7. März 2016
von Steffi
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Salar de Uyuni Tour Tag 1: Lamas, sanfte Berge und Millionen Sterne

Nach dem Mittagessen bedient sich Felix, unser Fahrer, großzügig aus der Tüte mit den Kokablättern. Wie eine Kuh stopft er sie sich in den Mund. Kurze Zeit später wird er richtig wach: Er gibt Gas, lässt alle anderen Fahrer hinter sich und fährt vorzugsweise Off-Road.

Nicht, dass die Straße etwas mit einer solchen gemeinsam hätte…

Wir starten die typische Salar de Uyuni Tour von Tupiza aus, weil andere Reisende uns dazu geraten haben: Die Tour wäre umfangreicher, die Jeeps besser und die Fahrer nicht betrunken. Außerdem baut sie auf, der Höhepunkt, der Salar de Uyuni, kommt zum Schluss. Und Tupiza ist auch netter als Uyuni.Uyuni 1 (4)

Um acht Uhr morgens geht es vor unserm Hostel los. Wir sind zu sechst in dem Jeep: ein junges britisches Pärchen im Gap-Year zwischen Uni und Arbeit, Tomy und ich, Lidia, die Köchin und Felix, der Fahrer. Gleich hinter Tupiza hört die asphaltierte Straße auf, wir folgen einer Lehmpiste hinauf in die Berge. Oben dann der erste Höhepunkt: Der Blick hinunter auf eine von Erosion geschaffene rot-braune Mondlandschaft. Felix versichert uns, dass es des nachts hier Pumas gebe… Von wegen nur am Amazonas!

Fahrt von Tupiza nach Quetana, Uyuni Tour

Hier soll es Pumas geben

Nach jedem durchquerten ausgetrockneten Flussbett – und es sind einige – öffnet Felix die Fahrertür und blickt prüfend nach hinten. Schließlich wird es ihm zu bunt: Wir haben einen platten Reifen und der wird erst mal gewechselt. Außer einem Ersatzreifen führen wir auch Werkzeug, extra Benzin, eine Gasflasche, Teller und Tassen und jede Menge Nahrungsmittel mit uns, das meiste davon neben unseren Rucksäcken am Dach.

Uyuni 1 (11)

Später erfahren wir, dass die Jeeps meist einem Geldgeber gehören, der sie den Fahrern zur Verfügung stellt, welcher dann für einen Touranbieter fährt. Der Jeep ist also Felix‘ Einkommen, dementsprechend pflegt er ihn auch. Jeden Abend, oft liegen wir schon im Bett, pflegen er und sein Kollege, mit dem wir gemeinsam unterwegs sind, ihre Autos. Viel länger als zwei, drei Jahre halten sie die Beanspruchung und das Salz trotzdem nicht aus.

Bald geht die Fahrt weiter, mal durch ein grünes Tal, in dem Lamas weiden, dann wieder über karge Höhen, auf denen auch Lamas weiden. Hie und da stieben zwei oder drei Nandus, Strauß ähnliche, in Südamerika heimische Vögel, davon. Und dann weiden da wieder die mit bunter Wolle geschmückten Lamas, unzählige!

Lama, Uyuni Tour, Tupiza bis Quetana

Lamas

Die Berge ruhen wellig und sanft links und rechts von uns, bedeckt von borstigem Gras. Mir kommen sie wie die Rippen der schlafenden Mutter Erde vor. Mich wundert es nicht, dass die Menschen in dieser Abgeschiedenheit ein besonderes Verhältnis zu Pachamama, Mutter Erde entwickelt haben: Ich habe das Bedürfnis sie zu streicheln und warte darauf, dass sich ihre hügelige Brust im Rhythmus ihres Atems heben und senken.

Uyuni 1 (12)

Aber natürlich tut sie nichts dergleichen.

Unser Mittagessen nehmen wir in einem Adobedorf in einer Art Garage ein.

Danach kann Felix nicht mehr in den ersten Gang schalten, etwas blöd, denn es geht ziemlich bergauf und bergab. Wir erreichen eine alte spanische Goldgräberstadt, Klein Machu Picchu genannt. Die Stadt ist zwar genauso verfallen, aber nicht annähernd so alt. Einst standen hier 23 oder 24 Kirchen, jede Woche wurden wenigsten zwei Hochzeiten gehalten. Doch die Korruption blühte, die Gläubigen flehten Gott um Hilfe an. Der sandte eine Frau – und hier wird die Sache unklar. Jedenfalls war das das Ende der Stadt. Heute leben nur diese hasenartigen Wesen, vermutlich Chinchillas, dort.

Boliviens Machu Piccu

Boliviens Machu Piccu

Während wir durch die Ruinen geistern, sind die Fahrer sämtlicher Touranbieter, insgesamt acht, damit beschäftigt, das Getriebe unseres Jeeps wieder in Ordnung zu bringen. Keiner von ihnen fährt weiter, bevor wir nicht wieder fit sind. Danach nehmen sie uns in die Mitte, bis unser Fahrer sicher ist, dass alles wieder in Ordnung ist.Uyuni 1 (13)

Dann greift er zu den Kokablättern…

Und überholt alle. Das hat den Vorteil, dass wir als erstes an der Unterkunft sind und uns unser Zimmer, das wir mit unseren Mitreisenden Ben und Toni teilen, aussuchen können. Nicht dass es da viel Wahl gäbe: In jedem Raum stehen vier bis fünf Betonsockel, auf denen eine Matratze und eine dicke Decke samt Kopfkissen liegen. Sonst ist nichts in dem schmucklosen Raum. Das Fenster führt in den ebenso spartanischen Essraum, es gibt zwei Toiletten – Klopapier ist selbst mitzubringen – und eine Dusche, die keiner benutzen mag. Es ist mehr als einfach, erfüllt aber seinen Zweck. Lidias Abendessen, heiße Suppe und Gemüsefleisch-Frikadellen, tut uns allen gut.

Und dann heißt es, sich warm anzuziehen für den Höhepunkt des Tages, ja vielleicht des Jahres:

Der Sternenhimmel mit Milchstraße, anderen sichtbaren Galaxien und Millionen von Sternen!

Das, was hier oben in der sauberen und trockenen Luft an Sternen sichtbar ist, ist für uns Tieflandbewohner einfach unvorstellbar. Nicht mal der Sternenhimmel durchs Fernglas auf See gesehen gibt auch nur annähernd einen Eindruck davon – dazu ist die Luft dort zu feucht.

Diesen Sternenhimmel werde ich nie vergessen! Dieser Anblick alleine lohnt die Tour! Wobei fast jede Minute dieses Tages eindrucksvoll war!

INFO

SALAR DE UYUNI

Beste Reisezeit: Vermutlich September bis Oktober, nach dem eisigen Winter und vor der Regenzeit, wenn die Flamingos wieder da sind.

Uns wurde mehrfach gesagt, dass die Touren von Tupiza besser und schöner seien, als die von Uyuni aus. Es gibt Touren von einen bis zu fünf Tagen Länge, die längeren schließen auch Vulkanbesteigungen ein. Drei Tage ist ein guter Kompromiss. Wer nur den Salar besucht, versäumt das Beeindruckenste. Die Quartiere sind sehr einfach, es soll allerdings auch bessere geben, das ist eine Preisfrage (nur von Uyuni aus). Wer mag, kann auch auf einem Motorbike die Tour machen. Je nach Geldbeutel ist einiges möglich!

TIPP: Vor allem im Winter (Mai bis Oktober) kann es nachts extrem kalt werden, dann reichen die Decken in der Unterkünften eventuell nicht und ihr braucht einen Schlafsack.

Touranbieter in Tupiza: Torretours

In Uyuni hat uns Tomys Neffe Red Planet empfohlen

Übernachten und Essen: Sowohl Uyuni als auch Tupiza sind reine Uyuni-Tour Orte, ausgerichtet auf junges Backpackerpublikum: Einfache Unterkünfte und Pizza!

TIPP: Überlegt auch vorher, welche Fotos ihr machen wollt! Bei den Touranbietern und im Internet gibt es ja viele Anregungen. Und zieht alte Klamotten an, ihr liegt dabei im feuchten Salz! Auf den Schatten achten, wenn der stimmt, wirken die Fotos noch „echter“. Generell ist eine Kamera mit altmodischen Sucher besser, auf den Displays lässt sich die genaue Position der Personen kaum feststellen.

Alle Bolivien Infos unter Downloads & Tipps

Espreso del Sur, Bahnfahrt in Bolivien

4. März 2016
von Steffi
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Espreso del Sur oder was Bus und Bahnfahrt mit Segeln gemeinsam haben

„Diese Fahrt ist ungefähr so aufregend wie eine Atlantiküberquerung.“ Sagt Tomy.

Und damit hat er Recht. Um zum Bahnhof in Oruro zu kommen, müssen wir erst mal vier Stunden mit dem Bus von La Paz durchs Altiplano nach Oruro fahren. Hinter El Alto wird die Fahrt eintönig. Nichts als Gras, ein paar Hütten, ein paar Felder. Da sind ja fast Wellen abwechslungsreicher anzusehen!

Doch ab Oruro wird es spannend: Von dort fahren die Züge nach Uyuni, Tupiza und Villazón.

Espreso del Sur, Zug in Bolivien

Die Königin winkt zum Abschied

Der Zug, der Espreso del Sur, steht schon da, als wir ankommen. Er besteht aus einem Gepäckwagen, den Waggons der dritten Klasse, der mittleren Klasse, dem Speisewagen und der Ejecutivo-Klasse, also aus sechs bis sieben Waggons. Wir müssen unsere Rucksäcke im Gepäckwagen abgeben. Dann werden wir von einem Schaffner wie aus dem Bilderbuche – Mütze, Schnäuzer, Uniform – an unserm Platz geführt.

Die Abfahrt dieses Zuges ist ein Ereignis, kein Wunder, fährt er doch nur zweimal in der Woche!* Erst dockt die Diesellok an, dabei rücken wir bestimmt drei Meter nach hinten. Dann bimmelt eine Glocke, schließlich tutet die Lok. Menschen stehen am Bahnsteig, machen Fotos, winken zum Abschied.

Espreso del Sur, Bahnfahrt in Bolivien

Die Diesel-Lok

Tuut-Tuut macht die Lok und los geht es, entlang eines Parks, mitten auf der Straße, durch ein Wohngebiet. Und wieder warnt Tuut-Tuut die Lok.

Ich fühle mich in meine Kindheit zurück versetzt.

Tatam-tatam, tatam-tatam nimmt der Espreso del Sur Fahrt auf, unterbrochen von Bums und Klack, rumpeln und poltern. Manchmal hoppelt der Zug wie ein Hase, ich wundere mich nur, dass er nicht von den Schienen springt. Er schaukelt hin und her, wir fühlen uns wie in den Wellen des Atlantiks. Auch die Lautstärke ist ähnlich. Schnell ist der Zug auch nicht, braucht er doch für die rund 600 km nach Tupiza gute 12 Stunden.

Espreso del Sur, Zug in Bolivien

Wir fahren mitten durch dem See

Nachdem er Oruro verlassen hat, fährt der Zug mitten durch einen See. Komorane und Enten leben darin, hunderte Flamingos fliegen aufgeschreckt davon. Welch‘ ein Schauspiel!

Flamingos, Popoo See

Flamingos fliegen aufgeschreckt davon

Der Poopó-See steht mit dem Titicacasee durch einen Fluss in Verbindung. Einst – vor ein paar hunserttausend Jahren – war das ganze Gebiet ein riesiger See, der hinunter bis Uyuni reichte.Heute ist viel ausgetrocknet und scheint mehr und mehr trocken zu fallen.

Irgendwann wächst in der Höhe auf dem salzigen und trockenen Boden nur mehr Quinoa und etwas Gras: Zu viel zum Leben und zu wenig zum Sterben, für die Rinder, Schafe und Lamas, die in der kargen Landschaft Futter suchen.

Altiplano, Bolivien

Llamas rennen um ihr Leben

Hie und da sieht man straubige Westerndörfer oder halb verfallene Farmen. Als die Sonne untergeht, beschleicht uns unweigerlich der Gedanke: Werden uns die Apachen überfallen?

Um uns abzulenken, gehen wir in den Speisewagen: Da wir bis Tupiza fahren, ist ein Abendessen, Huhn oder Vegetarisch mit einer Flasche Fanta, im Fahrpreis inbegriffen. Es ist sogar weitaus besser als manches Menü in einem Flugzeug.

Um etwas zehn Uhr erreichen wir Uyuni, wo viele austeigen, denn es gilt als der Ausgangspunkt für die Touren zum Salzsee Uyuni. Danach verteilt der Schaffner Kissen und Decken und löscht das Licht. Um drei Uhr morgens erreichen wir Tupiza. Der immer noch wie aus dem Ei gepellte Schaffner, säubert erst die Haltegriffe vom Staub, dann können wir aussteigen. Wir sehen zu, wie außer Rucksäcken und Koffern auch Pakete, alte Tische und Stühle ausgeladen werden. Dann gehen wir rund 500m zu unserm reservierten Hostel, klingeln einen verschlafenen Pförtner raus, der keine Ahnung von einer Reservierung hat. Aber immerhin, wir bekommen ein Zimmer.

Wir liegen schon im Bett, als ein langes Tuut-Tuut, die Weiterfahrt des Espreso del Sur ankündigt und mich lächelnd einschlafen lässt:

Diese Zugfahrt war ein Erlebnis aus einer anderen Zeit.

INFO

Die Abfahrtzeiten de beiden Züge Espreso del Sur und Wara Wara findet ihr auf www.fca.com.bo

Im März 2016 führ der Espreso del Sur am Dienstag und Freitag um 14:40 und der Wara Wara Donnerstags und Sonntags um 19:00 von Oruro ab. Beide brauchen gute 7 Stunden bis Uyuni und 12 bis 13 Stunden nach Tupiza.

Die Tickets können in La Paz im Büro der FCA gekauft werden, auch am Tag vorher, Straße Sanchez Lima, zwischen der F. Guachalla und der Aspiazu, Sehr unscheinbarer Eingang!

Der Bus nach Oruro braucht drei bis vier Stunden, sie fahren von morgens 4 Uhr praktisch stündlich vom Busterminal in La Paz ab.

Das Busterminal in La Paz, gebaut von Eifel

Das Busterminal in La Paz, gebaut von Eifel

INFO

Busse von La Paz nach Oruro: von 4:30 morgens an praktisch stündlich den ganzen Tag im Busterminal, Tickets am gleichen Tag kaufen

Zug von Oruro nach Uyuni/Tupiza/Villazon: Im Büro der FCA in der Sanchez Lima zwischen, Ticket im Voraus kaufen. Die Züge gehen viermal in der Woche, der Wara Wara Dienstag und Donnerstag, der Espreso del Sur Freitag und Sonntag. Info unter www.fca.com.bo

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Vallee de la Luna – Im Mondtal

3. März 2016 von Steffi | 2 Kommentare

Auf unseren Reiseführer ist nur beschränkt Verlass: Viele Fahrzeiten sind falsch angeben. Nur ist es jetzt nicht fair ihn zu beschimpfen: Ich hätte ja auf der sehr wohl angegebenen Website der Eisenbahn nachsehen können.

Hab ich aber nicht.

Und so hängen wir einen Tag mehr in La Paz herum. Wir könnten den Tag nutzen, und uns auf Mountainbikes die Death Road hinunter stürzen. Nachdem ich mich schon auf gerader, asphaltierter Straße auf dem Fahrrad nicht sehr wohl fühle, werde ich das Schicksal lieber nicht herausfordern. Tomy wiederum weigert sich zum ehemals höchstgelegenen Schigebiet der Welt zu fahren: Er schnappt in La Paz schon nach Luft, nochmal gut 1000m höher muss es für ihn nicht sein. Der Gletscher ist den Liften übrigens quasi unterm Hintern weg geschmolzen.

Bus Nr 43

Bus Nr 43

Also bleibt nur mehr das Vallee de la Luna, ein Halbtagesausflug vom Zentrum aus. Wir steigen vor der Kathedrale San Francisco in den Microbus uns fahren damit eine Stunde bis zum Eingang. Und von jetzt an lass ich Bilder sprechen…

Zurück fahren wir übrigens nur bis zur Talstation der Teleferico Amarello, denn von der ersten Bergstation zu unserem Hostal sind es nur fünf Minuten zu Fuß.

INFO

Abfahrt vor der Kathedrale mit dem bunten Micro Nr 43, oder die Guardia Municipal dort fragen, welcher Minibus hinfährt.

Fahrzeit gut 60 bis 70 Minuten

Oder mit der gelben Teleferico bis zur Talstation und dort in den Bus Nr 43 einsteigen, das ist schneller.

Alle Bolivien Info unter Downloads & Links

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Cha'llapampa, Isla del Sol, Titicaca See, Bolivien

1. März 2016
von Steffi
3 Kommentare

Isla del Sol oder wie weit man mit drei Eiern, zwei Bananen und einer Handvoll Kokablättern kommt

Liebe Mutti, liebe österreichische Freunde, liebe Segler (ihr kommt später dran),

ich weiß, irgendwie seid ihr davon überzeugt, dass wir in Bolivien wandern. Das ist eure Vorstellung von einer Rucksackreise in einem bergigen Land.

Es bedeutet allerdings nur, dass wir keinen Rollkoffer hinter uns herziehen, sondern unser Zeug in einem Rucksack transportieren. Und uns erst vor Ort eine Unterkunft suchen oder sie ein paar Tage vorher reservieren. Wir fahren mit dem Bus, mit der Bahn, dem Taxi und organisieren unsere Reise so wie es kommt. Oder wie uns andere Reisende raten.

Wanderschuhe haben wir dabei auch keine an.

Aber halt – so ganz stimmt das ja nicht. Erstens weil Tomy seine Laufschuhe wegwerfen musste und stattdessen Wanderschuhe kaufte und zweitens weil wir ja doch wandern: Gestern über die Halbinsel Copacabana und heute über die Isla del Sol.

Dorthin fahren wir, wie könnte es anders sein, mit einem Schiff.

Titicacasee, Bolivien

Auf der Fahrt zur Isla del Sol

Und jetzt, liebe Segler, seid ihr dran:

Nein, ich kenne die Liegeplatzgebühren am Titicacasee nicht. Bolivien ist nämlich das einzige Land Südamerikas, das keinen Meerzugang hat und für uns per Schiff somit nicht erreichbar ist. Und das ist ein nationales Trauma, also der Meerzugang, nicht wir: Bolivien verlor seine Pazifikküste im Salpeterkrieg mit Chile im Jahre 1879, übrigens eine ziemlich komplizierte Sache, in die hauptsächlich Peru und Chile verwickelt waren. Jedenfalls liegt seitdem Boliviens Armada, immerhin die größte Seestreitmacht der Welt in einem Binnensee, im Titicacasee und wartet auf ein Wunder. Dabei hat Bolivien Freihandelsrechte über einen chilenischen Hafen. Auch hat der internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, das Chile mit Bolivien über einen Korridor zum Pazifik verhandeln muss. Was aber wieder Peru nicht passt…

Mar para Boliva

ist jedenfalls der Slogan schlechthin zurzeit.

Armada - Mar para Bolivia, Titicacasee

Armada – Mar para Bolivia, Titicacasee

Nichtsdestotrotz kann man am Titicacasee, dem höchsten kommerziell schiffbaren See der Welt, segeln. Der erste, der mit einem See-gängigen Segelboot auf dem See segelte, war Tristan Jones auf der Sea Dart. Das muss ein ziemlich verwegener Hund gewesen sein, von dem ich euch vielleicht in einer Segelpause erzähle. Auch der bolivianische Yachtclub hat ein paar Segelschiffe, die in Huatajata liegen. Und zu guter Letzt könnte man von Puno, Peru, aus eine Hunter 31 chartern, mit Skipper.

Nachbau eines Inka-Bootes. Vielleicht kann man demnächst auch damit segeln.

Nachbau eines Inka-Bootes. Vielleicht kann man demnächst auch damit segeln.

Und jetzt kommen wir zu unserem heutigen Frühstück: Drei Spiegeleier und zwei Bananen, pro Person. Damit im Magen machten wir uns auf, die Wiege des Inkareiches zu erkunden.

Die liegt auf der Isla del Sol. Dort, am Pumafelsen, der in einer Version dem See seinen Namen gab, soll der Sonnengott den ersten Inka und seine Schwester, die dann praktischerweise seine Frau wurde, zur Erde gelassen haben. Von hier machten sie sich auf, gründeten Cusco und Machu Picchu, unterwarfen etliche andere Indianerstämme und organisierten ihr Reich nach dem Vorbild des älteren Reiches der Huari. Das ist wichtig, weil Huari heute das beste Bier Boliviens ist.

Yumani, Isla del Sol, Titicacasee

Der erste Inka und seine Schwesterfrau, Yumani

Wissenschaftler sind übrigens der Meinung, dass die Inka aus dem Amazonasgebiet kamen, denn nur dort soll es Pumas geben, die in der Mythologie der Inkas wichtig waren. Von dort sollen auch die Kartoffeln kommen, wobei andere wieder sagen, nee die kommen aus dem Altiplano rund um den Titicacasee, oder auch aus Chile – in jedem Wikipedia Artikel steht etwas anderes ;-), je nach Stichwort.

Ein Ausflugschiff bringt uns also nach Cha’llapampa, wo uns ein Guide direkt abfängt und mit uns ins Museum und zum berühmten Pumafelsen gehen will, den sowieso kein Mensch als Katze erkennt. Dann will er uns den Weg nach Süden zeigen. Wir sind misstrauisch: All das soll sich in den 4 1/2 Stunden, die wir bis zum Ablegen des Bootes Zeit haben ausgehen?

Wir machen uns selbst auf den Weg.

Und das ist gut so: Ersten können wir so von der Gruppe unbehelligt viel bessere Fotos machen, und zweitens brauchen wir schon bis zum Opferstein – eine steinerne Tischplatte – eine Stunde statt die vom Guide angekündige dreiviertel. Von dort startet der Höhenweg Richtung Süden.

Isla del Sol, Titicacasee, Bolivien

Waschtag mit Eseln

Jede der drei Gemeinden auf der Insel verlangt übrigens Eintritt: Mit dem Geld werden der Weg erhalten und Schulen gebaut. Die Schule in Cha’llapampa ist wirklich ein eindrucksvolles neues Gebäude. Auch dieser Ort beherbergt viele Backpacker und Aussteiger, die am Strand ihr Zelt aufschlagen. Im Schiff hätten übrigens 90% der Passagiere unsere Kinder sein können…

 Isla del Sol, Titicacasee

Tomy zahlt Wegzoll

Isla del Sol, Titicacasee

Schule in Cha’llapampa

Wir also auf dem Höhenweg nach Yumani, wo es von 3812 m Seespiegel auf rund 4000 m hinauf und hinunter geht. Meine Beine schmerzen vom Tag davor, die Luft ist dünn. Jetzt kommen die Kokablätter ins Spiel, von denen wir immer wieder vier, fünf Stück kauen. Sie schmecken wie – bröseliges Heu, nehme ich an (Ich habe Heu noch nie gekostet). Aber sie geben Energie, erleichtern das Atmen und vertreiben etwaiges Hungergefühl. Das Zeug wäre ideal für Nachtwachen auf der Überfahrt oder wenn die Wetterverhältnisse keinen Schlaf der Crew zulassen. Es ist in keinster Weise berauschend. Ich verstehe wirklich nicht, wieso Alkohol in Deutschland zugelassen ist, aber Kokablätter oder Kokatee für den persönlichen Gebrauch nicht. Das kann nur an den Steuern und der Wirtschaft liegen…

Gut, wir wandern nach Süden, genießen wunderschöne Ausblicke auf die Kornaten Boliviens, auf zottige Esel und Indio-Frauen in bunten Röcken.

Isla del Sol, Titicacasee, Bolivien

Die Kornaten Boliviens

Die Menschen sind zurückhaltend, aber auch sehr freundlich. In Yumani angekommen staunen wir über die vielen neuen Häuser. Großen Hostals und schönen Restaurants. Leider bleibt uns dafür keine Zeit, denn unser Schiff wartet nicht. Und wir wissen nicht, wie weit es noch ist. Tatsächlich geht es vom Ortseingang noch gut 30 Minuten bergab – und das bin ich alles rauf gegangen???

Yumani, Isla del Sol, Titicacasee

Bei Yumani, Isla del Sol

Wir wollen die Treppe des Inkas runtergehen, finden oben den Eingang nicht. Unten grüßen uns nochmal der erste Inka und seine Schwester-Frau und dann geht es wieder heim – am nächsten Tag zurück nach La Paz.

Yumani, Treppe des Inka, Titicaca See, Bolivien

Die Treppe des Inka in Yumani

Yumani, Isla del Sol, Titicacasee, Bolivien

Und tschüß!

INFO

Die Ausflugschiffe fahren alle um 8:30 in Copacabana los, Tickets gibt es in den Buden am Strand oder bei Andes Amazonia auf dem Weg dorthin. Sie sind um 11 Uhr in Cha’llapampa, fahren dort um ein Uhr los und um 15:30 von Yumani. Das Museum besteht aus einem Raum, ist also überschaubar. Allerdings bleibt der Guide vor jeder Vitrine stehen…

TIPP

Wer Zeit hat sollte ein oder zwei Tage auf der Isal del Sol verbringen, entweder im eigenen Zelt am Strand von Cha’llapampa oder in einem der schönen Hostals in Yumani. Die Restaurants oben am Berg wären schon wegen des Blickes einen Besuch wert.

Man kann natürlich nur nach Yumani hin- und retour fahren, dann hätte man genug Zeit für eine Mahlzeit dort – nur geht es seeeeeeeeeeehr lange und noch steiler bergauf!

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Blick auf Copacabana am Titicacasee

29. Februar 2016
von Steffi
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Woher die Copacabana ihren Namen hat

Copacabana liegt zwischen zwei Bergen, beide sehen entfernt wie Zuckerhüte aus, nur ist der eine der Kalvarienberg und am anderen liegt ein Sonnenobservatorium der Inkas. Und damit weißt du, dass ich nicht von der Copacabana in Rio rede, sondern von ihrem Namensgeber, dem Städtchen Copacabana am Titicacasee in Boliven.

Copacabana am Titicacasee, Bolivien, der Namensgeber für die Copacabana in Rio

Blick auf Copacabana am Titicacasee

Manche sagen der Name kommt aus der Aymara-Sprache und bedeutet „Sicht auf den See“. Es gibt aber auch noch eine andere Herkunftsgeschichte und die gefällt mir viel besser:

Die andogyne Gottheit der Fruchtbarkeit, Kotakawana, die der griechischen Aphrodite, also der Namensgeberin unseres Schiffstypes, entspricht, wohnt hier im Titicacasee, zusammen mit ihrem Hofstaat, der in etwa unseren Meerjungfrauen, gleicht. Sagt Wikipedia.

Diese Gottheit war früher der Hüter des Sees und sorgte dafür, dass es keine Stürme gab. Das hat später die Virgen de Copacabana übernommen, eine Schwarze Madonna, die von einem Nachfahren jenes Inkas, der den Ort gründete, geschaffen wurde. Somit ist Copacabana der bedeutenste Wallfahrtsort Boliviens.

Basilika der Virgen de Copacabana, Bolivien, Titicacasee

Basilika der Virgen de Copacabana

Jeden Sonntag gegen 10 Uhr werden die neuen Autos im Sinne von neuer Besitzer, mit Blumen geschmückt und gesegnet. Dabei ist die gesamte Familie anwesend und stellt sich sogar für ein Foto auf! Aber erst nachdem der Priester in Mönchskutte und Baseballkappe das Auto ausgiebig mit Weihwasser bespritzt hat: Erst den Motorraum, dann den Innenraum, dann rundherum. Und weil man ja nie weiß, welcher Schutzgeist gerade zusieht, folgt darauf das schamanische Ritual: Kracher werden gezündet um erst mal die bösen Geister zu vertrieben. Das Auto wird mit Sekt und Duftwasser besprengt, ebenfalls, rundherum, Blütenblätter und Reis werden auf das Dach geworfen. Wenn dann die Tauben den Reis vom Autodach picken, freut sich die ganze Familie. Gegen etwaige Lackschäden ist es ja jetzt versichert…

Autosegnung in Copacabana, Bolivien

Erst der Pfarrer

Copacabana

dann das Foto fürs Album

Copacabana, Titicacasee, Bolivien - Segnung der Autos

und zum Schluß die schamanische Zeremonie mit Blütenblättern

Eines schafft jedenfalls weder die Jungfrau noch Kotakawana: Den See vor dem Menschen zu schützen. Die Abwässer der größeren peruanischen Stadt Puno fließen ebenso ungeklärt in ihn, wie all die Abwässer der kleineren Orte. Und wie die der illegalen Minen, von denen es 20000 geben soll. Der See ist stark verschmutzt. Auch fällt sein Wasserstand, weil sich das Klima verändert hat: Es gibt nicht mehr genug Regen, auch das Schmelzwasser der Gletscher fehlt. Denn auch die Gletscher sind teilweise verschwunden.

Kommerzielle Kopien der Virgen do Copacabana

Auch im Dutzend wirkungslos: Kommerzielle Kopien der Virgen do Copacabana

Irgendwann gelangte eine Kopie der Virgen de Copacabana an einen Strand in oder bei Rio. Und somit bekam er den Namen eines bolivanischen Ortes. Leider ist die Kopie auch nicht wirksamer: Die Bucht von Rio, in der die olympischen Spiele stattfinden werden, ist eine einzige Kloake.

INFO

Übernachten: Hostel/Hotel Las Olas gehört zu den schönsten Unterkünften weltweit! Und es ist bezahlbar!

Essen und Trinken: Am Markt gibt es gutes Obst und Gemüse, wenn man sich selbst verpflegen will. Die Kakteenfrüchte, die geschält angeboten werden geben viel Energie und Flüssigkeit.

In den Buden am Strand kann man sehr günstig Lachsforelle aus dem See essen.

Sehenswert:

Die Segnung der Autos jeden Tag um 10 Uhr vormittags herum, Höhepunkt am Sonntag; vor der Basilika

Die Sonnenuhr der Inkas, Horca do Inca, oder der Kalvarienberg

Das Dorf Sayampa, Anfahrt mit dem Taxi, dabei kann man unterwegs bei den Urus oder der Grotte Fatima stehenbleiben. So einteilen, dass man etwa um zwei Uhr in Sayampa ist, um genug Zeit zu haben (Fahrzeit von Copacabana aus ca. 40 bis 50 Minuten). Eventuell mit dem Taxi ausmachen, dass es in Sicuni wartet. Die Mircobusse fahren selten.

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