26. Juni 2013
von Steffi
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Das erste Mal

Nebel, Leere, ein graues dunkles Etwas, eine Wand – das nackte Grauen. Nein, ich spreche nicht vom Wetter, sondern von dem Zustand, der sich in meinem Kopf einstellt, wenn ich an den Ärmelkanal denke, genauer: an unser Vorhaben, in diesen auf unserem eigenen Schiff selbstständig und zu zweit vorzudringen.

Der Plan ist folgender: Wir fahren durch den Nordseekanal von Katwoude über Amsterdam nach IJmuiden. Dort halten wir den nassen Finger in den Wind* und je nachdem, wo der her weht, fahren wir direkt rüber nach England, erst mal runter Richtung  Zeebrügge oder auch direkt wieder retour :-). Prinzipiell ist das nichts, das nicht schon Tausende mehr oder weniger Gerüstete vor uns mit Erfolg getan hätten. Doch für uns ist es das erste Mal, nein, hunderte erste Male:

„In echt“ funken, zum Anmelden an Schleusen oder Queren eines Verkehrstrennungsgebietes, oder zur Nachfrage, ob der Tanker uns gesehen hat und ob er doch bitte ausweichen könnte; kreuzen von Verkehrstrennungsgebieten; Begegnungen mit Fähren; berechnen, wann wir einen Hafen anlaufen können oder auch verlassen müssen, um mit den Gezeitenströmen und bei Hochwasser auch dorthin zu kommen, wo wir hinwollen; eventuell ankern, wenn wir es doch nicht rechtzeitig schaffen; überhaupt festlegen, wo es denn hingehen soll; eine Nacht durchsegeln – aktiv, denn Windsteueranlage haben wir noch nicht; dabei andere Schiffe an den Lichtern erkennen; am „echten“ Meer im Gegensatz zur Adria zu segeln; vielleicht seekrank werden; unterwegs kochen; navigieren; Funkgerät, Plotter, Radar und anderes neues Gerät bedienen; allein verantwortlich sein, wenn ich Wache habe…
Nebel, Leere – ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich keinen Schiss hab!

PS: *www.windfinder.com ist dazu besser geeignet!

Könnte aufmunternde Kommentare und Tips brauchen! Danke!

21. Mai 2013
von Steffi
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Pfingsten – kalt und nass!

Zweite Hälfte Mai und das Wetter ist immer noch besch…

Das Wetter ist so schlecht, dass – und das müsst ihr euch auf der Zunge zergehen lassen,  Tomy vorschlug, einen Ausflug ins Gartencenter nach Edam zu machen! Tomy! Freiwillig! Nicht, dass ihm unser Garten nicht gefallen würde! Nicht, dass er nicht immer hinter mir steht und mich unterstützt, welche ausgefallene Idee auch immer ich in die Tat umsetzten möchte! Nicht, dass er nicht sonst auch schon mal auf meine Bitte hin bei einem Gartencenter anhält! Aber das als freiwilliges Tagesprogramm vorzuschlagen, sagt schon einiges.

Es ist eher kalt, so um die 12 Grad, regnerisch und sehr windig. Und das seit Wochen. Letztes Wochenende war Tomy allein am Boot, er wollte einiges montieren und die „Nöppelkes“ am Teakdeck ausbessern. Doch bei Windstärke 6 flog ihm sein Werkzeug davon…

Versteht mich bitte richtig – natürlich will und brauche ich als Segler Wind, auch gerne Windstärke 6, aber ich erfrorenes Huhn brauche dann auch Sonne! Alles andere ist masochistisch! Aber vielleicht denke ich eines Tages anders darüber.

Auch diese Pfingstwochenende ist nicht viel besser. Immerhin konnten wir in einer windstillern Zeit das Großsegel einziehen. Windstiller heißt nur 3 Beaufort, das ist, wenn der Wind noch dazu von der Seite kommt, immer noch eine Menge Druck im Segel…

Geschraubte Segellatten

Erst fädelten wir das Unterliek in den Baum, dann die Segellatten ins ungebrauchte, doch 23 Jahre alte Segel. Kaum zu glauben – sie werden festgeschraubt!Es dauerte eine Weile bis wir dahinterkamen, dass wir einen Schraubendreher brauchten! Oder was meint ihr – wie kann das sonst gehen?

Tomy fädelte dann auf der Winsch stehend die Reiter in den Mast, während ich – elektrisch – das Segel hochzog. Doch es war schnell Schluss – wir hatten es verdreht. Also wieder runter. Auch der zweite Versuch endete bei zwei Drittel – der Druck im Segel war zu groß. Es gelang uns trotzdem die restlichen Reiter einzufädeln, das Segel auf den Baum zu hieven und mit Lazy Jacks und  Bändseln zu befestigen.

Auch das Vorsegel ist oben. Nachdem ich mit  der Energie des nachmittäglichen Rhabarberkuchens das Segel fast hochgekurbelt hatte, rief Tomy:

„Halt! Es ist verkehrt rum!“

Ein Blick nach hinten oben und ich brach in schallendes Gelächter aus: Ja, das Unterliek,  die lange Seite des Segels flatterte fröhlich hoch oben im Wind! Ein göttlicher Anblick

Doch jetzt ist alles Tuch an Ort und Stelle!

Der Sommer könnte jetzt kommen, doch stattdessen regnet es. Und wie!

27. März 2013
von Steffi
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Was Frost und Flaute außer dem F am Anfang gemeinsam haben

Und ja, da gibt es noch ein Wort, das mit F anfängt, das berühmt-berüchtigte „4 letter“ oder „2 Sternchen“ Wort f**k. Mit dem lässt es sich schön fluchen, was ich nicht gut finde, denn schließlich bezeichnet es doch etwas sehr Schönes, oder?
Ich fluche trotzdem, aber halt mit anderen Wörtern, denn das kalte Wetter zwingt uns zur Untätigkeit.

In unserem Keller sieht es so aus:

Ausrüstung

Da wartet also jede Menge Ausrüstung darauf, ins Boot gebracht, verstaut, installiert zu werden. Wir scharren mit den Füßen, spielen mit der Kupplung, stehen startbereit und ungeduldig am Fenster, es kribbelt in den Fingern: Wir wollen los, etwas tun, unser Schiff ins Wasser lassen, segeln – schließlich beginnt in wenigen Tagen die Saison!

In Monnickendam sieht es so aus:

Eis in Monnickendam

 

 

 

 

 

 

In unserem Hafen De Zeilhoek  so:

Foto Pieter Bosma (Hafen De Zeilhoek)

Foto Pieter Bosma (Hafen De Zeilhoek)

 

 

 

 

 

 

So muss sich Flaute anfühlen!
Na, ja nicht ganz. Da ich weder im Garten (wo auch die Arbeit wartet) noch am Schiff etwas tun kann, nähe ich am Quilt für den „Salon“.

Entwurf Yemanja

 

 

 

 

 

Tomy wiederum hielt es diese Woche nicht mehr aus. Trotz nächtlichen Minusgraden und gerade-mal-eben-so über Null tagsüber fuhr zum Schiff, um die Maststufen anzubringen:

Maststufen

 

 

 

 

 

Er schlief sogar eine Nacht am Boot – obwohl die Heizung kaputt ist!
„Die Milch fürs Müsli war vielleicht kalt!“ Na klar:

Eis am Schiff

 

 

 

 

 

Aber der Schlafsack war warm und gemütlich! Das findet Musja, unsere russische Katze auch:

Musja Schlafsack

 

 

 

 

 

Jetzt genießen wir alle die Wärme unseres Kaminofens!

Auf den Frühling!

Steffi

 

7. November 2012
von Steffi
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In Salvador

Da  sitzen wir nun auf der anderen Seite des Atlantiks: Kokosplamen hinter uns, heißer, weißer Sand unter unseren Füßen, ein Sonnenschirm über unseren Häuptern und blicken auf die heranrollenden Wellen des Ozeans.

„Von dort kommen wir dann“ sagt Tomy.

Dann –

wenn wir wirklich nach Salvador segeln.

Diesmal sind wir wieder einmal mit dem Flugzeug gekommen, 11 Stunden mit der Condor von Frankfurt.

Seit wir vor mehr als 10 Jahren hier gelebt haben, lieben wir Salvador da Bahia. Einiges hat sich seitdem geändert: Manche Straßen sind besser, es gibt keine alten, vom Rost zusammengehaltenen Autos mehr, dafür von den neuen viel, viel mehr. Während einige einst gute Viertel verkommen, werden neue aus dem Boden gestampft, Häuser renoviert. Die Barracas am Strand wurden aus Umweltschutzgründen abgerissen. Und doch hat sich das Meiste nicht geändert:

Fehlende Gullideckel in den Straßen werden immer noch mit Palmwedeln oder anderen Zweigen markiert, die Schlaglöcher sind halsbrecherisch, der Verkehr folgt eigenen Gesetzen, Hunde, Pferde oder Esel streunen durch die Vororte, alles verschimmelt in der salzigen feuchten Luft. Am Strand gibt es immer noch Bier, Caldo de Sururu – nur wird eben nicht in Barracas sondern in den Häusern dahinter oder in mobilen Küchen gekocht. Die Armen verkaufen den Touristen am Strand nach wie vor Queijo, selbstgebrannte CDs, Tattoos, Schmuck und Tücher. Morgens erwache ich mit dem Ruf des Bem-te-vi, abends schlafe ich mit dem Zirpen der Grillen ein.

Ich liebe dieses Land, ich liebe das Leben hier, Salvador da Bahia.

Und doch…

Heute Morgen brachten wir unsere Kinder zur Fähre nach Salvador, durch dichten, chaotisch geordneten Verkehr; rechts überholen, Schlaglöchern ausweichen, Spur wechseln, einfädeln, in traumwandlerischer Sicherheit die richtige Straße wählen. Was für viele Fremde hier Stress pur wäre, erfüllt mich mit Freude: Ich kenne mich hier immer noch aus!

Und gerade deshalb…

… wird die Sehnsucht nach Neuem, nach Abenteuer, nach Herausforderung und Wachstum immer größer!

Ich liege in der Hängematte, überlege, wie ich eine am Schiff spannen könnte. Ich lese von den Weltumseglungen jener, die vor mir den Mut dazu hatten. Ich schließe die Augen und träume.

Erst mal von den Kanalinseln, von Madeira, den Kanaren. Oder lieber von den Kap Verden? Sollen wir von dort direkt nach Salvador? Oder doch erst in die Karibik, so wie die meisten anderen Segler?

Ich weiß es nicht!

Aber eins ist sicher: Übers Meer kommen wir dann!

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