1. Februar 2015
von Steffi
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Adios Europa T-CV Tag 1

Afrika wir kommen, langsam aber beständig.
Wundert ihr euch über unseren Kurs?
Wir auch.
Also wir wollen zu den Kap Verden, um aber nicht in die relativ windlose Zone unterhalb der Kanaren zu kommen, wollten wir erst mal mehr südlich und dann westlich. Rein theoretisch geht das ganz gut, hat aber einen Nachteil: Wir sind bestädig auf Vorwindkurs.
Die Wellen wiegen Yemanja bisher recht sanft, doch vorm Wind in alle Richtungen. Und uns mit. Schlafen?

„Sie suchen das besondere Schlaferlebnis? Buchen sie eine Nacht auf der Segelyacht Yemanja auf Vorwindkurs zu den Kap Verden: Schlafen wie in der Waschtrommel beim Hauptwaschgang!“

Tomy will heute Morgen schon umdrehen, so geht ihm dieses Wurfgeschossdasein auf die Nerven.
Zurück in diesen verrückten Wind auf den westlichen Kanaren? Jener Wind, der wie eine Katze seinen eigenen Schwanz jagt? Mal liegt er ganz ruhig da, um im nächsten Augenblick tollwütig herumzuspringen, innezuhalten und dann den Berg hinunterjagen? Dieser Wind bricht die Masten der modernen Hanse und Bavaria quasi serienmassig wie Soletti! Erst am Wochenende hat es Georg erwischt, jenen Georg den wir in A Coruna trafen und der so schön erzählen kann. Ich wette, auf die Geschichte könnte er verzichten!

Yemanja ist zwar eine robuste Gottin von Namen und Geburt – Aphrodite hieß die Werft, doch ich bin froh, dort weg zu sein.

Schließlich werden die Ziele jetzt erst interessant! Und hoffentlich wärmer!

Vorm Ablegen schale ich mich in meine Klamotten: Unterhemd, T-shirt, Fliesunterhemd und lange Fliesunterhose, darüber die Offshore-Hose, Stiefel, für die Nacht noch ein dickes Flieshemd, dann die Offshore-Jacke, Piratentuch um Ohren und Haare. Ist mir jetzt wohlig warm?
Nein!

Aber es geht so, da der Wind mit 15 bis 10 Knoten recht moderat bläst. Auch das Meer ist recht ruhig, sitzen wir draussen, schaukelt es uns sanft. Waschmaschinen sehen von außen ja auch ruhig aus. Sissi, die Windpilotin, winkt huldvoll der Mondin zu und hält brav ihren Kurs.

So lasse ich diese Nacht meine Gedanken schweifen: Die Menschen sind so wunderbar! Liebevoll denke ich an die, die wir zurück ließen: Manni, Miri und Silvi winkten wieder mal zum Abschied, Thomas, der Segelmacher, zeigte uns Grünlingen nochmal, wie wir richtig reffen, diesmal ohne das Segel oder uns zu gefährden. Auch er drückt uns fest zum Abschied. Ich denke an Joanna und Marcel von der Chulugi, die mit Nico hoffentlich bald nachkommen, an Leentje und Patrick, die in Salvador auf uns warten, an Milan, den wir endlich in Mindelo kennenlernen werden. Ich denke an Elke und Walter in der Karibik, an Martin und Violetta, Heinz und Christine zu Hause. Ich denke an meine Kinder, meine Engel und Engelchen, meine guten Freunde und die Nachbarn, die immer ein Auge auf sie haben. Ich denke an meine Mutter, die bald 88 wird, hoffentlich kommen wir rechtzeitig an, damit ich ihr gratulieren kann. Ich denke an Onkel Bruno, der heute Nacht vielleicht diese Illusion verlasst und seine Tochter, die weinend seine Hand hält. Ich fühle mich wunderbar geborgen, getragen und geliebt.
So denke ich auch an die, die derzeit Hass und Leid säen, Pegida, IS Kampfer und vielleicht sogar jene, die diese bekämpfen: Haben sie jemals diese Geborgenheit und Liebe erfahren? Wann haben sie zuletzt dem Leben vertraut? Könnten sie die Schönheit und Liebe dieser Erde wahrnehmen und darauf vertrauen – wäre die Welt dann eine andere?

Nächte am Meer machen philosophisch!

123 Seemeilen ist unser erstes Etmal, die Strecke, die wir in 24 Stunden zuröckgelegt haben. Der Wind fällt immer wieder unter 10 Knoten, der Baum schlagt in den Wellen obwohl er gesichert ist. Die Sonne ist immer noch hinter den Wolken, wenigstens konnte ich die dicke Jacke ausziehen.

 

Ich werde das jetzt los schicken, per Funk deshalb ohne Umlaute und scharfen ß – im Hafen wird das berichtigt, formatiert und mit Foto verziert. Ihr könnt also gerne wiederkommen! – Erledigt! aber ohne Foto!

26. Januar 2015
von Steffi
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Heile, heile Gänschen – Segel ist wieder gänzchen!

Erst mal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns moralisch und mit Tipps unterstützt haben: Die Crew der Lady S, Joanna, Dietmar, Claudia Engelhardt, TO-Stützpunktleiter Mike, Segelmacher Sascha* in Puerto de Mogan, auch wenn er zu guter Letzt nicht zum Zug kam. Ihr alle habt uns angeregt, unsere Möglichkeiten immer wieder zu überdenken. So konnten wir letztendlich eine gute Lösung finden, auch wenn sie nicht unbedingt euren Vorschlägen entspricht.

Wir entschieden uns gestern, gemeinsam mit der Lady S nach San Miguel zu segeln, wohl wissend, dass weder der Kurs noch die Marina erfrischend prickelnd ist.

Wir fuhren nach San Miguel weil:

  • San Miguel ist um einiges näher an La Gomera als Gran Canaria.
  • Ich hatte keine Lust auf die Containerschiffe, die zwischen Gran Canaria und Teneriffa von Südafrika nach Europa und umgekehrt fahren.
  • Der Wind war lau, also war Fahren gegen die Düse nach San Miguel machbar.
  • Die Fähre, um unser Segel dorthin zu bringen, ist zu teuer.
  • Die Crew der Lady S hatte in San Miguel ein Auto gemietet, wir hätten also unser Segel notfalls auch nach Santa Cruz de Tenerife bringen können.
  • Segelmacher Thomas Studer** in San Miguel war uns mehrfach empfohlen worden.

Doch in Wahrheit wollte ich einfach in der Nähe von netten Menschen, also Manni, Silvi und Miri sein!

Die Marina in San Miguel hätten wir nie ohne Notwendigkeit angesteuert, auch der Ort dahinter lockt uns nicht: Schlechte Waschgelegenheiten; teures Internet; Ferraris, die an der Mole entlangbrausen; ein künstlich angelegter Ort mit Golfplatz und uninspirierten spanischen Apartmentbauten; all das unter der Landebahn des Flughafens in einer kahlen Landschaft, die ihre Reize nicht sofort offenbart. Alle halben Stunden landet eine Maschine der Ryan Air, voll mit Briten. Außer Deutsch hört man hier nur Englisch!

Ryan Air comes in

Ryan Air comes in

Ich liebe England. Ich liebe die englische (Aus)sprache. Ich mag auch Engländer und andere Briten. Nur nicht in Massen, zumindest nicht außerhalb ihrer Heimat. Und das gilt auch für Deutsche und Österreicher.

 

Seltsamerweise überkommt mich hier beim Frühstück kroatische Ferienstimmung, Erinnerung an unsere Törns mit Jemanja, unserer kleinen Etap 21i. Liegt es daran, dass wir an einer Mooring hängen, wie in Kroatien üblich? Liegt es an dem freien Blick über die Einfahrt der Marina, der Einsamkeit vortäuscht? Oder an den karstigen Hügeln in der Ferne? Es ist ein wunderschöner, sonniger Morgen, der wärmste und klarste auf den Kanaren bisher. Selbst am knapp 3718m hohen Teide bleibt keine Wolke hängen. Wir frühstücken draußen, die Sonne wärmt meine Schultern, in der Luft liegt ein Hauch morgendlicher Kühle – das Kroatischer-Törn Feeling ist vollendet!

Marina San Miguel playing Croatia

Marina San Miguel playing Croatia

Serendipity!

Ich bin versöhnt mit jenen Kräften, die mich noch nicht zu den Kap Verden segeln ließen. Alles fühlt sich richtig an, ich wehre mich innerlich nicht mehr.

Am Telefon war Thomas Studer** nicht begeistert von unserer Idee, das Segel mit der Lady S zu ihm nach San Miguel zu schicken. Schließlich weiß er nie, welchen alten Lappen er da in die Hände bekommt. Vor Ort lacht er nur über den Schaden: Das Segel wäre gut, den Briefbogen-großen Riss hätte er bis heute Nachmittag fertig. Und ja, Leinen und Rollen für die Lazy Jacks hat er auch.

The hole

The hole

Wusst‘ ich doch, dass das keine große Sache ist, schließlich bin ich Quilterin und nähe Patchwork, ein bisschen angeben darf ich doch. Thomas hat Verständnis für meine Kunst. Begeistert zeigt er mir sein Werkzeug: Eine alte Segelmachernähmaschine, deutsche Wert-Hand-Arbeit, die letzte ihrer Art. Kostete neu so viel wie ein Mittelklasseauto, allein der Nähfuß kostet so viel wie eine gute Nähmaschine. Sie macht wunderschöne, präzise Stiche!

Und sie näht durch etliche Lagen Segel, verstärkt mit Band, zwei Zentimeter dickes, festes Material. Das muss ganz langsam genäht werden, sonst schmilzt das Garn.

Eine großartige alte Dame!

Wir gehen mit Thomas noch ein Bierchen trinken, erfahren ein wenig über die Inseln und die – ja, wie nenn ich das denn jetzt? Hintergründe? Familienverhältnisse? Politischen Zusammenhänge? Ach, lassen wir es!

Morgen sind die Lazy Jacks dran!

Lazy Jacks - the lines which hold the sail when bringing it in

Lazy Jacks – the lines which hold the sail when bringing it in

**Thomas Studer +34 626 386 463
*Sascha +34 687 368 620

24. Januar 2015
von Steffi
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Was kotzen wir heute?

Tomy entscheidet sich für chinesische Instant-Nudeln mit Hühnergeschmack vom Aldi, ich für mein geliebtes Cousous.*

Wir legen mittags in La Restinga ab, quälen uns eine Stunde, um das Segel ins zweite Reff zu binden: Ich setze mich mit meinem ganzen Körper ein, um Yemanja im Wind zu halten, während Tomy auf dem Vordeck vor mir mit den Wellen zwei oder mehr Meter auf und ab schwingt. Dabei sieht er völlig entspannt aus. Nur bekommt er das Reff nicht gespannt, das Segel steht nicht, so kommen wir nicht weiter.

Außerdem deutet er mir immer wieder, ich soll das Boot im Wind halten.

Es bringt mich zur Weißglut – als ob ich das weder wüsste, noch mit all meinen Kräften tun würde! Die Wellen schmeißen mich immer wieder raus.

Genugtuung erlange ich später, als es ihm nur schwer gelingt Kurs zu halten…

Erst mal segeln wir wieder zurück, darin sind wir ja jetzt geübt.
Am Anleger in La Restinga kommt der Wind von vorne, wir können also gemütlich unser Segel trimmen. Der alte Franzose von nebenan zeigt uns, wie wir es besser machen können: Jetzt ist uns auch klar, warum das Segel zerrissen ist, eine Leine durchs richtige Auge und nichts wäre passiert!

Danach geht es hoch am Wind Richtung Gran Canaria.

Und wir kotzen nicht!

Wir hatten der schmerzlichen Wahrheit ins Auge geblickt:
Auch wir werden seekrank.

Wenn auch nicht richtig, also nur so ein bisschen flau im Magen, einmal kotzen, einen Tag keinen Appetit und gut isses. Also solange wir nicht in die Kajüte gehen, nicht auf die Toilette, nicht umziehen, nichts nachsehen oder holen. Allein der Gedanke daran, macht mir schon Bauchweh!

Diesmal also kauen wir Kaugummi gegen Reiseübelkeit**. Ob das Zeug auch gegen Zahnschmerzen hilft? Es betäubt den Mund wie die Spritze des Dentisten vor der Wurzelbehandlung. Ich spüre meinen Speichel nicht, ich weiß nicht, was ich schlucken soll – aber das Zeug hilft!

Wir klettern entspannt hinein und hinaus, haben Hunger, essen was wir in die Finger bekommen. Wir fühlen uns großartig!

Was folgt, ist eine Stunde Segeln vom Feinsten.

Irgendwann lässt der Wind nach, wir sind im Windschatten des Teide, der Dieselwind bringt uns brav durch. Doch der Teide lenkt den Wind auch ab: Kaum kommt er wieder, kommt er uns heftig auf die Nase, aus einem Winkel der es uns weder erlaubt, nach Puerto do Mogan auf Gran Canaria zu gelangen, noch nach San Miguel auf Teneriffa.

Wir kommen gegen 25 Knoten Wind und drei Meter Welle nicht gegen an. Oder schon: Mit einem oder zwei Knoten in der Stunde.

Wir haben noch 50 Seemeilen vor uns. Also 25 bis 50 Stunden in der Geschwindigkeit.

Der Wind ist günstig für La Gomera.
Was folgt, ist eine Stunde Segeln vom Feinsten.
Dann ist wieder der Teide im Weg.
Und dann kommt der Wind – von vorne!
Zu guter Letzt mal wieder mit 25 Knoten, wenigstens mit etwas weniger Welle. Für die letzten 5 Meilen brauchen wir zwei Stunden!

Als uns die Maya, die sympathischen, jungen Schweizer mit zwei kleinen Jungs an Bord, auf dem Weg zu den Kap Verden entgegenkommt, könnte ich doch kotzen. Oder heulen.

Verdammt, die schaffen das doch auch! Die sind in einer Woche da, wo wir schon sein könnten, stattdessen quälen wir uns hier herum und sind keinen Schritt weiter!

Noch schlimmer ist: Ich hab mich auf ein aufmunterndes Wort gefreut, auf Menschen, die ich kenne und mag…

Die Lady S nehme ich beim Anlegen nicht wahr.

Ich bin enttäuscht und mutlos, frag‘ mich, ob wir zu früh aufgegeben haben, zu unerfahren oder seglerisch dumm, zu ungeduldig sind, nicht den Mumm haben…

Da klopft es, Mannis fröhliches Gesicht grinst über die Bordwand.
Selten war ich so froh, ein freundliches Lächeln zu sehen!
Danke, Manni, Miri, Silvi und Elke, ihr habt mir mein Vertrauen und meinen begeisterten Blick auf unser Abenteuer wiedergegeben!

Heute Morgen läuft mir Lian, mein Engelchen fröhlich kreischend entgegen und gibt mir einen dicken Kuss.

Ich träume nicht.

Ich halluziniere nicht.

Ich skype.
Dem Universum sei Dank für Skype, das Internet und alle fröhlichen, positiven Menschen!
Hätten wir einen anderen Kurs nehmen oder uns durchbeißen sollen?

Ich rufe die Situation noch mal vor meinem inneren Auge auf:

Wir hatten um die 25 Knoten Wind und drei Meter Welle gegen uns. Kurze Schläge brachten uns in der Stunde vielleicht 2 Meilen weiter, obwohl wir den Motor zu Hilfe nahmen und so höher an den Wind kamen. Direkt gegen an, mit Motor, war noch langsamer, auch war der Autopilot mit der Wellenkraft gegen ihn überfordert. Wir hatten 50 Meilen vor uns. Auch ein langer Schlag hätte daran nichts geändert, und vielleicht sogar noch mehr abgetrieben. Wir hätten weiterhin per Hand steuern müssen, um überhaupt hoch genug für die 2 Meilen am Wind fahren zu können. Sicher, das Band mit dem Wind auf die Nase war vielleicht nur 5 oder 10 Meilen breit, auch dafür hätten wir Stunden gebraucht, ohne zu wissen, was danach kommt, wie wir durchs beginnende Verkehrstrennungsgebiet kommen. Denn die Containerschiffe, die von Afrika aus hochkommen fahren vor oder hinter Gran Canaria durch. Wir waren bereits relativ erschöpft, weil wir ja schon viel per Hand gesteuert hatten. Vor uns lagen mindestens 15 Stunden weitere Anstrengung, sowohl Richtung San Miguel als auch Puerto de Mogan. San Miguel lag genau dort, wo der Wind herkam. Außer San Sebastian auf La Gomera war kein anderer Hafen in absehbarer Zeit erreichbar.

Unser Fehler war, das Revier zu unterschätzen und unsere Kräfte nicht gut genug eingeteilt zu haben.

Abdrehen war die richtige Entscheidung.
Punkt.

We got stuck at the black point

We got stuck at the black point, rigth between small El Hierro, left and big round Gran Canaria, middle

*Cousous a la Yemanja

2 Karotten, 1 Zucchini, 1 Aubergine, alles bissgroß schneiden, Auberginen zuerst in Olivenöl anbraten, Karotten dazu, bis fast gar, Zucchini dazu, mit Kreuzkümmel, Vegeta (Gemüsebrühe), Salz und Pfeffer würzen, eventuell einen Hauch Zimt dazu.

Das Gemüse kann jetzt gekühlt aufbewahrt werden.

Eine Handvoll Rosinen und eine normale Kaffeetasse feines Bulgur/Couscous mit heißem Wasser übergießen, nochmals Salz oder Vegeta dazu und quellen lassen. In der Zwischenzeit das Gemüse erwärmen.

Oder alles zusammen in einer Auflaufform im Ofen erwärmen. Oder Gemüse kalt ins Cousous mischen, je nach Seegang! Oder gleich essen, solange alles warm und frisch ist.

An Land schmeckt es auch mit fleischlicher Beilage, Lamm, zum Beispiel.

**Biodramina Chicle, erhältlich in spanischen Apotheken

21. Januar 2015
von Steffi
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Weißt du, wo das westlichste Ende der Welt liegt?

Wo fängt die Welt an, wo hört sie auf? In der Antike war zumindest letzteres den Menschen klar: Richtung Westen endet die Welt in El Hierro, weiter westlich kamen die Schiffe nicht!

Die EU sieht das heute anders: Wie sonst kam sie dazu, die Hafenmole und die Strandanlagen von La Restinga mit zu finanzieren? Prinzipiell finde ich es ja richtig, wenn die Starken den Schwachen unter die Arme greifen. Doch sobald ein Projekt nicht mehr aus eigener Kraft finanziert werden muss, fällt es um einiges größer, breiter, massiver und aufwendiger aus, als notwendig. Das ist westlich des Festlandes besonders und immer wieder auffällig. Hier in La Restinga ist die Hafenmole mit Leuchttürmen und Wellenmotiven geschmückt, dabei sind die Leuchttürme allein fast schon so massiv, dass sie den Ansturm der Wellen auch ohne Mauer dahinter trotzen könnten.

Und zu Hause weiß keiner, woher das Geld für die Sanierung der Leverkusener Brücke und hunderter Brücken mehr kommen soll!

Verrückt!

Und trotzdem ist die EU das Beste, was Europa je hervorgebracht hat. Jetzt muss sie nur noch besser werden. Oder wir alle bescheidener.

La Restinga ist ein Fischerdorf, heute gibt es hier ein Hotel, ein paar Tauchbasen, einen Anleger für 8 Schiffe bis 14m, einen Kran, um Schiffe behutsam aus dem Wasser zu heben, einige neue Häuser, eine Handvoll Bars und Restaurants, ein Bankerl, auf dem die älteren Männer in der Sonne sitzen. Viel mehr Menschen sieht frau nicht, der Ort ist zurzeit windgepeitscht und wirkt tatsächlich wie das Ende der Welt.

La Restinga

La Restinga

Wir nehmen den Bus um nach Valverde, dem Hauptort der Insel, zu fahren und einen kleinen Eindruck zu bekommen. Wieder einmal fällt uns die unglaubliche Freundlichkeit der Menschen auf, ihr Glück, wenn sie oder ihr Hund beachtet werden oder um Hilfe – Wo ist die Bushaltestelle? – gefragt werden.

Buskranker Hund

Buskranker Hund

Von La Restinga schlängelt sich die neue (EU lässt grüßen) Straße durch eine karge Vulkanlandschaft nach oben. Links kleine Kegel, rechts kleine Kegel, der letzte Ausbruch war 1793. Ich habe hier das Gefühl, es kann jeden Moment wieder losgehen.

Tatsächlich fand 2011/2012  im Meer vor La Restinga der jüngste Vulkanausbruch der Kanaren statt, der Ort wurde evakuiert. Sieben Kilometer vor der Küste war der erste Ausbruch, dann nur zweieineinhalb Kilometer entfernt brodelte das Wasser, viele Erdbeben erschütterten die Insel.

Das Land wird auf der Höhe fruchtbarer, Mandelbäume blühen, dazwischen weiden Schafe und Ziegen, dann wachsen Kiefern, schließlich weiden Kühe. Vor Valverde wird es wirklich grün. Am Meer unten stehen vier oder fünf gute deutsche Windmühlen: El Hierro bezieht seinen Strom ausschließlich durch Windenergie!

Deutsche Windräder

Deutsche Windräder

Gut, Industrie ist keine, viel ist nicht mit Strom zu versorgen, die Landwirtschaft wirkt immer noch sehr traditionell.

Mandelbäume

Mandelbäume

In Valverde steht eine hübsche Kirche auf einen ebenso hübschen Dorfplatz. Das war es dann. Wir trinken einen Kaffee und einen frischen Orangensaft und fahren mit dem nächsten Bus zurück.

Valverde

Valverde

Und das klingt jetzt so, als wäre El Hierro keine Reise wert, doch das stimmt so nicht.  Nicht umsonst ist El Hierro ein Biosphärenreservat! Wäre ich vorher nicht auf La Palma oder La Gomera gewesen, wäre ich hin und weg von der Vegetation, der Landschaft, den Mandelbäumen, den Wäldern und und und…

Doch so wirkt es auf mich nicht mehr neu und aufregend, ich finde meinen Enthusiasmus gerade nicht. Bestimmt hat ihn der Wind weggeblasen!

Der peitschende, heulende Wind, der mir hierro so auf die Nerven geht!

Toilettenhaus der Marina und des Strandes La Restinga

Toilettenhaus der Marina und des Strandes La Restinga