9. Oktober 2015
von Steffi
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Auf dem Trockenen

Ein wenig unwillig quälen wir uns um sechs Uhr morgens aus dem Bett. Vor allem Tomy protestiert: „Um sieben arbeitet da doch noch keiner!“

Doch er irrte.

Schon Anfang September hatten wir mit Carlos, DEM Mann für alle Fälle in der Bahia Marina, völlig problemlos per Email einen Termin für Wartungsarbeiten an Yemanja ausgemacht.

Allerdings hatte die Mariana an unserem Wunschdatum keinen Krantermin mehr frei. Den haben wir dann schnell persönlich organisiert, nur Carlos war nun nicht aufzutreiben. Ihn fanden dann Leentje und Patrick. Wir, also Yemanja und Silmaril, sollten um sieben Uhr morgens in der Marina sein, damit ein Taucher schon mal die Muscheln abkratzen konnten, um acht könnten wir dann raus und Carlos hätte pro Schiff drei Leute abgestellt. So weit so gut – für baianische Verhältnisse wirklich gut gelaufen.

Tatsächlich war auch der Taucher um sieben Uhr morgens schon einsatzbereit. Carlos war ebenfalls da, hatte alles im Griff. Fast. Denn wie sich später herausstellte, war ihm doch nicht ganz klar, dass zwei Schiffe kommen würden. Um es kurz zu machen: Drei Mann pro Schiff waren es dann doch nicht.

Silmaril hing als erste in den Gurten, die sorgfältig von dem Taucher platziert wurden. Ebenso sorgfältig wurde sie auf dem Trockengerüst abgesetzt. Yemanja wurde gegen elf Uhr genauso sorgsam aus dem Wasser gehoben und auf Stützen abgesetzt. Da schabte schon ein Arbeiter die Muschelreste von Silmaril.

Unser Schiff sah recht gut aus. Die Schraube war gut gängig und praktisch ohne Bewuchs, die Opferanode in gutem Zustand, nur der Kiel ein wenig rostig, da sollen wir noch eine Opferanode dranmachen. Die heißen so, weil sie sich quasi für das Schiff aufopfern: Wenn man zwei verschiedene Metalle in Salzwasser tut, fließt Strom. Damit hätten wir im Chemieunterricht eine Glühbirne leuchten lassen. Sagt Tomy. Ich kann mich nicht erinnern. Jedenfalls wird das schwächere Metall zerstört und damit das weder die Schraube noch der Kiel ist, opfern sich die Anoden.

Gespräch unter Experten

Gespräch unter Experten

Nachdem Tomy die Schraube geschliffen, poliert und geschmiert hatte, legten Carlos Leute am frühen Nachmittag los, befreiten Yemanja von jeglichen Muschelresten und schliffen das Unterwasserschiff.

Eine Weile noch beobachtete ich die Arbeiten auf der Werft: Ununterbrochen werden Schiffe millimetergenau mit einem Traktor hin und her geschoben, gelenkt mit einer Stange an der Achse. Daneben wird ein Schiff blau gesprüht, im Wind, ohne Mundschutz. Es stinkt nach Farbe, Diesel und Epoxy. Auch Palmen werden hin und hergeschoben, wer weiß wohin. Die Gärtner stellen eine Leiter aufs Gerüst, lehnen es an die Palme und gut is‘ es. Wir kennen das, trotzdem fuhren wir kopfschüttelnd zu unseren Freunden, wo wir schliefen. Denn das Gelände wird nachts von Hunden bewacht. Die sind bestimmt nicht so zutraulich wie Nega!

Am nächsten Morgen war Tomy schon um 8 Uhr in der Marina, während ich flottes Internet bei Freunden genoss… Als ich um halb drei kam, glänzte unser Schiff obenrum schon cremeweiß poliert und untenrum zur Hälfte gestrichen.

Yemanja glänzt wieder

Yemanja glänzt wieder

Fabio, ein junger Mechaniker hatte gewissenhaft das Kühlsystem des Motors untersucht, die Schläuche freigeblasen und den Wärmetauscher gesäubert. Gefunden hat er, was wir erwartet haben: nichts. Jedenfalls keinen Impellerflügel oder sonstiges, das den Wärmetauscher hätte blockieren können und für das Heißlaufen des Motors verantwortlich sein könnte. Rausnehmen konnte er ihn nicht, dafür muss der ganze Motor ausgebaut werden. Und das ist nicht so einfach.

Noch einen Tag später schwimmt Yemanja wieder im Wasser, glänzend poliert, sauber gestrichen und der Motor schnurrt auch und ist dicht. Ob jetzt alles cool bleibt, werden wir sehen. Carlos fotografiert ununterbrochen unser Schiff. Er hat feuchte Augen:

„Mein erstes Schiff hieß Yemanja. Es kostete den Gegenwert von rund 1000 Dollar. Vor fast vierzig Jahren! Ein halbes Jahr bin ich ununterbrochen getaucht, hab Langusten hochgeholt, dann gehörte sie mir.“ Wenige Jahre später holte er mit einem anderem Schiff 8 bis 20 Tonnen Fisch aus dem Meer. Er heiratete und begann ein neues Leben. Er kommt aus der Favela neben dem Solar d’Uniao, gleich neben der Marina. Heute lebt er in Rio Vermelho. Aus Carlinhos wurde mit der Zeit Carlos, und auch Carlão, so etwas wie Karl, der Große – Er gilt als der Beste der Werkstättenchefs auf der Werft in der Bahia Marina, jeder kennt ihn, jeder spricht anerkennend von ihm. Seine Kontaktadresse findet ihr unter den Tipps Marinas in Salvador, oder auch auf Noonsite.

Wir fuhren zurück in die preiswertere Marina Centro Nautico: Wir müssen einkaufen, werden am Wochenende Leentjes großen Geburtstag feiern und dann geht es nach Morro de São Paulo und Camamu.

7. Oktober 2015
von Steffi
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Nega – Haut und Knochen Teil II

Nega, so heißt die Hündin auf Itaparica, die vor einigen Monaten unser Mitleid erregte, weil sie säugte und nur mehr aus Haut und Knochen bestand. Ja, sie hat einen Namen! Sie hat einen Gefährten namens Viero, der genauso sanft wie sie seine Streicheleinheiten einfordert. Wie vor vier Monaten schmiegt sie beharrlich ihren Kopf in meine Hände, hebt ihre Pfote zum „High Five“ Gruß, um sie dann in meinem Schoß abzulegen, damit ich ja nicht vergesse, sie zu streicheln, zu kraulen, zu liebkosen. Von der Tango of Sweden, die auch wieder hier ist, erfahre ich ihren Namen und dass sie und die anderen Straßenhunde gefüttert werden. Ihr Fell sieht gut aus, alle ihre Wunden sind verheilt. Ich freu mich!

Nega 3

Nega mit ihrem liebevollen Wesen und sanften Augen ist so eine Bereicherung für diese Welt!

Ich habe in der Marina in Ribeira nicht nach der anderen säugenden Hündin gefragt, zu groß war meine Angst vor der Antwort. Wohin sind ihre Jungen verschwunden? Wohin sie selbst? Ich will es gar nicht wissen…

So verließen wir Ribeira vor gut 10 Tagen, fuhren nach Aratu, um Leentje und Patrick zu treffen. Drei Tage können Mitglieder eines anderen Segellclubs dort frei an einer Boje liegen. Ich musste einiges an Überzeugungsarbeit leisten – wohlgemerkt auf Portugiesisch – bis die Dame an der Rezeption bereit war, die Mitgliedschaft im TransOcean anzuerkennen! Aber es klappte!

Nach dieser schweren Arbeit zogen wir das Großsegel hoch und legten ab nach Itaparica. Was dann folgte, war Segeln vom Feinsten. Mit katastrophalem Trimm – den untersten Mastrutscher konnten wir auf Grund der Windstärke immer noch nicht einfädeln – rauschten wir mit bis zu sieben Knoten dahin. Der Wind kam von hinten oder von der Seite, 15 Knoten, keine Welle, Sonne. Und Tomy steuerte zufrieden, ich kann dem einfach nichts abgewinnen. Mir tut nach zehn Minuten hinterm Steuer alles weh, von den Füßen bis zum Rücken.

Jetzt im September ist in Itaparica wochentags einfach gar nichts los. Die Sommersaison hat noch nicht begonnen, der Ausklang derselben mit all den ausländischen Seglern ist vorüber. Wir sind fast alleine da: Die Brasilianer bereiten sich auf die Saison vor, Lady Free wartet in Aratu auf die Capitana. Silmaril kommt einen Tag später, weil sie noch auf ein Ersatzteil wartet, Tango of Sweden trudelt im Laufe des Tages ein. Sie hatten Freunde vom Flughafen abgeholt. Jochen, unser alter Segelfreund, ist in Santo Andre, seine Frau in Deutschland.

Abends treffen wir Leentje und Patrick im Aguas da Marina auf einen Caipirinha und ein Bier. Und wir treffen Nega und Viero, freuen uns vor allem, dass es Nega so gut geht. Als wir uns von den Hunden verabschieden, wirft sie sich auf den Rücken, damit ich ihr den Bauch kraule.

Hoppla, was ist das? Da ist eine lange, vernähte Wunde, ein Faden zwischen ihren Zitzen: Nega ist kastriert!

Meine Neugierde ist geweckt: Wer kastriert einen Straßenhund? Wer versorgte Negas Wunden?

Nega hüpft freudig um einen stämmigen Brasilianer mit Goldkette, Typ Zuhälter (sagen meine Vorurteile, um die Nega sich nicht schert). Er bringt ihr Kunststücke bei, wirft ihr Leckerbissen zu. Er beantwortet meine Fragen:

Fatima!

Nein, nicht die Marienerscheinung in Portugal, die Veterinärin. Zufällig steht sie vor ihrem Haus, als wir am nächsten Abend daran vorbeigehen. Ich frage sie, wer denn bezahle, wenn sie sich um Straßenhunde kümmert? Denn eines ist mir schon klar: Auch sie muss essen…

Was ich verstehe ist: „Die Hunde haben alle jemanden, der sich um sie kümmert. Tagsüber leben sie auf der Straße, abends sind sie in den Häusern.“

Auffallend ist, dass sich abends wirklich viel weniger Hunde auf der Straße rumtreiben, drei oder vier aber doch. Mein Herz und meine Hand strecken sich einem kleinen süßen, aber ängstlichen Hund entgegen. Er zieht sofort den Schwanz ein und läuft weg, es dauert eine Weile, dann lässt er sich doch von Leentje streicheln. Negas Augen schenken Liebe, seine flehen danach.

Ich kann nicht alle Straßenhunde retten!

Nun gut, die Hunde haben jemand, der sich um sie kümmert, jemand wird wird sich auch seiner erbarmen. Nur haben diese Jemands noch lange nicht immer das Geld für eine Kastration. Fatima sagt, sie passt ihre Preise den Verhältnissen der Kümmerer und Besitzer an: Wer mehr hat, zahlt mehr. Manche spenden auch…

Danke!

28. September 2015
von Steffi
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Morgens in Ribeira…

Still ist es des Nachts in Ribeira, so wie in der ganzen, tagsüber so lauten und geschäftigen Stadt. Es sind die Hähne auf der anderen Seite der kleinen Bucht von Itapagipe, die als Erste den neuen Tag erahnen und dies krähend kundtun. Etwas später, schon im Grau des Morgens, rattern die ersten bunten Wagons von den Außenbezirken in die Stadt. Später an diesem Tag werde ich mit einem dieser Züge hinaus nach Plataforma fahren. Doch jetzt sind laute Rufe zu hören: Ruderer ziehen eine erste Wellenspur durch das spiegelglatte Wasser. Bald gesellen sich die Motoren der Fischer zu den Geräuschen der erwachenden Stadt. Busse und Autos kommen hinzu, doch in Ribeira geht es recht beschaulich zu.

Zug

Zug

Ich bin am Bahnhof von Calçada mit Mollie, meiner Freundin, und einigen ausländischen Frauen, die hier leben, verabredet. Vorbei an alten Fabriken, streunenden Pferden, Menschen, die unter schwarzen Plastiksäcken wohnen und kleinen Häuschen geht es um die kleine Bucht nach Plataforma. Eine Plattform für Kanonen fungierte unter anderem als Namensgeber. In dem Ortsteil stehen immer noch die Ruinen der ersten Textilfabrik Brasiliens sowie die „imperalen Palmen“, die weithin sichtbar am Eingang zu der kleinen Bucht stehen. Sie sollen 375 Jahre alt sein. Sie stammen alle von der einen Palme ab, die der portugiesische Kaiser einst im botanischen Garten in Rio pflanzte. So erzählt es uns die Dame von der Ortsgemeinschaft Plataforma. Imposant sind sie schon…

Es heißt, Brasiliens Unabhängigkeit wurde in Rio verkündet und in Bahia gewonnen. Es war hier in und um Plataforma, wo der der Widerstand gebrochen wurde. Es gibt immer noch einen Tunnel, der von Plataforma auf die ehemaligen Schlachtfelder führt, doch begehbar ist er nicht mehr. Dafür wird ein letzter Rest des Mata Atlantica, des atlantischen Regenwaldes, jetzt mit neuen Wegen erschlossen.

Auf der anderen Seite der Bucht befreit derweil ein Taucher, der eigentlich ein Schnorchler ist, unser Schiff von Seepocken. Um nichts in der Welt möchte ich diese Arbeit in dieser Brühe machen! Denn so beschaulich wie Ribeira ist auch der Wasseraustausch in der kleinen Bucht mit den Favelas rundherum…

Ribeira 4

Kanalisation gibt es dort ja eher keine.

Tomy putzt unsere Yemanja oben herum. Als ich nach Hause komme, glänzt sie wieder, der wirklich minimale grüne Schimmer an Deck ist verschwunden.

Ostwind kommt auf, wie jeden Tag ab mittags. Bis zum Abend erreicht er oft 20, 22 Knoten in Böen und heult durch die Wanten. Da soll ich wieder raus? Nach so langer Zeit an Land bin ich unsicher…

Am nächsten Morgen ziehen wir die Segel ein, schön ruhig und gelassen. Lachend fragen wir uns, wie wir es voriges Jahr geschafft haben, das Vorsegel verkehrt herum einzufädeln?

Dann ist es Zeit – wir müssen wieder raus. So sehr ich Riberia mag, so sehr es mich drängt, hier noch mehr zu erkunden, so sehr müssen wir raus, weiter, wieder segeln. Nach Arartu wollen wir, zu Patrick und Leentje.

Der Motor läuft nach 20 Minuten, gleich nach der Ausfahrt aus der kleinen Bucht heiß, wir setzen das Vorsegel. Mist, da müssen wir uns auch drum kümmern. Seufz, wir haben wohl beide auf ein Wunder gehofft! Immerhin haben wir ja schon einen Termin in der Bahia Marina, um Yemanja aus dem Wasser zu holen und das Unterwasserschiff zu streichen.

Nach zwei Stunden müssen wir ihn wieder anwerfen, bei der Einfahrt in die Bucht von Aratu bläst uns der Wind entgegen. Ich hülle den Motor geistig in einen Eisblock und lasse einen Gebirgsbach durch das Kühlsystem plätschern. Was soll ich euch sagen? Er läuft brav eine ganze Stunde lang. Kann natürlich auch daran gelegen haben, dass er auf etwas geringerer Drehzahl lief…

Das Festmachen an der Boje ist Hafenkino. Amüsiert denke ich an all die liebenswerten Segler in der Segler-Facebook Gruppe, deren Lieblingsbeschäftigung das – nein, nicht das eigenhändige Segeln, sondern das Bewerten der Segelkünste der anderen ist. Sie hätten ihre helle Freude gehabt!

Ich erwische die Leine an der Boje zwar sofort, versäume es aber, schnellstens die Leine durchzuziehen und kann sie nicht halten. Also hilft uns der junge Mann im Marinaboot. Elegant steht er auf einem Bein, lenkt lässig mit den Zehen des anderen Fußes das kleine Tuckerboot. Er zieht uns zur Boje, die Leine durch und bringt sie wieder zurück. Bei dem Wind, meint er, wäre es auch schwierig. Nun ja.

Aratu

Später bringt er uns an Land, wo wir mit Leentje und Patrick unser Abendessen einnehmen: Erstaunlich, wie sättigend ein, zwei, d- Caipirinhas sein können!

24. September 2015
von Steffi
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Ein echter Seemann braucht…

Ein Tattoo!!

Wer um Kap Hoorn segelt, darf einen Ohrring tragen. Wir haben nur den Atlantik überquert, das finde ich erst mal wagemutig genug. Und damit wir das nicht vergessen…

Die Vorbereitung

Die Vorbereitung

Abdruck

Abdruck

Zeichung

Zeichung

Konturenstechen

Konturenstechen

Schwarze Hände

Schwarze Hände

Tomy meditiert den Schmerz weg

Tomy meditiert den Schmerz weg

Fertig!

Fertig!Tattoo fertig

ist jetzt das Logo unseres Schiffes auf unseren Rücken tattoowiert!

 

Und damit beantworte ich Mama Baccii’s Blogparaden-Frage nach mir und meinen Tattoos!

22. September 2015
von Steffi
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Seja Bemvindos

Ich hab ein ziemlich tiefes Misstrauen gegenüber der Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn, vor Allem dann, wenn ich reise: Immer wenn ich von oder zu einem Flugzeug muss, fallen Züge aus, der Fahrplan ist durcheinander, wir warten auf freier Strecke…

Mittlerweile muss ich schon darüber schmunzeln und warte gespannt, was dem Universum oder der DB diesmal einfällt…

Gleisbauarbeiten!

Wir müssen umsteigen – an der einzigen Station zwischen unserem Städtchen und Köln, natürlich ohne jede Information darüber, wo und wann der nächste Zug ginge. Eine Fahrt von 12 Minuten dauert so eine gut dreiviertel Stunde. Wie gut, dass wir es nicht eilig haben, sind wir doch schon am Vorabend unterwegs nach Frankfurt. Wären wir morgens früh zum Flughafen angereist, hätte ich nachts kein Auge zugetan – da ich doch weiß, dass die Deutsche Bahn immer unpünktlich ist, wenn ich damit verreise…

Dafür wird unser Flug von kleinen grünen Männchen sicher und pünktlich nach Salvador geleitet!

Ein kleines grünes Janosch-Männchen

Ein kleines grünes Janosch-Männchen

Sie bringen mich zum Schmunzeln, helfen mir mein Herz leichter zu machen: Mattis Glucksen, Lians „No mal!“, das Angeblökt und Umarmt werden von meinen Töchtern fehlen mir! Sie alle sind so ein wunderbares Geschenk – und ich flieg fort… Auch Tessa, der beste aller Hunde fehlt. Sie ist so alt…
Aber sie sprang freudig und ohne uns eines Blickes zu würdigen in das Auto meiner Freundin.

Kaum sind wir in Brasilien, verstoßen wir wieder mal gegen die Regeln des sicheren Reisens: Steige nie in ein unlizenziertes Taxi…

Doch wir sind sicher. Genauso sicher, wie ich immer rechtzeitig mit der Bahn ankomme, obwohl es jedes Mal Schwierigkeiten gibt, wenn ich den Zug nehme. Und genauso sicher, wie etwas schief geht, ohne mich ernsthaft zu gefährden, wenn ich Angst habe. Mittlerweile mach ich schon ein Spiel daraus…

Aber davon ein andermal!

Eigentlich wollten wir den Bus nehmen, doch dank der schleppenden Einreise naht die Dunkelheit. Außerdem hätten wir umsteigen müssen – mit zwei schweren Gepäckstücken. Wir stehen also erstmal unschlüssig am Ausgang herum. Und werden prompt von einem privaten Taxifahrer angesprochen.Viagem e Tourismo steht prahlerisch an seinem T-Shirt, aber das kann sich ja jeder sticken lassen. 80 Real will er für die Fahrt, weit weniger, als ein normalesTaxi gekostet hätte. Kurzerhand steigen wir ein.

Der Gurt wäre kaputt, aber das sei kein Problem.
Kein Problem? Bei den Verrückten, die hier unterwegs sind?

Denn drei Dinge sind es, die den Reisenden aus Europa bei der Ankunft in Salvador umhauen, in dieser Reihenfolge:

  • Diese warme, feuchte, bis an die Knochen dringende Wärme.
  • Dieser irre Verkehr, der jeder Beschreibung spottet.
  • Der Lärm. Überall sind Menschen, und wo Brasilianer sind, ist Musik. Laute Musik.

Ich genieße die Wärme, die ich so liebe, und vertraue. Edgar bringt uns sicher und auf kürzesten Wege nach Ribeira. Dort wartet unsere Yemanja: Ein ganz klein wenig grün an Deck, doch innen nach Oleo Peroba duftend und sauber. Dalva und Joselito haben ganze Arbeit geleistet: Bier und Wasser sind im Kühlschrank, die Wäsche gewaschen, das Bett gemacht.

Wir gehen noch auf ein Bier. Eiskalt ist es, so wie wir es in dieser Wärme lieben. Dann fallen wir müde und doch viel zu früh ins Bett. Hinter uns fahren die Ausflugsboote vorbei, vor uns feiert jemand Geburtstag, andere Hochzeit. Natürlich mit Musik.

Lauter Musik.