Sturm. Segler über ihre dramatischten Stunden – Rezension

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Darf ich das? Eine Rezension für ein Buch schreiben, an dem ich mitgewirkt habe? Ich schaue mir die illustren Namen der anderen Autoren an: Wow, mein Name in einer Liste mit Rollo Gebhard, Bobby Schenk, erfahrenen Weltumseglern und anderen bekannten Autoren! Viele haben schon eigene Bücher herausgegeben oder schreiben für die Yacht. Insgesamt 30 Segler haben an dem Buch mitgewirkt. Mein Beitrag macht gerade mal fünf Seiten von dem 300 Seiten dicken Buch aus: Ich beschließe, ich darf!

In Sturm. Segler über ihre dramatischten Stunden hat Thomas Käsbohrer die Geschichten von 30 Seglern gesammelt, die es mit Sturm und Wellen aufnehmen, um ihr Schiff, ihre Crew und sich selbst wieder sicher an Land zu bringen. Es ist der 19. Band aus dem Haus millemari., erschienen in der Reihe BIBLIOTHEK DER EXTREME.

Lange, lange mussten wir Autoren und vor allem du, lieber Leser, auf das Erscheinen dieses Buches warten! Immer wieder kamen den Herausgebern andere Projekte in die Quere, doch endlich ist es so weit: Ich halte mein Autorenexemplar in den Händen!

Wie bei den anderen Büchern des Verlages millemari. fällt mir als Erstes die liebevolle Gestaltung auf: Jedes Kapitel wird mit einem kurzen Teaser überschrieben, Zeichnungen eines Kompasses oder von Seemannsknoten heben diese Einstimmung von dem eigentlichen Text ab. Manche Seite ziert ein flotter Spruch über die See, Segeln, Schiffe oder den Wind.

Mir gefällt es!

Fotos suche ich in dem Buch vergebens. Das ist leicht verständlich: Wer um Schadensbegrenzung oder gar um sein Leben kämpft, zückt nicht den Fotoapparat! Es gibt kaum Fotos von Schiffen im Sturm!

Aber viele Geschichten davon!

Schon in der ersten erkenne ich mich ein wenig wieder: Die Erzählerin würde so wie ich lieber mit einem Rucksack als mit einem Schiff um die Welt reisen. Wie ich, vertraut und liebt sie ihren Mann. Sie hat allerdings etwas, das ich nach ihrem Erlebnis nicht mehr hätte: Den Willen weiter zu segeln.

Ich blättere um, lass mich treiben. In machen Geschichten erkenne ich Bekannte aus den Facebook- Segelforum. Nun ja, das wird anderen auch dir, lieber Leser, mit mir und anderen so ergehen. Ich treffe auch auf gute Freunde: Marcel von der CHULUGI schreibt über eine Kaltfront in Brasilien. Und ich treffe auf die schon erwähnten Legenden des Segelsports. Allerdings, die Erzählung von Rollo Gebhard ist mir persönlich einfach zu lang! Andere mögen das Buch wegen seinem Beitrag schätzen.

Nach ein paar Seiten beginne ich mich zu fragen, ob ich das Buch wirklich lesen will: Lege ich damit nicht meine Aufmerksamkeit auf das Unerwünschte? Gebe ich ihm da nicht viel zu viel Energie? Andrerseits: Aus vielen Erlebnissen lässt sich lernen, wie man es richtig und wie man es besser nicht macht. Welche Fehler man vermeiden könnte. Aber auch, dass sie immer wieder vorkommen! Niemand ist davor gefeit!

„Die Segler aus diesem Buch sind weder verwegen noch ungewöhnlich mutig, weder abenteuerlustig und schon gar nicht auf der Suche nach dem schnellen Kick. Es sind ganz normale Menschen, die das Meer lieben und – obwohl sie seine Tücken kennen – doch in eine Situation gerieten, die sie sich so niemals hätten vorstellen können“, so der Herausgeber Thomas Käsbohrer.

Und diese Situation doch meistern! Und das macht Mut, gibt Zuversicht und Vertrauen!

Also lese ich weiter von den Stürmen rund um die Welt, vom Norden in den Süden, im Mittelmeer, in der Ostsee, am Ijsselmeer, am Atlantik, auf den Kanaren, in der Karibik, im Pazifik, im Indy und auf der Havel und sogar in den uns wohlbekannten Maasplassen bei Roermond. Von Wind gegen Strom, von Düseneffekten, von Hurrikans, Windhosen, von Gewittern und Tornados.

Zwischen den Erlebnissen klärt Sebastian Wache von wetterwelt.de über die wichtigsten Wind- und Sturmsysteme weltweit und über lokalen Besonderheiten wie Mistral oder Bora auf. Ich finde seine Ausführungen etwas verwirrend, ich vermute das liegt einfach an der Komplexität des Wetters! Neues und Interessantes erfahre ich trotzdem. Ich muss seine Ausführungen allerdings konzentrierter als die Geschichten lesen.

So wendet sich das Buch nicht nur an Segler und Wassersportler sondern an jeden, der an Abenteuern und dem meistern von schwierigen Situationen interessiert ist. Machen spannende Geschichten, auf dem Sofa vor dem Kamin gelesen nicht erst einen kalten Winterabend so richtig gemütlich?

Wenn jemand etwas über Sturmtaktik lernen möchte, so ist das das falsche Buch, auch wenn man durchaus aus den Erzählungen lernen kann. Sicher, das eine oder andere Mal geht eine Geschichte nicht ganz so gut aus: Es gibt Tote (Hühner) und Verletzte, verlorene Schiffe. Manche Geschichten sind nüchtern und kühl, andere schon fast poetisch schön. Die Botschaft in ihnen ist jedoch ermutigend: Shit happens – doch wir sind alle stärker als wir denken!

Das Buch:

Sturm.
Segler über ihre dramatischsten Stunden.
ISBN 978-3-946014-07-2
300 Seiten, VK 24,95 €
Lieferbar seit November 2017
Erhältlich direkt beim Verlag, bei Amazon und natürlich in der Buchhandlung deines Vertrauens vor Ort! Auch als E-Book.

Sturm. Segler über ihre dramatischten Stunden

PS: Sollte sich das Buch wie warme Semmeln verkaufen, könnte es sein, dass ich tatsächlich ein Autorenhonorar bekomme, das hoch genug ist, um mir eine Zimtschnecke zu kaufen. Bis dahin backe ich sie mir selber! Demnächst am Blog!

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