Wie wir eine Faultier-Mama und ihr Kind retten

| 3 Kommentare

25. November 2016

Weißt du, was Faultiere mit Delfinen gemeinsam haben? Es sind die beiden einzigen Säugetiere, die immer lächeln!

Das ist sicher ein Grund, warum sie uns so verzaubern, aber leider keine Garantie dafür, dass wir nicht auch ihr Leben und ihren Lebensraum bedrohen. Faultiere sind besonders durch Rodungen gefährdet: Sie ernähren sich von Blättern, ihr Stoffwechsel ist daher sehr langsam, deshalb sind sie es auch. Vor allem aber leben sie auf den Bäumen: Sie essen dort, sie schlafen dort, die pflanzen sich dort fort. Sie verbringen ihr Leben kopfüber von Bäumen hängend – selbst ihr Fell wächst andersrum. Dort oben können sie sich gegen Verfolger wehren oder sich relativ schnell fortbewegen. Wenn Bäume gefällt werden und sie auf die Erde fallen, sind sie Verfolgern schutzlos ausgeliefert, sie können sich dann nur schwer fortbewegen. So kommt es, dass immer wieder welche von Menschen oder in der Nähe von menschlichen Siedlungen gefunden werden und Hilfe brauchen: Jemand muss sie an einem sicheren Ort in der Wildnis bringen, damit sie überleben können.

Sloth Rescue

Sloth Rescue

Und genau das macht Monique und der Green Heritage Fund Suriname, das einzige Wildtierschutzprojekt des Landes. Angefangen hat alles vor etwa 11 Jahren, als ein größeres Waldstück gefällt wurde und über 100 Faultiere eine neue Heimat brauchten. Seitdem setzen Monique und ihre Helfer wöchentlich zwei bis drei Faultiere aus, einige müssen vorher gesund gepflegt werden.

Von Sloth Rescue erfuhr ich zufällig, als ich mich in Gunsi nach den Faultieren, die auf dem Werbeprospekt abgebildet sind, erkundige: Ja, in dem Baum nebenan hätte letztes Jahr ein Muttertier mit einem Jungen gelebt, die beiden wären auch immer noch irgendwo im Wald, aber sehr schwer zu finden, denn sie bewegten sich zu langsam, um sie zu sehen. Eines der beiden holländischen Paare zeigte daraufhin ein Video, das es bei einer Faultier-Aussetzung gedreht hatte und erwähnte dabei Monique.

Und dann kam James, von der AWELINA OF SWEDEN nach Waterland und erzählte, dass es sein Traum ist, Faultiere zu beobachten. Dank Google war das Sloth-Rescue Programm schnell gefunden, aber leider ist es – bisher – nicht zu besuchen, denn es ist in Moniques Haus untergebracht.
Nur wenn ein Faultier ausgesetzt wird, kann man dabei sein.

Wir hatten Glück! Kaum 24 Stunden nach der Absage von Monique, kam die Nachricht, dass ein Faultier auf einem Balkon (hier geht es zu der Geschichte) gefunden wurde und ausgesetzt werden sollte. Wir trafen uns bei Monique in Paramaribo. Wie freudig war die Überraschung – das Faultier war ein Muttertier mit einem etwa vier Monate alten Jungen! Tomy und James trugen den Käfig ins Auto und wir folgten Monique hinaus nach Groningen, ins Resort Bloemendaal.

Anfassen durften wir die beiden Tiere nicht. Erstens können sie vom Menschen Atemprobleme übernehmen und daran sterben und zweitens sind es Wildtiere. Die verteidigen sich schon mal! Mit ihren Klauen halten sie sich nicht nur an den Bäumen fest, nein, damit vertreiben sie auch schon mal Angreifer, wie Jaguare, Ozelote oder Raubvögel. Ich muss so einem Faultier also nicht zu nahe kommen.

Im Resort bestiegen wir samt dem „faulen“ Tier im Hundekäfig ein Boot und tuckerten ans andere Ufer, wo in einer Schleife des Flusses Saramacca seine neue Heimat wartete. Zu unserer Verwunderung öffnete Monique schon im Boot den Käfig. Sofort machte sich das Faultier auf den Weg Richtung Bug, in Fahrtrichtung, dorthin wo es so herrlich nach Wald duftete.

Sloth Rescue - Faultier Auswilderung in Surinam

Auf dem Weg in die Sicherheit

Welch` ein einmaliges Schauspiel!

Bald war unsere lächelnde Faultier-Mama im Geäst verschwunden und Monique erzählte uns mehr über ihr Projekt: Der Green Heritage Fund Suriname und die Welttierschutzgesellschaft in Deutschland unterstützen ihr Projekt. Ihr Auto, finanziert von der WTG, ist neu und erleichtert ihre Arbeit sehr. Die WTG hat ihr auch geholfen, Brutkästen für verlassene Jungtiere anzuschaffen. Die Jungen brauchen eine konstante, warme Temperatur, was selbst in Surinam nur schwer zu erreichen ist. Hilfe bei der Fütterung und Pflege bekommt sie von zahlreichen Freiwilligen. Auch Helfer aus fernen Ländern sind willkommen, allerdings ist es nur eine kleine Organisation, Freiwillige müssen sich um Flug, Unterkunft, Transport und so weiter leider selbst kümmern. Aber jetzt mal ehrlich: Wäre das nicht ein großartiges und zugleich nützliches Abenteuer? Noch dazu, wo diese Faultiere so allerliebst lächeln?

Faultier mit Jungem

Faultier mit Jungem

In der Nähe der Stelle, wo wir das Tier ausgesetzt haben, entsteht das Sloth-Rescue-Center: Der Green Heritage Fund Suriname konnte dort einen halben Hektar Land kaufen, das an einem Wald und ein Naturschutzgebiet grenzt. Als Erstes baute eeer aus gebrauchten Teilen eine Toilette: Wer in einer abgelegenen Gegend bauen will, muss erst für die menschlichsten Bedürfnisse sorgen. Monique hofft, dass eine örtliche Kunstgruppe, die Murals malt, das strahlend weiße Häusl verzieren wird. Büro und Pflegeräume werden aus gebrauchten Containern gebaut, die eine Spedition stiftet. Solarpaneele bekommen sie von einer Goldmine – Monique meint, die hätten auch etwas wieder gut zu machen.

Sie träumt davon, das Land dahinter zu kaufen, einen geschützten Waldbereich zu schaffen, in dem sich kranke Faultiere erholen können. (Ein paar ihrer Schützlinge wurden die Krallen geschnitten, sie brauchen zwei Jahre zum Nachwachsen – in der Zeit kann das Tier nicht klettern). Auch Ameisenbären sollen dort an das Leben in der Freiheit gewöhnt werden. Ein Informationszentrum soll entstehen, vielleicht ein oder zwei Cottages zum Vermieten, schließlich muss das alles ja finanziert werden!

Wir sind schwer beeindruckt, von dem was Monique und die Organisation schon auf die Beine gestellt haben: Autos, Webseite, Spendengelder, Sachspenden, Einbindung der Bevölkerung, Flyer, Ankauf des Landes, Aussetzung von hunderten Faultieren – Chapeau!

Und nebenbei engagiert sie sich auch noch um die Einrichtung von geschützten Meereszonen – für die anderen Smileys, die Delfine.

Also, wer kann Monique und ihre Arbeit mit den lächelnden Tieren, Faultiere und Delfine, unterstützen? Siehe Links unterhalb des Videos


Video mit freundlciher Genehmigung von Fiona Knight

HILFE für die Faultiere

Spenden:

http://www.globalgiving.org/projects/sloth-sanctuary-suriname-sequel-the-whole-story/

Welttierschutzgesellschaft (Deutsch)

Info:
Green Fund Suriname

Like:
http://www.facebook.com/pages/Green-Heritage-Fund-Suriname/129859957040929

Im Resort Bloemendaal kannst du auch nett ein paar Tage entspannen. Und wenn du Glück hast, triffst du ein Faultier!

Am Heimweg entdeckt James doch tatsächlich ein wildes Faultier!

Am Heimweg entdeckt James doch tatsächlich ein wildes Faultier!

3 Kommentare

  1. Pingback: Tierschutz auf Reisen: Tieren verantwortungsvoll begegnen | Ferngeweht

  2. Hallo Steffi,
    toller Bericht und großartige Fotos. Die Faultiere sind echt total niedlich!
    Ich finde es super, dass es Leute wie Monique gibt, die sich für ihren Schutz einsetzten und sie zurück in die Wildnis bringen. Es war bestimmt eine tolle Erfahrung, bei der Rettung der Faultier-Mama mit ihrem Jungtier dabei sein zu dürfen.
    Ich habe vor ein paar Jahren in Costa Rica Faultiere in freier Wildbahn gesehen und war auch total verzaubert.
    Liebe Grüße
    Kristin

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.