7. Juli 2013
von Steffi
Keine Kommentare

Veere – Vlissingen

English summary below

Schöpferische Pause in Vlissingen!

Wieckse Witte - my favorite Dutch beer

Wieckse Witte – my favorite Dutch beer

Nach dem ausgiebigen Studium von Tidenkalendern, Seekarten, dem Reeds Nautical Almanac und vor allem der Wind- und Wettervorhersage weiß ich: Es gibt sie, die Traumwetterlage um die Biskaya zu queren! Sie ist JETZT!

Für uns ein Jahr zu früh!

Der kräftige Wind weht in den nächsten 7-8 Tagen beständig aus Nordost, die Sonne lacht, die See ist ruhig, von Texel bis  Cap Finistere in Spanien. Die Windkarten der nächsten Tage auf www.windfinder.com sind ein Traum um nach Dover und darüber hinaus zu segeln.

Nur wollen wir wieder zurück, innerhalb von 7-8 Tagen. Und dafür, so sieht es heute aus, könnte der Wind beständig aus der falschen Richtung blasen.

Also bleiben wir auf dieser Seite des Ärmelkanals, segeln morgen von Vlissingen nach Zeebrügge und von da aus kreuzen wir uns wieder die niederländische Küste hinauf.

Pier in Vlissingen

After intensly studying tidal charts, sea maps, the Reeds Nautical Almanac and the wind and weather forecast for the next week I know: The ideal weather to cross Biscay does occur: NOW!

A year too early for us!

It would also be the ideal weather to sail to Dover and beyond – but not back. At least not within the next 7-8 days. But we want to be back on this side of the channel beginning of next week. So we are planning to sail to Zeebrügge tomorrow and then we will go up again.

6. Juli 2013
von Steffi
Keine Kommentare

Hollandsdiep – Veere

Veere!

Gut kann ich mich an meinem ersten Besuch in Veere erinnern! Tomy und ich waren noch nicht verheiratet, wir machten gemeinsam Urlaub in Domburg. Dort aß ich meinen ersten holländischen Matjes – ein Gedicht! Und dann Veere: Diese trutzige Stadt in Zeeland, die so fester wirkt als ihre lieblich leichten holländischen Schwestern, beeindruckte mich schon damals. Tomy und ich spazierten um den Hafen, es war im Frühling und alles wirkte so wild, der Natur abgerungen, und doch so romantisch und schön! Einmal in diesem Hafen mit einem eigenen Boot liegen! Und dann, wie damals köstliche Muscheln aus Zeeland speisen!

Ganz so war es dann nicht. Erst rechneten wir unseren Mast durch die Volkerakschleuse: 2 Meter von der Wasserlinie bis Mastfuß, 2 Meter bis zu der ersten Maststufe, dann 13 x 80 cm Abstand der Maststufen, dann noch 1,5 Meter bis zur Spitze samt Schnickschnack daran – passt! Die unbewegliche Brücke darüber ist 18,50 m hoch, also genug Luft! Die Fahrt durch weitere Schleusen, ehemalige Meeresarme und Flussmündungen, vor allem aber die durchs Veerse Meer, zog sich. Tomy hatte nämlich einen Kartenanschluss falsch gelesen und so prompt 10 Seemeilen unterschlagen: Mein Liebster hat zwar einen Kompass verschluckt und ist unschlagbar, wenn es um die Orientierung in Feld, Flur, Straße und auf See geht, aber Kartenlesen kann ich besser. Da ergänzt sich meine Mäuseperspektive mit seinem Adlerblick!

Das Veersemeer wirkte in der warmen Sommerabendsonne sehr lieblich und südlich. Doch zum Anleger unter der Stadtmauer von Veere zitterten wir unser Schiff: Die in der Karte angegebene Wassertiefe war eindeutig zu wenig für uns! Aber letztendlich reichte sie! Zum Abendessen gab es dann doch auch Seebarsch,  den koche ich mir nämlich nicht selbst.

Werde ich auch einmal in einer roten Handtasche Speck mit mir herumschleppen? Als Köder, damit meine Enkelkinder damit Krebse fangen können? Ich weiß es nicht, wohl aber weiß ich jetzt, wie das geht! Aber das verrate ich nicht, könnt ja sonst jeder kommen! Die drei Jungs am Steg riefen jedenfalls ständig: „Oma!!“

Und Oma lief mit dem Eimer von einem zum anderen, um darin die Krebse aufzunehmen. Opa bestückte derweil die Köder neu mit Speck aus der roten Handtasche…

Veere – eines Tages komm‘ ich wieder und fange Krebse mit meinen Enkelkindern!

Veere am nächsten Tag

5. Juli 2013
von Steffi
Keine Kommentare

Braassemermeer – Hollandsdiep

English summary below

Da wir nicht auf der Flucht sind und keine in den Wehen liegt, blieben wir einen Tag im Braassemermeer. Regen, Nieseln und Feuchtigkeit wechselten sich ab, die diversen Wetterbericht waren sich zwar nicht ganz einig, aber die Tendenz schien klar zu sein: Fahren würde nass und unangenehm sein, der nächste Hafen erst in Gouda, wenn wir dort einen Platz bekommen. Und dann der nächste ist weit! Außerdem brauchte ich Bananen fürs Frühstücksmüsli! Also gingen wir einkaufen und verbrachten den Tag mit Lesen, Schreiben, Chatten…

Heute rauschten wir erst durch holländische Wohnzimmer, vorbei an Windmühlen, Kühen und Schafen nach Gouda. Wir hatten Glück, denn wir kamen genau pünktlich zur Öffnung der Spoorbrug – der Eisenbahnbrücke – vor Gouda. Diese geht nur ein paar Mal am Tag auf, ebenso die Brücke in Dordrecht. Doch unser Konvoi war gut unterwegs, auch das Schleusen klappte super, so waren wir dann abends um halb acht im Gewässer Hollandsdiep. Es blies ordentlich, es war unwirtlich, die letzen Kilometer ab Gouda waren nicht besonders schön, es war einiges an Berufsverkehr und so waren wir müde: Der ruhige Platz im Hafen von Strijensas war genau richtig!

Hier, kurz vor den Volkerakschleusen endet auch die Staande Mast Route!

Due to bad weather conditions – drizzle and rain – we stayed a day in Braassemermeer. The next day we were lucky to catch all opening times of the railway bridges before Gouda and Dordrecht, so we were quite fast. We motor sailed through Dutch living rooms, along windmills, cows and sheep. Later the canal became wider, the wind got stronger, the weather worse, the freight traffic stronger. So we were quite happy to find a quite berth in Strijensas.

4. Juli 2013
von Steffi
Keine Kommentare

IJmond – Braassemermeer

Englisch version below

Die Sonne scheint,  wir lassen den Tag gemütlich angehen. Gestern waren wir noch zu Fuß in Spaarndam, haben uns schon mal die nächste Brücke und die Schleuse angesehen – 8 Kilometer hatschen für nicht sehr viel, denn mehr als ein Bier bekamen wir dort nicht. Aber immerhin kennen wir jetzt die Situation ein wenig und sind sicherer.

Um zwanzig vor zwölf verlassen wir den Hafen, denn die Brücke öffnet um 12:00. Für uns teilt sich dann die Autobahn! Ein Wunder!

Autobahnbrücke

Die Brücke öffnet sich für mich

Doch wir sind nicht allein. Im Konvoi fahren wir durch die Brücke, die Schleuse und weiter nach Haarlem. Vor den ersten Brücken dort staut es sich, alle legen an: Wir müssen für die Durchfahrt bezahlen. Danach heißt es noch etwas warten, einige liegen dafür im Päckchen, andere drehen Runden. Irgendwie lichtet sich das Chaos beim Öffnen der Brücke und alle fahren geordnet durch.

 

Haarlem ist ein sehr hübsches Städtchen, mit Windmühle, typischen Häusern und einladenden Eetcafes. Wir möchten bleiben, doch finden wir kein freies Plätzchen an den öffentlichen Steigern. Also weiter, vorbei an Schwimmhäusern, Hausbooten, Villen, Reihenhäusern mit liebevollen Gärtchen. Irgendwie würd‘ ich gerne hier überall einziehen, wenn ich nicht „höhere“ Ziele hätte…

Vor der nächsten Autobahnbrücke müssen wir zwei Stunden warten, genießen das, was in England „Tea“ wäre und für uns Abendbrot ist: Baguette mit altem Holländer. Um halb sieben abends geht es weiter. Hinter der Brücke führt der Weg scharf rechts durch Oude Wetering. Kurz überlegen wir, ob wir uns dort an die Gemeindesteiger legen, doch wir fahren weiter. Gleich hinter dem Ort öffnet sich der Kanal zum Braassemermeer: Vor uns liegt ein See, immer noch voller Segelboote.  Wir legen bei der Watersportvereniging an, unser Konvoi zieht weiter. Nach und nach kommen die Optimisten, Laser und andere kleine Boote rein. Wir haben genug für heute und bald genießen wir die ruhige Abendstimmung! Tot ziens!

We left the little harbour twenty minutes to 12, as the next bridge opened at noon. The cars on the motorway stopped for us! A miracle!

But we were not alone. We went through the bridge, the next lock and through Haarlem in a convoy. Haarlem is a very nice little Dutch town, with a windmill, typical houses and lots of pubs. We would have loved to stay, but there was no free place. So we followed the convoy, along houseboats, swimming houses, mansions and family houses with lovely gardens. We had to wait for the opening of another bridge for two hours. We had tea – baguette and old Dutch cheese.  We passed the bridge at half past six and went on to Oude Watering. We considered staying there, but went on to the Braassemermeer, where we moored for the night at the Watersportvereniging. The convoy went on while we are enjoying a quiet evening.

4. Juli 2013
von Steffi
Keine Kommentare

Katwoude – IJmond

English version below

Staande Mast Route statt Ärmelkanal! Unser ursprünglicher Plan war ja, erst mal über Amsterdam nach IJmuiden zu fahren und von dort nach Westen oder Süden in die Nordsee. Die Wind- und Wettervorhersage schien uns dafür aber ungünstig zu sein, das heißt, wir wären zwei Tage in IJmuiden rumgehangen. Also entschieden wir uns, erst mal auf der Staande Mast Route zur Schelde zu fahren, genauer auf der alternativen Strecke durch Haarlem. Die eigentliche Strecke geht durch Amsterdam, dort öffnet die Eisenbahnbrücke nur einmal am Tag, bzw. in der Nacht. Wenn wir mit stehendem Mast da durch wollten, müssen wir das also nachts tun. Und dazu hatten wir keine Lust.

Also erst mal an Marken vorbei nach Amsterdam segeln, unter der Hochspannungsleitung durch, über die Autobahn drüber. Dann die Ziehbrücke und die Oranjesluis. Für erfahrene Hollandsegler alles kein Problem, doch wir sind schon ein bisschen nervös, schließlich machen wir das alles zum ersten Mal!

Doch die Niederländer sind ein so unglaublich wohlorganisiertes, freundliches und unkompliziertes, wasser- und seeerfahrenes Volk, dass das alles kein Problem ist! Chapeau! Ich bin voller Bewunderung!

Im Konvoi fahren wir durch die Brücke und in die Schleuse, die ausschließlich für die Recreatievaart gedacht ist. Die großen Schiffe, die Frachtschiffe und Flusskreuzfahrtschiffe, benutzen eine andere Schleusenkammer. Noch vor der Schleuse, aber auch im „Het IJ“, gibt es eine eigene Betonnung neben der Hauptfahrtrinne für die Sportschifffahrt. So können wir Amsterdam von einem neuen Blickwinkel genießen, trotz Frachtschiffen und Aida.

Weiter geht es entspannt durch den Nordzeekanaal, vorbei an großen Hafenbecken, bemerkenswerten Gebäuden und später durch grünes Land. Bald müssen wir links durch eine Brücke in den Zijkanaal C. Kaum drehen wir bei, zeigt die Ampel der Ziehbrücke rot-grün, die Autos bleiben stehen, auf geht sie! Gleich dahinter ist ein kleiner, romantischer Hafen, in dem wir die Nacht verbringen. Schnell stellt sich heraus, dass wir genau unter der Einflugschneise von Schiphol liegen und die Flieger verdammt tief sind… Doch nachts ist es unglaubliche leise!

 

Staande Mastroute instead of Channel! Our initial plan was to sail through Amsterdam to IJmuiden and then south or west. But the weather forecast seemed to be unsuitable, so we took the Staande Mastroute (standing mastroute) to the Schelde. We took the alternative route through Haarlem, as we wanted to avoid going through Amsterdam at night, which is necessary due to one bridge only opening after midnight.

So we sailed by Marken direction Amsterdam. Both, passing opening bridges and locks is new to us, so we were a bit nervous. But the Dutch are a well organized, friendly, relaxed, water sport experienced folk. So passing the first bridges and the Oranjesluis (lock) was a piece of cake. Also sailing „Het IJ“, the main route through Amsterdam to the Nordzeekanaal was easy,  as there are buoys marking the way for sport ships. We could enjoy Amsterdam and the canal despite meeting freight and cruise ships. There are quite some remarkable buildings!

Soon we had to go left through a bridge into the Zijkanaal C. As soon as we turned, the lights on the bridge turned red-green, the cars stopped and it opened! Well done! Right after it there is a little romantic harbor where we spent the night. It is located right under the planes route to Shiphol, and they were quite low! But at night it was completely quiet!