7. April 2015
von Steffi
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Salinas da Margarida

„Steffi, komm schnell, wir müssen hier weg, der Anker schliert, wir hängen schon an der Robusta!“

Uups, das ging jetzt aber schnell! Zwar sind wir die vergangenen drei Tage langsam näher gerückt, doch waren wir beim Aufstehen morgens noch weit genug weg, bis zu unserer geplanten Abfahrt hätte es reichen müssen.

War aber nicht so.

Also schnell Anker rauf und zum Frühstücken, Wassertanken und Einkaufen an den Steg gelegt. Irgendjemand hatte mir gesagt, das kostet ein paar Reals, doch nach dem langem und übervollen Wochenende war das Büro geschlossen.

Mir soll’s recht sein.

Unglaublich wie voll die Marina in Itaparica, wie voll das Ankerfeld am Osterwochenende war! Da lagen kleine und große Motoryachten, voll mit Familie und Gästen, Musik und Cocktails, aber auch jede Menge Segelschiffe. War mir gar nicht bewusst, dass es so viele Segler hier gibt! Und jetzt ist alles leer! Wie ausgestorben! Die Fischer ziehen wieder neben uns die Netze ein!

Fischer vor Itaparica

Fischer vor Itaparica

Ostern trafen wir wieder auf Tom, Thomas und Anja, nachdem wir in den Tagen zuvor meiner Freundin Anuschka und ihrem Sohn Niklas ein wenig Salvador und Umgebung gezeigt hatten. Informativ und witzig wurde es mit Jochen und Hanna, jenem Segler, den wir aus Katwoude kennen: Jochen weiß auf alles eine flotte Antwort! Und weil er doch eine Weile hier gesegelt ist, bevor er sein Schiff verkaufte und sich auf Itaparica niederließ, weiß er auch ein wenig Bescheid, genug, um uns zu erzählen, was er alles nicht gefunden hat…

Die Robusta hat ein Problem mit dem Motor, so können wir nicht wie geplant gemeinsam die Bucht erkunden. Thomas wartet auf ein Ersatzteil und Tom wird ihn nach Salvador begleiten, schließlich hat die Robusta keinen Motor und Tom kann vielleicht helfen, wenn es nötig werden sollte.

Also fahren wir alleine weiter vorbei an Mangroveninseln, neben denen die Hochhäuser Salvadors wie von einem anderen Stern scheinen, nach Salinas da Margarida, einem Dorf kurz vor der Einfahrt in den Rio Paraguaçu. Ruhig soll es hier sein, selbst am Wochenende.

Salinas

Salinas

An einem Montag im brasilianischen Herbst sind wir die einzigen, die hier vor Anker liegen. Das Dorf ist leergefegt, bis auf ein paar Männer die am Dorfplatz vor den Barracas Karten spielen, mitten drin Endy, mit seiner dicken, silbernen Kette, auf der sein Name wie auf einem Mercedesstern steht, den Ohrringen und Tattoos. Tomy, der den Namen liest, witzelt, ich solle ihn doch nach dem Internetzugang fragen, Endy checkt bestimmt alles hier, doch ich frage den Wirt. Der tut geheimnisvoll, ich frage ja nicht nach seiner Barraca, sondern der daneben. Nein, könne er mir nicht sagen.

Nach einer Weile kommt Endy verstohlen an unsern Tisch geschlichen und flüstert mir das Passwort zu, welches nur leider nicht funktioniert. Dennoch geht er stolzgeschwellt, sich seiner Wichtigkeit völlig bewusst von dannen.

Auf seiner Kette steht Enjoy.

Genießen, das tun wir!

Nachts liegen wir mitten in der Einflugschneise.

Gut, fliegen tut hier keiner, aber die kleinen Fischerboote tuckern lautstark an uns vorbei, bei Sonnenuntergang freundlich winkend hinaus in die Bucht, ein paar Stunden später in völliger Dunkelheit und unbeleuchtet wieder hinein.

Wenigstens sind wir beleuchtet, dank billiger Solarlampe aus dem Baumarkt, die weniger rostet, als alles Hochwertige hier an Bord.

Kirche in Salinas

Kirche in Salinas

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3. April 2015
von Steffi
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Frohe Ostern

Wir wünschen allen unseren Lesern, Fans, Freunden und Familie ein Frohes Osterfest!

Bitte habt Geduld, es kommen viele Blogeinträge und Infos, ich brauche nur gutes Internet und gleichzeitig Muse. Beides zusammen ist hier schwierig zu bekommen.

Vielen Dank für alle Kommentare, Facebook-Likes, Newsletter-Abos, Emails und Anteilnahme.

Ihr seid großartig!

Steffi und Tomy

Gustav

Gustav und King Julienne

Gustav und King Julienne

28. März 2015
von Steffi
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Ein Segen für 20 Real

„Der, fotografiere den dort!“, weist Tomy mich an, doch ich habe den Pai dos Santos schon längst entdeckt und im Visier.

Er mich aber auch.

So schnell kann ich gar nicht reagieren, wie er mich mit seinen Pflanzenbündel an Kopf und Schultern berührt, um mich herum wedelt, mich mit duftenden Wasser besprüht und mir Reis über den Kopf streut. Dabei murmelt er vor sich hin, irgendwas von Oxossi und Yemanja, ich denke, na gut, passt wenigstens, auch wenn ich jetzt wie eine Nutte stinke. Und frau weiß ja nie, wozu ein Segen gut ist, auch dann nicht, wenn der Candomble-Priester dafür mit ungerührter Mine 20 Real verlangt. Dafür bekomme ich aber auch ein schönes Foto von ihm und seinen Kollegen, während die anderen Touristen mit ihren Kameras unfreundlich weggewedelt werden.

Pais dos Santos

Pais dos Santos

Die Straße überqueren die beiden nicht.

Dort, auf der anderen Seite, steht die Wallfahrtskirche Bonfim, geweiht dem Herrn des Guten Endes, Jesus, der Kranke heilt, Jesus, und natürlich hier mit einem der Orixas gleichgesetzt wird, doch zu Ostern wird Abstand gehalten. Verbindend wirken nur die bunten Bändchen, die festgebunden am schmiedeeisernen Zaun fröhlich im Wind flattern.

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Wir zeigen Leentje und Patrick, später Anuschka und Niklas die Sehenswürdigkeiten Salvadors.

Von Bonfim fahren wir nach Ribeira, essen Eis in der angeblich besten Eisdiele Südamerikas, nun zumindest die Zertifikate an der Wand und die Auswahl sind beeindruckend. Und das Maracujaeis ist wirklich gut! In Ribeira liegt auch jene Marina, in der wir Yemanja lassen wollen, wenn wir nach Hause fliegen, also reservieren wir schon mal einen Platz. Der Manager spricht etwas Englisch und freut sich über Gäste aus aller Welt: Stolz zeigt er uns die Zeichnungen der Crews in seinem Büro.

Stadt (7)

Sorvete da Ribeira

Sorvete da Ribeira

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Von Ribeira fahren wir zurück zum Forte Monte Serrat, und blicken auf Salvador und den Strand von Boa Viagem.

Strand von Boa Viagem

Strand von Boa Viagem

Am Monte Serrat

Am Monte Serrat

Dann bringen wir das Auto zurück zur Marina, und gehen ins Pelourinho. Ein Kreuzfahrtschiff ist in der Stadt, also geben die fünf Jungs an ihrer Trommel alles – kaum zu glauben, wieviel Stimmung so eine kleine Gruppe entwickeln kann!

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Wir gehen den Berg hinunter vorbei an der Kirche Nossa Rosario dos Pretos, auf der anderen Seite hinauf zum Karmeliterkloster. Gegenüber in einer Bar blicken wir hinab aufs Commercio und unser Schiff und lassen uns das Mittagsmenu gut schmecken.

Blick auf Yemanja in der Marina

Blick auf Yemanja in der Marina

Im Carmo

Im Carmo

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Blick aufs Commercio

Blick aufs Commercio

Sao Felix

27. März 2015
von Steffi
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Aratu – Santo Amaro – Cachoeira

Die Überlandstraße nach Aratu (und weiter bis nach Brasilia), die BR 324, führt uns erst durch eine endlose Favela: rohe Ziegelhäuschen stapeln sich dem Berg hinauf und hinunter, soweit das Auge reicht. Was uns am meisten erstaunt ist allerdings die Metro: Diese Stadtbahn auf Stelzen war schon vor 15 Jahren ein Bauruine, die Wagons verrotteten jahrelang in den Depots, doch siehe da, sie wurde weitergebaut, es gibt Stationen, ja es fahren sogar Züge!

Auf dem Weg nach Aratu

Auf dem Weg nach Aratu

Der Verkehr ist noch unglaublicher, weniger die Menge als die Art und Weise: Eigentlich fährt alles kreuz und quer, Mopeds hupen sich durch den Verkehr, schlängeln sich zwischen Bussen und Autos hindurch. Wer von rechts kommt, muss oft genug bald links wieder raus, oder umgekehrt. Seltsamerweise funktioniert es, Unfälle sind verhältnismäßig selten, dabei verbessert der Zustand der Fahrbahn die Situation keineswegs!

Bald verlassen wir die BR 324 Richtung Naval Base, durch kleine Vororte, es wird ländlicher. Entlang der Straße stehen diese kleinen, aus rohem Holz oder Bambus zusammengezimmerten Stände, an denen Obst verkauft wird. Oder Churrasco: Morgens früh wird der Grill angeheizt, mittags werden hier die Menschen unter tropischer Vegetation und im Staub der Straße ihre Mahlzeit einnehmen.

Bald werden die Hütten ärmlicher, oft sind es nur mehr reine Bretterbuden. Ein Mann bringt mit dem Esel seine Jackfruits zum Markt…

Wir holen Patrick und Leentje im Aratu Iate Club ab, er liegt hinter einem ärmlichen Dorf in der Bucht von Aratu. Davor kommt uns ein Gaucho, diesmal ein echter, auf dem Pferde entgegen, durch das Dorf trabt eine Herde Rinder. Wir sind vielleicht 20 Kilometer vom Zentrum, wobei die Stadt nie wirklich geendet hat.

Rinderherde in Aratu

Rinderherde in Aratu

Wir fahren wieder auf die BR 324: Sie wird zur Mautstraße und hat doch tatsächlich einen neuen Belag! Sie ist fast schon komfortabel zu befahren.

Doch schön, richtig schön, wird der Weg erst nach Verlassen der BR. Von jetzt an führt die Straße durch eine tropische Hügellandschaft: Mal durch Bambuswälder, die zur Papierproduktion angelegt wurden, mal durch Weideland mit Kühen, mal durch atlantischen Regenwald – Mata Atlantica. Nach dem Regen am Morgen leuchtet und glitzert das Grün besonders saftig.

Auf dem Weg nach Cachoeira

Auf dem Weg nach Cachoeira

Es ist wunderschön! Wie liebe ich diese Landschaft!

Manchmal liegen rechts und links der Straße kleine Sitios, Herrenhäuser wäre zu viel gesagt, aber das sind sie wohl: Die Behausung der Besitzer, mit mehreren Zimmern, einer guten Stube, so etwas wie einem Bad und einer überdachten Veranda rundherum. Die bescheidenen Häuser der Arbeiter bestehen nur aus einem großen Raum, der innen mit Wänden, die nicht ganz bis zum Dach reichen in vier Teile geteilt ist: Eltern, Kinder, Küche, Stube, alles auf vielleicht 40 Quadratmetern.

Viel hat sich nicht verändert in Santo Amaro: Der Markt ist faszinierend und bunt wie eh und je! Immer noch bringen Pferde- und Eselskarren die Waren in die Stadt, ja wir haben nie zuvor so viele Pferde, Esel und Maultiere gesehen! Überall, von Aratu bis Sao Felix treffen wir sie an!

Markt in Santo Amaro

Markt in Santo Amaro

In Santo Amaro

In Santo Amaro

Auch die Borracharias, die Reifenreparaturwerkstätten, haben sich mit den Jahren nicht verändert, obwohl die Autos neuer und schicker denn je sind. Rostlauben sehen wir so gut wie keine mehr, auch die hübsch bemalenen Lastwägen sind fast verschwunden. Mit Deus, Jesus und ein paar bunten Bändchen fahren jedoch immer noch viele…

Auch in Cachoeira und Sao Felix hat sich nicht viel verändert, und doch ist in allen drei Orten eine Tendenz zu besseren Geschäften und renovierten Häusern zu erkennen. Was nicht heißt, dass es da nicht noch viel zu tun gäbe…

Im Centro Cultural Dannemann werden immer noch Zigarren als Touristenattraktion gerollt, es ist sehr professionell geworden, inklusive Café, da ist nichts mehr von der verschlafenen Fabrikation von vor 15 Jahren geblieben. Die Vorarbeiterin Rita, die uns damals manche Zigarillo zusteckte – wir kauften genug – ist in Pension. Schade, ich hätte sie gerne gesprochen!

Unsere Reifen halten, wir kommen gut wieder nach Hause zu unserem Schiff!

 

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