Roadtrip in Französich Guyana – Teil 2 Europa, Asien und Amerika

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3. bis 9. November 2016

Wir bleiben in Iracoubo stehen, einem kleinen Ort am Weg. Dort ist – nichts. Okay, ein paar Häuser, manche verdienen den Namen nicht. Ein „8 a Huit“ Supermarkt, wie immer in chinesischer Hand.

Und eine alte, hölzerne Kirche.
Die es in sich hat!

Für mich ist das eine der schönsten Kirchen, die ich je gesehen habe. Gut, es gibt welche mit mehr Gold oder mehr Marmor, aber so schön bemalt ist doch keine andere, nicht mal die in Diamantina oder Ouro Preto! Tausende Rosen und Blumen ranken sich um Kreuze und Heilige, der Stil erinnert ein wenig an Ungarn oder Rumänien oder auch Bayern. Wer dieses Paradies wohl gemalt hat?

Die Kirche in Iracoubo

Die Kirche in Iracoubo

Es dauert ein wenig, bis ich es herausfinde. Es war ein – Bagnard, einer der Sträflinge, verurteilt wegen Mordes, Pierre Huguet mit Namen. Ich muss unwillkürlich an Adjahn Brahm denken, dem Leiter des buddhistischen Klosters in Perth, dessen „Talks“ Teil meiner Herzensbildung sind. Niemand, sagt er, ist ein Mörder und sonst nichts. Es ist ein Mensch, der etwas Falsches getan hat, darüber hinaus ist er vielleicht liebender Vater, Geliebter, Sohn, Feuerwehrmann, Mechaniker, Präsident oder eben begnadeter Künstler.

Wir halten auch in Sinnamary, von dort kannst du schöne Touren in die Natur, mit Kanu oder zu Fuß, ansonsten ist dort jetzt wirklich nichts.

An Kourou fahren wir erst mal vorbei, Cayenne ist unser Ziel für das Wochenende. Und dort der kleine Ort Cacao, oben in den Bergen gelegen. Das ist doch tatsächlich ein Dorf, so wir uns das vorstellen, mit Kirche, Straßen, hübschen Häuschen, auch aus Holz, aber doch ganz anders. Hier gibt es Felder, die bewirtschaftet werden, Traktoren parken in den Einfahrten. Rund um die Markthalle warten unzählige, fein säuberlich gedeckte Biertische auf den großen Ansturm. Asiatisch aussehende Menschen verkaufen Suppe, Frühlings- und Sommerrollen, aber auch Gemüse, Pflanzen und Handarbeiten.
Ich komme mir vor, wie auf dem Nachtmarkt in Luang Prabang.
Und die Pho, die Suppe, schmeckt genauso gut wie in Hanoi!

Markt in Cacao

Markt in Cacao

Pho - einfach gut!

Pho – einfach gut!

Cacao ist einer der Orte in Französisch Guyana, in dem die Hmong nach dem Vietnamkrieg eine neue Heimat fanden. Sie lebten in den Bergen in Laos und Vietnam und standen am Ende des Vietnamkrieges auf der falschen, nämlich der Verliererseite. Sie flohen nach Thailand, von da nach USA, dann boten die Franzosen ihren alten Verbündeten eine neue Heimat in ihrem Departement in Südamerika. Ich bin sicher, sie hören das nicht gerne, aber gemeinsam mit den chinesischen Händlern, machen sie den asiatischen Teil der Bevölkerung aus – durchaus einen wachsenden Teil!

Nach Cacao führt eine der interessanteren Brücken

Nach Cacao führt eine der interessanteren Brücken

Cacao hat noch eine Sehenswürdigkeit (und damit mehr als Cayenne, wie sich noch heraus stellen wird): Das Schmetterlingsmuseum. Der Museumsleiter und Lehrer an der örtlichen Schule führt die Besucher mit viel Enthusiasmus, lebhafter Mimik und wilden Gesten durch sein Reich. Er ist in seinem Element, wenn er 10 cm große Käfer aus ihren Behältern nimmt, um sie den Kindern zu zeigen, sie raten zu lassen, wer jetzt Mama und wer davon Papa ist, oder welche Farbe die Flügel der Grillen haben. Den Skorpion holt er mit der Pinzette aus dem Käfig, die Vogelspinne beherbergt er wie einen Tennisball in seiner Faust oder lässt sie sich über den Bauch kriechen. Er zeigt, wie ein Schmetterling angefasst werden kann, damit er keinen Schaden leidet – niemals an den Flügeln, sondern am Kopf oder Körper. Beeindruckend ist der 30 Zentimeter lange Saugrüssel desselben. Die Kinder sind begeistert, dürfen sie doch das eine oder andere Krabbeltier selbst anfassen. Es macht wirklich Spaß, ihm zu zusehen. Ich wünschte, ich wäre ein Kind und könnte französisch!

Nachmittags fahren wir nach Cayenne, hoffen auf einen Kaffee und ein wenig Stadtleben. Aber Cayenne ist —- mausetot.
Leute, auf jeden Friedhof in Deutschland um Mitternacht ist mehr Leben, als in Cayenne an einem Sonntagnachmittag! Ehrlich gesagt, ist das aber hier überall so.
Alles ist verriegelt und verrammelt, kein Schaufenster zeigt sich, kein Mensch, nicht mal ein Straßenköter. Die gibt es hier sowieso nicht. Am Meer – nichts, keine Barraca, kein Bier, kein Mensch. Halt, stimmt nicht! An einer kleinen Halbinsel machen ein paar Brasilianer Party mit lauter brasilianischer Musik – sie verstehen offensichtlich ebenso wenig wie wir, was hier (nicht) los ist! Elke von der NAJA schrieb, sie hätten hier an einem Sonntag Kaffee bekommen, waren in einem Museum – ich kann es nicht glauben!
Abends versuchen wir es nochmals, mit  den Adressen von zwei Restaurants – eines hat zu, eines finden wir nicht. Also wieder retour ins Hotel. Das Essen hier ist sowieso sehr gut.

Cayenne am Sonntag

Cayenne am Sonntag

Am nächsten Tag geben wir Cayenne noch mal eine Chance. Hinter manchen herabgelassenen Rollläden verbarg sich doch tatsächlich ein schickes Geschäft! Ein moderner Optiker. Und Pimkie. Und ein Herrenmodengeschäft. Die meisten Geschäfte sind aber chinesische Souvenirläden oder asiatisch-afrikanische Damenmodefummel, die viel zu teuer für die  Qualität sind. Dazwischen stehen ein paar ganz nette alte Häuser und jede Menge Autos.

Ich hole die Kamera nicht mal aus dem Rucksack.

Das Museum finden wir auch, es hat sonntags normalerweise nicht geöffnet. Hier erfahre ich, dass der Bem-te-vi in Frankreich Tyran Kikiwi heißt, und dass das schwarze Krokodil sechs Meter lang wird. Es soll noch welche in der Region Kaw geben. Außerdem hängen dort noch die Originale der Bilder, die Frances Lagrange vom Bagne, dem Gefängnis, gemalt hat. Die schauen wir uns an, deshalb sind wir hier – dann verlassen wir Cayenne fluchtartig.

Die meisten Segler sagen, Cayenne wäre noch besser als Kourou – das sehe ich nicht so, zumindest nicht, was die Liegeplätze angeht. In Kourou ist wenigstens ein wenig Infrastruktur – chinesischen Supermarkt, Bar, Autovermietung – zu Fuß zu erreichen. Darüber hinaus, sind wir heilfroh in St. Laurent zu liegen! Es ist das Paradies dagegen!

Das Wahrzeichen von Kourou, der Leuchtturm Tours Dreyfus, der einst der Kommunikation mit den Iles du Salut diente

Das Wahrzeichen von Kourou, der Leuchtturm Tours Dreyfus, der einst der Kommunikation mit den Iles du Salut diente

Am Steg in Kourou liegen die Ausflugsschiffe

Am Steg in Kourou liegen die Ausflugsschiffe

In Kourou liegt allerdings die größte Sehenswürdigkeit des Departements: Der Weltraumbahnhof, wo Satelliten mit der europäischen Trägerrakete Ariane, sowie Vega und Soyuz, in die Erdumlaufbahn gebracht werden.

Wir kehren zurück nach St. Laurent, verlängern das Auto um einen Tag und fahren nach Javouhey, Mana und Awala Yalimapo.
Javouhey ist ein ziemlich traditionelles Hmong-Dorf. Hier wie in Cacao ist der Ort von gepflegten, fast europäisch anmuteten, rechteckigen Feldern umgeben. Da wachsen Bananen, Zitrusfrüchte und Papaya. Es heißt, die Hmong bauen den größten Teil des heimischen Obstes und Gemüses an. Und tatsächlich – die stabilen, hölzernen Häuser mit den Traktoren davor sehen wie große landwirtschaftliche Betriebe aus. Kein Vergleich mit den Maroon-Dörfern, in denen es zwar auch feste, schöne Häuser gibt, deren Häuser und Sommerküchen aber doch ziemlich zusammengeschustert aussehen.

Jahouvey

Javouhey

Awala und Yalimapo hingegen sind Indianerdörfer. Sie sind großzügiger und weiter angelegt als die Maroon-Dörfer, doch sehr ähnlich. Es waren die Indianer, die den Maroons halfen, im Regenwald zu überleben, die ihnen zeigten, wie sie Maniok anbauen konnten, oder womit sie ihre Häuser bauen konnten. Heute leben beide Dörfer auch unverkennbar von einem bescheidenen Tourismus: Von März bis August brüten an dem Strand vor den Orten Schildkröten, darunter die größte Schildkröte überhaupt, die bis zu zwei Metern lang wird! Schautafeln informieren über diese Tiere, das richtige Verhalten und wann und wie du sie am besten beobachten kannst – nachts mit einer Rotlichtleuchte. Und ohne Blitzlicht!

Awala, ein Indianerdorf

Awala, ein Indianerdorf

In Mana halten wir noch an, weil es dort ein Restaurant geben soll, in dem es gute Büffel-Steaks gibt. Es gibt auch gutes Hoegaarden Bier. Und durchaus europäische Preise, in einem Ort, dessen Ortskern zerfällt…

Im "Buffalo" in Mana

Im „Buffalo“ in Mana

Dem Restaurant gegenüber

Dem Restaurant gegenüber

Mana

Mana

Es gibt durchaus auch neue Häuser

Es gibt durchaus auch neue Häuser

Am Ortsrand entstehen neue Häuser und trotzen der grünen Gefahr – dem Urwald, der in ihrer Lebenslust alles verschlingenden Mutter Natur.

INFO

Degrad du Cannes – Cayenne

Sehr abseits gelegen, nur Ankern möglich.
Weitere Berichte siehe Naja
Cayenne selbst ist den Aufwand kaum wert. Allerdings gibt es von dort gute Touren mit Piroggen den Maroni hinauf bis Mariapousala (mit dem Flugzeug zurück nach Cayenne) und auch nach Kaw zu den Krokodilen. Ebenso lohnt ein Ausflug am Sonntag in das Hmong Dorf Cacao.
Das alles lässt sich aber auch mit dem Bus und dem Mietwagen von St. Laurent aus erledigen, oder auch von Suriname aus.

Sehenswert in Cayenne: Musee Departemental am großen Platz (Avenue de General De Gaulle), mit den Original-Bildern von Lagrange.
Sonntags und dienstags geschlossen.

Hotel und Restaurant: La Chaumiere, über Booking.com. Hat schon bessere Tage gesehen, hat aber einen schönen tropischen Garten mit vielen Vögeln und anderem Getier, ist ruhig gelegen und recht preiswert. Das Restaurant dort – La Cocotte Creole – ist sehr gut und eines der wenigen, die jeden Tag mittags und abends geöffnet haben:
2507 Chemin de la Chaumiere, 97351 Matoury
Der Abzweig ist kurz hinter/vor Cayenne von der N1 nach St. Laurent aus.

Cacao: Markt am Sonntag mit vietnamesisch-laotischen Spezialitäten, bis 14 Uhr, besser früher da sein und ins Museum gegenüber des Marktes gehen: Die Führungen (9.00, 11:00, 13:00) des Museumsleiters sind ein Erlebnis (vorausgesetzt, du verstehst etwas Französisch, auch für Kinder interessant)
Anfahrt mit dem Mietauto

Javouhey – Mana – Awala –Yalimapo
Abwechslungsreiche Autofahrt Richtung Norden an der Strand.

Javouhey ist ein Hmongdorf ohne große Attraktionen, es ist nur so anders als die Dörfer der Maroons oder Indianer. Auch ist dort einiges an Landwirtschaft.

Awala-Yalimapo sind langgezogene Indianerdörfer. Am Strand hinter den Dörfern kann man in der Zeit von März bis August drei Schildkrötenarten bei der Eiablage und beim Schlüpfen beobachten. Beste Zeit sie zu beobachten ist nachts mit einer Rotlichtlampe und ohne Blitzlicht! Licht stört die Orientierung der Tiere und ist mit ei.n Grund für ihre Gefähdrung.

Unbedingt lange, mit Deet eingesprühte Kleidung tragen, auch feste Schuhe und vorher in Deet baden! Und zwar am Tag, wie in der Nacht, die Moskitos dort sind blutrünstige Bestien, die in Schwärmen über ihre Opfer herfallen!

Am Pointe Francaise (oder Hattes) ist ein Ankerplatz vor den Resten des alten Steges, der nur bei Ebbe sichtbar ist. Achtung, es wird schnell seicht. (Wir waren nicht mit dem Schiff da, nur zu Fuß) Ungefähre Position: 5 44 506 N  53 57 102W

Restaurant: In Mana ist ein gutes Steakrestaurant: Le Buffalo, nur Mittags geöfffnet, SO und DIE ist mit hoher Wahrscheinlichkeit geschlossen

Iracoubo
Liegt auf dem Weg nach Kourou/Cayenne an der N1 (dort werden die Pässe kontrolliert!)
Der Ort hat nichts, außer eine kleine Kirche, deren Innenraum komplett mit Ornamenten bemalt ist. Sie ist absolut sehenswert, ein Muss!

Bei den Hmong in Cacao

Bei den Hmong in Cacao

2 Kommentare

  1. Liebe Steffi, eine wirklich interessante Route habt ihr da genommen.
    Spannende Einblicke in ein fernes europäisches Land. ;-)
    Wie seid ihr denn sprachlich zurecht gekommen?
    Ich hab gelesen, französisch könnt ihr nicht. Ging es denn auch auf englisch gut voran?

    Viele Grüße
    Tanja

    • Liebe Tanja,
      naja, ich kann kein Französisch im Vergleich zu meinen anderen Sprachkenntnissen, Englisch und Portugiesisch. Ich kann es nicht sprechen, aber immerhin halbwegs lesen und verstehen. Abgesehen davon geht es auch ganz gut mit Englisch (Durch das Space Center sind ja viele Ausländer dort) und in einem Hotel sogar mit Deutsch, weil der junge Mann aus dem Elsaß kam. Viel spannender ist übrigens das Nachbarland, Surinam. Da geht alles mit Englisch!
      Liebe Grüße
      Steffi
      Steffi

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