mermaiding yemanja nixe meerjungfrau
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Wenn du gerne mal über mich lachen möchtest

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Ich bin zu früh dran, Mel, meine Trainerin in den nächsten zwei Stunden, kommt erst in zehn Minuten. Ich geh schon mal vor: Im Wellnessbecken sitzen drei ältere Herren und lassen sich den Rücken massieren. Im Nichtschwimmerbereich hüpfen die Damen bei der Wassergymnastik auf und ab. Drei, vier sportlichere Schwimmer ziehen ihre Bahnen. Die Kinder, die im Becken gegenüber schwimmen lernen, halbieren den Altersdurchschnitt. Naja, in ihren Augen gehöre ich ja auch zur Generation der „älteren Herrschaften“. Und ich will…

Hinter Mel betreten drei junge Männer das Schwimmbad.

Ich werde mich endgültig zum Affen machen.

Doch eine Stimme in meinem Kopf tröstet mich: „Erinnere dich, wie dich die Jungs im Nachbarort auslachten, als sie dich laufen sahen: Vielleicht lachen sie immer noch, aber du hast den Marathon geschafft!“

Stimmt!

Und ich werde jetzt Spaß haben! Ich muss es wenigstens einmal ausprobiert haben! Was juckt mich da mein Alter? Oder mein Popo, der schon als ich noch 48 Kilo wog, überdimensioniert war? Oder anders – ich bin alt genug, mich nicht mehr um die Meinung der anderen über mich zu kümmern.

Dass ich obendrein ohne Brille keinen Gesichtsausdruck ausmachen kann, hilft ungemein: Ich kann das Grinsen in den Gesichtern der anderen Badbesucher nicht sehen.

Und so zwänge ich mich in den blaugrünen Anzug. Und in die Flosse. Mel stülpt die Schwanzspitzen drüber – fertig ist die Meerjungfrau!

Oder auch die Meeroma.

Mermaiding – schwimmen wie eine Meerjungfrau, das möchte ich heute bei Abenteuernixe Melanie Seidel im Neusser Stadtbad lernen. Meermädchen haben mich schon als Kind fasziniert, Hans Christian Andersens „Kleine Meerjungfrau“ ist mein Lieblingsmärchen, Yemanja, die Mutter der Fische und Menschen, meine Orixa, meine Kraft, nach ihr ist mein Schiff benannt. Ich muss es einfach ausprobieren!

Mel erklärt mir die Technik: Bauch einziehen und Popo anspannen sind das Wichtigste, die Vorwärtsbewegung kommt vom Brustbein. Die Flosse auf und ab bewegen.

Anfangs liege ich noch auf der Poolnudel und versuche, nicht zu ersaufen. Ich schnappe nach Luft.

Atmen? Ich hab doch keine Kiemen! Ich pruste und huste und schlucke nur Wasser!

Schwimmen mit dem Kopf unter Wasser konnte ich noch nie! Tauchen schon gar nicht, abgesehen von der Luftnot: Mein Popo schwimmt oben. Liegt vermutlich am Fettgehalt.

Nach und nach werde ich ruhiger, ich beginne mir zu vertrauen. Meinem Körper. Der Flosse. Der Bewegung mit ihr. Mel ist Motivation selbst: Ich wäre sehr begabt, ich hätte genügend Körperspannung, ich sähe gut aus…

Es beginnt Spaß zu machen.

Verdammt, ich muss schon wieder auftauchen, brauche Luft. Dabei ist es so schön unter Wasser dahinzugleiten. Es ist auch irre anstrengend und doch so schwebend leicht.

Mel hat recht: Es ist wie fliegen.

Nur schöner.

Leider wird mir nach knapp eineinhalb Stunden kalt. Kunststücke lernen ist für heute nicht mehr drin.

Macht nichts.

Ich komm wieder!

Und vorher übe ich noch Apnoetauchen. Oder einfach nur den Atem besser zu kontrollieren.

INFO:

Abenteuernixe Melanie Seidel-Beck bietet im Raum Neuss Mermaiding Kurse für Kinder und Erwachsene an, Anmeldung unter Abenteuernixe.de

Viele Kurse gibt es unter anderen in Süddeutschland und auch in Niederösterreich.

Mermaiding ist leider nicht in allen Schwimmbädern erlaubt.

Flossen und Kostüm gibt es bei magictail.de

Übungen zum längeren Luftanhalten (Apnoetauchen) unter freediveuk.com (Englisch) Es gibt auch Apps im Applestore oder für Android.

Erfahrungen anderer Erwachsener zum Beispiel hier: www.zeit.de

Und nun viel Spaß! (Ich seh‘ euch ja nicht lachen!) Oder was meinst du? Hättest du auch Spaß?

2 Kommentare

  1. Liebe Steffi, zunächst einmal Hut ab vor dir und deinem Mermaiding-Versuch. Ich wäre wahrscheinlich nicht einmal runter gekommen 😉 Ich habe schon so einige Beiträge und Berichte darüber gesehen und gelesen, aber ich muss ganz klar sagen, ich bleibe bei zwei Flossen, Schnorchel (oder Gerät und Flasche) und vor allem bei meiner Taucherbrille (mit korrigierten Gläsern, damit mit ich kein Blindfisch bin).
    Ich lese und genieße deine Blogs regelmäßig und würde mich sehr über einen persönlichen Emailkontakt freuen. So von Seglerin zu Seglerin und Quilterin zu Quilterin 🙂

    • Liebe Melanie,
      Danke für deinen netten Kommentar. Du hast mir einiges vor: Immerhin kannst du schnorcheln und offensichtlich tauchen. Ich bin erst vor vier Jahren zum ersten Mal geschnorchelt – und hab immerhin einen toten Seeigel aus 2m Tiefe raufgeholt! Wobei ich nicht weiß, was das größere Wunder ist: Dass ich ihn ohne optische Taucherbrille gesehen habe, oder dass ich meinen Popo unter Wasser zwingen konnte.
      Email kommt!
      Liebe Grüße
      Steffi

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