20. April 2015
von Steffi
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Haut und Knochen

Ich kann sie nicht alle retten, ich weiß. Kinder nicht und Straßenköter auch nicht. Ich kann nicht alle Kinder dieser Welt füttern und trösten, und auch nicht alle Hunde. Nur diese eine.

Sie hat Augen, dunkel wie Kaffee und tief wie das Universum. Sanft sieht sie mich damit an, nachdem sie ihre Pfoten ebenso sanft auf meinem Schoß legte, immer ohne einen Laut. In ihrem Blick liegt die Unendlichkeit. Sie bettelt nicht. Und doch liegt in ihrem Blick die Bitte nach einer liebevollen Geste, nach Nahrung und Geborgenheit. Wenn ich sie streichle, schmiegt sie ihren Kopf dankbar in meine Hand. Sie ist vollkommen präsent.

Diese Hündin hat es mir angetan. Sie berührt mein Herz, nicht mein Leid.

Ita Hunde (1)

Zum ersten Mal legte sie ihren Kopf auf meinen Schoß als wir in Itaparica vor ein paar Wochen ankamen. Sie lief zu allen Gästen des Steak-Restaurants, kaum einer konnte sich ihren Zauber entziehen. Dünn war sie, schwer hingen die Zitzen von ihrem Bauch. Irgendwo mussten ihre Jungen sein.

Eine Woche später, als wir wieder kamen, fanden wir abends die vier Welpen auf einem alten Hemd am Wegesrand unter einem Baum. Jemand schien sich zu kümmern. Ich war getröstet. Am nächsten Tag waren sie weg, die Mutter immer noch da, sanft, stumm und präsent. Ich war überzeugt, dass jemand sich um die Kleinen auf eine ganz bestimmte Weise gekümmert hatte, so wie es Onkel Franz in meiner Kindheit mit den neugeborenen Katzen gemacht hatte. Schon damals habe ich das als vollkommen natürlich empfunden: Wo hätten die Katzen denn hinsollen? Und Straßenhunde gibt es schließlich genug hier, durchaus wohlgenährte übrigens.

Ita Hunde (3)

Wieder eine Woche später, wir waren Pizza essen, kam sie vorbei um auf ihre sanfte Art um ihren Anteil am Leben zu bitten. Der Kellner jagte sie fort, doch sie kam wieder. Ich trug sie von der Terrasse, doch wer lässt sich schon fernhalten, wenn sie Hunger hat? Irgendwann gab sie auf, ich wollte nicht drüber nachdenken, was der Kellner vielleicht mit ihr gemacht hatte.

Gestern, als wir allein unseren Caipirinha tranken, kam sie wieder, nur mehr aus Haut und Knochen bestehend. Wenn ich sie streichle, spüre ich nur Knochen. Doch ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Präsenz sind unverändert.

Da höre ich ein Quieken aus der Ecke hinter den Geldautomaten! Hinter einem Brett ist ein kleiner Raum, in dem sich drei Welpen tummeln! Einer fehlt, vielleicht sehen wir ihn nur nicht! Ich mache das Brett weg, sofort stürzen sich die drei auf die ebenso ausgehungerte Mutter…

Kann frau einem Hund etwas versprechen? Eine Mutter einer anderen Mutter, über alle Grenzen der Natur hinweg?

Ich tue es: Ich verspreche am nächsten Tag mit einem Sack Futter wiederzukommen.

Laura, unsere Tochter, die sich schon um Tessa, unseren Hund mit ebenso lieben Blick kümmert, beschwört mich, ja keinen weiteren Hund mitzubringen. So gerne ich dieser Hündin ein liebevolles menschliches Rudel verschaffen würde, so sehr weiß ich, dass wir es nicht sind. Ein Hund an Bord, für uns klappt das nicht, auch wenn viele Segler einen haben.

Aber wenn sie diese eine Nacht keinen Hunger hat und genug Milch und Kraft um ihre Jungen zu säugen, dann ist ein Stück Himmel auf die Erde gefallen. Wir waren nur sein Werkzeug.

Ita Hunde (5)

Nachtrag: Abends finden wir sie zwischen den Geldautomaten, sie säugt nur mehr zwei Welpen. Ein Brasilianer kommt mit seinem Hund, behauptet, dieser wäre der Vater und er hätte gerne den kleinen Braunen. Spricht‘s, schnappt sich den Hund und geht. Ich starre ihm fassungslos nach: Der Kleine bräuchte noch mindestens vier Wochen die Milch der Mutter, abgesehen von der Sozialisation. Aber dafür fehlt den Menschen hier das Verständnis, und wer bin ich zu richten? Vielleicht ist das die einzige Chance, die dieses Hunderl auf einen immer gut gefüllten Bauch und etwas Liebe hat.

Klar ist mir auch, dass der letzte, der nun die meiste Zeit allein zwischen den Automaten tapst, bald von jemand durchaus mit einer liebevollen Absicht, mitgenommen wird. Und so ist es. Doch ich bemerke auch, dass diese Hündin wirklich viele Herzen rührt, wie viele sich um sie kümmern, ihr etwas zustecken und sie streicheln, wie viele Menschen uns freundlich und dankbar anlächeln. Ein bisschen in Sorge bin ich noch wegen ihrer vollen Zitzen: Gefüllte Brüste schmerzen! Doch die Milch quillt einfach über, sie schleckt sie auf. Jetzt bin ich zuversichtlich, dass es ihr bald wieder gut gehen wird. Nur eine Wurmkur werden wir ihr noch sicherheitshalber verpassen, obwohl kein anderer Hund damit Probleme zu haben scheint.

Nachtrag zwei, drei Tage später: Sie kommt uns schwanzwedelnd und freudig entgegen, ihre Rippen drücken sich nicht mehr durch – die Wurmkur erübrigt sich wohl. Und ja, so viele hier lieben sie, streicheln sie, kümmern sich…

Ach so, frau kann es ja nie allen recht machen: Kinder füttern wir auch!

April 2016: Die Hündin heißt Nega, wird von den Einwohnern Itapricas gefüttert und geliebt. Und sie ist sterilisiert (nicht kastriert)

9. April 2015
von Steffi
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Land unter

Nachts ist es unruhig vor Sao Francisco. Der Windgenerator saust, wir haben bestimmt 20 Knoten Wind, und doch liegen wir mit dem Heck im Wind, denn die Strömung der ablaufenden Flut ist stark. Es kracht und knarrt, Tomy schnarcht und ich tue kein Auge zu. Was schlägt da ständig gegen den Rumpf? Vermutlich sind es kleine Äste, die im Fluss treiben. Hält der Anker? In dem Schlamm wie einzementiert…

Trüb ist es am nächsten Morgen, wir lichten den Anker und diskutieren wohin: Ilha des Frades oder zurück nach Itaparica? Niklas will mit seinem Vater auf Facetime sprechen, also Itaparica. Vor der Werft frischt der Wind auf, wir setzen Segel und hurtig geht es dahin, das Dinghi surft an der langen Leine hinter uns her.

Und genau das war der Fehler: Beim Ankern überholt es uns, die Leine sinkt unter das Schiff und wickelt sich um die Schraube des Motors. Mist! Immerhin hängen wir fest, sind sicher, von hier aus erwischen Anuschka und Niklas sicher ihr Flugzeug. Doch erst mal taucht Tomy um die Schraube frei zu wickeln.

Blut überströmt taucht er wieder auf, Niklas kreischt – Zombies in Film und Videospiel legt er zu Dutzenden um, doch im echten Leben fehlt es ihm noch etwas an Schneid…

Der Rotor ist frei, Tomy spült seinen Kopf – die Wunde ist kaum zu sehen, jeder aufgekratzte Pickel ist größer…

Abends, wir sitzen im Restaurant in der Marina, kommt der Regen: Erst wird das Licht gelb, eine ganz bezaubernde Stimmung legt sich über die Schiffe. Rechts taucht etwas blauer Himmel und ein paar weiße Wolken auf, dort ist Tag, dort ist Licht, doch von links schieben sich die dunklen Wolken wie eine Schiebetür aus Wasser davor und nehmen dem Tag das Leuchten.

Regenwand

Regenwand

Jochen und Hanna kommen vorbei. Gestern wären hier über 30 Knoten Wind durchgefegt, bei zwei Schiffen hätte der Anker nicht gehalten. Jochen war heute in Salvador, von ihm und per Facebook von unseren Freunden, erfahren wir, dass in Salvador heute Nacht und tagsüber die Welt unterging: Hütten rutschten die Hänge hinunter, in den Straßen taten sich metertiefe Löcher auf, die Wasserversorgung brach zusammen…

Seltsam, seltsam – wir kriegen mal wieder nichts mit…

Doch am nächsten Morgen schaukelt es heftig, Anuschka wird doch wieder seekrank und verzieht sich an Land, zu Jochen und Hanna, die Zimmer vermieten. Ein Regenschauer nach dem anderen zieht durch, während ich Berichte schreibe und die Fotos dafür bearbeite. Nach dem nächsten Regenschauer geht’s an Land zum Posten. Doch irgendwie lassen sie nicht nach, wir werden ziemlich nass! Auch am folgenden Tag ist es windig und regnerisch: Anuschka und Niklas fahren mit der Fähre zurück, wir treffen uns in der Marina: Ihr Urlaub ist um, noch ein tolles Abendessen in der Churrascaria Fogo do Chao und dann sind wir wieder allein!

Ich bekomme Heimweh, Sehnsucht nach meinen Töchtern und Lian und dem Kleinen im Bauch seiner Mama…

Sao Francisco de Paraguacu

8. April 2015
von Steffi
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Sao Francisco do Paraguaçu

Heute sind wir die Affen. Jede unserer Bewegungen, von der Anfahrt, über das Ankermanöver bis zum Anlanden mit dem Dinghi wird von den vier Typen vor der Bar am Ufer aufmerksamst beobachtet – und sicher auch kommentiert.

Unser Ziel sind die Ruinen des Klosters Sao Francisco de Paraguaçu. Von Maragojipe sind es nur zwei Meilen Luftlinie, doch wir müssen den Sandbänken ausweichen, erst zur Ilha Frances und dann entlang des Ufers hinauf, macht vier Meilen.

Ah, dieses Ufer! Die Mangroven mit den kleinen Stränden, der Regenwald dahinter, die Palmen, eine kleine Siedlung, Einbäume und andere Fischerboote dazwischen… Wir teilen diese Idylle, die für die Bewohner sicher keine Zuckerschlecken ist, mit zwei anderen Schiffen.

Sao Francisco

Sao Francisco

Die Ruinen wachsen aus dem Urwald wie die Kulisse eines Filmes. Erleben wir das gerade wirklich?

Hinter den Holzgittertüren huscht eine Gestalt – ob wir das Glück haben, sie besichtigen zu können?

Serendipity…

Der Hüter der Ruinen erwartet uns freudestrahlend am Tor, schließlich kommen nur alle drei, vier Tage Leute vorbei, die sich für dieses einst bedeutende Kloster interessieren: Es ist eines der ältesten Konvente in Brasilien, gebaut zwischen 1660 und 1686, 206 Mönche lebten hier, heute leben mindestens ebenso viele Fledermäuse darin, ein Geierpaar brütet auf dem Schornstein. Mehr als die Grundmauern stehen kaum mehr. Der Ruinenhüter zeigt uns alles: Die Schlafsäle im nicht mehr vorhandenen zweiten Stock, das Becken, in dem die Wäsche und das Geschirr gewaschen wurde, die riesige Feuerstelle daneben, den Glockenturm, in dem zwei Glocken läuten, wie lange wird es dauern, bis er ihr Gewicht nicht mehr halten kann? Er zeigt uns die alten Azujelos und den Orignalboden, von Gras überwuchert, das Gemäuer, dessen Mörtel von Sklaven per Hand mit dem Lehm und den Muscheln des Flusses angerührt wurde. Er zeigt uns die Tomben und Grabmale der Äbte und hochgestellten Persönlichkeiten. Und er zeigt uns jenes Verlies, in dem das Wasser mit der Flut hochsteigt, solange bis die in Ungnade gefallenen Sklaven, die hineingeworfen wurden, darin ertranken. Kann sein, dass an dieser Stelle meine Fantasie meinen Portugiesischkenntnissen einen Streich spielen, doch eigentlich waren seine Gesten unmissverständlich.

Er zeigt uns auch seine Schleifmaschine, gebaut aus einem alten Mixer, mit deren Hilfe er kleine Kästchen baut – es wäre sonst zu langweilig! Was er uns nicht zeigt, ist, was er mit all den Besen neben seinem „Schreibtisch“ kehrt, vermutlich den Fledermausdreck!

Beim Bildnis vom letzten Abendmahl, nicht antik, zeigt, ohne mit der Wimper zu zucken angesichts der eindeutig weiblichen Figuren, auf die Figuren von Johannes und Philipp und liest uns deren Namen vor…

Einmal in der Woche, am Sonntag, so erzählt er uns stolz, wird hier immer noch Messe gehalten. Und zu Sao Joao müssen wir wieder kommen, da feiert das ganze Dorf!

Dorf

Dorf

Wir feiern jetzt auch unser Glück, hier zu sein, zusammen zu sein, an diesem wunderschönen Ort, mit dem Blick über den Fluss auf die sanften grünen und sonnenbeschienenen Hügel gegenüber. Der Sundowner, eisgekühltes Bier, ist einfach köstlich!

Eisgekühltes Bier

Eisgekühltes Bier

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7. April 2015
von Steffi
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Rio Paraguacu

Langsam schwimmen Regentropfen an unserem Fenster vorbei. Schon gestern Abend tobte um uns herum das Wetterleuchten, in der Nacht auch der eine oder andere Donner. „Gott furzt.“, sagt Niklas der Sohn meiner Freundin, und macht ganz anschaulich das Geräusch des Donners mit nachfolgender blitzender Erleichterung nach.

Still ist es hier morgens früh vor dem Steg in Maragojipe. Der Bem-te-vi holt mich mit seinem Ruf aus meinen Träumen, sanft plätschert das Wasser gegen das Schiff. Hie und da brummt in der Ferne der Motor eines Fischerbootes, neben uns unterhält sich die Fischersfrau auf dem Einbaum mit ihrem Mann, während sie die Reusen hochholt. Ich fotografiere sie und frage mich, was ich damit bezwecke:

Will ich eine vermeintliche Idylle, eine für uns längst vergangene Zeit festhalten? Will ich zeigen, wie Menschen immer noch leben, von ihrer Hände Arbeit, mit den einfachsten Mitteln? Erhebe ich mich über sie? Führe ich sie vor, wenn ich das Foto zeige? Sind es quasi meine Affen im Zoo?

Jedenfalls schwimmt da neben uns ein anderes Universum vorbei, zwei Welten, die sich gegenseitig in unverhohlener Neugier anstarren.

Manchmal sind wir die Affen im Zoo, manchmal werden wir fotografiert und zu Hause herumgereicht.

Was ist das für ein Gefühl? Mich lässt es gleich-gültig, doch kann ich mir vorstellen, dass nicht jeder das so gleichmütig sieht, der eine oder andere sich vorgeführt oder erniedrigt fühlt.

Also Ich rede mir ein, es geht mir darum, die wunderbare Vielfalt und Schönheit dieser Welt festzuhalten um sie zu teilen, in der Hoffnung, dass meine Leser sich öffnen und die Welt und ihr Leben mit anderen, mit liebevollen, nicht wertenden, dafür verbindenden Augen betrachten.

Mag eine Illusion sein, eine von vielen, die ich über das Leben habe!

Fischer vor Maragojipe

Fischer vor Maragojipe

Nicht werten: Das fällt schwer bei der Einfahrt in den Rio Paraguaçu, wo die Werft von Petrobras liegt, die den Nachthimmel zum Tag macht, wo alte Ölplattformen aufgearbeitet oder verschrottet werden. Nein, es ist kein schöner Anblick. Doch wenn ich Diesel in meinem Dank haben will, kann ich es nicht verurteilen, ohne mich schuldig zu fühlen und das ändert nichts, ich fühle mich nur schlecht.

Ändert es etwas, wenn ich dankbar für diese Technologie bin, die mir unter anderem diese Reise erst ermöglichte? Das Werk wird deshalb auch nicht schöner, doch ich fühle mich besser und kann meine Kräfte zum Wohle aller einsetzen.

Werft

Werft

Gegenüber der Werft

Gegenüber der Werft

Gegenüber der Werft und weiter den Fluss entlang ist das Ufer von Mangroven gesäumt, dahinter liegen Reste des atlantischen Regenwaldes, vermischt mit Kokospalmen. Kleine Strände, der eine oder andere mit einem hübschen Häuschen dahinter sind darin verborgen. Das hügelige Ufer schillert in allen Grüntönen, von jungem Birkengrün bis dunkler Tanne. Fischer in Einbäumen oder Holzbooten gehen ihrem Handwerk nach, auch die traditionellen Saveiros mit ihren riesigen Segeln transportieren nach wie vor Waren den Fluss hinauf und hinunter.

Zwei Welten

Zwei Welten

Es ist wunderschön.

Dorf am Paraguacu

Dorf am Paraguacu

Rio Paraguacu

Rio Paraguacu

Viel haben wir noch nicht gesehen von Maragojipe, ein paar Einbäume im Fluss, ein weidendes Pferd auf dem Marktplatz, ein ertränkter Hund in einer Tüte zwischen den Mangroven. Eine Dorfkneipe, wo die Chipstüten und Kekspackungen von der Decke hängen, der Cachaça in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Farben in Wasserflaschen am Regal steht, und die Wirtin voller Liebe, Stolz und Zärtlichkeit auf ihre halbwüchsige Tochter blickt – ein strahlendes Lächeln auf ihren Gesicht, das unsere Herzen wärmt.

Mara (2) Mara (8)

Mara (7)

Kneipe in Maragojipe

Kneipe in Maragojipe

Der Regen verzieht sich, die Sonne verwandelt die feuchte Luft in ein schwüles, drückendes Gelee. Das Schulschiff bringt die Schulkinder ans andere Ufer, wo sie wohl verborgen im Grün wohnen. Das würde ich gerne nochmal erkunden! Doch jetzt kommt Wind auf, Anker auf, weiter geht’s!

Kirche in Maragojipe

Kirche in Maragojipe

Von Salinas nach Maragojipe (erstellt mit Navionics)

Von Salinas nach Maragojipe

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7. April 2015
von Steffi
2 Kommentare

Salinas da Margarida

„Steffi, komm schnell, wir müssen hier weg, der Anker schliert, wir hängen schon an der Robusta!“

Uups, das ging jetzt aber schnell! Zwar sind wir die vergangenen drei Tage langsam näher gerückt, doch waren wir beim Aufstehen morgens noch weit genug weg, bis zu unserer geplanten Abfahrt hätte es reichen müssen.

War aber nicht so.

Also schnell Anker rauf und zum Frühstücken, Wassertanken und Einkaufen an den Steg gelegt. Irgendjemand hatte mir gesagt, das kostet ein paar Reals, doch nach dem langem und übervollen Wochenende war das Büro geschlossen.

Mir soll’s recht sein.

Unglaublich wie voll die Marina in Itaparica, wie voll das Ankerfeld am Osterwochenende war! Da lagen kleine und große Motoryachten, voll mit Familie und Gästen, Musik und Cocktails, aber auch jede Menge Segelschiffe. War mir gar nicht bewusst, dass es so viele Segler hier gibt! Und jetzt ist alles leer! Wie ausgestorben! Die Fischer ziehen wieder neben uns die Netze ein!

Fischer vor Itaparica

Fischer vor Itaparica

Ostern trafen wir wieder auf Tom, Thomas und Anja, nachdem wir in den Tagen zuvor meiner Freundin Anuschka und ihrem Sohn Niklas ein wenig Salvador und Umgebung gezeigt hatten. Informativ und witzig wurde es mit Jochen und Hanna, jenem Segler, den wir aus Katwoude kennen: Jochen weiß auf alles eine flotte Antwort! Und weil er doch eine Weile hier gesegelt ist, bevor er sein Schiff verkaufte und sich auf Itaparica niederließ, weiß er auch ein wenig Bescheid, genug, um uns zu erzählen, was er alles nicht gefunden hat…

Die Robusta hat ein Problem mit dem Motor, so können wir nicht wie geplant gemeinsam die Bucht erkunden. Thomas wartet auf ein Ersatzteil und Tom wird ihn nach Salvador begleiten, schließlich hat die Robusta keinen Motor und Tom kann vielleicht helfen, wenn es nötig werden sollte.

Also fahren wir alleine weiter vorbei an Mangroveninseln, neben denen die Hochhäuser Salvadors wie von einem anderen Stern scheinen, nach Salinas da Margarida, einem Dorf kurz vor der Einfahrt in den Rio Paraguaçu. Ruhig soll es hier sein, selbst am Wochenende.

Salinas

Salinas

An einem Montag im brasilianischen Herbst sind wir die einzigen, die hier vor Anker liegen. Das Dorf ist leergefegt, bis auf ein paar Männer die am Dorfplatz vor den Barracas Karten spielen, mitten drin Endy, mit seiner dicken, silbernen Kette, auf der sein Name wie auf einem Mercedesstern steht, den Ohrringen und Tattoos. Tomy, der den Namen liest, witzelt, ich solle ihn doch nach dem Internetzugang fragen, Endy checkt bestimmt alles hier, doch ich frage den Wirt. Der tut geheimnisvoll, ich frage ja nicht nach seiner Barraca, sondern der daneben. Nein, könne er mir nicht sagen.

Nach einer Weile kommt Endy verstohlen an unsern Tisch geschlichen und flüstert mir das Passwort zu, welches nur leider nicht funktioniert. Dennoch geht er stolzgeschwellt, sich seiner Wichtigkeit völlig bewusst von dannen.

Auf seiner Kette steht Enjoy.

Genießen, das tun wir!

Nachts liegen wir mitten in der Einflugschneise.

Gut, fliegen tut hier keiner, aber die kleinen Fischerboote tuckern lautstark an uns vorbei, bei Sonnenuntergang freundlich winkend hinaus in die Bucht, ein paar Stunden später in völliger Dunkelheit und unbeleuchtet wieder hinein.

Wenigstens sind wir beleuchtet, dank billiger Solarlampe aus dem Baumarkt, die weniger rostet, als alles Hochwertige hier an Bord.

Kirche in Salinas

Kirche in Salinas

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