Zwei Abschiede und ein freudiges Willkommen

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Leben ist das, was geschieht während der Mensch plant.

So oder so ähnlich lautet ein Sprichwort. Aber manchmal ist es auch Sterben. Andrerseits kann Sterben auch Platz machen, für das Neue, das Neugeborene…

Am Sonntag, den 12. März,  erreichte uns die Nachricht, dass Tomys Mutter im Sterben liegt. Seit Jahren litt sie an Alzheimer, seit Jahren erkannte sie Tomy nicht mehr. Zum Schluss vergaß sie zu Schlucken. Oder zu leben. Vielleicht war es auch ganz anders.

Mein Heimflug war sowieso für Donnerstag geplant, am Dienstag sollte Yemanja aufs Trockendock kommen und für die Hurrikansaison gesichert werden. Termine zur Erneuerung des Riggs und zum Warten des Motors und des Wärmetauschers konnten wir auf den Herbst verlegen. Schließlich buchte unsere jüngste Tochter noch Tomys Flug um, sodass er mit mir nach Hause fliegen konnte.

Tomys Mutter starb noch bevor wir wieder daheim waren, aber immerhin kamen wir rechtzeitig zur Beerdigung. Damit konnte er seiner Schwester wenigstens eine kleine Stütze sein. Verabschiedet hatte Tomy sich von seiner Mutter schon lange…

Beerdigung aus der Sicht eines Dreieinhalbjärhigen: „Das ist die Uroma in der Kiste. Und die Männer mit dem Kran, die die Uroma in die Erde lassen. Und die Blumen. Und der Mann mit dem großen Holz.“

All unsere Segelpläne hatte allerdings schon unsere mittlere Tochter im September über den Haufen geworfen: Ende März sollte unsere erste Enkeltochter zur Welt kommen!

Aus der Traum von einer paradiesischen Segelsaison in der Karibik! Aber der Traum von einem neuen kleinen Engel lässt mich das nicht bedauern, auch Tomy fand sich schnell mit den neuen Gegebenheiten ab: Mitte März würden wir Yemanja an Land holen, für die Hurrikansaison sichern und einen langen Urlaub zu Hause verbringen.

Und es war gut so! Denn in diesem März geschah noch so viel mehr:

Vierzehn Tage nach dem Tod der Schwiegermutter mussten wir uns von unserer Tessa, unserem treuen Hund verabschieden. Sie war uns vor mehr als 16 Jahren in Brasilien zugelaufen, genauer: Sie war Tomy beim Joggen nachgelaufen und suchte sich ihn zielsicher als Chef aus. Sie war ein fröhlicher kleiner Hund, ein brasilianischer Terrier. In Brasilien buddelte sie nach den Krebsen im Sand, hier im Feld nach Mäusen. Am liebsten jagte sie den Hasen hinterher. Wie viele Stunden stand ich fluchend am Feldrand und wartete, dass sie wieder auftauchte! Alle Kinder liebten sie, ja in Russland fiel sogar ein erwachsener Mann vor ihr auf die Knie und küsste sie! Sie flog mit mir zwischen St. Petersburg und Deutschland hin und her, begleitete mich durch so viele schöne und manchmal auch schwere Tage! Sie war so eine unglaubliche Bereicherung in unserem Leben. Leider konnten wir sie nicht zum Segeln mitnehmen, sie bekam panische Angst, sobald wir Segel setzten. Während unserer Abwesenheit kümmerten sich unsere Tochter und ihr Mann rührend um sie.

Tessa,, in der Blüte ihrer Jahre

Tessa war fast 17 Jahre alt, hörte nichts mehr, sah nicht mehr viel, selbst schnüffeln war mühsam. Sie hatte in den letzten zwei Jahren immer wieder Probleme mit dem Rücken. In der Nacht zum 28. März konnte sie sich plötzlich kaum mehr bewegen, selbst das stärkste Schmerzmittel half nicht – wir konnten nicht länger mit ansehen, wie sie sich quälte! Ob das nun an einem Bandscheibenvorfall, oder an einem Tumor, oder einer Thrombose oder was auch immer lag, wissen wir nicht, es war einfach nur furchtbar. Sicher, wir wussten, dass es diesen Sommer wohl soweit sein würde, aber so kam es doch plötzlich: Ich hatte doch so sehr auf noch ein paar schöne Stunden mit ihr gehofft! Immerhin konnten wir zuletzt bei ihr sein. Wenn ich jetzt Fotos von dem fröhlichen kleinen Jäger ansehe, dann weiß ich, dass es Zeit für sie war. Trotzdem – ich vermisse sie so sehr!

Alles ist immer noch da, nur in anderer Form – sagen die Hopis

Doch am letzten Tag brachte dieser März auch noch die große Freude: Unsere erste Engelstochter! Sie ist so unglaublich süß! So ein kleines, herziges Wunder! Die beiden Cousins sind auch ganz hingerissen.

Willkommen auf Erden, kleiner, großer Engel! Ich freu mich auf die nächsten Monate mit dir!

4 Kommentare

  1. Ein bekannter Autor schloss immer mit den Worten: „man wird ja wohl noch fragen dürfen“. Das kommt mir gerade auch in den Sinn. Hier findet man ja allerlei Geschichten, aufgefallen ist mir dabei, das die Kommentarfunktion so gut wie niemand nutzt. Ich denke mir, wenn ein Autor schreibt, möchte er, dass man das auch liest und darüber in Gedanken kommt, oder vielleicht auch nur schmunzelt. Was für einen Sinn hätte das öffentliche Schreiben sonst? Bei der letzten Geschichte kam mir in den Sinn, wie man mal eine Antwort bekommt, man regt einfach den Leser nur genug auf, so dass es ihn packt, etwas zu schreiben. Glückwunsch! Das ist dir gelungen. Tomys Mutter ist gestorben, liest man da, aber auch, dass sie eigentlich schon längst lebendig gestorben ist. Lieber schnell zum nächsten Thema, Enkeltochter und der Hund. Da werden Geschichten und Anekdoten bemüht, die sich in vielen, vielen Zeilen niederschlagen. Gibt es keine schöne Geschichte über die Mutter zu erzählen? Groteske Gedanken erwachen in mir, den Hund kann man passend einschläfern und beim Sterben zusehen, bei der Mutter muss man irgendwo warten. Warum wirft denn die Enkeltochter die Pläne über den Haufen? In diesem Blog wird munter nach Hause geflogen, wann immer es passt. Warum musste Tomy sich dann mit den Gegebenheiten abfinden? Wird das Kind nicht bei den Eltern auch alleine groß? Das klingt denn mehr nach Zwang, denn nach Wille. Handelt es sich hier um einen Segelblog oder um ein Tagebuch? Wenn ich es mal als Weltreise verstehen will, dann lebt sie doch von Reise um die Erde und nicht von a nach b, wieder nach a, dann mal nach c und d, mal wieder a. Das würde ich dann mal als Urlaube betrachten. Und meine letzte Frage, wird der Segelblog denn dann auch bis zur Weiterreise stillgelegt?

    • Hallo Willy,

      ja, man wird mal fragen dürfen: Muss ich mich hier rechtfertigen, was ich warum schreibe? –
      Nein, muss ich nicht. Du bekommst trotzdem eine Antwort:

      Ich lese deine ersten Zeilen so, als würdest du mir unterstellen, den Artikel nur geschrieben zu haben, um Kommentare oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Nun, ich habe ihn geschrieben, um den Lesern des Blogs und einem großem Freundes- und Familienkreis zu erklären, warum ich lange nichts gepostet habe und warum wir zu Hause sind. Der Inhalt, Tod und Geburt, sind tatsächlich Themen die Stellungnahmen provozieren. So haben uns auf vielen Kanälen daraufhin Anteilnahme und Glückwünsche erreicht.

      Nein, es gibt keine Geschichten über die Mutter hier öffentlich zu erzählen.Das machen wir mit jenen Menschen die uns wirklich nahe stehen.

      Stimmt, Tiere haben das Privileg keine Schmerzen erdulden zu müssen. Wie du auf die Idee kommst, dass wir bei der Mutter irgendwo gewartet haben, erschließt sich mir nicht.

      Ja, das Kind wird auch bei den Eltern alleine groß. Die Frage ist, ob die Eltern möchten, dass ihr Kind ohne die Bereicherung durch Großeltern groß wird, oder die Großeltern auf die Freude, die diese Kinder in ihr Leben bringen, verzichten möchten. Unsere Antwort ist da ein ganz klares Nein. Möglicherweise haben du und wir eine andere Vorstellung von Familie. In unserer helfen wir einander gegenseitig. Wir könnten diese Reise ohne die Unterstützung einer großen Familie nicht machen, ebenso können unsere Enkelkinder ohne unsere emotionale und tatkräftige Hilfe nicht optimal groß werden. So ist es für uns selbstverständlich, den Plan die hurrikanfreie Zeit in der Karibik zu segeln, zu ändern, wenn die Tochter ein Kind bekommt, um für sie da zu sein – so wie es Großmütter und Mütter seit Jahrtausenden tun.

      Zwang gibt es beim Segeln immer wieder: Flaute und Sturm zwingen zum Warten, es gibt finanzielle, gesundheitliche oder familiäre Zwänge und manchmal sind auch die Verträge mit Marinas zwingend. Es gibt immer verschiedene Wege, mit diesen Zwängen umzugehen: Wir haben uns entschieden, den Zwang der Marina und der Versicherung, das Schiff für 6 Monate während der Hurrikansaison still zu legen zu folgen. Du, wie viele andere, hättest vermutlich einen anderen Weg gewählt.

      Zum Thema Blog zitiere ich Wikipedia:
      „Das oder auch der Blog /blɔg/ oder auch Weblog /ˈwɛb.lɔg/ (Wortkreuzung aus engl. Web und Log für Logbuch) ist ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.“

      Dieser Blog ist also ein Weblogbuch, oder Webtagebuch über eine lange Segelreise. Ich bin keine Seglerin, deshalb stehen bei mir auch nicht die seglerischen Herausforderungen, sondern die Begegnung mit Land und Menschen wo auch immer, im Vordergrund.

      Unsere Reise war als Weltumsegelung geplant, aber da gibt es viele Formen: Manche rasen in eineinhalb Jahren um die Welt, andere brauchen 14. Manche fliegen immer wieder zwischendurch zum Arbeiten oder wegen der Familie nach Hause, andere kehren nie wieder zurück. Manche lassen alles hinter sich, andere eben nicht. Niemand kann beurteilen, was die einzig wahre Art einer Weltumsegelung oder Weltreise ist. Und wenn jemand seine Pläne ändert und umkehrt, wie es viele tun, so sind sie doch erst mal losgefahren, während viele andere nur davon träumen.

      Ja, der Blog wird in der Segelreisepause weitergeführt. Ich werde weiterhin über die Begegnung mit Mensch und Land schreiben, egal mit welchem Transportmittel ich Reise: Auto, Bus, Flugzeug, Segelschiff, Fähre oder Fantasie.

      Dir steht es frei, das zu lesen oder auch nicht.

      Und jetzt wünsche ich dir noch viel Spaß beim Lesen von jenen Blogs, die mit deinen Vorstellungen von Blogs, Segeln und Weltreise übereinstimmen. Ich freue mich derweil über jene Leser, denen meine Inhalte gefallen – ob sie mir das nun auf Facebook, per Email, in einem Kommentar oder sonstwie mitteilen, oder auch nicht.

      Liebe Grüße
      Steffi

  2. Hallo Steffi,
    Freud und Leid liegen manchmal ganz kurz beieinander. Wir haben ähnliches wie ihr mit unserem geliebten Kater „Gilli“ durchgemacht. Er lebt weiter in unserer Email-Adresse und wir werden ihn nie vergessen.
    Und herzlichen Glückwunsch zum neuen Enkelkind! Ja, am 31. März werden ganz besondere „Engelskinder“ geboren. Unsere beiden Töchter z.B. erblickten an genau diesem Tag vor 42 Jahren an einem Ostermontag das Licht der Welt.
    Liebe Grüße aus Lido di Ostia/Rom und eine schöne Zeit in der Heimat
    Christine und Heinz von der Anima mea

    • Liebe Christine, Lieber Heinz,
      vielen Dank euch beiden! An euren Kater kann ich mich „erinnern“, schließlich habt ihr uns ja die Email-Adresse erklärt.
      Deinen Zwillingen noch nachträglich alles Liebe und Gute zm Geburtstag und weiterhin viel Spaß im Mittelmeer!
      Steffi

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