I love Surinam

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14. November. 2016

Surinam erobert mein Herz schon weit draußen am Meer: Die hiesigen Fischer beleuchten ihre Fähnchen (meistens) mit Blinklichtern. Zugegeben, von der Ferne gesehen sehen sie wie Leuchttürme aus, die auf der Karte nicht zu finden sind. Du denkst, sie sind weit weg, dabei fährst du fast schon übers Netzt. Aber nach dem dritten Leuchtturmfähnchen weißt du Bescheid!
Außerdem sind die Einfahrtsbojen da, wo sie in der Karte eingezeichnet sind und auf eben dieser gibt es einen Hinweis, dass der Meeresboden sich verändert, die Tiefenangaben also nicht immer stimmen.

Welch‘ ein Unterschied zur Einfahrt in den Maroni!

Auch Paramaribo kündigt sich nachts mit einem hellen Schein schon lange vorher an – da gibt es tatsächlich eine Stadt! Eine, die lebt! Ganz im Gegensatz zu Cayenne!

Die Einfahrt in den Surinam Fluss erweist sich allerdings trotzdem mühseliger als erhofft. Wir brauchen gegen auslaufende Flut und Fluss eine gefühlte Ewigkeit bis wir von der ersten Tonne draußen am Meer endlich in der eigentlichen Mündung sind: Wir sind mit höchstens zwei Knoten, manchmal auch nur einen, unterwegs und haben noch 30 Meilen flussaufwärts vor uns. Der Wind kommt natürlich auch genau von vorne. Keiner von uns beiden spricht es aus, aber wenn sich das bei Flut nicht gravierend ändert, sind wir noch einen weiteren Tag unterwegs, müssen zwischendurch ankern, weil schlafen, und ob der Diesel dafür auch wirklich reicht? Mit unserem spinnerten Motor können wir auch nicht mehr Gas geben.

Wir warten sehnsüchtig auf das Kippen der Flut, sämtliche Zeiten, die wir dazu haben, stimmen nicht, weder die auf Navionics, noch die auf C-Map und die, die uns Noel von der Waterland Marina gegeben hat bezieht sich auf Paramaribo, nicht auf die Mündung.

Kaum ist links und rechts von uns Land, werden wir schneller. Erst zweieinhalb, dann drei Knoten. Dann vier und fünf. Schließlich rauschen wir mit über sechs Knoten unserem Ziel entgegen!

Paramaribo

Paramaribo

Staunend betrachten wir die Landschaft, die an uns vorüberzieht: Kleine Werften mit ausrangierten Schiffen links, Villen rechts, dann die Stadt, die vom Wasser aus allerliebst aussieht. Wir melden uns auf Englisch bei MAS, der Maritim Authority, per Funk an, bekommen zur Antwort, dass wir vorsichtig sein müssen, denn es kommen uns zwei Schiffe entgegen. Nun, ein Cargo ist schon vorbei und auch das Pilotboat lassen wir links vorbeiziehen, während rechts von uns ein Schiffswrack langsam zur Insel wird. Es ist ein deutsches Schiff, das die Deutschen im Zweiten Weltkrieg selbst versenkt haben, um die Einfahrt und den Bauxithandel zu kontrollieren.

Das Wrack

Das Wrack

Vor uns liegt die riesige Brücke. Sie eine Durchfahrthöhe von 40m, mehr als doppelt so hoch wie unser Mast – trotzdem sieht das beängstigend aus!

Weiter geht es den Fluss hinauf: Links liegen die ehemaligen Zuckerrohrplantagen, sie sind verwildert, mit sekundären Wald überwuchert und kaum mehr zu erkennen. Auf unserer Straßenkarte am iPhone kann man die Kanäle und Wege noch gut erkennen. Rechts stehen die Villen am Wasser wie an der Staande Mast Route in Holland. Nur noch ein wenig luxuriöser. Sehr gepflegt ist das alles!

Die Brücke

Die Brücke

Villa am Surinam

Villa am Surinam

Dann kommen wir an Domburg vorbei – ja genau so heißt dieser Ort, in dem es gleich zwei Marinas oder Ankerplätze gibt. Der erste am Yachtclub kostet wenig bis nichts, allerdings musst du ankern. Das ist für viele ein Vorteil, für uns nicht: Wir brauchen Strom. Vermutlich ist unsere Lichtmaschine nicht in Ordnung, so dass die Batterien unter Motor nicht richtig laden. Windgenerator und  Sonnenpaneele schaffen es nicht, genug Strom für den Kühlschrank und die Kommunikation zu liefern: Wind ist nur ein paar Stunden am Tag und Sonne auch!
Auch wollen wir unser Dinghi waschen und eine Weile nicht jeden Tropfen Wasser zweimal verwenden, nur damit wir nicht täglich kanisterweise das Wasser herankarren müssen. Und ich will mal wieder jederzeit an Land können, einfach so, Beine über die Reling schwingen und los geht es.
Deshalb fahren wir noch eine Stunde weiter hinter die Biegung in die Marina Resort Waterland.

Wieder schaffen wir das gerade so vor Sonnenuntergang. Die beiden Nachtwächter nehmen uns in Empfang, helfen beim Anlegen: Wir sind das einzige bewohnte Schiff hier*! Dabei ist es wunderschön hier!

Am nächsten Tag treffen wir erst Claudia, eine der Raumpflegerinnen, die besser Englisch spricht, als manch‘ eine bei uns Deutsch, dann Noel, den Besitzer, der uns herzlich auf Deutsch willkommen heißt. Abends zirpen uns die Grillen in den Schlaf, morgens wecken uns die Brüllaffen, deren englischer Name – Howler Monkeys – viel treffender ist: Sie heulen wie der Wind im Hafen durch die Wanten, nur ohne Geklapper.

*Allerdings nur zwei Tage lang, dann waren wir zu fünft.

In der Marina Resort Waterland, Surinam

In der Marina Resort Waterland, Surinam

INFO Waterland Suriname

Achtung bei der Anfahrt nachts: Das, was wie blinkende Leuchttürme aussieht, sind Fischerfähnchen und sie sind viel näher als du denkst!

Wenn du beim Kippen der Gezeiten in Paramaribo bei der ersten Tonne im Fluss bist, kommst du mit der einlaufenden Flut gut nach Waterland. Es kann allerdings dauern, bis du gegen den Strom bei dieser Tonne bist!
Kurz vor Paramaribo rufe MAS auf VHF 12 oder 16 an. Wenn sie antworten, sag ihnen wohin du willst. Wenn sie nicht antworten, fahr einfach weiter unter der Brücke durch.

Wenn du AIS hast, unbedingt einschalten, denn vor der Brücke liegt eine unübersichtliche Kurve.

Links hinter der Brücke können Segler ankern, wenn sie ungünstig ankommen.

Wenn du zum Marina Resort Waterland willst, dann melde dich ein paar Tage vorher per Email an. Noel versorgt dich mit jeder Info, die du brauchst. Bitte ihn am besten auch gleich, dir einen Fahrer zu organisieren, der dich zum einklarieren bringt. Es ist alleine schwer zu finden, aber der Fahrer weiß Bescheid und erklärt auch den Behörden, was sie tun müssen. Sie sind Freizeitschiffe nicht gewöhnt. Noel ist seit Kurzem auch Trans.Ocean Stützpunkleiter in Surinam und spricht deutsch.

Wenn du von St. Laurent kommst, besorge dir schon dort die Tourist-Card, das spart Wege.

Wer mit dem Schiff kommt, braucht eine Gelbfieberimpfung. MAS fragt danach, ebenso nach einem ausgedruckten Foto vom Schiff. Notfalls tut es ein Handy-Foto, aber dann nimm ein Kabel zum Überspielen mit.

Noel vermittelt auch Mietautos für rund 10 bis 12,50 Euros pro Tag, je nach Mietdauer. Außerdem gibt es einen Wäscheservice.

In Domburg ist ebenfalls eine Marina, allerdings „nur“ mit Moorings.

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