Mutig in A Coruna

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Vor ein paar Tagen war es die Leere, die mir das Schreiben schwer machte, heute ist es die Fülle. Die Fülle an Erlebenissen, Eindrücken und Freude. So wie Yemanja vor ein paar Tagen über die Wellen surfte, surfe ich auf Wellen der  – ja fast Seligkeit. Ich habe kein anderes Wort für das Glück, das von innen kommt, auch wenn es scheinbar an äußere Ereignisse gebunden ist.

Freitag abends schlenderten wir durch die Altstadt, tranken ein Bier vor dem Rathaus, beobachteten das rätselhafteste Brautpaar, das wir je sahen um dann in der Gasse dahinter eine Meeresfrüchteplatte zu genießen.

 

Die Gasse ist eng, um links und rechts steht je eine Reihe Tische und Stühle, dazwischen flanieren so ab 9, halb 10 die Menschen.  Kinder jeden Alters, Verliebte, Familien ziehen vorbei. Die Gesichtszüge der Spanierinnen wirken auf uns sowieso etwas hart, doch die meisten Frauen hier schauen so grimmig in die Welt, als würden sie wie einst die Heldin der Stadt, Maria Pita, A Coruna vor fremden Eindringlingen verteidigen!

Lauf ich auch mit so einem Gesicht herum?

Und warum sehen die Kinder so anders aus? So weich, frei, offen und verletzlich? Kinder, die weinen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, ansonsten aber einfach laufen, spielen, fasziniert einem Clown zusehen, immer etwas aufregend Neues entdeckend, Menschen offen anstrahlen oder auch sich scheu zurückziehend, immer authentisch, tanzend, hüpfend einfach jetzt da sind. Sie strahlen von innen heraus.

Die gewohnte Umgebung zu verlassen, eröffnet da ungeahnte neue Möglichkeiten. Niemand kennt dich, was kümmert es dich, was die Leute sagen, niemanden musst du gefallen, du musst keine Liebe verdienen, wie wir meist zutiefst im Inneren immer noch glauben – plötzlich kannst du sein, spontan tun, wonach dir der Sinn steht – wie ein Kind.

Die Erkenntnis war am Freitag nicht neu, habe ich Ähnliches schon in Brasilien und Russland erfahren. Und schon vor ein paar Wochen beschloss ich drei Dinge:

Auf jedem Spielplatz zu schaukeln oder zu klettern.
Alles zu unternehmen, was mich lockt.
Menschen, die mich neugierig machen einfach anzusprechen.

Gut, letzteres ist mir zumindest vor dem Rathaus schon mal nicht gelungen: Ich möchte immer noch wissen, wieso der Bräutigam diese Frau geheiratet hat. Ununterbrochen wurden Fotos von ihr gemacht, doch wir konnten erst nicht herausfinden, wen sie geheiratet hat. Der im blauen Anzug und Krawatte interessierte sich in keinster Weise für sie, sah nicht zu ihr, lächelte nicht rüber, und als er endlich neben ihr stand, sie sich ihm vertraut zuwandte, hätte auch ein vollkommen Fremder neben ihr stehen können. Nein, falsch, der hätte sich sicher zu ihr geneigt! Hübsch war sie! Also: Warum???
Aber ich bin nicht hingegangen und hab ihn gefragt.

Auch den Salzburger Kärntner von der Adrenalina hab ich erst im letzten Moment, als er schon beim Ablegen war, angesprochen. Die österreichische Flagge ist ja nicht ganz so oft auf Schiffen außerhalb der Adria zu sehen – das macht neugierig!

Eine mutige Frau sei ich, meinte er anerkennend, so einfach ohne viel Erfahrung über die Biskaya zu segeln.
„Mutig? Nein, das bin ich nicht. Ich mache nur einen Schritt nach dem anderen.“

Nachmittags dann viele Schritte durch die Stadt. A Coruna zeigt seinen Charme nicht auf den ersten Blick, zumindest nicht von See aus. Eher hässlich ragen die Häuser an der Küste entlang in den Himmel,  auch der Hafen ist keine Zier. Da hilft auch der Torre de Hercules, der von den Römern erbaut, seit 2000 Jahren seinen Dienst tut, nicht viel. Doch die Uferpromende, weit, großzügig, mit Palmen und Blumenbeeten beeindruckt. Dann öffnet sich der Blick auf den Platz am alten Hafen – wunderschön!

Staunend verlieren wir uns vor den verzierten Häusern  der „modernen“ Altstadt: Zuckerguss, Kacheln, hie und da bunte Fenster, eine Pracht! Wie kommt es, dass die Menschen früher so viel mehr Wert auf schöne Häuser gelegt haben? Geld allein kann nicht die Ursache sein!

Später Schritte auf der Wippe balancierend, denn der Spielplatz ist um 3 Uhr nachmittags verlassen. Zeit, für uns zu spielen, zu schaukeln, mich vor Freude zu drehen. Dann eine heiße Schokolade im Kaffeehaus im Park: Meine erste „echte“, also geschmolzene heiße Schokolade… hmm!

Zurück am Schiff kommt Heinz vorbei, der mit seiner Christine wie wir am Dienstag von Camaret übers Meer kam, auf einem kleineren Schiff, den Wellen viel näher. Auch Martin, von der Ganescha, schaut vorbei. Er vermisst wie wir seinen Hund und seine Enkelkinder, er freut sich auf seine Frau, die morgen kommt. Man fragt, woher und wohin und wie war es, tauscht Erfahrungen aus, gibt und nimmt an. Die Elektronik Spezialisten von „Volker von Alzey“ helfen auf der Anima Mea das Pactor Modem zu installieren, später werde ich Heinz zeigen, wie er Sailmail nutzt. Von Martin bekommen wir ein Fahrrad geliehen, und einige Tipps bezüglich Ausrüstung und Motorwartung, sowie leckeres Flensburger Bier, ihm schmeckt meine Lasagne. Von der Blue Shadow of London und Patrick und Leentje von der Silmaril erfahren wir, wo der Supermarkt und die schönsten Häfen gegen Süden sind. Georg, Zahnarzt auf La Palma, gibt uns seine Telefonnummer und lädt uns schon mal auf seine Finca ein. Gemeinsam feiern wir die Weltmeisterschaft.

Das was ich einst verlor, durch Groll, Schuldzuweisung und Misstrauen, ist wieder da: Pure Lebensfreude!

Es war ein langer Weg, und vielleicht muss frau doch mutig sein, um offen, verletzlich, vertrauend, vergebend zu sein wie ein Kind? Und das erst mal zu Hause, dort, wo dich alle kennen, Schritt für Schritt!

Fast vergessen: Tomy nimmt gerade die Rollfock auseinander, Schritt für Schritt, um eine neue Leine einzuziehen. Sehr mutig finde ich das!

Auf der Schaukel

Auf der Schaukel

Dear English speaking readers, again, this will be a short version of the above.

Was emptiness the reason why I had difficulties writing the other day, so now it is abundance – abundance of experiences and joy. Like Yemanja was surfing the waves I am now surfing the waves of bliss. There is no other word for the kind of happiness that comes from within, although it seemed to be linked to outer situations.

A dinner in the old part of the town i kept watching the people going by: The women, although pretty, look very stern and sad at the same time, while children look so much different. How come? and do I look like that?

Kids, just are, express what they feel, joy or fear, full of love, vulnerability, they are open, curious, there is always something new, something to do.

To leave the familiar surroundings opens new possibilities. Away from home nobody knows you, there is no need to care what people talk or think about you, there is no need to please or earn love – suddenly you can do whatever you like, spontaneously like a child

So I started talking to strangers, for instance to the guy on the Austrian ship. He says, that I am brave, just sailing the Bay of Biscay.

„No, I am not brave, I just make one step after the other.“

In the afternoon we walked on the promenade. A Coruna does not reveal its beauty at first glance, at least not if coming from sea. The houses do not look nice, not even the Torre de Hercules, a light tower built by the Romans can change that. But it is beautiful! With Awe we are admiring the houses in the older part of the city: They look like candy!

Later on we play on the deserted playground, I drank the first „real“ – melted – hot chocolate of my life.

Then other sailors come by: Heinz and Christine crossed Biscay shortly after us, Martin on Ganescha is missing his dog and his grandchildren, he is looking forward to his wife to come. You ask, where from, where to, how was the trip? You exchange tips and hints, everybody gives and takes. One crew helps Heinz with the communication system, later I will help him with airmail. Martin lends the bike, he likes my lasagna. The crews of Silmaril and Blue shadow of London know about the best ports. Georg is dentist on La Palma and invites everybody to his Finca. Together we celebrate the world cup.

What I once have lost through mistrust and resentments, is here again: pure joy, zest for life!

It was a long way, and maybe you do need to be brave, to open up, to trust, to be vulnerable and forgiving  like a kid. It has to leaned at home, step by step…

 

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