Wir vergolden unser Schiff

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Als ich klein war, habe ich Nüsse für den Weihnachtsbaum vergoldet. Und die Pralinen der Hofbauer Bonboniere hab ich in silbernes und goldenes Papier eingewickelt. Dem Christkind helfen, hat meine Mutter das genannt.

Heute geben wir uns mit solchen Kleinigkeiten erst gar nicht ab: Wir vergolden gleich ein ganzes Schiff! Gut, das Unterwasserschiff ist jetzt blau, nicht gülden, das ist so etwas wie eine optische Täuschung, denn für den Preis hätten wir auch Blattgold nehmen können!

Ich hoffe, das Christkind erinnert sich an meine kindliche Hilfe, und zeigt sich erkenntlich!

Aber von vorne.

Das Rigg zeigte nach drei Jahren Atlantik erste Ermüdungserscheinungen, wobei wir auch gar nicht wissen, wie alt es wirklich war. Nur, dass es bei unserer Abfahrt in Ordnung war. Ein Want mussten wir ja schon in Brasilien austauschen. In Grenada angekommen, war auch das andere Vorderwant gebrochen. Unser Vertrauen ins Rigg war dahin. So gaben wir die vollständige Erneuerung des Riggs hier in Auftrag. Das wurde während unsere Abwesenheit auch zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt. Noch glänzt alles silbern, ob das Material hält, was sein Preis verspricht werden wir sehen. Preiswert ist hier nichts!

Auch unser fiebriger Motor musste nun gründlichst gewartet werden. In Salvador wurde er zwar schon mal behandelt, damals ließen wir aber nicht den Wärmetauscher reinigen. Das holten wir hier nach. Besser holen: Der Mechaniker arbeitet daran. In drei Stunden geht es ins Wasser, dann muss der alte Schwede wieder fit sein!

Das Unterwasserschiff wurde zuletzt vor zwei Jahren in Salvador gestrichen, damals hatten wir noch Farbe mit. Ich persönlich frage mich, ob das überhaupt etwas nutzt, denn immer wieder musste ein Taucher den Rumpf mit dem Spachtel von Muscheln und Co. befreien. Einzig in den Flüssen in F. Guyana und Surinam fiel alles von alleine ab. Hier angekommen und trocken gelegt, war nur mehr ein kläglicher Rest Farbe am Rumpf, stellenweise war das Gelcoat angriffen. Besonders traurig sah der Kiel aus. Wir waren ja vor Lencois in einer Sandbank stecken geblieben, das hatte ihm wohl nicht gut getan: Er war total verrostet.

Vorher

Leider ist unsere Farbe für den Unterwasseranstrich hier nicht erhältlich. Wir versuchten zwar welche hierher zu senden, doch gilt sie als Gefahrengut und wird von DHL nicht transportiert. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als den alten Anstrich komplett runterzuholen und alles neu aufzubauen. Im Klartext:

Sandstrahlen, Epoxy drauf, zwei Lagen Primer, dann zwei Lagen Antifouling, International Micron 66. Von letzterem kostet ein Eimer hier rund 300 Euro, vier sind dran…

Yemanja ist jetzt unten rum zwei Millimeter dicker. Unsere Börse ein paar Zentimeter dünner.

Yemanja ist wieder rundum schön!

Sicher, wir hätten das auch selbst machen können. Schleifen und Polieren in der feuchten Hitze wären hier kein Vergnügen gewesen, abgesehen davon hätten wir das nie so sauber hinbekommen. Streichen hätten wir selbst können, aber wie sagt meine Mutter immer:

„Ist des Kaiberl hin, kann die Kuh auch gehen“

Die Jungs hier in Spice Island Marine haben gute Arbeit geleistet, sehr sauber und sorgfältig, auch mit Schutzanzug und Mundschutz. Umweltschutz kommt ein wenig kurz. Der Besitzer des Shipyards hat mir zwar gezeigt, was sie hier alles tun, damit das Meer sauber bleibt, auch hat er mir versichert, dass er seine Leute anhält, den Arbeitsplatz und den Shipyard sauber zu halten. In der Praxis fehlt es den Leuten wohl an Verständnis und an Bildung. Er selbst kontrolliert zwar auch immer wieder, jedoch nicht mit meinem kritischen Auge.

Spice Island Marine

Die arbeiten gut hier, in Spice Island Marine

Wenigstens aufs Christkind ist Verlass. Oder auf die Lebensversicherung, ist ja irgendwie dasselbe: Eins fürs ewige Leben, eins fürs endliche. A bisserl können wir noch segeln.

Demnächst mit Tom, der uns schon über den Atlantik begleitete, seiner Schwester und seiner Nichte rauf nach Union Island und den Tobago Cays. Oder so.

Hab ich gerade auf Facebook gelesen: „Ein Seeschiff zu besitzen ist, wie freiwillig unter einer kalten Dauerdusche Geldscheine zu zerreißen“

Wenigstens ist die Dauerdusche hier warm!

INFO

Trockendock: Spice Island Marine Service

Rigg und Segelreparatur: Turbulence

Motor: Grenada Marine

Unterwasseranstrich: Spice Island Marine Service

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