Alltagsabenteuer im April: Fische, Kinder und ein Seebeben

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Hier kommen sie, meine gesuchten und geschätzten Abenteuer im Alltag im April!

Herr von Spring-Grundel verendet im Dinghi.

Eines Abends erklingt im Dinghi neben uns ein dumpfer Schlag. Im Licht der Taschenlampe können wir nichts erkennen, finden aber am nächsten Tag einen toten Fisch im Dinghi. Wäre er nicht schon steif, hätten wir ihn wohl essen können, denn abends im Restaurant, liegt das gleiche Exemplar frittiert auf unserem Teller. Trotzdem weiß ich nicht, was es ist, und frage ein paar Tage später eine tauchende Freundin via Chat. Sie weiß es auch nicht, wir blödeln herum und so wird aus dem Hornhecht ein Herr von Spring-Grundel. RIP!

Herr von Spring-Grundel, aus dem Geschlecht der Hornhechte

Seelentreffen

Wir kaufen eine neue Unterwasserkamera, weil die Action-Kamera mir nicht gut genug ist. Während wir uns die Kamera zeigen lassen, betritt eine junge Familie das Geschäft. Und dann passiert etwas Ungewöhnliches:
Ich drehe mich um und langsam wenden sich meine Augen und die Augen des vielleicht siebenjährigen Mädchens einander zu. Sie schieben sich quasi seitwärts in den gegenseitigen Fokus und enden beim Treffen in einem gemeinsamen Lächeln aus der Tiefe unseres Herzens, so als würden sich zwei Seelen für Zehntelsekunden, die doch ewig sind, wiedererkennen.

Ein magischer Moment!

Die durstigen Toten

Annamaria wirft ihr Bierglas um. Wir rufen den Kellner, damit er den Tisch trocknet. „Oh, the dead were thirsty – die Toten waren durstig!“ sagt er.

Host no so an Kaiblstrick?

Wenn der Bayer im Stress ist, vergißt er die seemännischen Ausdrücke und greift auf die Sprache seiner Kindheit zurück: Der Wind fegt mit bis zu 35 Knoten durch die Bucht von Deshaies, treibt kleine Wellen und fliegendes Wasser vor sich her. Trotzdem fahren wir mit dem Dinghi hinüber zur GALATEA, wir wollen unser Pläne aufeinander abstimmen. Kaum hängt unser Dinghi hinten an der GALATEA kommt ein Windstoß, wirft es um, auf Ernst‘ Dinghi. Die Männer springen in Letzteres, versuchen zu retten, was zu retten ist, doch unser Außenborder taucht trotzdem unter. Damit das nicht nochmal passiert, wird es unter die Badeplattform gebunden. Und das von Ernst auch – mit besagtem Kaiblstrick.

Tomy säubert und trocknet am nächsten Tag den Motor: Er läuft wieder.

Engelskind und Weihnachtsmann

Das mittlere Engelskind, knapp drei Jahre alt, schaut misstrauisch aufs Handy. „Weihnachtsmann“ stammelt er unbeirrt, auch wenn seine Mama und seine Oma – ich – ihm versichern, dass das der Opa, also Tomy, ist. Ich kann sehen, wie es in seinem Hirn rattert:

„Was hat der Weihnachtsmann mit meiner Oma?

„Opa R. ist doch der Weihnachtsmann, wieso sieht der jetzt wie Opa T. aus?“
„Und was macht der Weihnachtsmann auf einem Schiff in der Karibik?“
Ich persönlich halte Tomy eher für Neptun oder einen Wassergeist, stimme aber mit dem Kind überein: Er sollte sich rasieren!

Wirklich verblüffend wie der Kleine auf Tomys glattes Gesicht reagiert: Plötzlich hat er seinem Opa ganz viel zu erzählen!

Weihnachtsmann oder Neptun?

Erzwungene Küsse

Tomy geht fliegen. Kaum ist er weg und ich allein am Schiff, als der Einhandsegler nebenan seinen Anker hochzieht, vielleicht ist er auch schon vorher gerutscht, und dabei dem Nachbarschiff bedrohlich nahe kommt. Verzweifelt versucht er, einerseits vorne seinen Anker hochzuziehen, andrerseits hinten weg von dem anderen Schiff zu steuern.  Dann gerät ein anderes Schiff in Bewegung und schließlich sind drei oder vier Schiffe an dem Gewurl  beteiligt: Der Anker des Einhandseglers hängt in der Kette eines anderen, es geht rund, alle brüllen. Einige Segler springen ins Dinghi um die Schiffe auf Abstand zu halten, sie küssen sich dennoch. Ich kann nur fotografieren. Als Tomy zurückkommt hat sich dieser Ententeich schon wieder beruhigt: Es scheint alles gut gegangen zu sein.

Bahai am Ankerplatz

Die See bebt

Wir liegen vor Jolly Harbour. Ich koche, nicht vor Wut, sondern das Abendessen. Da rollt von vorne eine Art Donner heran, zu lange, um von einem Gewitter zu kommen. „Erdbeben oder der Vulkan auf Montserrat“ schießt es mir durch den Kopf, da beginnt das Schiff oder besser die See drum herum zu vibrieren. Ich stecke den Kopf aus dem Niedergang. Es ist vorbei, Tomy und ich sehen uns verwundert an. Ich schalte die Funke an – es könnte ja ein Tsunami kommen – und weise Tomy an, aufs Ufer zu achten. Dann widme ich mich wieder dem Abendessen.

Am nächsten Tag erfahren wir, dass es tatsächlich ein Erdbeben der Stärke 4,4 in Parham, am anderen Ende der Insel gegeben hat.

Übrig bleibt die Frage: Was macht man am Ankerplatz, wenn es eine Tsunamiwarnug gibt bzw. einer heranrollt. In Martinique an Land gibt es dafür extra erhöht gelegene und ausgewiesene Sammelpunkte, die Frage ist also nicht so blöd. Auch nicht, weil die Karibik ein tektonisch durchaus sehr reges Gebiet ist, mit aktiven Vulkanen und Erdbeben.

Mögt ihr Fisch?

Wir liegen in Deep Bay, ich wie immer im kühlsten Raum, also in unserer großen Koje. Es klopft. „Mögt ihr Fisch?“ fragt ein junger Mann auf Englisch und hält uns eine Sackerl mit einem riesigen Fischfilet vor die Nase. Sein Sohn, vielleicht 8 Jahre alt, hat einen großen Red Snapper gefangen, viel zu groß für die Familie.

„Oh, ja, vielen Dank!“

Wir essen die eine Hälfte a la tahitienne, also roh, die andere treten wir GALATEA ab – es ist immer noch zu viel für uns.

Die Kinder

Diesen Monat fallen mit immer wieder die Kinder auf. Gut, bei der ganzen Kindergartengruppe, die uns in English Harbour entgegenkommt, ist das keine Kunst.  Aber im Bus muss ich schon genauer beobachten: Da sind diese drei Jungs, vielleicht 8, 10 und 12 Jahre alt, in weißen Hemden, gebügelten Hosen, einer hat sogar ein Jacket an. Es ist Samstag, sie sind offensichtlich auf dem Weg zu einem Gottesdienst. Die beiden Jüngeren setzen sich in die Mitte der dritten Reihe, der Große will daneben hin, wird aber vom  Fahrer des Minibusses auf den Notsitz in der Reihe davor beordert. Der kleine sieht jetzt den Fernsehbildschirm über dem Beifahrersitz nicht mehr – Was den mittleren freut. Ein paar Stationen weiter steigt in der zweiten Reihe jemand aus, Schwupps, sitzt der Kleine wie ein Gangsterboss auf dessen Platz. Triumphierend dreht er sich um und schenkt seinem Bruder ein überlegendes Lächeln.

Geschwisterliebe!

Hier ein fröhlicher Verwandter Herrn von Spring-Grundels, ebenfalls ein Needlefish oder Hornhecht (Was haben wir nur vor Google und Wikipedia gemacht?):

Was waren deine Alltagsabenteuer? Was ist dir im letzten Monat Bemerkenswertes widerfahren?

2 Kommentare

  1. Danke für diesen lustigen Kommentar über Bayern im Stress. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen.

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