Heile, heile Gänschen – Segel ist wieder gänzchen!

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Erst mal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns moralisch und mit Tipps unterstützt haben: Die Crew der Lady S, Joanna, Dietmar, Claudia Engelhardt, TO-Stützpunktleiter Mike, Segelmacher Sascha* in Puerto de Mogan, auch wenn er zu guter Letzt nicht zum Zug kam. Ihr alle habt uns angeregt, unsere Möglichkeiten immer wieder zu überdenken. So konnten wir letztendlich eine gute Lösung finden, auch wenn sie nicht unbedingt euren Vorschlägen entspricht.

Wir entschieden uns gestern, gemeinsam mit der Lady S nach San Miguel zu segeln, wohl wissend, dass weder der Kurs noch die Marina erfrischend prickelnd ist.

Wir fuhren nach San Miguel weil:

  • San Miguel ist um einiges näher an La Gomera als Gran Canaria.
  • Ich hatte keine Lust auf die Containerschiffe, die zwischen Gran Canaria und Teneriffa von Südafrika nach Europa und umgekehrt fahren.
  • Der Wind war lau, also war Fahren gegen die Düse nach San Miguel machbar.
  • Die Fähre, um unser Segel dorthin zu bringen, ist zu teuer.
  • Die Crew der Lady S hatte in San Miguel ein Auto gemietet, wir hätten also unser Segel notfalls auch nach Santa Cruz de Tenerife bringen können.
  • Segelmacher Thomas Studer** in San Miguel war uns mehrfach empfohlen worden.

Doch in Wahrheit wollte ich einfach in der Nähe von netten Menschen, also Manni, Silvi und Miri sein!

Die Marina in San Miguel hätten wir nie ohne Notwendigkeit angesteuert, auch der Ort dahinter lockt uns nicht: Schlechte Waschgelegenheiten; teures Internet; Ferraris, die an der Mole entlangbrausen; ein künstlich angelegter Ort mit Golfplatz und uninspirierten spanischen Apartmentbauten; all das unter der Landebahn des Flughafens in einer kahlen Landschaft, die ihre Reize nicht sofort offenbart. Alle halben Stunden landet eine Maschine der Ryan Air, voll mit Briten. Außer Deutsch hört man hier nur Englisch!

Ryan Air comes in

Ryan Air comes in

Ich liebe England. Ich liebe die englische (Aus)sprache. Ich mag auch Engländer und andere Briten. Nur nicht in Massen, zumindest nicht außerhalb ihrer Heimat. Und das gilt auch für Deutsche und Österreicher.

 

Seltsamerweise überkommt mich hier beim Frühstück kroatische Ferienstimmung, Erinnerung an unsere Törns mit Jemanja, unserer kleinen Etap 21i. Liegt es daran, dass wir an einer Mooring hängen, wie in Kroatien üblich? Liegt es an dem freien Blick über die Einfahrt der Marina, der Einsamkeit vortäuscht? Oder an den karstigen Hügeln in der Ferne? Es ist ein wunderschöner, sonniger Morgen, der wärmste und klarste auf den Kanaren bisher. Selbst am knapp 3718m hohen Teide bleibt keine Wolke hängen. Wir frühstücken draußen, die Sonne wärmt meine Schultern, in der Luft liegt ein Hauch morgendlicher Kühle – das Kroatischer-Törn Feeling ist vollendet!

Marina San Miguel playing Croatia

Marina San Miguel playing Croatia

Serendipity!

Ich bin versöhnt mit jenen Kräften, die mich noch nicht zu den Kap Verden segeln ließen. Alles fühlt sich richtig an, ich wehre mich innerlich nicht mehr.

Am Telefon war Thomas Studer** nicht begeistert von unserer Idee, das Segel mit der Lady S zu ihm nach San Miguel zu schicken. Schließlich weiß er nie, welchen alten Lappen er da in die Hände bekommt. Vor Ort lacht er nur über den Schaden: Das Segel wäre gut, den Briefbogen-großen Riss hätte er bis heute Nachmittag fertig. Und ja, Leinen und Rollen für die Lazy Jacks hat er auch.

The hole

The hole

Wusst‘ ich doch, dass das keine große Sache ist, schließlich bin ich Quilterin und nähe Patchwork, ein bisschen angeben darf ich doch. Thomas hat Verständnis für meine Kunst. Begeistert zeigt er mir sein Werkzeug: Eine alte Segelmachernähmaschine, deutsche Wert-Hand-Arbeit, die letzte ihrer Art. Kostete neu so viel wie ein Mittelklasseauto, allein der Nähfuß kostet so viel wie eine gute Nähmaschine. Sie macht wunderschöne, präzise Stiche!

Und sie näht durch etliche Lagen Segel, verstärkt mit Band, zwei Zentimeter dickes, festes Material. Das muss ganz langsam genäht werden, sonst schmilzt das Garn.

Eine großartige alte Dame!

Wir gehen mit Thomas noch ein Bierchen trinken, erfahren ein wenig über die Inseln und die – ja, wie nenn ich das denn jetzt? Hintergründe? Familienverhältnisse? Politischen Zusammenhänge? Ach, lassen wir es!

Morgen sind die Lazy Jacks dran!

Lazy Jacks - the lines which hold the sail when bringing it in

Lazy Jacks – the lines which hold the sail when bringing it in

**Thomas Studer +34 626 386 463
*Sascha +34 687 368 620

2 Kommentare

  1. Tolle Abenteuer, die Du beim Segeln erlebt hast. Ich bin erst ganz am Anfang, und mache demnächst meine ersten praktischen Stunden. Ich hoffe allerdings schon, irgendwann einmal die Welt zu sehen, wie Du sie siehst

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