Segeln mit Yemanja - Segelreise so weit wir kommen - Winterlinge
Segeln mit Yemanja - Segelreise so weit wir kommen - Winterlinge

Was ein Bauer mit Segeln zu un hat

| 3 Kommentare

Mein Großvater, ein Landwirt mit Leib und Seele, wurde heute vor 114 Jahren in einem kleinen mährischen Dorf geboren. Was das mit Segeln, dem Blog und unserer Reise zu tun hat?

Mehr als du denkst!

In seinen Erinnerungen erzählt er von seinem Lehrer: „Er führte uns in so manche Schlupfwinkel des menschlichen Wissens und darüber hinaus in die des Träumens. Wenn er vortrug, horchten wir mäuschenstill. Skagerrak bis Golf von Mexiko, jeder Schlupfwinkel, Zugspitze, Kilimandscharo, Himalaja oder Poppokatten Cettelaltep – er erzählte, von den Kolonien Deutschlands, Togo, den Kanarischen Inseln, Feuerland, den Kurdillen und Antillen im Stillen Ozean“ – und weckte so die Sehnsucht nach der weiten Welt in den halbwüchsigen Schülern.

Ich glaube, die weiteste Reise, die mein Opa abgesehen von den Verwandtenbesuchen in Deutschland machte, ging nach Venedig. Aber seine Träume, da bin ich mir sicher, leben in mir weiter. Irgendwie kommt er überallhin mit mir mit.

Opa lebte mir die Liebe zur Natur vor. Im Spätwinter wartete ich immer auf den Tag an dem er von seinem Gartenrundgang zurückkam und sagte: „Wenn das Wetter so bleibt, blühen in zwei Tagen die ersten Winterlinge!“ Woher wusste er das so genau? Denn es stimmte immer! Und so blühen heute Winterlinge in meinem Garten. Ihr Gelb leuchtet spitzbübisch wie die Augen meines Großvaters, ein lebensfröhlicher Mann bis zu seinem Ende mit knapp 91 Jahren.

Segeln mit Yemanja - Segelreise so weit wir kommen - Winterlinge

Die Winterlinge in meinem Garten erinnern mich an meinen Großvater.

Aber das wichtigste, das er mir mitgab, ist die Liebe zu Märchen und Geschichten. Er verstand die Kunst des Geschichtenerzählens: Oft spielte ich an dem kleinen Bach, der hinter unserem Garten vorbeiführte. Abends lag ich meist in der Besucherritze zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin – Oma starb vor meiner Geburt, meine Eltern waren beruflich viel unterwegs – und er erzählte mir die Geschichte von den Steinen, die ich tagsüber gesammelt hatte: Wie sie aus dem Fels brachen, im Wasser des Baches rund geschliffen wurden und so ihre Farbe, Schönheit und Charakter preisgaben. Sie erlebten allerlei Abenteuer unterwegs, trafen aufeinander, rollten auseinander und landeten schließlich in der Schürzentasche eines kleinen Mädchens…

Ach was gäb‘ ich drum, hätte ich noch eines dieser Märchen vor mir! Doch leider hat er keines aufgeschrieben!

 

Ob ich ohne meinem Opa so gerne reiste? In der Natur wäre? Und davon Geschichten erzählte?

 

Was haben deine Großeltern bei der Erziehung gut gemacht? Und wie? Was wussten sie noch? Mach mit bei der Blogparade von Sara „Was (Ur)oma noch wusste“.

Und Frank von Finde-dich-selbst fragt in seiner Blogparade nach der Liebe zur Natur.

 

3 Kommentare

  1. Hallo, Steffi,
    was für ein wundervoller Beitrag. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an meine Großeltern, da ich in jungen Jahren noch sehr oft bei ihnen war.
    Sie hatten einen großen Garten, in dem ich viel Zeit mit Ihnen verbracht habe, wenn wir nicht gerade zusammen zum nahegelegenen Bahnhof spazierten und die an- und abfahrenden Züge betrachteten. So kann ich rückblickend betrachtet sagen, dass er mich in meiner Liebe zur Natur nachhaltig geprägt hat.
    Der Garten war von einer großen Hecke umrandet, in der jedes Jahr aufs Neue die verschiedensten Vögel ihre Nester bauten. Er wusste eigentlich immer, wo die Nester steckten und so konnte ich dann oft die Vögel bei der Brut und der Aufzucht der Küken beobachten.
    Und meine Großmutter hat dann das Essen immer frisch mit dem Gemüse aus dem Garten zubereitet. Tütenessen oder Essen aus Dosen gab es nicht. Sie haben selber noch eingeweeckt und konnten sich so selber versorgen.
    Vielen Dank für diese Erinnerung, die du mir mit deinem Beitrag beschert hast.
    Herzliche Grüße
    Frank

  2. Was für ein wunderschöner Artikel. Dein Opa muss ein toller Mann gewesen sein! Und wie wunderbar, dass du dir die Erinnerung an ihn durch deine Reisen so lebendig halten kannst.

    Liebe Grüße
    Sara

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