Mönchsbart, eine italienische Delikatesse
Mönchsbart, eine italienische Delikatesse

Kennst du Mönchsbart?

| 3 Kommentare

Tomy rasiert sich. Das tut er unterwegs nicht oft. Hat trotzdem nichts mit dem Barte des Mönchs zu tun. Abgesehen davon, dass Tomy in keinerlei Hinsicht ein Mönch ist…

Wieso dann Mönchsbart?

(Dieser Artikel hat es letztes Jahr nicht auf den Blog geschafft. Wollte ich dieses Jahr nachholen und so tun als ob, aber darauf wird aus bekannten Gründen nichts. Aber, Italien, wir kommen wieder! Und jetzt erst mal zurück in den April 2019):

Unser Rundweg durch Sestri Levante führt uns an einem appetitlichen Gemüsegeschäft vorbei. Links vom Eingang liegt das Obst, rechts das Gemüse. Es gibt da so verführerisches Grünzeug wie lila Spargel, langen Radiccio, Zichorie, Zucciniblüten, reife Tomaten in vielen Varianten – und etwas, das wie eine Kreuzung aus Spargel und Schnittlauch aussieht. Ich vermute, es ist eine Kulturform des Strandgewächses, das die Griechen im Salat essen, die Italiener aber nicht. Sagt der geniale Guide Spyros, unschwer als Grieche zu erkennen.

Rechst versteckt im Bild liegt das Gemüsegeschäft

Nun gut, wir haben gestern in Null Komma Josef eine Flasche köstlichen Rotweins geleert und brauchen erst mal Nachschub aus dem weiter entfernten Supermarkt. Es ist 12:15, ich erfrage erst mal die Öffnungszeiten des Gemüseladens:

„How long are you open?“

Verständnisloser Blick

„Aperto?“

„Meridiano…“ (Oder sowas) Sie hält den Daumen hoch. Also eins

Dann drei Finger und meia oder mezzo. Oder etwas aus dem ich 15:30 entnehme.

(Italienisch ist eine Mischung aus Englisch und Portugiesisch mit vielen Kombinationen von C und CC was aussprachlich keiner auf die Reihe kriegt, aber Italienisch ist ja sowieso keine einheitliche Sprache)

Gut, wird sportlich in 25 Minuten, aber erst mal holen wir Wein. Drei Flaschen.

Wir sind zurück, bevor Senora wegräumt, ich erwische etwas von dem Schnittspargel und frage:

„Insalata?“

„No, no ….“ Das folgende Wort erkenne ich nicht, aber wenn nicht Insalata, dann muss ich es wohl kochen oder blanchieren oder mit Knoblauch anrösten. Letzteres geht immer.

Was ist das grüne Zeug?

Ich fotografiere das Zeug und poste einen Hilferuf in der Smutjegruppe auf Facebook. Die genialen Schweizer antworten sofort, mit Link zu Rezept:

Es ist…

Trommelwirbel…

Mönchsbart!

Oder auch Barba di Frate, Agretti, Salsola soda. Und nein, mit Spargel hat die Pflanze rein gar nichts zu tun, dafür aber mit Glas: Früher wurde daraus Pottasche für die Glasherstellung gewonnen.

Mönchsbart ist ein saisonales Gemüse, bis Juni erhältlich, reich an Vitamin C, B1, B2, B3, B6 und E; sowie Kalium und Kalzium und quasi mit Null Kalorien. Und ja, es wächst auf salzigen Wiesen in Meeresnähe, Spyros Kraut auf salzigen Felsen am Meer. Muss irgendwie verwandt sein. (Grammatikalisch inkorrekter Satz: Brasilianisches Portugiesisch lässt grüßen).

Mönchsbart, Barba di Frate, Agretti

Mönchsbart mit und ohne Wurzeln

Gut, ich befreie das roh erdig wie Spinat schmeckende Kraut von den Wurzeln, wasche es und mache daraus Nudeln. Das heißt, ich zwicke mit meinen Fingernägeln die kleinen Zweige ab, damit sie nur mehr Streifen sind, die sich besser unter die Spagetti mischen. Die dickeren Stängel werfe ich weg, obwohl sie mir nicht holzig erscheinen. Aber so viel können wir zwei eh nicht essen…

Mönchsbart

Das verzweigte Kraut wird zu Nudeln zerkleinert.

Dann schwenke ich das Ganze in Olivenöl, wobei die Menge an Öl, die geringe Kalorienzahl ausgleicht und füge etwas Chili hinzu…

Hoppala, das war etwas viel!

Um das Missgeschick zu verbergen rühre ich schnell – daher kein Foto! Dafür kommt Knoblauch dazu – Dank des Rotweins wird dieses Foto unscharf!

Mönchsbart

Dank des Rotweins wird das Foto unscharf!

Dann noch die Nudeln – wir lieben Cappellini, etwas Parmesan und fertig ist:

Eine Delikatesse!

Mönchsbart mit Pasta

Nein, wir haben keine stylischen Weingläser an Bord. Wein und Capellini mit Mönchsbart sind trotzdem saulecker!

(Was bin ich froh, nicht mehr in der Karibik zu sein! Schon allein wegen dem Wein: Im Angebot unter vier Euro und geht weg wie Wass … Was … Wasr… Ach was!)

REZEPT Mönchsbart mit Spagetti

Ein Bündel Mönchsbart, die Wurzeln entfernen, die Blätter teilen, damit sie nudelig werden und sich besser mit den Spagetti mischen.

Olivenöl erhitzen, Möönchsbart darin ca. Minuten anbraten, mit Knoblauch und Chili oder schwarzem Pfeffer würzen. Nurdeln bißfest kochen, abgießen und in der Pfanne mit dem Mönchsbart mischen. Servieren und Parmesan drüber!

Beim zweiten Versuch habe ich Walnüsse mitgeröstet, diesmal gab es den Mönchsbart zu Pansotti – auch sehr gut!

Mönchsbart mit Spagetti

Gleich ist der Teller leer!

Barbara von Reisepsycho.com  und Ilona von Wandernd.de haben zur Blogparade #corragioitalia – Italien, wir kommen wieder aufgerufen. Uns ruft ja nicht nur der Mönchsbart dorthin, trotzdem fand ich, jetzt wird es Zeit, diesen Artikel endlich zu veröffentlichen. Denn ich will wieder Nudeln mit Mönchsbart!

3 Kommentare

  1. Pingback: Italien, ich komme wieder – Sehnsucht in Zeiten des Coronavirus

  2. Pingback: Italien - ich komme wieder! Nach Corona erst recht!

  3. oooooh ja, barba del prete – so kenn ich das, also als „Bart des Priesters“. Seeeeehr lecker. Sehr fein, ganz simpel, wie du es machst, anrösten und zur Pasta genießen. Danke für deinen Beitrag zu unserer Blogparade :)

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.