30. September 2014
von Steffi
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Baia d’Abra – Madeira

So, heute ist die Küste von Land aus dran:

Noch vor dem Frühstück gehen wir zum Leuchtturm, denn die Kaimauer hier ist zu hoch um auf das Meer blicken zu können: Dort draußen jagen Delphine! Links davon steigt ein Blas in die Luft – ein Wal!
Später lese ich, dass einige Whale Watching Veranstalter auf Maderia Delphinsichtungen garantieren: Wer keine sieht, darf nochmal frei mit!

Nachmittags wandern wir auf der Halbinsel São Lourenço, dem einzigen Teil Madeiras, der nicht grün ist. Seine Zier sind atemberaubende Felsformationen und faszinierende Gesteine, aufgeschichtet in Schichten; rote, graue, schwarze, gelbliche; gekörnte und glatte, durchbrochen von Lava Kaminen – Die Kraft der Vulkane, die diese Insel aus dem Meer hoben und sie gestalteten, liegt hier zu unseren Füßen. Da gibt es nicht viel zu sagen, das muss frau sehen:

DSC_0156

Hinter dem Durchbruch ist ein wunderschöner Strand mit Grillplatz, nur mit Dinghi erreichbar

Sao Lorenco

Sao Lorenco

Sao Lourenco, Baia d'Abra

Sao Lourenco

Kleiner Lava Kamin

Kleiner Lava Kamin

Sao Lorenzo

Sao Lorenzo

Zutraulicher Salamander

Zutraulicher Salamander

Die vielen atemberaubenden Ausblicke auf kleine Buchten, Höhlen, Durchbrüche und azurblaues Meer machen uns wieder Lust aufs Wasser. Wir blasen das Dinghi auf, sehr zur Freude der beiden energiegeladenen Patterdale Terrier der Nachbarn: Sie lassen die Fische nicht aus den Augen.

Dann geht es los zum Überhang mit Durchbruch und dahinter in die kleine Bucht mit einsamen Badestrand: Welch seltenes Juwel auf Madeira, das doch so gut wie keine Strände hat! Azurblaues, angenehm warmes Wasser, große Kiesel, rote Felsen mit Drachenzähnen aus erkalteter Lava, ein Blick auf die andere Seite – ich bin im siebten Abenteurerhimmel!

Langsam nähern wir uns dem Strand, das Wasser wird immer flacher. Tomy gibt mir Anweisungen: „Krempel dir die Hose auf, spring ins Wasser und halte mich ab, damit der Motor nicht über die Steine schrabbt!“
„Hochkrempeln wird nichts nutzen, ich zieh sie lieber aus!“
Gesagt, getan, ich springe ins scheinbar seichte Wasser, erwarte bis zur Mitte der Oberschenkel nass zu werden.

Platsch, stehe ich bis unter die Arme im Wasser!

Nachdem wir das Dinghi an Land gezogen haben, klettere ich zögerlich zu den Treppen vor dem Felsen. Dort hängen seltsame Drähte, auf einem Schild steht: „Gefahr! Rattenbekämpfung!“ Noch vorsichtiger klettere ich weiter –
und breche in schallendes Gelächter aus!

Dort, weit abgelegen und unzugänglich, versteckt hinter einem Felsen, ist ein Grillplatz mit Tisch und Bänken, einer Hängematte und einer – Kühltruhe!

Geheimer Grillplatz

Geheimer Grillplatz

(In die Kühltruhe kommt das mitgebrachte Kühl-Eis, da hinein das Bier!)

Nach dem Schwimmen sammle ich noch eine Tüte mit Plastikabfall: Am Morgen hatte ich gelesen, dass weltweit in jeder Sekunde 206 Kilo davon ins Meer gelangen! Mein gesammeltes Kilo macht das Kraut also nicht fett, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf! Vielleicht rette ich ja wenigstens ein Lamm, Verzeihung, einen Vogel oder einen Fisch!

Wir fahren zurück, wir haben ja kein Grillzeug mit! Diesmal bleiben wir dicht unter der Küste, um einen Blick in alle Höhlen zu werfen.

Ich bin restlos hin und weg! Madeira, Madeira, ich hab mich schon wieder in dich verguckt!

Wir hatten nur die Action Pro Kamera mit, die Fotos sind also nicht so gut, aber vielleicht kann euch das Video ein wenig begeistern.

28. September 2014
von Steffi
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Wale!!!!

Wenn hier jemand glaubt, dass wir zu einer kleinen Gruppe Wahnsinniger gehören, die sich in den Kopf gesetzt hat, weit zu segeln: Weit gefehlt!

Am Kai von Porto Santo haben sich schon hunderte Crews verewigt, viele mehr sind weiter, ohne sich die Mühe zu machen. Wahre Kunstwerke sind dazwischen! Auf den ersten Blick fallen mir drei österreichische Flaggen auf: Die Aleppo und die Cayenne waren hier, von beiden habe ich schon im Internet gelesen, ebenso von der deutschen Amazone. Und seit heute Morgen prangt auch unser Logo auf der Kaimauer von Porto Santo!

PS Kai

Künster am Werk am Kai von Porto Santo

Tomy vor unserem Logo

Tomy vor unserem Logo

Durch unseren kreativen Anfall werfen wir erst mittags die Leinen in Porto Santo los. Vor uns liegt ein glattes, tiefblaues Meer. Und wenig Wind. Wir nehmen Kurs auf die Klippen vor Madeira. Vor ein paar Jahren spazierte ich dort mit Melisa, unserer jüngsten Tochter, völlig hingerissen von dieser grandiosen Küste: Die wollte ich Tomy zeigen, vom Meer und vom Land aus!

Hinter dem letzten Felsen von Porto Santo kommt etwas Wind auf, 9 Knoten, wir setzen Segel. Eine Stunde schippern wir gemütlich dahin, dann geht der Wind auf 4 bis 6 Knoten zurück – zu wenig um die spektakuläre Küste bei Tageslicht zu erreichen.

Wieder muss der Unterwasserwind an die Arbeit gehen!

Dafür ziehen wir jetzt zum ersten Mal einen Köder hinter uns her. Die Angelrute samt Ausrüstung bekamen wir von Jochen, jenem Segler aus Bahia, den wir in Katwoude vor einem Jahr trafen. Was wir damit tun sollen, damit ein Fisch anbeißt, erklärte uns Martin von der Ganescha. Nun heißt es eigene Erfahrung sammeln: Passt der Köder? Muss mehr Blei dran? Mehr Leine? Sind wir zu schnell oder zu langsam?

Und vor allen Dingen: Was machen wir, wenn wirklich ein Fisch anbeißt? Töten? Wie? Wer?

Doch was ist das? Etwa ein bis zwei Meilen seitlich vor uns kocht die Luft mit Möwen, die übers Wasser jagen: Ein sicheres Zeichen, dass im Meer darunter größere Jäger ihre Beute zusammentreiben. Doch welche? Delfine sind es nicht, das sieht anders aus. Außerdem blasen die keine Wasserfontänen in die Luft!

Wale!

Leider oder Gott sei Dank, je nachdem, sind sie recht weit weg, wir können sie nur durch das Fernglas beobachten. Laut Walbestimmungsbuch tippen wir auf Schwertwale. Die Recherche im Internet am Abend ergibt – ja, die gibt es hier. Und außerdem noch Pottwale, Blauwale, Orcas, jede Menge Delphine und und und… Wow!

Kurze Zeit später nähern wir uns dieser beindruckenden Küste. Deutlich sind die Schichten und Verwerfungen, ja die Magnakanäle der erkalteten Vulkane erkennbar. Welch ungeheuren Kräfte diese Insel tief aus dem Meer gehoben haben! Ich spüre diese schlummernde und doch lebendige Kraft fast körperlich als lebensspendende Wärme, sie berührt eine verschüttete Macht in mir. Wahnsinn!

Tomy sagt, ich spinne…

Kurz vor der Einfahrt zur Marina gibt Tomy nochmals Gas, jagt den Motor auf 2100 Umdrehungen hoch. Schrrriiillll!
Da schnurrt dieser Motor 35 Stunden mit 1800 Umdrehungen durch, doch bei 2100 fühlt er sich am Schwanz getreten!
Kaum geht Tomy vom Gas ist alles wieder gut. Trotzdem werden wir dem Ganzen auf Grund gegen müssen!

Jetzt liegen wir sicher, ruhig und geborgen im Faller-Häuschen- oder Spielzeugeisenbahn-Dorf Quinta do Lorde. Dieser Ort ist als Ferienanlage mit Marina künstlich doch typisch aus dem Boden gestampft worden. Außerhalb der Hauptsaison ist hier nicht viel los: Über uns glitzern die Sterne, neben uns steigt quasi Lava hoch. Außer zirpenden Grillen hören wir nur, wie die Fische unseren Rumpf sauber knabbern. Uns ist’s recht, wir ziehen die Geräusche der Natur meist den menschlichen vor.

Seht ihr den Lavastrom links zwischen den Masten hochsteigen?

Seht ihr den Lavastrom links zwischen den Masten hochsteigen?

Fairerweise muss ich gestehen, dass andere das auch anders sehen: „Das ist sozusagen ein „Retortenhafen“; frische Legobauweise mit Palmen. Alles neu, pur für Urlauber – nur waren diese nicht da. Es war fast unwirklich… ohne Bewohner, ohne Flair, aber teuer.“ Zumindest für die 44 Fuß X-Yacht GarliX, von deren Blog dieses Zitat stammt.Für unser kleines Schiff ist der Aufenthalt nicht teuer, wir haben schon für viel weniger einiges mehr bezahlt. Teuer ist allerdings das Drumherum, das Bier an der Bar ist nicht unsere finanzielle Priorität.

Quinta do Lorde

Quinta do Lorde

Also kommt her und seht selbst!

Nicht so einfach?

Ich finde es auch unglaublich, dass ich, als unsportlichstes Wesen der Welt, außerdem Nicht-Seglerein, bis nach Maderia gesegelt bin!

Ich bin zutiefst beeindruckt von mir selbst!

27. September 2014
von Steffi
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Porto Santo

Es ist nicht alles Wüste, das kahl und trocken ist.

Ja, Porto Santo überrascht: Die auf dem ersten Blick unwirtlich und menschenleer wirkende Insel entpuppt sich als ein wunderhübsches, gepflegtes Inselchen voller Villen, Blumen und großartiger Ausblicke. Doch der Reihe nach.

Als wir ankommen, sind wir erst mal landkrank: Der Stuhl schwankt unter meinem Popo, die Tischplatte bewegt sich und wir können kaum geradeaus gehen. Wenn ich den Kopf zu sehr über die Tastatur beuge, wird mir schlecht. Ich poste und chatte schnell, dass es uns gut geht. Dann gehen wir auf Erkundungstour: Kontrolliertes Bewegen bringt unsere aufgewühlten Gleichgewichtskügelchen am schnellsten zur Ruhe.

Wir spazieren entlang der Hauptstraße in den Ort. Was fürchterlich klingt, ist beschaulich: Autos fahren hier praktisch nur, wenn die Fähre kommt oder geht. Links liegt der Strand, bald stehen auf beiden Seiten hübsche, gepflegte Häuschen in blühenden Gärten. Vom Strand in der Ortsmitte geht ein Pier ins Meer hinaus, davor ist ein Festplatz, ein Spielplatz, ein gut sortierter Supermarkt – wie ich später erfahre, der einzige auf der Insel – und ein paar Imbiss- und Souvenir-Standeln. Der Duft von Bolos de Caco, einer lokalen Brotspezialität, steigt in unsere Nase. Wir haben Hunger so kaufe ich zwei, je eines mit Chorico und eines mit Knoblauchbutter, für insgesamt 4 Euro. Wir erwarten einen kleinen Imbiss und bekommen das Abendessen gleich mit: Das Chorico Brot essen wir vor Ort, dann sind wir erst mal satt. Das zweite Brot wird dick mit Knoblauchbutter beschmiert, ich schätze mindestens die Menge, die in einer Meggle Packung ist. Wir nehmen es mit nach Hause, nochmal kurz geröstet ist es gemeinsam mit Tomatensalat ein köstliches Mal.

Am nächsten Morgen quäle ich mich um halb acht aus dem Bett. Offensichtlich bin ich nach den vier Nachtwachen doch erschöpfter als gedacht. Doch ich muss auf, denn Melle, unsere Älteste, hat nur um Acht hier, Neun in Deutschland, Zeit zum Skypen. Während Tomy leckere Brötchen* holt, plaudere ich mit Melle und sehe Lian bei der Nahrungsaufnahme und Nahrungsabgabe zu. Danach rutscht er munter durchs Wohnzimmer, zieht sich hoch, greift nach dem Telefonkabel, versucht es aus der Wand zu ziehen, läuft eine paar Schritte…

Melle meint, ich soll froh sein, dass ich ihn nicht rieche ;-)!

Welch wunderbare Art und Weise einen Tag zu beginnen!

Bevor ich zurück zum Schiff gehe, stutze ich – sind das heimatliche Klänge, die da an mein Ohr dringen? Ich quatsche die Herren am Nachbartisch – für Internet muss ich ins Cafe – an. Ja, er ist tatsächlich aus Österreich und wird als Crew mit 9 anderen nach Argentinien segeln. Auch der Skipper sitzt dabei, es ergibt sich ein interessantes Gespräch, das meine Sehnsucht nach Südamerika nährt.

Nach dem Frühstück bin ich wieder verabredet, diesmal mit unseren Zwillingen, welche es sich mit Tessa und Mussja, also Hund und Katz, zum Skypen auf dem Sofa bequem gemacht haben. Auch das Plauderstündchen mit den Beiden genieße ich sehr.

Auf dem Rückweg zum Schiff treffe ich Malou und Camille. Die beiden charmanten Mädchen, 11 und 7 Jahre alt, malen mit ihrem Opa das Logo ihres Schiffes auf die Kaimauer. Ich frage das Grüppchen auf Englisch, wo sie die Farbe gekauft hätten. Malou, die Ältere, antwortet ganz natürlich und selbstverständlich in fließenden Englisch. Auch ihre kleine Schwester quasselt munter auf Englisch drauflos, nicht alles richtig, doch alles ausdrückend. Die beiden werden von den Eltern unterrichtet und segeln jetzt um die Welt. Sie erklären mir noch den internationalen Hintergrund ihrer Patchworkfamilie, während der Opa weiter malt. Die beiden bezaubern mich völlig – ich finde keine Worte für den Eindruck, den sie hinterlassen haben: Eine Elfjährige, vollkommen in sich ruhend, von innen natürlich strahlend, so wie kleine Kinder das tun und doch so erwachsen – ein reifer Mensch eben.

Andrerseits – wie oft habe ich bisher ein elfjähriges Kind als ebenbürtig angesehen? Es so ernst wie einen Erwachsenen genommen? Sind es nicht wir Erwachsenen, die sie wie Kinder behandeln und klein und in gewissen Sinne dumm halten? Sind nicht wir es, die ihnen nichts zutrauen? Ich glaube, Malou hat mich mehr gelehrt, als ich ihr je lehren könnte!

Malou und Camille – möget ihr auf euern Weg durchs Leben immer gesegnet sein!

Am Nachmittag fahren wir mit dem offenen Touristenbus rund um die Insel. Links ist der Strand hinter den kleinen Dünen mit Strandbars und schönen Hotelanlagen. Im Pestana Porto Santo kann man sicher gut Urlaub machen! Am westlichen Ende liegt ein romantischer Strand mit Felsen, Steinen, Sand und kleinen Pools. Es geht zurück und diesmal fallen uns mehr die Villen und Häuschen auf der Landseite auf. Bald biegen wir links ab, hinauf auf den Berg, vorbei an weißen Häuschen mit Bougainvilleen, Hibiskus, Oleander, Kakteen, Strelitzen und anderen Blüten. Auf der Ebene oben liegen Felder, abgeteilt mit Steinmauern aus Lavastein, errichtet wohl auch, um das Wasser zu halten. Denn überall dort, wo keines ist, liegt Mutter Erde nackt und ungeschützt da, um nicht zu sagen: verletzt. Porto Santo war einst so dicht mit Drachenbäumen bewachsen, dass die Entdecker nicht mal an Land gehen konnten! So brachten sie Schweine mit, die erst mal das Unterholz begehbar machten. Heute ist die Insel blankgerodet und wird mühsamst wieder aufgeforstet und begrünt.

 

Der Flughafen mit modernsten Gebäude und Tower trennt die Insel in eine West- und eine Osthälfte. Mit dem Flughafen kam wohl auch ein gewisser Wohlstand hierher: Dort landen quasi die Euros, verborgen in den Taschen und Kreditkarten der Touristen.

Weiter geht es hinauf auf die Berge, in einen kleinen Pinienwals mit großartiger Aussicht. Es gibt eine Grillstation hier oben, am Samstagnachmittag treffen sich die Familien zum Picknick.

PS Pinien PS Picknick

Am Ende der Tour fahren wir zu den drei letzten Windmühlen am Berg über der Marina: Tief unter uns liegt Yemanja, in der Ferne lockt Madeira…

Marina Porto Santo

Marina Porto Santo

PS Windmühle PS Berg

Wir sind überrascht über dieses kleine, auf den ersten Blick so verletzt wirkende Stück Erde: Porto Santo ist entzückend! Und es ist eine Freude zu sehen, was Menschen bewirken können, wenn sie miteinander an einem Ziel arbeiten: Einen harmonischen Ort, an dem Menschen sich wohlfühlen können.

Auf Wiedersehen, Porto Santo, es war uns eine Freude, dich besucht zu haben!

 

*(Die Bäcker sind ein junges Paar aus Madeira, die Brötchen und Kuchen sind die besten seit wir Frankreich verlassen haben)

PS: Ich bin für viele Blickwinkel: Einen kritischeren BLick auf Porto Santo wirft die Crew der Chulugi hier.

26. September 2014
von Steffi
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Auf dem Weg nach Madeira – dritter bis fünfter Tag

Unser lockeres Nachtwachen-System bewährt sich: Da Tomy normalerweise vor mir einschläft, geht er um acht Uhr schlafen, ich halte Wache bis etwa ein Uhr, dann übernimmt Tomy bis er nicht mehr kann, meist so um zwischen vier und sechs. Ich bin dann wieder dran, bis er aufsteht, meist gegen acht. Jetzt dürft ihr nicht denken, dass ich während der Wachen auch wirklich wach bin: Sissi, die Windpilotin, oder Franz, der Autopilot steuern, während ich die Kunst des Kurzschlafes vervollkommne: 10 Minuten schlafen, aufstehen, Rundumblick, Kurskontrolle und auf dem AIS nachsehen, ob uns ein Schiff zu nahe kommen könnte. 10 Minuten weiterschlafen. Wenn ich mich zum Aufstehen quälen muss, kaum mehr richtig wach werde, hole ich Tomy. Den eventuell fehlenden Schlaf hole ich dann tagsüber nach.

Der Skipper hält sich mit Yoga fit

Der Skipper hält sich mit Yoga fit

Die dritte Nacht war allerdings nicht ganz so ruhig: Um halb elf musste ich Tomy wecken, weil der Wind zu schwach von hinten wehte und die relativ starken Wellen das Großsegel samt Baum trotz Bullenstander immer wieder knallen lies. Wir versuchten die Segelstellung und den Kurs anzupassen, doch es half nichts – Die Segel mussten runter, der Dieselwind musste her. Seit Mitternacht schnurrt also der Motor, tut brav seinen Dienst, mit 1800 Umdrehungen macht er zwischen viereinhalb und fünf Knoten.

Einschlafen bei brummenden Motor ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach, schlafen bei schlagendem Baum und Segel ist allerdings unmöglich.

Morgens früh kam uns frontal ein Tanker entgegen, der jedoch ebenso wie all die anderen großen Schiffe, die unseren Kurs kreuzten, freundlichst darauf achtete uns in sicherem Abstand zu passieren. Als dann die Sonne aufging entdeckte ich in der mittlerweile recht ruhigen See – und noch weniger Wind – links hinter uns einen Stock am Horizont. Durch das Fernglas erkennen wir einen anderen Segler. Ob es einer der vier Franzosen ist, deren kurze und kryptische Funksprüche wir immer wieder auffangen?

Er bleibt den ganzen Tag am Horizont hinter uns.

Nachts überholt er uns, in weiter Ferne sehen wir noch ein zweites Licht kurz aufblinken. Dann, morgens früh dreht er nach Osten ab, auch der zweite bleibt verschwunden: Ein weiteres Mysterium – wohin will der? Nach Marokko? Auf diesem Kurs?

Und woher kommt dieser helle Lichtschein links vor uns? Dort ist laut Karte und Plotter nichts!

Die Nacht war ruhig, warm, mit immer weniger Wellen, einem tollen Sternenhimmel und funkelndem Plankton neben uns. Kurz vor der Dämmerung dann Land in Sicht, genauer das Licht des Leuchtturms von Porto Santo.

Mit den ersten Sonnenstrahlen tauchte auch die rauhe, zerklüftete Nordseite der Insel auf. Steil und fast ohne Vegetation fallen die Felsen ins Meer, menschliches Leben gibt es hier so gut wie nicht. Doch auf der Südseite liegt der lange Sandstrand von Porto Santo, dort in der Bucht liegt auch die kleine Marina. Es fand sich Platz für uns – nach 511 Seemeilen (ca. 950km) und 99 Stunden, also 4 Tage und 3 Stunden, Fahrt liegen wir wieder sicher im Hafen!

Ich freu mich auf eine durchgeschlafene Nacht in den Armen meines Skippers!

Porto Santo im Morgengrauen

Porto Santo im Morgengrauen

Yemanja in Porto Santo

Yemanja in Porto Santo

24. September 2014
von Steffi
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Auf dem Weg nach Madeira – erster bis dritter Tag

Dieser Blogeintrag wurde ursprünglich per Pactor über Funk gepostet, mit fehlenden Buschstaben. Hier jetzt die „richtige Version“ zum Vergleich.

Der dritte Tag auf See neigt sich dem Ende zu, ich versuche der Trägheit zu entkommen und mich an die vergangenen Stunden auf See zu erinnern:

Vier Stunden nach Verlassen des Hafens kreischt wieder der Alarm – Motor heiß! Mit Segel weiter? Langsam und auch noch mit schlechtem Kurs?

Zehn Minuten später läuft er wieder, hämmert noch ein wenig und dann schnurrt er wieder – alles ohne erkennbaren Grund. Just in dem Moment kreuzt wieder eine Schule Delfine unseren Weg: Als drei eng aneinander gedrückt genau vor mir synchron hoch aus den Wellen springen, schießen mir Tränen in die Augen. Wie schon vor Peniche bin ich überzeugt, alles ist gut, wir sind sicher.

Wir fahren weiter Richtung Westen, langsamer, mit weniger Motorleistung, auch wenn der Wind uns mittlerweile nach Süden drückt. Wenn wir am nächsten Abend in der windreichen Zone sein wollen, müssen wir ihn jetzt ignorieren.

Vor uns liegt eine schiffverkehrreiche Zone: Alle Transportschiffe, die von Gibraltar zum Ärmelkanal und umgekehrt wollen, müssen an Cabo de Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes vorbei. Wir stellen uns eine vielbefahrene sechsspurige Autobahn vor, die wir als Radfahrer kreuzen wollen und müssen.

Tatsächlich ist sie kaum befahren, nur zwei Schiffe kommen uns näher, doch passieren sie uns in sicherer Entfernung.

Irgendwann findet Tomy im Cockpit eine Mutter – wir haben keine Ahnung, wo die herkommt! Bald fällt es immer schwerer, den Wind zu ignorieren – wir drehen ab auf südlicheren Kurs, gönnen dem Motor eine Verschnaufpause. Doch da knallt die Halterung der Curryklemme, die die Großschot hält, auseinander – jetzt fehlt dort auch die Schraube, die durch die Mutter gehalten wurde. Schnell findet Tomy Ersatz und alles ist wieder gut!

Wie schon bei der Querung der Biskaya beginne ich mit der Nachtwache, wieder zieht mich die Nacht in ihren Bann: In der Dunkelheit auf einem Schiff zu liegen, das wie von selbst durch die Nacht rauscht, gezogen wie an einer Schnur, ist ein irres Gefühl! Über dem Festland tobt ein Gewitter, ich sehe nur das Leuchten. In der Gischt neben uns leuchtet fluoreszierend das Plankton, über mir die Sterne und die unendliche Tiefe der Milchstraße. Wie vermessen ist es doch, zu denken, wir wären die einzigen Lebewesen darin!

Morgens früh zieht ein Containerschiff an uns vorbei, in den nächsten 24 Stunden begegnen uns einige. Drei oder vier rufen wir per Funk an, fragen ob sie uns am Schirm – Radar oder AIS – haben, jedes Mal ist die freundliche Antwort positiv: „Ja ich sehe euch, ich lasse euch passieren“.

Am Morgen haben wir etwas Probleme, den Windpilot auf Kurs zu bringen. Letztendlich müssen wir die Segelfläche reduzieren, mit dem Groß im ersten Reff und halber Fock steuert Sissi dann zuverlässig weiter.

Zwei Vorkommnisse verwirren mich etwas: Auf dem AIS sehe ich ein Schiff, die Faröer Islands, es kreuzt unseren Kurs und könnte uns zu nahe kommen. Da verschwindet das Signal und taucht nicht wieder auf, ebenso wenig ein Schiff. Seltsam, seltsam!

Seltsam ist auch, dass sich Tomys Laptop mitten im Versenden der Emails an unsere Kinder abschaltet mit dem Hinweis, Updates müssten konfiguriert werden. Wo bitte, kommen die her, mitten auf See, ohne Internetverbindung? Sind die längst mit einprogrammiert und werden automatisch ausgelöst? Was macht Microsoft da?

Der Wind war bisher gut, etwas böig, von 14 bis 24 Knoten, die anfangs ruhigen Wellen wurden höher, so um die zwei Meter. Damit setzte bei uns beiden die Fastenzeit ein – nein, nach Nahrungsaufnahme ist uns nicht, uns ist beiden mulmig, ich kämpfe immer wieder mit Kälte. Dabei ist die Temperatur durchaus angenehm.

So habe ich in der zweiten Nacht keinen Sinn für ihre Schönheit, warm halten ist meine Devise und sich halbwegs wohlfühlen. Unten im Bett müssen wir uns verkeilen, denn die Wellen lassen uns in alle Richtungen rutschen. Wir rasen mit über 7 Knoten durch die Nacht, etwas mehr als 153 Meilen ist unser Etmal, also die Strecke, die wir in 24 Stunden zurückgelegt haben. Wenn Yemanja die Wellen hinunter reitet, sind es schon mal 10 Knoten!

Mittlerweile lässt der Wind nach, es sind nur mehr um die 10 Knoten, fast genau von hinten. Die Wellen beruhigen sich, damit auch unser Magen. Ich kann wieder lesen und schreiben, über Nahrungsaufnahme nachdenken…

Die Haferflocken-Palatschinken mit Mutters Marillenmarmelade heute früh taten jedenfalls gut! Ein paar sind noch übrig. Oder doch Suppe?

Erst mal das hier losschicken und eine Email an meine Kinder, dann sehen wir weiter!

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Der dritte Tag auf See neigt sich dem Ende zu, ich versuche der Trheit zu entkommen und mich an die vergangenen Stunden auf See zu erinnern:
Vier Stunden nach Verlassen des Hafens kreischt wieder der Alarm – Motor hei Mit Segel weiter? Langsam und auch noch mit schlechtem Kurs?
Zehn Minuten sper lft er wieder, hmert noch ein wenig und dann schnurrt er wieder – alles ohne erkennbaren Grund. Just in dem Moment kreuzt wieder eine Schule Delfine unseren Weg: Als drei eng aneinander gedrkt genau vor mir synchron hoch aus den Wellen springen, schien mir Tren in die Augen. Wie schon vor Peniche bin ich erzeugt, alles ist gut, wir sind sicher.

Wir fahren weiter Richtung Westen, langsamer, mit weniger Motorleistung, auch wenn der Wind uns mittlerweile nach Sen drkt. Wenn wir am nhsten Abend in der Wind reichen Zone sein wollen, msen wir ihn jetzt ignorieren.
Vor uns liegt eine Schiffsverkehrsreiche Zone: Alle Transportschiffe, die von Gibraltar zum melkanal und umgekehrt wollen, msen an Cabo Roca, dem westlichsten Punkt des europschen Festlandes vorbei. Wir stellen uns eine vielbefahrene sechsspurige Autobahn vor, die wir als Radfahrer kreuzen wollen und msen.
Tatshlich ist sie kaum befahren, nur zwei Schiffe kommen uns ner, doch passieren sie uns in sicherer Entfernung.
Irgendwann findet Tomy im Cockpit eine Mutter – wir haben keine Ahnung, wo die herkommt! Bald flt es immer schwerer, den Wind zu ignorieren – wir drehen ab auf slicheren Kurs, gnen dem Motor eine Verschnaufpause. Doch da knallt die Halterung der Curryklemme, die die Grochot ht, auseinander – jetzt fehlt dort auch die Schraube, die durch die Mutter gehalten wurde. Schnell findet Tomy Ersatz und alles ist wieder gut!

Wieder beginne ich mit der Nachtwache, wieder zieht mich die Nacht in ihren Bann: In der Dunkelheit auf einem Schiff zu liegen, das wie von selbst durch die Nacht rauscht, gezogen wie an einer Schnur, ist ein irres Gefl! er dem Festland tobt ein Gewitter, ich sehe nur das Leuchten. In der Gischt neben uns leuchtet fluoreszierend das Plankton, er mir die Sterne und die unendliche Tiefe der Milchstra. Wie vermessen ist es doch, zu denken, wir wen die einzigen Lebewesen darin!

Morgens fr zieht ein Containerschiff an uns vorbei, in den nhsten 24 Stunden begegnen uns einige. Drei oder vier rufen wir per Funk an, fragen ob sie uns am Schirm – Radar oder AIS – haben, jedes Mal ist die freundliche Antwort positiv: „Ja ich sehe euch, ich lasse euch passieren“.

Zwei Vorkommnisse verwirren mich etwas: Auf dem AIS sehe ich ein Schiff, die Farr Islands, es kreuzt unseren Kurs und knte uns zu nahe kommen. Da verschwindet das Signal und taucht nicht wieder auf, ebenso wenig ein Schiff. Seltsam, seltsam!
Seltsam ist auch, dass sich Tomys Laptop mitten im Versenden der Emails an unsere Kinder abschaltet mit dem Hinweis, Updates msten konfiguriert werden. Wo bitte, kommen die her, mitten auf See, ohne Internetverbindung? Sind die lgst mit einprogrammiert und werden automatisch ausgelt? Was macht Microsoft da?

Der Wind war bisher gut, etwas bg, von 14 bis 24 Knoten, die anfangs ruhigen Wellen wurden her, so um die zwei Meter. Damit setzte bei uns beiden die Fastenzeit ein – nein, nach Nahrungsaufnahme ist uns nicht, uns ist beiden mulmig, ich kpfe immer wieder mit Kte. Dabei ist die Temperatur durchaus angenehm.
So habe ich in der zweiten Nacht keinen Sinn f ihre Schheit, warm halten ist meine Devise und sich halbwegs wohlflen. Unten im Bett msen wir uns verkeilen, denn die Wellen lassen uns in alle Richtungen rutschen. Wir rasen mit er 7 Knoten durch die Nacht, etwas mehr als 153 Meilen ist unser Etmal, also die Strecke, die wir in 24 Stunden zurkgelegt haben. Wenn Yemanja die Wellen hinunter reitet, sind es schon mal 10 Knoten!
Mittlerweile lst der Wind nach, es sind nur mehr um die 10 Knoten, fast genau von hinten. Die Wellen beruhigen sich, damit auch unser Magen. Ich kann wieder lesen und schreiben, er Nahrungsaufnahme nachdenken…
Die Haferflocken-Palatschinken mit Mutters Marillenmarmelade heute fr taten jedenfalls gut! Ein paar sind noch rig. Oder doch Suppe?
Erst mal das hier losschicken und eine Email an meine Kinder, dann sehen wir weiter!

19:00 MESZ 35.2268 N und 14.0734 W Kurs 220 Grad 4 Knoten