19. Januar 2015
von Steffi
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Segel gerissen

Für alle, die sich fragen, warum wir jetzt auf El Hierro statt Richtung Kap Verden: Das Großsegel ist gerissen, warum müssen wir noch analysieren. Weiß jemand einen Segelmacher hier?

Ausführlicher Bericht folgt!

 

17. Januar 2015
von Steffi
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Der hillige Basti – San Sebastian

hat am 20. Januar Namenstag, Grund genug für die Einwohner von San Sebastian ihren Namenspatron schon heute groß zu feiern. Und für uns, unsere Abfahrt nach den Kap Verden noch einen Tag zu verschieben.

Schon heute Morgen kommen die ersten Gäste und Folkloregruppen mit der Fähre an. Die Straßen sind bunt geschmückt, das Festzelt aufgebaut. Alt und Jung sind festlich in Trachten gekleidet, mischen sich mit den Touristen. Gruppen junger Mädchen stehen lachend, ins Handy tippend am Straßenrand. Alte Frauen lehnen sich erwartungsvoll aus dem Fenster, Kinder ebenso.

Die Parade beginnt am oberen Ende der Hauptstraße. Dem Fahrzeug der Polizei folgen tanzend und singend etwa 10 Folkloregruppen, allen voran die Romera Mayor mit ihren Hofdamen. Was es genau damit auf sich hat, hab ich nicht herausgefunden: Die erste Gruppe tanzt zum Rhythmus von riesigen Kastagnetten, es folgen Sängerinnen und Gitarren Spieler, urige Typen, schöne Frauen und süße Kinder. Vor der Kirche bringt jede Gruppe dem geschmückten Patron im knappen Lendenschurz ein Ständchen dar.

Danach ziehen sie weiter, gestärkt mit gekochten Kartoffeln, beträufeld mit roter Mojo, Soße, Schafskäse und etwas, das wie Mandelgebäck ausieht. Mitgeschleppt wird das alles im Baggagewägelchen, wie in Kölle im Karneval sind das verzierte Kinder- oder Leiterwagen.

Ihr Ziel ist das Festzelt, in dem bis spät in die Nacht getanzt wird: Väter wirbeln ihre Kinder herum, wie überall auf der Welt breiten diese die Arme aus, genießen das Fliegen und die Fliehkraft. Mütter wiegen sanft ihre Babies im Takt. Betagte Herren tanzen mit ihren betagten Frauen, Familien halten sich tanzend an den Händen. Eine lebensfrohe Dame, Touristin oder Althippie, tanzt sich auf die Bühne und ist von dort nicht mehr zu vertreiben…

Das Fest geht weiter, bis weit nach Mitternacht. Für uns geht es morgen weitern nach Cabo Verde!

 

Den Abend vor dem Fest verbringen wir mit Dietmar von der Summer mit leckeren Tapas, Kennenlernen und viel erzählen. Wir sind uns schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, per Funk, bei Facebook und in der Marina, doch nie hat sich ein Gespräch ergeben. Am Heimweg kommen wir an einer Kneipe vorbei, an der die Einheimischen gemeinsam Gitarre spielen, rhythmisch unterstützt von einem Knochenbrett und einem Messer, an einer Flasche gewetzt.

Das ist es doch, was ich an dieser Welt so liebe: Die Kreativität, die Gemeinschaft, Schönheit und Freude!

El Teide, Teneriffa von La Gomera aus gesehen

17. Januar 2015
von Steffi
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La Gomera

Stell dir vor, du würdest mit einem Heißluftballon über La Gomera fliegen. Ja, klar, du könntest auch ein Flugzeug nehmen, wäre aber längst nicht so romantisch. Also du stehst in diesem Korb unter dem Ballon und schaust in die Tiefe und erblickst –

Eine gigantische, leicht plattgedrückte und terrassierte Zitronenpresse!

An ihrer Spitze, dem Gipfel Garajonay, wird das Wasser aus den Passatwolken gepresst, Nebelwald heißt die Vegetation drum herum. Lorbeerbäume, Baumheiden, bewachsen mit Moos und meterlangen Flechten verzaubern den Wald. Auch Mitteleuropa war mal von diesen Wäldern bedeckt, doch sie überlebten dort nicht die letzte Eiszeit, auf Madeira und La Gomera schon. Ich könnte hier jetzt ein Foto vom Elfenwald in Rabacal auf Madeira einfügen und kein Mensch tät’s merken…

La Gomera

Blick über den Nebelwald auf den Teide

Dir aber, da oben unterm Ballon stechen die schwarzen Baumgerippe südlich vom Garajonay ins Auge. Traurig ist das schon, wenn 12km² Weltnaturerbe einfach so verbrennen. Doch wir sehen so mehr. Der Brand schlug nicht über den Grat, sodass nördlich der Straße der Wald immer noch wie in Urzeiten gedeiht.

La Gomera

Burned Forest on top of Garajonay

So, und jetzt habe ich dich angeschwindelt. Du da oben in deinem Ballon siehst nichts als Nebel!

Wenn du etwas tiefer gehst, bemerkst du, wie der stürmische Wind die Wolken über die Grate fetzt. Nicht nur dir da oben ist eisig kalt, auch den Menschen, die hier wandern oder einen Blick auf die tiefen, zerklüfteten Einschnitte werfen wollen.

La Gomera

Fog over La Gomera

Also gehst du tiefer, landest am Strand von Valle Gran Rei: Dort wirft dich die Wärme um! Kinder plantschen im Atlantik, die älteren Herrschaften suchen verzweifelt den Schatten vor einem Kaffeehaus mit hausgemachten, deutschen Torten oder einer Bar mit kühlem Bier. Tropische Pflanzen wachsen in den Gärten oder schmücken in allerlei Gefäßen liebevoll die Treppen und Höfe.

LaGomera (10)

Aber halt, da waren doch noch die Schluchten mit ihren Terrassen.

La Gomera

Valle Gran Rei

Es sind diese Terrassen, die mich bezaubern (Du kannst jetzt im Schatten oder vorm Kamin weiterlesen): Sie schmiegen und winden sich die Hänge hinauf und hinunter, gaben wohl einst dem Zuckerrohr Halt und Wasser, heute sind sie fast alle sich selbst überlassen. Doch das Seltsame daran ist: Sie sind nicht wie in La Palma von Schlinggewächsen oder Kakteen wild überwuchert, sie wirken kultiviert:

Manche erinnern an Reisfelder, in anderen wachsen Agaven, Aeonium, Margeriten oder kleine Drachenbäume. Dazwischen wachsen Palmen, einzeln oder in Gruppen. An anderen Stellen übernehmen nach und nach die Lorbeerbäume und Heiden. In den wenigen, die noch kultiviert werden, gedeihen Bananen oder Wein, seltener, im Hausgarten, auch Gemüse oder Obst.

La Gomera

Terrassen

Mir haben es auch diese kleinen Drachenbäume angetan, die im Osten über San Sebastian gemeinsam mit Agaven und Margeriten die fast kahlen Hänge bedecken. Sagen wir so: Sie sehen aus wie kleine Drachenbäume, sind aber keine, weil es keine strauchartigen Drachenbäume gibt. Sagt Wikipedia. Vermutlich sind es Kleinien.

Kleinie

Kleinie

Ist schon verrückt, diese menschliche Angewohnheit, vor Allem die der Naturwissenschaftler, alles mit einem Namen und einem Etikett zu versehen und dann in eine Schublade zu stecken. Frei davon bin ich auch nicht, ich will unbedingt wissen, wie diese farnartigen Löwenzahnsträucher heißen…

strauchartiger Löwenzahn  oder Gänsedistel

strauchartiger Löwenzahn oder Gänsedistel

Gänsedisteln sind es, wieder laut Wikipedia.

Ich tu beide in die Schublade „Schön“.

Das Wetter kommt in die Schublade: „Sehr windig“. Hier im Hafen weht es kräftig, der Wind heult und jault und pfeift, als wollte er uns etwas mitteilen. So etwas wie: „Hast du den Verstand, äh ein Schaf, verloren?“

Es gibt hier auf La Gomera tatsächlich eine alte Pfeiffsprache, El Silbo, mit der sich die Hirten früher über die Täler und den Wind hinweg über das Notwendigste unterhalten konnten. Die jungen Leute heue können das heute kaum mehr. Im Centro dos Visitantes wird das in einem Video vorgeführt. Eindrucksvoll, konnte mir wirklich nicht vorstellen, dass man so viele Töne und Tonfolgen durch Pfeifen hervorbringen kann!

Heute hatten wir Glück. Nach dem eisigen und feuchten Wind am Mittwoch, der Sicht und Aufenthalt im Freien zumindest in den Höhen verleidete, hatten wir heute herrliche Weitsicht vom Gipfel des Garajonay aus: Die Insel selbst, El Hierro und La Palma in der Ferne, lagen uns zu Füßen, über uns drohnte der Teide…

In der Ferne El Hierro

In der Ferne El Hierro

La Gomera lohnt sich! Nicht von oben überflogen, sondern mit den Füßen erwandert und in die berühmten Zwiebelschalen gekleidet!

Diese Hippies bekamen geld fürs Aufhören...

Diese Hippies bekamen Geld fürs Aufhören…

13. Januar 2015
von Steffi
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Rotwein und Wellen

vertragen sich nicht unbedingt. Dabei habe ich keineswegs beides gleichzeitig konsumiert: Alkohol ist beim Segeln bei uns tabu, dazu ist die Natur zu unberechenbar. Unterwegs bleibt der Kopf klar. Punkt! Nein, es war wohl mein Anteil an den zwei Flaschen roten Weines, den wir gemeinsam mit Joanna und Marcel anlässlich meines Geburtstages am Abend vorher getrunken hatten. Er bekam in Kombination mit äußerst unangenehmen Wellen, meinem Magen – sagen wir nicht wohl.

Diese Wellen auf der Überfahrt von Santa Cruz de La Palma waren aber auch wirklich ekelhaft! Drei Meter von der Seite, meist das ganze Schiff durchrollend und verdrehend. So schlimm waren sie nicht mal in der Biskaya! Genauer: Wenn die Querung der Biskaya so blöd verlaufen wäre, wäre ich in A Coruna ausgestiegen!

Hinzu kommt, dass ich die „Barfußroute“ langsam aber sicher für ein Gerücht halte. Mir ist kalt. Morgens hat es 15 bis 17 Grad im Schiff, das ist wahrlich keine Wohlfühltemperatur! Gut, dass wir eine Heizung haben, dem holländischen Klima und dem Vorbesitzer sei Dank! Auch tagsüber wird es kaum über 20 Grad, mit Wind ist das kalt. Ich war ja klug genug, mit mein Ölzeug anzuziehen, und dumm genug das Leichte zu wählen, ohne dicke Unterwäsche. Wer nimmt denn schon an, dass es auf den Kanaren so kalt wie in der Biskaya wird? Also fror ich, zumindest ab späten Nachmittag, als die dunstige Sonne hinter den Bergen La Gomeras versank.

Und dann wollte Tomy auch noch segeln, sprich von Hand steuern. Mein dritter Fehler – nach Rotwein am Vorabend und falschem Ölzeug – war, ihn davon nicht abzuhalten. Denn, wenn er müde war musste ich steuern und ich hasse es! Ich rutsche auf dem halbrunden Sitz hinterm Steuerrad hin und her wie der Puck beim Eishockey, nur nicht ganz so weit, weil ich mich anhänge. Daneben sitzen kann ich nicht, dann seh‘ ich nicht, wohin ich steure. Überhaupt muss ich mich ziemlich verdrehen, damit ich genug sehe und das Steuerrad umklammern kann. Dementsprechend fühlen sich meine Schultern und Arme heute an…

Und dann meldet sich eine Stimme in mir: Wenn die Windsteueranlage ausfällt und du mit drei, vier Meter Welle drei Wochen lang über den Atlantik per Hand steuern musst, frierend…

Gut, dass ich weiß, dass es immer nur Gedanken sind, die Angst machen, sonst nichts. Ich kann an etwas Anderes denken: An die Delphine, die uns von La Palma verabschiedeten und die, die uns in La Gomera willkommen hießen, viele waren es, hoch über die Wellen springend, tief unters Schiff tauchend. Sie verfehlen es nie, uns fröhlich zu stimmen.

Nein, keine Fotos: Der Gedanke unter Deck zu gehen und die Kamera zu holen, war unerträglich! Der Griff zum Funkgerät, um die zahllosen PanPans und Securite Meldungen mitzuhören, war schon schlimm genug. Wie musste es da erst den Menschen auf jenen “Immigrant Vessel” gehen, das darin erwähnt wurde?

So, genug! Jetzt erholen wir uns erst mal ein paar Tage und erkunden La Gomera.

La Gomera Hafen

La Gomera Hafen

11. Januar 2015
von Steffi
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Zurück auf La Palma

Feier ich heute? Nein. Und Ja.

Es gibt immer einen Grund das Leben zu feiern! Oder ein Wiedersehen, oder Abschied…

Geburtstage sind da eher unwichtig!

Seit Dienstag, Heiligdreikönigstag, sind wir wieder zurück auf unserem Schiff in Santa Cruz de La Palma. Yemanja hat die Zeit ohne uns, die Stürme und den Schwell in der Marina gut überstanden, das war schon mal eine große Freude. Und dann waren da noch Elke und Walter von der Sunrise, die wir schon seit A Coruna kennen, unvergessen der Abend in Combarro. Wir fügten gleich noch einen großartigen Abend hinzu!

Und noch einen – diesmal auch mit Joanna, Marcel und Nico von der Chulugi.

Und noch einen – nur mit Joanna, Marcel und Nico, beim Sonnenuntergang im Westen der Insel, drüben in Tazacorte.

Nico

Nico

Doch vorher mussten wir wieder mal Abschied nehmen, denn am Donnerstag startete die Atlantic Odyseey, eine Segel-Rally von La Palma nach Martinique. Schweren Herzens sahen wir Elke und Walter nach, wie sie in ziemlichen Seegang und kräftigen Wind Richtung Neue Welt aufbrachen. Was sie da draußen wohl erwartet? Viel Wind und einiges an Wellen?

Wir sehen uns wieder! 2016 irgendwo da drüben!

Übrigens fährt auch ein österreichisches Schiff mit, die Themi 50. Fair Winds euch allen, haltet euch vom Südkap La Palmas fern! Zweieinhalb geköpfte Yachten reichen!

Auch am Freitag feierten wir Wiedersehen und Abschied: Tomys Schwester und ihr Mann kamen mit der AIDA nach La Palma und verbrachten den Tag mit uns. Wir zeigten ihnen ein wenig La Palma: Diese Natur auf dieser Insel weiß nicht recht, welche Jahreszeit ist: Die Kastanienbäume sind herbstlich braun, oben bei den Observatorien liegt der Reif, die Orangenbäume hängen voller gelber Früchte und die Sukkulenten blühen üppig um die Wette!

Bevor wir endlich wieder los können, müssen wir noch einiges vorbereiten: Fock wieder einziehen, Beiboot sichern, Ruderblatt der Windsteueranlage sichern, zusätzliche Rollen montieren, damit wir auch unser Weihnachtsgeschenk, den Blister, einsetzen können. Und wir müssen einkaufen – ein paar Kilo Zwiebeln, denn die halten, Mandarinen und anderes Obst, Süßkartoffeln, Käse, Chorizo und vor Allem Haferflocken, denn Tomy kann ohne Haferflocken nicht überleben.

Tomy securing the rudder of the wind steering

Tomy securing the rudder of the wind steering

Wir müssen uns auch wieder mit dem Gebrauch der Gribfiles für den Wetterbericht, Sailmail und den Plotter vertraut machen. Unglaublich, was frau so alles in zwei Monaten Segelpause vergisst!

Und wir müssen uns endlich entscheiden, welche Insel wir als erste auf den Kap Verden anlaufen wollen: Sal oder Sao Vincente? In meinem Kopf ist wieder dieser weiße, wabbernde Nebel, in dem einfach kein Überblick möglich ist! Woher der Nebel kommt: Nun, in dem Revier herrscht einiges an Wind, viel Welle und es gibt nur wenige sichere Ankerplätze. Die Kap Verden sind kein Revier für Kaffeesegler. Aus den Einreisebestimmungen werde ich auch nicht schlau! Auf jeder Insel einklarieren? Zurücksegeln, um die Papiere zu holen? Das macht doch keinen Sinn! Das Studium diverser Revierführer und Erfahrungsberichte hebt den Nebel nur teilweise. Es reicht um eine Entscheidung zu treffen: Morgen geht es nach La Gomera und Mitte bis Ende der Woche nach Mindelo auf Sao Vincente.

Aber vorher feier ich doch noch meinen Geburtstag: Mit Lians dicken Kuß aufs Handy, einer Stunde Skypen mit meinen Töchtern und gleich nochmals Abendessen mit der Chulugi-Crew!

PS: Wer mag findet hier den Blog der Sunrise und kann hier die Position verfolgen. Zur Chulugi geht es hier.