23. März 2015
von Steffi
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Itaparica

Itaparica – schon der Name ist Rhythmus!

Itaparica

Itaparica

Itaparica ist die größte Insel in der Baía dos Todos os Santos, sie ist das Bollwerk, das die Bucht vor den rauen Wellen des Atlantiks schützt. Vor der Marina des gleichnamigen Hauptortes werfen wir den Anker. Das Dinghi haben wir schon in Salvador aufgeblasen, mit ihm fahren wir an Land, wir brauchen frisches Obst und wollen den Ort erkunden.

Morgens um halb zehn herrscht Hochbetrieb an jener Quelle, dessen Wasser „die Alten wie ein junges Mädchen“ aussehen lässt: Mit Schubkarren voller Flaschen, mit großen und mit kleinen, kommen die Männer zum Wasserzapfen. Auch wir füllen unseren Vorrat, bevor wir weiter hinauf in den Ort gehen.

Wasserholen

Wasserholen

 

Quelle

Quelle

Es nicht so einfach diese Orte zu beschreiben, die staubigen Wege, das unregelmäßige Pflaster, die Bretterbuden, die Geschäfte in großen „Garagen“, die üppige Vegetationen, streunende Hunde, Katzen und Pferde, “Kunst” und Graffitti, alte, rostige Autos, schicke neue – selbst Fotos zeigen nur einen sehr beschränkten Ausschnitt!

Streundende Pferde

Streundende Pferde

Kunst?

Kunst?

Graffitti

Graffitti

Altstadt Itaparica

Altstadt Itaparica

Wir sind überrascht, wie groß der Ort ist, wie viele Geschäfte es gibt. Wir finden den Mercado, der Carne Fumeiro, Geselchtes, verkauft. Erwin, ein Österreicher, der hier mit seinem Schiff liegt, hat uns davon erzählt. Es soll schmecken wie Dahoam.

Wir drehen weiter unsere Runde, gemeinsam mit Leentje und Patrick. Während ich Fotos mache, gehen die Männer vor in den alten, historischen Teil mit den schönen Kolonialbauten. Patrick zeigt Tomy ein schönes Haus, jemand vermietet Zimmer, ein deutscher Name steht an der Tür: Hoppala, den kennen wir!

Kirche

Kirche

Wir stehen vor Jochens Haus, jenen Segler, den wir vor zwei Jahren in Katwoude trafen, von dem wir so viele Bücher, Karten und die Angelausrüstung übernehmen konnten! Und schon steht er da, öffnet die Tür und lädt uns ein ins Paradies: Hanna, seine Frau, hat aus einem alten, verfallenen Haus ein wunderhübsches Domizil geschaffen, mit liebevollen Details, Wandbildern, luftig und heimelig.

Eigentlich wollten wir heute noch zurück nach Salvador, um ein Auto zu mieten und Leentje und Patrick ein wenig mehr als nur die Bucht zu zeigen, doch wir genießen die Atmosphäre und das Wiedersehen. So versäumen wir die Tide, um zurück zu fahren. Schon bei normalen Gezeiten sind die Strömungen in der Bucht stark, doch im Moment herrschen überall auf der Welt extreme Gezeiten vor – wir bleiben hier. Schließlich habe ich das Auto per Internet reserviert, warte nur noch auf Antwort

22. März 2015
von Steffi
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Salvador – Comercio

Ich versuche, mich in die Lage jener Segler zu versetzen, die noch nie in Brasilien waren: Nach der Einsamkeit am Meer, tauchen die ersten Hochhäuser auf – Wolkenkratzer wäre zu viel gesagt, doch erst mal ist da eine Stadt!

„Ich dacht‘ schon, wir hätten uns verfahren und sind in Manhattan!“, meint Anja von der Robusta.

Also frau fährt da entlang der Hochhäuser, dazwischen eine alte Kirche aus kolonialer Zeit, darunter kleben die teils bunten, teils mit schwarzem Schimmel überzogenen Häuschen der Favelas am Hang.

skyline Salvador

Skyline Salvador

Blick auf die Cidade Alta

Blick auf die Cidade Alta

Dann Festmachen in der Marina und schließlich Einklarieren.

Der Weg zur Policia Federal und Receita Federal führt den Neuankömmling unweigerlich durchs Comércio – und damit durch eine Welt der Gegensätze, geballtes, lebendiges, lautes Brasilien:

Entlang der Straße fallen die Busse, die in die anderen Stadteile führen, ein, als wären sie an einer Perlenschnur aufgereiht. Autos und Motorräder brausen daneben her, die Straße zu queren ist ein Spiel mit dem Leben, das frau nur mit viel Geduld überlebt: Früher oder später kommt eine Lücke! Und dennoch, soviel Gefahr wie hier in der ersten halben Stunde, ist frau auf See in 22 Tagen nicht ausgesetzt gewesen!

Der Straßenverkehr ist immer und überall das Gefährlichste!

Das Comércio ist quasi das Mainhattan der Stadt, hier haben alle Banken ihre Hauptquartiere, hier, gleich gegenüber dem Hafen, werden die Geschäfte getätigt. Schick gekleidete Frauen (in langen Hosen, Kleidern und mit geschlossenen Schuhen) und Männer (lange Hose, Hemd oder Poloshirt) streben in die Büros und Geschäfte. Auch jene in kurzen Hosen und Flipflops gehen ihren Geschäften nach, wenn auch unklar ist, wohin sie streben. In engen Gassen wird Obst angeboten, an jeder Ecke, an jeder möglichen Stelle wird etwas von kleinen Standeln oder aus Kühlboxen verkauft: Uhren, Fernbedienungen, Spielzeug, Kleidung, Zeitungen, Acarajé, Obst, Snacks, Zigaretten, Kokosnüsse und natürlich

„Aqua gelada! Aqua schelada! Gekühltes Wasser!“

Musik ist auch immer irgendwo. Und ja, die Menschen haben die Farbe von Milchkaffee: Manchmal ist kein Kaffee dabei, auch wenn die Sonne für Farbe sorgt, manchmal keine Milch, meistens jedoch eine Mischung, mal mehr davon, mal mehr davon.

Und dazwischen in all der Geschäftigkeit, die Junkies, abgemagert und mit Dreadlocks, und die Obdachlosen, die im Müll auf der Straße nach Essbaren suchen oder im Schatten pennen.

Sie sind die einzigen die nachts im Comércio bleiben, ansonsten ist es ausgestorben und kein Platz, um sihc aufzuhalten: Nachts hört frau in der Stille die Vögel zwitschern.

Wie die Menschen, so sind die Gebäude: Da ist das Hochmoderne, neue Terminal für die Kreuzfahrtschiffe, moderne Geschäfte neben unglaublichen Spelunken, bunte Kolonialbauten, halb verfallen und verschimmelt, die großen Banken, nein keine Paläste, aber immerhin eindrucksvoll, neben den reinsten Bruchbuden! Es ist unbeschreiblich!

Die Post

Die Post

Und der Gehweg? Wer seine Augen nicht auf den Weg hält, ist selbst schuld, denn es gibt keine ebene Stelle! Die Pflastersteine sind aufgerissen, liegen herum, der Asphalt ist aufgerissen – ich muss in Gedanken lachen: Wie oft schon haben sich meine Nachbarn zu Hause in Deutschland über einen leicht unebenen Gehweg bei der Stadt beschwert! Leute, in Deutschland sind die Feldwege in besseren Zustand als die Wege hier im Comércio!

Gehweg im Commercio

Gehweg im Commercio

Also, es muss jenen Seglern ergehen wie mir, als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal hier war: Die Töchter in der Schule, Tomy im Büro und ich mich ums tägliche Leben kümmernd, jeden Tag der Stadt ausgesetzt, weder Menschen, noch Orte noch Situationen waren für mich einschätzbar. Es war, als würde sich mein Innerstes nach außen stülpen…

Kulturschock pur!

Wir kaufen Mangos und Maracuja an den Obständen, Kibe und Cafezinho an einem anderen und Bier in einem Laden, dem wir in Europa nicht mal nahe kommen würden. 20 Reals möchte die Frau an der Kasse, die nimmt den Geldschein, öffnet eine Schublade, wirft in hinein, keine Quittung, kein nichts. Das Geld verschwindet einfach in eine Schachtel…

Und das bei jedem Straßenverkäufer!

Im Telefonladen hingegen werden meine 50 Real (ca. 17 Euro) aufs Genaueste geprüft: Erst unter UV Licht, dann unter der Lupe und schließlich gegen das Licht gehalten.

Das ist Brasilien: Einerseits geht alles, andrerseits geht nichts!

21. März 2015
von Steffi
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Atlantic Crossing Fotos

Hier die Fotos von unterwegs! Sie sind auch in den Beiträgen, schaffe es nur grad nicht sie zu verlinken!

Abschied von Mindelo (Foto: Olaf Barthels)

Abschied von Mindelo (Foto: Olaf Barthels)

Gustav und die Fliegenden Fische

Gustav und die Fliegenden Fische

Noch friere ich...

Noch friere ich…

Der Windgenerator mag auch nicht mehr mit so viel Staub!

Der Windgenerator mag auch nicht mehr mit so viel Staub!

Robusta

Robusta ganz nah!

Am Äquator

Am Äquator

Gustav am Äquator

Gustav am Äquator

Neptuns/Yemanjas Anteil am Fest

Neptuns/Yemanjas Anteil am Fest

Gustav duscht

Gustav duscht

Trop Regen

Squall mit viel Regen

 

Tomy duscht

Tomy duscht

Cap San Niclas

Cap San Niclas

Delphinshow

Delphinshow

19. März 2015
von Steffi
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Atlantic Crossing Final Tag 22

Land in Sicht!

Oder zu mindestens zwei helle Lichter, vielleicht Leuchttürme? Aber so hoch oben?
Wir wundern uns und lachen schließlich hell auf: Es sind zwei Sterne, die über Salvador aufgehen!

Und doch können wir bald einzelne Lichter unterscheiden…

Mit Motor, in der Geschwindigkeit wären wir um drei Uhr früh da – im Dunklem.
Da kommt Wind auf – Tomy zieht die Segel erst unwillig hoch, doch ich kann ihn überreden: Segeln heißt, dass Sissi steuert, und der Wachhabende nicht das Steuer festhalten muss.
So haben wir eine letzte ruhige Nacht, auch wenn wir alle drei Stunden halsen müssen.

Im Morgengrauen taucht die Skyline von Salvador auf: Rio Vermelho, Ondina, Barra…

Die Flut ist gegen uns, also runden wir die Banco San Antonio vor Barra südlich, dann laufen wir in die Bucht ein, vorbei am ältesten Leuchtturm auf amerikanischen Boden, vorbei an den exklusiven Hochhäusern an der Sete de Septembro, vorbei an den Favelas, die unterhalb liegen.

Und dann um die Kaimauer, vorbei am Forte – ein Schiff der Brasilianischen Marine fährt mit Blaulicht raus, hupt und winkt freundlich, ebenso der Schoner Kapitän und der der Fähre nach Motto de Sao Paulo. Ein Marineiro winkt uns an den Steg, reicht uns die Mooring-Leinen (die etwas seit 514 Jahren, also seit der Entdeckung der Allerheiligenbucht, dort liegen).

Wir sind fest – und der Bem-te-vi schmettert uns sein Willkommen entgegen: „Schön-dich-zu-sehen, bem-te-vi. bem-te-vi!“

Hier, im Centro Nautico, beobachteten wir vor 14 Jahren die Ankunft der Mini-Transat, hier nahm Tomys Hirngespinst, die Welt zu umsegeln, erste Formen an. In den folgenden Jahren war diese seine Idee DAS Symbol für den Verlust von allem, was mir wertvoll und heilig war – also eine Bedrohung meiner Existenz. Und jetzt sind wir gemeinsam hier – glaubt mir, um die Welt ist nicht weiter als der Weg von der Angst, alles zu verlieren, was frau wichtig, in die Gewissheit, dass ihr nichts genommen werden kann, weil alles, weil die Liebe, die Quelle des Seins, in ihr ist. Und diese Quelle kann nichts mir nehmen – sie ist.

Wir sind ganz schön glücklich und stolz!

Nach dem Duschen – Süßwasser!!!, melden wir uns in der Marina an und machen uns auf dem Weg zur Policia Federal. Nach einigem Fragen und freundlicher Hilfe, finden wir sie in einer Baracke im Hafen. Die Dame weiß auch ohne große Erklärungen, warum es geht, und flugs sind unsere Pässe gestempelt und wir halten den ersten Zettel mit diversen Angaben zu unserer Einreise in der Hand.
Dann gehen wir zur Receita Federal, die im Gebäude des Ministrio da Fazenda untergebracht ist. Die Sachbearbeiterin dort ist speziell: Sie bewegt sich huldvolll und die Hüften seltsam schwingend im Zeitlupentempo – soll das sexy sein?
Also wenn die im Bett auch so langsam ist…

Wir füllen die Zollerklärung am Computer aus, nur das Schiff, der Rest ist uns zu mühselig. Die Schönheit druckt einen weiteren Zettel aus, der muss vom Chef eine Etage höher unterschrieben werden. Wir warten im Vorzimmer.
„Tomy, da kommt ein Schatten langsam wie ein Faultier die Treppe heruntergeschlichen, ich glaub, das ist sie!“
Sie schleicht an uns vorbei, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Sie legt die Hand an die Klinke der Bürotür…
Ah, langsam dreht sie sich zu uns um, königlich winkend bittet sie uns ins Büro. Eine weitere Unterschrift, und wir haben einen Zettel mehr.
Mit dem gehen wir zur Capitania, werden freundlichst aufgenommen und bald halten wir den dritten, letzten Zettel in der Hand:

Wir und Yemanja sind legal in Brasilien!

Geld haben wir auch schon, jetzt ein kühles Bier und Acaraje!

Jetzt sind wir wirklich da!

Ich bitte meine Tochter, unserer ehemaligen Raumpflegerin von unserer Ankunft zu berichten, ich weiß, dass sie in der Nähe arbeitet. Zehn Minuten später steht sie am Steg, umarmt uns glücklich! Que saudade! Endlich sind wir wieder da!

Eine Stunde später kommen Patrick und Leentje mit der Silmaril, wir fallen uns um den Hals, trinken ein Begrüßungsbier, stoßen mit Sekt an, wechseln zu Bier – ach, ist das schön, wieder mit Freunden zu sein!

Meine Engel beklagen sich, weil ich immer noch kein Internet habe, doch so einfach ist es nicht: Free Wifi gibt es nicht in den Imbissbuden rundherum, das der Marina ist (und bleibt) kaputt, ein Internetcafe wäre vielleicht im Pelourinho, in der Altstadt, doch wir brauchen Wasser – die Tanks sind doch kaputt. Ich habe Sehnsucht, aber Einreise und Wasser sind wichtig!

Während Tomy den Fehler sucht, kommt Tom mit der Cariad, wenig später Anja, Thomas und Georg auf der Robusta. Es gibt einen kalten Begrüßungstrunk, Umarmungen, Lachen, Erklärungen – und wenn ihr das lest, auch endlich Internet, zumindest zeitweise.

16. März 2015
von Steffi
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Atlantic Crossing Tag 21

Das Wasser kocht und brodelt, es sprudelt, blubbert und spritzt.

Delfine, Delfine, Delfine – soweit das Auge reicht! Es muessen Hunderte sein!

Es ist großes Kino, großes Sportfest: Synchron-Schwimmen in Fuenfer oder Sechser Formation, Synchronspringen, Einzelspruenge, mit doppelter Drehung, Weitsprung, Hochsprung, Rueckwaerts im Wasser stehen, Bauchflatscher, Rückenflatscher, Ditschen – Yemanja hat ihre verspielteste Delegation zu unserer Begruessung vorbei geschickt!

Koennten das nur meine Engel sehen, Lian, Melle, Laura und Melisa!

Der Papagei auf meiner Schulter erhebt sich sanft in die Luefte, mein Wahnsinn schwindet: Ich weiss jetzt, warum ich den Atlantik in einem kleinem Segelboot ueberquere: Diese Stunde mit den Delfinen war es wert!

Dann noch das Meeresleuchten und die Sterne. Die Sonnenaufgaenge und -untergaenge. Ja, doch, es ist ver-rueckt, was wir tun, aber wir sind in eine lebensfrohe Richtung gerrueckt!

Nachts sind wir gut 100 Meilen von Salvador entfernt – hell leuchtet das verstreute Licht am Horizont! Spaetestens jetzt ist mir klar, was Lichtverschmutzung ist! Dabei ist Salvador nicht mal eine besonders beleuchtete Stadt, ein paar Strassenlaternen, ein paar beleuchtete Haeuser, Leuchtreklame fehlt fast voellig. Oder hat sich das so geaendert?

Der Wind frischte nachts wieder etwas auf, wir konnten segeln, ab dem Morgen muessen wir kreuzen. Schliesslich machen wir noch einen Knoten pro Stunde in Richtung Ziel – Motor an. Nur hat der ein sowieso ein Problem mit der Kuehlung, das warme Wasser hier mag er gar nicht. Also braucht er immer wieder eine Verschnaufpause – in der wir ohne alles schneller unterem Ziel entgegentreiben als mit Kreuzen! Verrueckt!
Land sehen wir noch keines, obwohl wir nur mehr dreissig Meilen davon entfernt sind, dafuer ist die Kueste zu flach. Rund siebzig Meilen haben wir noch bis ans Ziel, jetzt um 16:40 UTC, 17:30 in Koeln und Wien.

Sollte in den naechsten 24 Stunden zu schaffen sein! Cariad und Robusta sollten morgen kommen und Sailor Moon wir wohl heute in Cabedelo/Jacare angekommen sein: Jaqueline kaempfte die ganze Zeit mit Uebelkeit und Erbrechen, Mischa segelte praktisch Einhand – noch eine Woche war zu viel fuer die beiden. Wir werden sie sehr vermissen!

(Hier geht es zum Delfin-Video)

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