Sichtbarkeit auf See

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Wie weit kann ich auf See sehen? Wie weit kann ich wahrnehmen und wahrgenommen werden?

Wer das im Internet googled, bekommt jede Menge Erklärungen über Krümmungswinkel, Höhe, Wellenlängen des Lichts oder des Schalls, Hindernisse…* Und in der Praxis?

Gestern versuchte die Sonne immer wieder durch die Schleier der Wolken zu leuchten, Schleier, die kaum sichtbar bis zum Wasser reichten. Es war diesig. Obwohl wir nur ein paar wenige Seemeilen vom Land entfernt segelten, war um uns nur Wasser. Eine Weile schwebten rechts von uns ein paar leuchtende Punkte oder sonnenbeschienene Rechtecke über dem Horizont: Wir segelten entlang des Abschlussdeiches des IJsselmeeres, auf dem die Straße von Den Oever nach Makkum verläuft.

Viele Menschen erzählen mir, dass sie Angst hätten, wenn sie nur von Wasser, ohne Sicht auf das Land wären. Obwohl ich das schon erlebt habe, hier – bei diesigem Wetter- oder in Kroatien, habe ich es noch nie so empfunden: Das Land ist in mir. Ich weiß, dass es da ist, um mich herum.

Ich nehme das Land wahr, ohne es zu sehen. Verrückt!

Die grenzenlose See ist nicht hier. Auch wenn ich nur Wasser sehe. Die Grenze ist in meinem Kopf – ich schwimme in einer Badewanne… Bin neugierig, wie weit ich wirklich vom Land weg sein muss, bis dieses Gefühl aufhört!

Seltsamerweise haben wir beide den Eindruck, dass es heute noch diesiger ist als gestern. Doch als wir den Hafen in Hindeloopen verlassen, liegt in der Ferne vor uns eine Insel: Wo war die gestern?

Sicher, es kann nur die kleine „Insel“ am Deich sein – doch fest steht, dass wir gestern viel näher dran waren und sie gerade mal erahnen konnten!

Wir sehen heute Morgen auch nicht, wo wir sind: Keines unserer Geräte empfängt ein GPS-Signal. Erst nach 20 Minuten sind wir wieder „da“.

Wer Funken lernt, lernt auch, dass Ultrakurzwellen nur ein paar Kilometer weit zu empfangen sind, schon allein deshalb, weil sie auf Landmassen, Häuser, Berge und Schlechtwetter treffen. Doch das gilt hier nicht, Holland ist einfach nur flach:

Auf Kanal 16 hören wir Oostende Radio, Dover Coastgard (two Tow-and-Tug ships sind wo genau?), Wetterwarnungen für Lincolnshire und the Wash und die deutsche Küstenwache. Nur die Niederländer melden sich selten. Außer um einen falschen Distress-Alarm zu korrigieren.

Und unser AIS-Signal ist zu schwach, um auf marinetraffic.com gefunden zu werden. Von anderen Schiffen werden wir auch erst wahrgenommen, wenn sie uns gefährlich nahe sind. Wie genau lässt sich das verbessern? Weiß einer Rat?

 

* Wenn man hinterm Steuer eines Segelbootes, rund drei Meter über dem Meeresspiegel, dann kann man bei guter Sicht den Horizont in rund 6 km Entfernung sehen. Hohe Schiffe, Leuchttürme, oder Berge kann man schon von weiter her sehen – sie ragen ja über die Erdkrümmung hinaus. Berechnung hier!

PS: Am nächsten Morgen schüttete es. Danach war die Luft glasklar, diese Sicht! Marken und Volendam leuchteten gülden im warmem September-Nachmittagslicht! Unvergleichlich!

 

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