8. Februar 2015
von Steffi
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Land in Sicht! 8.Tag T-CV

Nächtliches Kreisfahren ist unsere Königsdisziplin. Darin schlägt uns so schnell keiner! Tomy bekommt die Goldmedaille, ich Silber.

Wenn wir nachts von Hand steuern, sei es weil kein Wind ist und der Motor brummt, sei es, dass wir sie Segel umstellen, einholen oder setzen, gelingt es uns beiden immer wieder, orientierungslos im Kreis zu fahren. Wir starren wie das Karnickel auf die Schlange – die Instrumente – und drehen das Steuerrad garantiert in die falsche Richtung. Tomy, sonst mein wirklich toller Skipper, kann das noch besser als ich.

Woran das liegt weiß ich nicht, ich kann nur vermuten, dass wir uns tagsüber doch unbewusst an Wolken und Sonnenstand orientieren, während in der schwarzen Nacht alle Anhaltspunkte plötzlich fehlen.

Dabei kann Kurshalten wirklich easy und entspannt sein!

Holding the steering wheel inn position

Holding the steering wheel in position

Seit dem Gewitter schnurrte unser nordischer Tiger, der Volvo Penta wieder völlig entspannt. Gestern Morgen, Samstag, gesellten sich wieder ein paar Flecken-Delfine zu uns, dank des fehlenden Windes und geringem Wellenganges konnte ich zum Bug gehen und sie dort beobachten und filmen.

Wunderbar!

Dolphin playing wiht Yemanja at sunrise

Dolphin playing with Yemanja

Heute Morgen kam dann nochmals etwas Wind auf: 12, 13 Knoten – von der Seite! Das reicht! Schnell die Segel hoch und vier Stunden fein segeln: Geradeaus, ruhig, ohne Schaukeln, Hüpfen, Knarzen, Knarren oder Schlagen!

Jetzt sollten nur noch bald diese Inseln vor uns auftauchen…

8:00 Uhr: Land in Sicht! Fels im Wasser! Santo Antão voraus! Und links taucht Sao Vicente auf, dann Santa Luzia, Branco oder Razo und São Nicolau.

Ich bin begeistert: Wir haben die kleine Atlantiküberquerung in ein paar Stunden geschafft!

Jetzt muss ich meine Füße noch landfein machen. Denn…

 

Ich bin barfuß!

 

PS Den Film muss ich noch schneiden, er wird bestimmt toll, schaut also wieder hier vorbei, oder werdet Fan der Facebook Seite SailingWithYemanja, oder meldet euch zum Newsletter an, damit ihr ihn nicht versäumt!

6. Februar 2015
von Steffi
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Wetterleuchten 6. Tag T-CV

So, nun dürfen alle Orien-Tiere wieder aus dem Käfig!

Ob es was genützt hätte, sie einzusperren? Also im Ernstfall? Keine Ahnung!

Der heutige Tag (Freitag) verlief erst mal faul: So untätig habe ich meinen Seemann noch nie gesehen!

Wer uns aus dem Leben vor dem Boot kennt, weiß dass Tomy ständig in Bewegung ist. Noch nie hat er sich hingesetzt oder ausgeruht, solange ich noch etwas in der Küche oder sonst wo zu tun hatte: Tomy half immer, hatte immer etwas zu reparieren oder sah einfach, was ich oder andere brauchten und erledigte es für uns. Selbst die Gartenarbeit, die er so sehr hasst, tat er immer, wenn auch nicht immer gut gelaunt, wenn ich Hilfe brauchte. Daran hat sich natürlich nichts geändert.

Nur gibt es hier am Schiff nichts zu tun:

Sissi, die Windpilotin und zuverlässigstes Crewmitglied steuert, sie hält uns brav vorm Wind. Solange der aus Ostnordost kommt, so um die 15 Knoten Windstärke, rauschen wir dahin. Wir beobachten den Plotter, lesen, bereiten Essen zu, verdauen, waschen uns und die benutzten Küchengeräte. Für all das braucht man selbst auf einem extrem wackeligen Schiff keine 24 Stunden.

Also liegt mein Lieblingsseemann auf Deck und döst oder schläft.

Tomy sleeping on deck

Tomy sleeping on deck

Versteh‘ ich auch gut, denn unter Deck schlafen, war ihm diese Nacht bei dem Geschaukle, Geknarre und Getöse nicht möglich. Er hielt freiwillig lange Nachtwache, weil er an Deck, wo es leise ist, am besten schläft: Alle 20 Minuten Rundumblick und Kurskontrolle reichen ja nachts völlig. Ich hingegen konnte recht gut in der Leekoje schlafen, obwohl ich hie und da hochschreckte: Würde Yemanja kippen oder zerreißen?

Steffi sleeping inside a noisy ship

Steffi sleeping inside a noisy ship

Mittlerweile habe ich größte Hochachtung vor diesen Schiffskonstrukteuren: Die Kräfte, die an so einem Boot zerren, sind unglaublich! Noch unglaublicher ist, dass es das aushält!

Zurück zum faulen Nachmittag: Tomy schlief auf der Bank, ich döste am Cockpitboden. Aus einer Eingebung oder aus Bequemlichkeit heraus hatte ich keinen Brotteig fürs Abendessen vorbereitet. Da riss uns ein Windstoß aus unserer Lethargie: 30 Knoten! Voller Begeisterung stürzte Tomy zum Steuerrad: WIND!!!

Ein paar Tropfen Regen kamen hinzu. Wir rätselten:

 

„War das ein Squall? Hast du den kommen sehen?“

„Nein, der Himmel sieht wie immer dieser Tage aus! Nur links, siehst du das Wolkenband? Das gefällt mir nicht!“, antworte ich.

„Du meinst die Berge dort?“

„Also soweit im Osten sind wir nicht, dass da Berge sein könnten…!“

 

Der Himmel sah weiterhin in keinster Weise Besorgnis erregend aus, auch das Wolkenband war einfach nur ein etwas dünklerer Streifen in weiter Ferne. Es gab keine dunklen Wolkentürme, die Sonne schien, dazwischen ein paar grauere, größere Wolken. Der Wind schlief fast völlig ein.

Doch das Geräusch, das gelegentlich an unsere Ohren drang, war eindeutig Donner. Links, nicht oft. Blitze sahen wir gar keine. Wir legten das Segel auf den anderen Bug, um dem Wetter eher davonzufahren, sicher ist sicher.

Aber irgendwie war das Gewitter dann plötzlich um uns herum, immer noch ohne jegliche bedrohlich aussehenden Wolken. Nur vor uns war alles frei, dort schien die Sonne, eigentlich auch rechts von uns.

Der Donner, jetzt auch die Blitze kamen näher – nicht heftig, nicht oft, aber Grund genug, alle tragbaren Orien-Tier-ungshilfen, Handfunke, Yellow Brick, Garmin und mein iPhone, in den Faradayschen Käfig, den freien und kalten Backofen zu sperren!

Ob uns das im Falle eines Blitzeinschlags irgendwie geholfen hätte? GFK-Boote mögen das ja gar nicht!

Wir wissen es nicht. Wir haben das nur irgendwo als Tipp gelesen oder gehört, ich glaub’ beim Blauwasserseminar auf der BOOT von Sönke Röver.

Da! Ein Blitz, ein Kracher, rechts direkt neben uns, schwere Tropfen, wir flüchten ins Innere.

Und das war es dann mit diesem merkwürdigen Gewitter: Kein Wind, kein Regen, keine auffallend dunklen Wolken, über uns leuchtete blauer Himmel durchs Luk.

Das Gewitter zog in der Nacht gelegentlich blitzend nach Südosten ab, wir nahmen unseren alten Kurs wieder auf und warfen den Motor an. Der Wind ist seitdem weg. Und wir haben etwas zu tun: Steuern, denn Franz, der Autopilot, hat sich schon in den Kanaren in den Krankenstand begeben.

5. Februar 2015
von Steffi
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Halbzeit und mehr T-CV 4. u 5. Tag

Mittwoch, nach vier Tagen, um 14:00, als wir unser Etmal aufschreiben, haben wir genauso viele Meilen vor uns wie hinter uns. Morgens sprang die verbleibende Reisezeit auf unserem Plotter erstmals auf unter 99 Stunden, gestern Mittag waren es noch 98 Stunden bei durchschnittlich 4,5 Knoten Reisegeschwindigkeit – also genau unser bisheriger Durchschnitt. Wir könnten es also bis Sonntagmittag schaffen, in Mindelo zu sein!

Nein, die Butter ist immer noch nicht geschmolzen, doch der Wind hat auf Ostnordost gedreht, wir kommen also in den Bereich, in dem wir Richtung Karibik abbiegen könnten. Zumindest haben es so die alten Passatwindsegler gemacht. Ich aber blicke morgens früh sehnsüchtig nach Osten: Bitte Sonne, komm endlich, steige hoch und wärme mich!

Ich mag es, durch die Nacht zu segeln, über mir der Vollmond oder die Sterne. Was ich gar nicht mag ist, immer wieder aus dem Tiefschlaf gerissen aufstehen zu müssen, weil meine Wache dran ist. Nie ausschlafen zu können, obwohl ich tagsüber munter und recht fit bin. Was mich aber noch mehr stört, ist, dass mir nachts immer noch kalt draun ist. Selbst Tomy hüllt sich in der Nacht an Deck in eine Decke!

Vier oder fünf Schiffe haben wir bisher unterwegs getroffen, einen Zweimaster, offensichtlich auf den Weg zu den Kap Verden oder auch in die Karibik, die AidaCara kam uns entgegen, und zwei oder drei andere. Irgendwann schwammen portugiesische Galeeren neben uns, weiß und winzig, lila waren nur die etwas größeren. Manchmal kommen Delfine vorbei, gestern war einer dabei, der senkrecht 3 Meter in die Luft sprang. Hie und da fegt eine einzelne Seeschwalbe über die Wellen. Sie erinnert uns daran, dass das afrikanische Festland, Marokko und Mauretanien, weniger als 200 Seemeilen entfernt Richtung Osten liegt. Was aber tut sie hier? Wovon lebt sie, wie kommt sie wieder nach Hause?

Immer wieder muss ich an meine Freundin Christine denken, die nie vergisst, zu erwaehnen, dass sie nur Wasser um sich herum nicht ertragen koennte. Ich fuehle mich in diesem wogenden Graublau durchaus geborgen. Nachts plaetschert, rauscht, und gurgelt das Wasser fuenf Zentimeter von meinem Ohr entfernt, zwei Zentimeter dickes, stabiles GFK und eine Holzverschalung, liegen zwischen mir und der Tiefe. In Yemanja knarzt und knirscht und pingt und rollt und quietscht es, immer wieder mache ich Tomy auf ein neues, ungewoehnliches Geraeusch aufmerksam: Mal knarzt es irgendwo Richtung Mast, mal pingt es hinten Richtung Geraetetraeger oder Backskiste: Der Schiffsbauch ist ein grortiger Resonanzkoerper! Leider auch ein beunruhigender, doch wir koennen nie die Ursache der aufmerksam machenden Geraeusche herausfinden.

Dienstagabend war ich so verwegen, “in echt” und frisch zu kochen: Butternutkürbis, mit getrockneten Tomaten und Kapern an Spiralnudeln. Der halbe Butternut war ja vom vorgekochten Linsen-Kürbis-Eintopf des ersten Tages übrig. Ist schon eine interessante körperliche Erfahrung, sich mit einer Hand festzuhalten und mit der anderen die Pfanne über der Gasflamme zu jonglieren. Geht nur bei wenig Seegang, obwohl – Christine und so manch’ anderen würde er reichen. Und ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass Wind und Wellen sanft und liebevoll mit uns sind – die Erfahrung vor El Hierro und auf dem Weg nach Gran Canaria, bzw. La Gomera relativiert sich so etwas.

Heute, Donnerstag, sieht das schon wieder anders aus: Ein neue Bewegung des Schiffes läßt mich nicht einschlafen: Nach der Waschmaschine und der Wackelpetererfahrung folgt die Schiffsschaukel. Was habe ich sie als junges Mädchen im Prater geliebt! Ganz oben saß, ja stand ich, ließ mir den Wind durch die Haare wehen, gab mich der Bewegung hin. Ich schaukle immer noch gerne. Nur nicht wenn ich schlafen will: Nach einigem Herumprobieren mit Segelstellung und -größe koennen wir jetzt endlich einen recht zielführenden und flotten Vorwindkurs fahren. Das heißt aber auch, dass die Wellen, die von hinten kommen – sie sind nicht mal groß – Yemanja immer wieder in die Mangel nehmen, sie sich aufschaukelt, von einem Kippmoment zum anderen. Mittagsschlaf geht so nicht! Und das sage ich, die Königin des “Ich-kann-immer-und-in-jeder-Lebenslage-schlafen!”. Tomy probiert es gerade am Cockpitboden.

Tomy sleeping, me wrtiting

Tomy sleeping, me wrtiting

Gestern Mittag, Mittwoch, sende ich wieder eine Mail an meine Kinder. Ich vermisse es, mit ihnen zu chatten und zu skypen, ich vermisse die Fotos und Videos von unserem kleinen großen Mann, die Bussis, die er auf Mamas Handy drückt, die Bauklotzsuppe, die er kocht. Ich beklage mich hier übrigens nicht, ich hätte ja zu Hause bleiben können. Ich stelle es fest.

Diesmal bekomme ich sofort Verbindung – über die Sailmail Station Lunenburg in Canada. Tomy schaut mir über die Schulter und fragt ganz unschuldig, woher die Funke oder das Modem denn weiß wo wir sind – Ähh, weißes das denn nicht automatisch, so wie das UKW-Gerät???

Ich muss wieder mal er meine Dummheit oder Unerfahrenheit lachen! Sobald ich die Koordinaten unseres Standortes ins vorgesehene Feld eingebe, sieht die Propagation (laienhaft gesagt, die Qualität der Funkverbindung um diese Tageszeit) ganz anders aus! Belgien ist von hier aus nicht zu erreichen, zumindest nicht nachmittags! Das erklärt, warum ich mir die Tage die Finger wund gewählt habe!

Mich tröstet mein leiser Verdacht, dass es anderen aehnlich ergangen ist

Heute Nacht haben wir etwas von unserer Geschwindigkeit und Strecke verloren, durch nachlassenden Wind. Kurskorrektur und Experimenten mit der Segelstellung. Andrerseits fahren wir jetzt einen guten, relativ schnellen Kurs. Die Hoffnung Sonntag noch vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen, bleibt also.

Wenn wir dann einmal rundherum sind, dann machen wir das noch mal, denn dann wissen wir wie was geht!

PS: Die Rezepte reiche ich demnächst nach.

3. Februar 2015
von Steffi
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Wackelpeter 3.Tag T-CV

Gelee, Sülze oder Grütze – in diesen Zustand musst du dich auf einem Segelschiff, das im Atlantik schwimmt verwandeln, wenn du schlafen willst!

Vorausgesetzt du hast überhaupt Gelegenheit dazu…

Diesmal ist es nicht zu viel Wind, der uns den Schlaf raubt, sondern zu wenig.

Sonntagnachmittag möchte ich einen Bericht per Mail posten und eine Mail an unsere Kinder senden, per Pactor Modem und Funk. Doch ich bekomme auf keiner Frequenz eine Verbindung mit Sailmail, die Zeit läuft mir davon, bald wird es dunkel, dann ist zu keiner Station mehr eine Verbindung möglich: Funk ist abhängig von Wetter und Tageszeit. Ich bin traurig, weiss ich doch, dass sie auf ein Lebenzeichen von uns warten.

„Delfine“ ruft Tomy!

Eine Schule Streifen- oder Fleckendelphine surft die Wellen hinunter. Sie drehen sich unterm Schiff durch, schneiden mit der Finne durch das Wasser. Sie springen nicht so verspielt wie ihre Verwandten vor Portugal, doch sie sind wunderschön: Die Seiten sind stromlinienförmig mit Punkten übersäht, ihr Schnabel hat eine weiße Spitze. Delfine werden es nie versäumen, mich zu trösten und zu ermutigen.

Ein letztes Mal für diesen Tag klicke ich auf den grünen Verbindungpunkt – und siehe da, die Emails gehen raus.

Wieder halte ich die erste Nachtwache. Heute sind meine Gedanken in Salvador, in Rio Vermelho bei Yemanja. Heute Abend treffen sich die Freunde bei Mollie und Nelson, um gemeinsam die Gaben an Yemanja zu ihrem Schrein zu tragen, denn morgen, an Maria Lichtmess, ist ihr Festtag. Mollie hat wie immer einen Strauß Tuberosen in meinem Namen in den Korb gelegt, diesmal noch ein Bündel Rosen mit dazu. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie die Prozession den Hügel herabsteigt, die breite Straße quert und jetzt durch ein Spalier von Blumenverkäufern geht…

Der Wind kommt aus Nordosten und doch trägt er den Duft der Tuberrosen vom Südwesten mit sich und in meine Nase!

Wie gerne wäre ich jetzt in Salvador!

Stattdessen quälen wir uns hier mit „moderatem“ Wind herum. Es weht gerade genug, um uns mit 3 Knoten voranzubringen…

Ich muss mich mal erkundigen, welcher Orixa für den Wind zuständig ist und ihm ein paar Gaben bringen!

Auch der Montag ist nicht viel besser, wenig Wind, bewölkt, wirklich warm ist es nicht. Abends dann sitze ich im Cockpit – nein nicht barfuß, mit Neoprenhandschuhen! Und meine kühnste Vorstellungskraft reicht nicht aus, mir glauben zu machen, dass es möglich ist, nachts im Cockpit nicht im Antarktisexpeditionsanzug zu sitzen.

Tomy kriecht verschlafen aus der Koje: „Brauchst du Hilfe?“

Das Segel schlägt, es ist kaum Wind.

Wir holen das Großsegel ein und werfen den Motor an – wir brauchen sowohl Rigg als auch Segel noch länger. Irgendwann werden doch die angekündigten 20 bis 25 Knoten Wind kommen…

Yemanja braucht mindestens 13 Knoten Wind um halbwegs stabil zu laufen und in den Wellen nicht zu schlagen. Unter 10 Knoten könnten wir den Blister versuchen, nicht in der Nacht, doch der Wind bewegt sich in der Todeszone: 5 bis 13 Knoten Wind, drehend, da steht kein Segel, nicht vorm Wind und bei Welle, damit kann Sissi, die Pacific Plus, nicht arbeiten.

Franz, der Autopilot ziert sich auch, Tomy und ich wechseln einander stündlich ab: Einer schläft am Cockpitboden, der andere steuert bis der Arm lahm wird, dann wechseln wir.

Morgens frischt der Wind leicht auf, wir setzen Segel, übergeben an Sissi und schlafen beide zwei Stunden im Cockpit. Nach dem Frühstück – frische Mango mit Haferflocken – gehe ich in die Koje, verankere mich in einer sicheren Position, entspanne und werde weich, ganz weich…

Ich bin Wackelpeter, lasse meinen Körpers von den Bewegungen des Schiffes hin und her schieben, während ich sanft entschlummere.

Derweil „rasen“ wir mit über vier Knoten und bis zu 18 Knoten Wind unserem Ziel entgegen.

Eine Stunde lang.

Jetzt ist der Wind wieder in der Todeszone. Immerhin scheint heute die Sonne, ich kann meine Jacke ausziehen.

Mal sehen, ob wir es bis Sonntag nach Mindelo schaffen…

1. Februar 2015
von Steffi
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Adios Europa T-CV Tag 1

Afrika wir kommen, langsam aber beständig.
Wundert ihr euch über unseren Kurs?
Wir auch.
Also wir wollen zu den Kap Verden, um aber nicht in die relativ windlose Zone unterhalb der Kanaren zu kommen, wollten wir erst mal mehr südlich und dann westlich. Rein theoretisch geht das ganz gut, hat aber einen Nachteil: Wir sind bestädig auf Vorwindkurs.
Die Wellen wiegen Yemanja bisher recht sanft, doch vorm Wind in alle Richtungen. Und uns mit. Schlafen?

“Sie suchen das besondere Schlaferlebnis? Buchen sie eine Nacht auf der Segelyacht Yemanja auf Vorwindkurs zu den Kap Verden: Schlafen wie in der Waschtrommel beim Hauptwaschgang!”

Tomy will heute Morgen schon umdrehen, so geht ihm dieses Wurfgeschossdasein auf die Nerven.
Zurück in diesen verrückten Wind auf den westlichen Kanaren? Jener Wind, der wie eine Katze seinen eigenen Schwanz jagt? Mal liegt er ganz ruhig da, um im nächsten Augenblick tollwütig herumzuspringen, innezuhalten und dann den Berg hinunterjagen? Dieser Wind bricht die Masten der modernen Hanse und Bavaria quasi serienmassig wie Soletti! Erst am Wochenende hat es Georg erwischt, jenen Georg den wir in A Coruna trafen und der so schön erzählen kann. Ich wette, auf die Geschichte könnte er verzichten!

Yemanja ist zwar eine robuste Gottin von Namen und Geburt – Aphrodite hieß die Werft, doch ich bin froh, dort weg zu sein.

Schließlich werden die Ziele jetzt erst interessant! Und hoffentlich wärmer!

Vorm Ablegen schale ich mich in meine Klamotten: Unterhemd, T-shirt, Fliesunterhemd und lange Fliesunterhose, darüber die Offshore-Hose, Stiefel, für die Nacht noch ein dickes Flieshemd, dann die Offshore-Jacke, Piratentuch um Ohren und Haare. Ist mir jetzt wohlig warm?
Nein!

Aber es geht so, da der Wind mit 15 bis 10 Knoten recht moderat bläst. Auch das Meer ist recht ruhig, sitzen wir draussen, schaukelt es uns sanft. Waschmaschinen sehen von außen ja auch ruhig aus. Sissi, die Windpilotin, winkt huldvoll der Mondin zu und hält brav ihren Kurs.

So lasse ich diese Nacht meine Gedanken schweifen: Die Menschen sind so wunderbar! Liebevoll denke ich an die, die wir zurück ließen: Manni, Miri und Silvi winkten wieder mal zum Abschied, Thomas, der Segelmacher, zeigte uns Grünlingen nochmal, wie wir richtig reffen, diesmal ohne das Segel oder uns zu gefährden. Auch er drückt uns fest zum Abschied. Ich denke an Joanna und Marcel von der Chulugi, die mit Nico hoffentlich bald nachkommen, an Leentje und Patrick, die in Salvador auf uns warten, an Milan, den wir endlich in Mindelo kennenlernen werden. Ich denke an Elke und Walter in der Karibik, an Martin und Violetta, Heinz und Christine zu Hause. Ich denke an meine Kinder, meine Engel und Engelchen, meine guten Freunde und die Nachbarn, die immer ein Auge auf sie haben. Ich denke an meine Mutter, die bald 88 wird, hoffentlich kommen wir rechtzeitig an, damit ich ihr gratulieren kann. Ich denke an Onkel Bruno, der heute Nacht vielleicht diese Illusion verlasst und seine Tochter, die weinend seine Hand hält. Ich fühle mich wunderbar geborgen, getragen und geliebt.
So denke ich auch an die, die derzeit Hass und Leid säen, Pegida, IS Kampfer und vielleicht sogar jene, die diese bekämpfen: Haben sie jemals diese Geborgenheit und Liebe erfahren? Wann haben sie zuletzt dem Leben vertraut? Könnten sie die Schönheit und Liebe dieser Erde wahrnehmen und darauf vertrauen – wäre die Welt dann eine andere?

Nächte am Meer machen philosophisch!

123 Seemeilen ist unser erstes Etmal, die Strecke, die wir in 24 Stunden zuröckgelegt haben. Der Wind fällt immer wieder unter 10 Knoten, der Baum schlagt in den Wellen obwohl er gesichert ist. Die Sonne ist immer noch hinter den Wolken, wenigstens konnte ich die dicke Jacke ausziehen.

 

Ich werde das jetzt los schicken, per Funk deshalb ohne Umlaute und scharfen ß – im Hafen wird das berichtigt, formatiert und mit Foto verziert. Ihr könnt also gerne wiederkommen! – Erledigt! aber ohne Foto!