Wahnsinn!

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Tomy kann meine Entzückungsschreie nicht mehr hören!
Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!
An jeder Ecke, hinter jeder Kurve wartet ein neuer Atem beraubender Ausblick! Wie soll ich denn meine Begeisterung sonst kund tun?

Um neun Uhr übernehmen wir unser Mietauto. Anfangs bin ich noch etwas von Tomys Fahrweise beunruhigt: Nicht wir überholen, an uns wird vorbei gefahren. Gut, wir haben nur einen kleinen Panda, aber dass selbst die Lastautos an uns vorbei brausen, verunsichert mich doch.
Wir fahren durch die Schlucht von Ribeira Brava hinauf zum Ecumeada Pass. Diese Schlucht wurde 2010 besonders hart vom Jahrhundert-Unwetter getroffen – das Flussbett wird wieder befestigt und ist eine riesige Baustelle. Auch ist es bewölkt, so dass wir leider nicht die Berge sehen, auch der Blick zurück Richtung Meer ist getrübt, doch eindrucksvoll ist die Fahrt hinauf in die Berge, gesäumt von blühenden Nerinen allemal. Am Pass oben ist es empfindlich kalt, der Wind pfeift – schnell sind wir wieder im Auto um durch die Hochebene Paúl da Serra nach Rabaçal zu fahren. Doch ein Erdrutsch versperrt die einzige Straße dorthin!

Schlucht von Ribeira Brava

Schlucht von Ribeira Brava

Ribeira Brava

Ribeira Brava

 

Nerinen

Nerinen

Was tun? Es gibt zwar andere Wege nach Rabaçal, doch nur über „unten“. Madeira besteht aus hohen, schroffen Bergen, in die sich tiefe Schluchten eingekerbt haben. Durch diese Schluchten führen Flüsse, je nach Jahreszeit mehr oder weniger wild, nach unten ins Meer. Dort unten klettern die Siedlungen, die Häuser und die Felder links und rechts des Flusses in Terrassen die Hänge hinauf. Die Straßen winden sich in endlosen und engen Serpentinen an diesen Hängen hinauf und hinunter, die Täler werden sozusagen umfahren, Kurve um Kurve. Durch den einen oder anderen Berg führt ein Tunnel. Das gilt zumindest für die alten Straßen. Die neue Schnellstraße, die fast rund um die Insel führt, ist ein eigentlich einziger Tunnel, der zum Mittelpunkt der Erde führt, kilometerlang. Gelegentlich geht es auch über eine Brücke… Auto fahren in Madeira ist ein Abenteuer!

Von Süd nach Nord gibt es nur eine schnelle Verbindung – unter dem Pass durch den Berg.
Nun sind wir aber oben, wir können endlose Serpentinen hinunter fahren und durch eine andere Schlucht wieder endlos hoch, aber dann bleibt uns nicht mehr genug Zeit zum Wandern. Ins Tal müssen wir jedoch, also schlängeln wir uns hinunter nach São Vicente, besuchen das Vulkanmuseum und die Lava-Grotten. Das sind Röhren, durch die Lava floss und dabei erkaltete. Heute kann frau durch diese wandern. Es sind – na, Höhlen eben. Irgendwie sehen die immer gleich aus, meistens sind sie feucht bis nass. Dennoch war es interessant.

Unten sieht man den Lava Fluss

Unten sieht man den Lava Fluss

Von São Vicente aus nehmen wir den langen Weg der Küste entlang nach Hause…
Und jetzt kommt der Wahnsinn!

Nicht nur die Schönheit macht mich „wahnsinnig“, es ist schon auch die Straßenführung.

Tunnel

Tunnel

Kehre

Kehre

Die Straße ist oft steil, die Kehren sind eng und hinter Felsen, davor wird gehupt, damit eventueller Gegenverkehr aufpasst. Oft genug geht es links steil nach unten, rechts steil nach oben, auch schon mal durch einen einspurigen Tunnel, alten Tunnel ohne Beleuchtung. Darunter liegt das Meer, blitzblau, weiße Gischt prallt an die felsige Küste. Häuser mit roten Ziegeldächern kleben am Hang oder schmiegen sich unten an die Hügel. Dazwischen leuchtet es grün in allen Schattierungen, helles Grün, sattes Grün, je nach Nutzung. Hier im Norden ist die Küste besonders steil, das Klima etwas unwirtlicher als im Süden, so wächst auf den Terrassen meist Wein.

Nordküste

Nordküste

Porto da Cruz

Porto da Cruz

Hinter Santana biegen wir ab nach Süden und hinauf in die Berge. Die Straße schlängelt sich jetzt durch den unvermeidlichen und Boden auszehrenden Eukalyptuswald. Kur nach Ribeiro Frio ist es dann aus damit: Er ist abgebrannt. Weiter winden wir uns jetzt wieder hinunter Richtung Monte. Dort verbrachte der letzte österreichische Kaiser, Karl I, seine Tage im Exil, dort ist er begraben. Das scheint die Ungarn weit mehr zu bewegen als die Österreicher: Seine Gruft in der Kirche ist mit ungarischen Bändern geschmückt. Vor der Kirche starten die berühmten Korbschlitten ihre halsbrecherische Fahrt hinunter nach Funchal – ohne uns.

Karl I

Karl I

Korbschlitten

Korbschlitten

Ich mache noch einen Abstecher in die Gärten rund um die Kirche: Die Daturen dort sind

„A Wahnsinn!“

Wie ein Wahnsinniger fährt Tomy mittlerweile auch wieder! Ich bin beruhigt!

Datura

Datura

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