zeit saß ich eingemümmellt in eine Decke hinterm Verdeck und bewunderte das Haar von Yemanja, wie die brasilianischen Fischer jenen silbrigen Streifen, den die fast runde Mondin auf das Wasser zaubert, nennen, und in dessen Schimmer unser Schiff mit uns gegen Süden zog. Dann versank Mondin im Meer und wir rasten in eine dunkle Wand – sehen tut ma da nix mehr! Wir waren aber auch weit und breit die einzigen unter dem Himmelzelt. Die Sterne! Im Cockpit liegend und in den Himmel starrend, erinnerte ich mich an die dunklen Nächte in meiner Kindheit, als ich so in der Ramsau auf einer Wiese lag, oder in Kroatien am Strand. Ach, wo sind sie geblieben? Nein, nicht die Kindheit fehlt mir, traurig bin ich, dass mein Engelchen Lian dieses Sternenwunder nicht so einfach sehen kann!

Da – eine Sternschnuppe! Was ich mir gewunschen habe? Nichts für mich, etwas für Lian!

Morgens früh, der Wind hatte nachgelassen, das Meer sich etwas beruhigt, die Sonne gerade links hinter uns über den Horizont gespingst*, da tauchten blinkte plötzlich eine schwarze Flosse neben mir aus dem Meer.

„Tomy, schnell, die Delpine sind gekommen, dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag zu wünschen!“

Was für flinke, anmutige Gestalten! Mit welcher Anmut, Kraft und Geschwindigkeit sie durch das Wasser flitzen, unterm Kiel durch, vor dem Bug, springend, gleitend, surfend. Wie durch einen Zauberspruch beginnen wir zu lächeln, es geht gar nicht anders! Magier der Meere sind das!

Delphin in der Biskaya

Delphin in der Biskaya

Ach so, die Quiche war sehr lecker, ich hoffe, sie hat auch den Fischen geschmeckt. Schnelles Aufstehen aus dem Schlaf und Wellen vertragen sich dann doch nicht so gut. Und so wurde aus dem leicht flauem Gefühl in der Magengegend dann plötzlich ein nicht zu widerstehender Würgereiz…

Danach war mir viel wärmer, so als hätte ich viel zu viel Energie für’s Verdauen verbraucht!

Den Rest des Tages war jedenfalls weder Tomy noch mir zum Anstoßen, auch wenn es keinen von uns beiden schlecht ging.

Die Delphine schauten immer wieder mal vorbei, ansonsten verging der Tag wie der erste, wenn auch mit etwas weniger Wind und sanfterer Welle. Der Wind drehte auf achterlicher, der Bulle musste in den Stand… Keine Ahnung, wieso man zu einer Leine, die das Großsegel vorm Umschlagen, also das Schiff vor einer gefährlichen Patenthalse schützt, Bullenstander sagt – weil er so stark wie ein Bulle sein muss, vielleicht? Jedenfalls experimentierten wir den zweiten Tag damit rum. Die Nacht kam und ging wie die erste, da der Kurs aber vorlicher war, war schlafen sehr viel schwieriger:  Yemanja rollte sich in alle Richtungen verwindend hin und her, es knirschte und knarrte, und wir rollten mit. Morgens früh passierten uns in einiger Ferne die einzigen Frachtschiffe auf dem Kurs.

Mit dem neuen Tag ging der Wind auf 12 bis 16 Knoten zurück, zu wenig um auf dem vorlichen Kurs mehr als 4 Knoten zu fahren. Wir hätten die Fock ausbaumen müssen, dazu hatten wir keine Lust, außerdem brauchte die Batterie mehr Power, als der Silentwind des nachts geliefert hatte – auch ein Problem bei wenig Wind und vorlichem Kurs. Wir hatten keine Lust auf eine weitere Nacht auf See, nicht weil die nicht einfach zu schaffen gewesen wäre, sondern weil wir dann nachts in A Coruna angekommen wären. Dank der Berichte im Internet hatte Tomy eine Heidenangst vor schlecht gegenzeichneten Fischernetzen vor A Coruna – wir wollten im Hellen ankommen. Also übernahm der Dieselwind die Arbeit für 6 Stunden, dann kam der Wind vor A Coruna! Mit Wind von der Seite, 22 bis 27 Knoten, konnten wir drei Stunden lang schön per Hand aufs Land zu rauschen, vorbei an Fischerbooten und  – nee da war praktisch nichts. Erst in der Bucht drinnen lag ein wenig „Fischerscheiß“. (Liebe Fischer, ihr geht auch nur eurer Arbeit nach, vergebt mir also bitte diesen Ausdruck – aus Seglersicht ist er kurz und prägnant, zur schnellen Warnung geignet!)

Um 21:30, nach 60 Stunden waren wir da, kündigten uns per Funk an, der Marinero half beim Anlegen. Übrigens waren immer noch gut angezogen, trotz drei Tage Sonnenschein! Erst im Hafen wurde uns die milde südliche Luft bewusst und mit ihr: Wir sind da, wo wir hinwollten. Nicht nur örtlich…

Ein paar Stunden später, geduscht, mit Internet versorgt, essen wir die restliche Quiche, stoßen mit Sekt auf die Überfahrt an und lesen die Glückwünsche zu Tomys Geburtstag: Danke, liebe Freunde und Familie, eure Liebe und Anteilnahme, hat uns sicher übers Meer getragen!

* Kölsch für schauen

Tomy feiert Geburtstag

Tomy feiert Geburtstag

Now you may hope for a good translation, but honestly it is too much work for me at the moment. So either use the translator and be prepared for some extra information, or read the short version:

We had a good trip! All went very well! The first day we had wind between 20 and 30 knots, made good speed. Waves and state of sea varied, but all was fine, with 1 to 3 meter waves. Our ship loves to play with the waves, to surf on them. The second day we had less wind, still okay speed.  Dolphins dropped by from time to time to play with the boat. The nights were fine, we had no fixed plan, but rather slept till the other one asked for change. It was perfect for us. Racing in the moonlight or in pitch dark night was great. We both had a hint of funny feeling in our stomachs, but were generally okay. The second day we had less wind, but still fine. The third day we went by engine for about 6 hours as we did not want to arrive at night. Before Coruna the wind increased again and we could sail into A Coruna, this time not with wind pilot, but steering ourselves. We arrived at 9:30 pm, 60 hours after we have left, normally tired, but kind of empty.

Now, after a good shower, we finally have champagne on our trip and Tomy’s 60 th birthday. Thank you all for your wishes and company in mind: I feel, your love and friendship carried us over the sea!