3. April 2015
von Steffi
8 Kommentare

Frohe Ostern

Wir wünschen allen unseren Lesern, Fans, Freunden und Familie ein Frohes Osterfest!

Bitte habt Geduld, es kommen viele Blogeinträge und Infos, ich brauche nur gutes Internet und gleichzeitig Muse. Beides zusammen ist hier schwierig zu bekommen.

Vielen Dank für alle Kommentare, Facebook-Likes, Newsletter-Abos, Emails und Anteilnahme.

Ihr seid großartig!

Steffi und Tomy

Gustav

Gustav und King Julienne

Gustav und King Julienne

28. März 2015
von Steffi
Keine Kommentare

Ein Segen für 20 Real

„Der, fotografiere den dort!“, weist Tomy mich an, doch ich habe den Pai dos Santos schon längst entdeckt und im Visier.

Er mich aber auch.

So schnell kann ich gar nicht reagieren, wie er mich mit seinen Pflanzenbündel an Kopf und Schultern berührt, um mich herum wedelt, mich mit duftenden Wasser besprüht und mir Reis über den Kopf streut. Dabei murmelt er vor sich hin, irgendwas von Oxossi und Yemanja, ich denke, na gut, passt wenigstens, auch wenn ich jetzt wie eine Nutte stinke. Und frau weiß ja nie, wozu ein Segen gut ist, auch dann nicht, wenn der Candomble-Priester dafür mit ungerührter Mine 20 Real verlangt. Dafür bekomme ich aber auch ein schönes Foto von ihm und seinen Kollegen, während die anderen Touristen mit ihren Kameras unfreundlich weggewedelt werden.

Pais dos Santos

Pais dos Santos

Die Straße überqueren die beiden nicht.

Dort, auf der anderen Seite, steht die Wallfahrtskirche Bonfim, geweiht dem Herrn des Guten Endes, Jesus, der Kranke heilt, Jesus, und natürlich hier mit einem der Orixas gleichgesetzt wird, doch zu Ostern wird Abstand gehalten. Verbindend wirken nur die bunten Bändchen, die festgebunden am schmiedeeisernen Zaun fröhlich im Wind flattern.

Stadt (3)

Wir zeigen Leentje und Patrick, später Anuschka und Niklas die Sehenswürdigkeiten Salvadors.

Von Bonfim fahren wir nach Ribeira, essen Eis in der angeblich besten Eisdiele Südamerikas, nun zumindest die Zertifikate an der Wand und die Auswahl sind beeindruckend. Und das Maracujaeis ist wirklich gut! In Ribeira liegt auch jene Marina, in der wir Yemanja lassen wollen, wenn wir nach Hause fliegen, also reservieren wir schon mal einen Platz. Der Manager spricht etwas Englisch und freut sich über Gäste aus aller Welt: Stolz zeigt er uns die Zeichnungen der Crews in seinem Büro.

Stadt (7)

Sorvete da Ribeira

Sorvete da Ribeira

Stadt P

Von Ribeira fahren wir zurück zum Forte Monte Serrat, und blicken auf Salvador und den Strand von Boa Viagem.

Strand von Boa Viagem

Strand von Boa Viagem

Am Monte Serrat

Am Monte Serrat

Dann bringen wir das Auto zurück zur Marina, und gehen ins Pelourinho. Ein Kreuzfahrtschiff ist in der Stadt, also geben die fünf Jungs an ihrer Trommel alles – kaum zu glauben, wieviel Stimmung so eine kleine Gruppe entwickeln kann!

Stadt2 (8)

Wir gehen den Berg hinunter vorbei an der Kirche Nossa Rosario dos Pretos, auf der anderen Seite hinauf zum Karmeliterkloster. Gegenüber in einer Bar blicken wir hinab aufs Commercio und unser Schiff und lassen uns das Mittagsmenu gut schmecken.

Blick auf Yemanja in der Marina

Blick auf Yemanja in der Marina

Im Carmo

Im Carmo

Stadt2 (12)

Blick aufs Commercio

Blick aufs Commercio

Sao Felix

27. März 2015
von Steffi
Keine Kommentare

Aratu – Santo Amaro – Cachoeira

Die Überlandstraße nach Aratu (und weiter bis nach Brasilia), die BR 324, führt uns erst durch eine endlose Favela: rohe Ziegelhäuschen stapeln sich dem Berg hinauf und hinunter, soweit das Auge reicht. Was uns am meisten erstaunt ist allerdings die Metro: Diese Stadtbahn auf Stelzen war schon vor 15 Jahren ein Bauruine, die Wagons verrotteten jahrelang in den Depots, doch siehe da, sie wurde weitergebaut, es gibt Stationen, ja es fahren sogar Züge!

Auf dem Weg nach Aratu

Auf dem Weg nach Aratu

Der Verkehr ist noch unglaublicher, weniger die Menge als die Art und Weise: Eigentlich fährt alles kreuz und quer, Mopeds hupen sich durch den Verkehr, schlängeln sich zwischen Bussen und Autos hindurch. Wer von rechts kommt, muss oft genug bald links wieder raus, oder umgekehrt. Seltsamerweise funktioniert es, Unfälle sind verhältnismäßig selten, dabei verbessert der Zustand der Fahrbahn die Situation keineswegs!

Bald verlassen wir die BR 324 Richtung Naval Base, durch kleine Vororte, es wird ländlicher. Entlang der Straße stehen diese kleinen, aus rohem Holz oder Bambus zusammengezimmerten Stände, an denen Obst verkauft wird. Oder Churrasco: Morgens früh wird der Grill angeheizt, mittags werden hier die Menschen unter tropischer Vegetation und im Staub der Straße ihre Mahlzeit einnehmen.

Bald werden die Hütten ärmlicher, oft sind es nur mehr reine Bretterbuden. Ein Mann bringt mit dem Esel seine Jackfruits zum Markt…

Wir holen Patrick und Leentje im Aratu Iate Club ab, er liegt hinter einem ärmlichen Dorf in der Bucht von Aratu. Davor kommt uns ein Gaucho, diesmal ein echter, auf dem Pferde entgegen, durch das Dorf trabt eine Herde Rinder. Wir sind vielleicht 20 Kilometer vom Zentrum, wobei die Stadt nie wirklich geendet hat.

Rinderherde in Aratu

Rinderherde in Aratu

Wir fahren wieder auf die BR 324: Sie wird zur Mautstraße und hat doch tatsächlich einen neuen Belag! Sie ist fast schon komfortabel zu befahren.

Doch schön, richtig schön, wird der Weg erst nach Verlassen der BR. Von jetzt an führt die Straße durch eine tropische Hügellandschaft: Mal durch Bambuswälder, die zur Papierproduktion angelegt wurden, mal durch Weideland mit Kühen, mal durch atlantischen Regenwald – Mata Atlantica. Nach dem Regen am Morgen leuchtet und glitzert das Grün besonders saftig.

Auf dem Weg nach Cachoeira

Auf dem Weg nach Cachoeira

Es ist wunderschön! Wie liebe ich diese Landschaft!

Manchmal liegen rechts und links der Straße kleine Sitios, Herrenhäuser wäre zu viel gesagt, aber das sind sie wohl: Die Behausung der Besitzer, mit mehreren Zimmern, einer guten Stube, so etwas wie einem Bad und einer überdachten Veranda rundherum. Die bescheidenen Häuser der Arbeiter bestehen nur aus einem großen Raum, der innen mit Wänden, die nicht ganz bis zum Dach reichen in vier Teile geteilt ist: Eltern, Kinder, Küche, Stube, alles auf vielleicht 40 Quadratmetern.

Viel hat sich nicht verändert in Santo Amaro: Der Markt ist faszinierend und bunt wie eh und je! Immer noch bringen Pferde- und Eselskarren die Waren in die Stadt, ja wir haben nie zuvor so viele Pferde, Esel und Maultiere gesehen! Überall, von Aratu bis Sao Felix treffen wir sie an!

Markt in Santo Amaro

Markt in Santo Amaro

In Santo Amaro

In Santo Amaro

Auch die Borracharias, die Reifenreparaturwerkstätten, haben sich mit den Jahren nicht verändert, obwohl die Autos neuer und schicker denn je sind. Rostlauben sehen wir so gut wie keine mehr, auch die hübsch bemalenen Lastwägen sind fast verschwunden. Mit Deus, Jesus und ein paar bunten Bändchen fahren jedoch immer noch viele…

Auch in Cachoeira und Sao Felix hat sich nicht viel verändert, und doch ist in allen drei Orten eine Tendenz zu besseren Geschäften und renovierten Häusern zu erkennen. Was nicht heißt, dass es da nicht noch viel zu tun gäbe…

Im Centro Cultural Dannemann werden immer noch Zigarren als Touristenattraktion gerollt, es ist sehr professionell geworden, inklusive Café, da ist nichts mehr von der verschlafenen Fabrikation von vor 15 Jahren geblieben. Die Vorarbeiterin Rita, die uns damals manche Zigarillo zusteckte – wir kauften genug – ist in Pension. Schade, ich hätte sie gerne gesprochen!

Unsere Reifen halten, wir kommen gut wieder nach Hause zu unserem Schiff!

 

[ready_google_map id=’5′]

26. März 2015
von Steffi
2 Kommentare

Wie platte Reifen repariert werden

Abenteuer, Abenteuer, diesmal an Land!

Wir wollen Leentje und Patrick ein wenig von der Umgebung zeigen und mieten ein Auto, diesmal nicht von einer internationalen Firma, sondern lokal. Webauftritt und Flyer sehen gut aus, das Büro auch, online reservieren funktioniert zwar nicht ganz, doch wir bekommen ein Auto: Die Lüftung lässt sich nicht ausstellen, die Klimaanlage ebenso wenig, ein Luftauslass fehlt völlig, wir stopfen den Sportteil der Zeitung hinein. Auch die Motorkontrolllampe leuchtet, aber das läge einzig und allein an der Lampe. Die Reifen, auch der Ersatzreifen, sehen okay aus…

Immerhin ist einer da, was in Europa ja schon lange nicht mehr so der Fall ist!

Wir sind in Brasilien, genauer in Bahia, wir erwarten keine Limousine, es wird schon klappen.

Morgens früh machen wir uns auf zum Iate Clube Aratu, wo die beiden ihr Schiff die nächsten sechs Monate lassen werden. In der Gegend waren wir noch nie, doch dank Google und Patricks Beschreibung finden wir ihn quasi sofort. Die letzten Meter führen – wie könnte es anders sein – durch ein Dorf, das nicht gerade von Wohlstand gekennzeichnet ist. Und dann der exklusive Club. Brasilien eben.

Wir laden die beiden ein, finden unseren Weg auf die BR 324 Richtung Feira de Santana und erreichen Santo Amaro mit seinem quirligen Markt. Ein Motorradfahrer deutet uns etwas, aber wir Gringos kapieren erst nach dem Aussteigen, was er wollte: Der rechte Reifen vorne ist platt.

Dort, wo wir parken können wir ihn nicht wechseln, also fahren wir langsam vor zur Kirche, wo Platz genug ist. Da es zu regnen beginnt, suchen Leentje und ich ein Lanchonette, wo wir etwas trinken können. Im Auto können wir ja schlecht bleiben. Kaum ist das Auto hochgebockt, wird der Regen heftiger, die Gringos suchen Unterstand in einer Bar. Zwei Jungs deuten an, sie könnten das erledigen, werden von unseren Männern ermutigt. Flugs ziehen sie das Leiberl aus, stopfen es hinten in die Hose und ein paar Minuten später ist der Ersatzreifen drauf.

Und platt wie eine Flunder.

Wir sind auch platt, mit unserem deutschen Denken von neuen Reifen und Kosten und so. Nein, falsch Tomy kocht vor Wut, ich rufe die Autovermietung an.

Wir sollen eine Borracharia suchen, die Reifen reparieren lassen. Wir halten ein Taxi an, der bringt Tomy und mich mit dem Originalreifen hin: Borracharias sind kleine Bretterbuden, mit Reifenstapel davor, Reifen, deren beste Zeiten lange hinter ihnen liegen. In der Bude ist eine kleine Werkstatt, doch gearbeitet wird im Staub davor: Mit einem Hammer klopft der Meister das Übel, eine eingedrückte Felge, wieder rund, ploppt den Reifen runter, schmiert alles mit Fett ein und füllt ihn – plopp – wieder auf. In der Wanne nebenan wird die Dichtigkeit überprüft: Passt!

10 Reals, rund 3 Euro wechseln den Besitzer, der Taxler bringt uns zurück zum Auto und kassiert 24 Reals. Die Gringos montieren den Reifen, dann stärken wir uns mit Carne do Sol.

Nach dem Mittagessen sticht uns der Hafer: Wir fahren zu der Borracharia und lassen den Ersatzreifen reparieren: In ihm steckt ein Nagel, der wird reingedrückt, Stopfen drauf, plopp runter von der Felge, Fett drauf, plopp rauf auf die Felge, tauchen – passt! Diesmal zahlen wir 20 Reals, war ja auch ein Ersatzteil dabei…

Wir sind wieder in Baiano – Stimmung und beschließen, dem Auto und Gott zu vertrauen und fahren weiter nach Cachoeira und Sao Felix – davon demnächst!

Baustelle

Auch die Baustelle ist hochinteressant