Sucre, Blick von der Kirche Felipe Neri

12. März 2016
von Steffi
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Zuckerguß über Bolivien – Sucre

Die Hauptstadt Boliviens hat ihren Namen nicht von den Stuck verzierten weißen Kirchen, die wie Zuckerguss aussehen, sondern von einem venezolanischen Freiheitskämpfer. Und doch ist es so anders als die anderen Städte, so kolonial, weiß, wohlhabend, gebildet und wenig indigen, dass es eben wie Zuckertünche wirkt. Irgendwie unecht, schon allein deshalb weil die Regierungsgeschäfte alle in La Paz sind.

In Sucre stand eine der ersten Universitäten Südamerikas und bis heute ist es eine Universitätsstadt geblieben. College reiht sich an Universität, Universität an College, alles alte ehrwürdige und hübsche Gebäude. Viele sind an nicht weniger hübsche Kirchen angeschlossen.

Ampeln in Sucre

Ampeln in Sucre

Sucre, Bolivien

Sucre

Sucre, Universität

Universität in Sucre

Sucre ist eindeutig die schönste Stadt Boliviens.

Viele alten Frauen betteln, doch die jungen tragen moderne Kleidung und fahren Motorroller. Sie gehen zu den hiesigen Ursulinen – zum Beispiel dem College Maria Auxiliadora – in die Schule. Und dort sieht der Elternsprechtag genauso aus wie bei uns: Aufgeregte Mädchen umschwärmen ihre Mütter, die mit ernster Miene vor den Lehrerzimmern warten.

College Maria Auxiladora, Sucre

College Maria Auxiladora

Unser Ziel ist natürlich nicht die Schule, sondern das Dach der Kirche San Felipe Neri. Um dorthin zu gelangen, muss man durchs College. Der Blick von oben ist der schönste der Stadt:

Sucre - vom Dach der Kirche Felipe Neri

Sucre – vom Dach der Kirche Felipe Neri

Sucre - vom Dach der Kirche Felipe Neri Sucre-0828

Sucre - vom Dach der Kirche Felipe Neri

Zwei Museen besuchten wir in Sucre, das Arte Indigena und das Ethnologische, beide sehenswert, doch davon möchte ich in einem eigenen Post berichten. Man kann in der Umgebung klettern oder  wandern – dazu hatten wir wenig Lust, oder den Sonntagsmarkt in Tarabuco besuchen. Märkte haben wir auch genug gesehen und das Pujllay-Fest dort ist leider erst nächste Woche…

Dumm nur, dass am Sonntag in Sucre fast nichts geöffnet hat – kein Museum, kein Kaffeehaus, keine Imbissbude, kein Markt. Eine Kneipe fanden wir, also mussten wir nicht hungern… Wir konnten sogar live den HSC verlieren sehen.

War natürlich kein Ersatz für meinen täglichen Kakao mit Sachertorte im Para Ti, DEM Schokoladehersteller in der Zuckergussstadt Sucre!

Para Ti, Sucre

Sachertorte im Para Ti

INFO

Sucre ist Hauptstadt und schönste Stadt Boliviens mit vielen Kirchen und Universitäten

TIPP: Aussicht auf dem Dach der Kirche San Felipe Neri, Eingang durch das College Maria Auxiliadora, nur ab 15:00 nachmittags. Man kann bis in den Glockenturm.

TIPP: Museum Arte Indigena mit textiler Kunst, sehr informativ auch über das Leben der Indios; gute Broschüren in Deutsch, Englisch, Französisch und Holländisch; Calle Ituricha 314, www.asur.org.bo

TIPP: MUSEF: Ethnologisches Museum, tolle Masken; Calle Espana, www.musef.org.bo, gute Website

Parque Cretacico: Die größte Ansammlung von Dinosaurierspuren weltweit, etwas unspektakulär in einem Zementwerk gelegen. Die Busse Sauromobil fahren täglich um 9:30 und 12 Uhr an der Plaza gegenüber der San Francicso ab – sie sind nicht zu übersehen. Führungen zu den Spuren täglich um 12:00 und 13:00.

Ausflug nach Tarabuco: Jeden Sonntag Markt, der sehenswert sein soll; 3. Sonntag im März Pujllay Fest, Touren können in Sucre gebucht werden

Übernachten: Casa Verde, Calle Potosi 374, gutes Frühstück, überdachtes Pool

Essen und Trinken:
Para Ti – Kaffeehaus und Schokoladehersteller, Arenales 7 und Calle Grau (Calle Audiencia 68, die Straße hat zwei Namen) Nähe des Platzes, auch in anderen Städten erhältlich chocolatesparati.net
Tentaciones, Arenales 31: gute eher mexikanische Küche, sehr gute alkoholfreie Cocktails
Joy Ride Cafe, gegenüber der Kathedrale, Calle Nicolas Ortiz: Sonntags mittags großes Salatbuffet – es ist sowieso das einzige, das sonntags offen hat. Fußballübertragungen auch aus D, Erdinger Weißbier für den, der es braucht ;-)
Sonntags ist fast alles zu!

Supermarkt: Calle Juan Jose Perez (Nicolas Ortiz), an der Kathedrale und Kirche Felipe Neri vorbei, sonntags geöffnet

Busse nach Santa Cruz/Samaipata: Tickets rechtzeitig am Morgen oder Tag vorher bei einem Touranbieter im Zentrum kaufen. Dort sind sie zwar teurer als am Terminal, aber mit dem Taxi hin- und herfahren, kostet genusoviel. Erst kurz vorher kaufen klappt nicht: Die Busse sind unter Umständen mittags ausverkauft. Wer nach Samaipata will, sollte einen späten Bus (18:00) nehmen. Die Fahrzeit beträgt 10 Stunden, man ist also um vier Uhr morgens da. Keine Busse tagsüber nach Santa Cruz.

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10. März 2016
von Steffi
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Potosi überrascht

Wir nehmen den 9:30 Bus von Uyuni nach Potosi, voller Gottvertrauen. Wie auch in Brasilien fahren die Busse hier eher mit Jesus als mit einem anständigen Reifenprofil: Wir können wirklich nur beten, dass die Bremsen nicht allzu glatt abgefahren sind, denn es geht über die Berge.

Fahren mit Jesus und abgefahrenen Reifen

Fahren mit Jesus und abgefahrenen Reifen

Auch diesmal hält der Bus im Nirgendwo und lässt immer wieder Menschen ein- oder aussteigen. Ein älterer Herr in einem rosa Damenpullover setzt sich neben uns. Bald hält er ein winziges Büchlein in der Hand, offensichtlich Bibelverse. Er liest sehr langsam, aber er kann lesen, was ungewöhnlich ist, für einen Mann seines Alters. Als Tomy unseren Reiseführer wieder im Rucksack verstauen will, gibt er uns zu verstehen, dass er ihn ansehen will. Aufmerksam betrachtet er die Landkarte, sucht Bilder raus und liest die Überschriften. Immer wieder versucht er uns etwas zu erklären oder zu fragen. Gerne würde er das Buch behalten, und gerne würde ich es ihm geben – aber wir brauchen es leider noch!

Die Bremsen arbeiten gut, nach guten drei Stunden Fahrt durch landschaftlich reizvolles Gebiet kommen wir in Potosi an und nehmen ein Taxi zum Hostel. Und das ist die erste angenehme Überraschung: Es liegt in einer hübschen Straße, ist liebevoll dekoriert und unser Zimmer hat einen Balkon, einen Aufenthaltsraum und etliche Steckdosen. Gut, dafür fehlt das Klopapier…Potosi-0639

Wir machen uns auf, Potosi, diese alte Bergwerkstadt zu erkunden. Einst war sie größer als Paris oder Mailand, damals als das Silber aus den Minen Spaniens Kassen füllte. Selbstverständlich auf Kosten der indigenen Bevölkerung, die zu Millionen – angeblich acht – in den Stollen verreckten oder sich zu Tode arbeiteten. Die Maultiere überlebten selten länger als eine Woche…

Ich kann mir allerdings schlecht vorstellen, dass in dieser kargen Landschaft rund um Potosi so viele Menschen genug Nahrung finden konnten, nicht mal, wenn sie dafür drei Jahrhunderte Zeit hatten.

Silber gibt es heute keines mehr in dem Berg, nur mehr etwas Zinn, aber auch das geht zur Neige. Heute wird der Berg nach und nach klein gesprengt. Nachdem er innen zerlöchert wie Schweizer Käse ist, wird er wohl irgendwann bei einer Sprengung zusammenbrechen… Letzteres ist meine Weissagung.

Cerro Rico, Potosi, Bolivien

Der Berg, Cerro Rico, Reichtum und Unglück Potosis

Gut, wenn dann keine Touristen in den ehemaligen Stollen sind. Frau kann da nämlich eine Tour machen. Muss sie aber nicht… Mir hat die Goldmine damals in Ouro Preto gereicht und da waren die Stollen schön breit.

Indio-Frauen in Potosi

Indio-Frauen in Potosi

Die Stadt hat also weder eine schöne Geschichte noch eine angenehme Energie. Und genau deshalb überrascht das koloniale Zentrum: Hübsche, gut erhaltene Gebäude, eindrucksvolle Kirchenfassaden, ein hübscher Platz, eine moderne Tourist Information, nette Hostals. Die Menschen genießen ihren Hauptplatz, sitzen auf den Bänken, schlafen, flirten, spielen mit den Kindern. Die Röcke reichen den Indigenas hier nur bis kurz übers Knie, sie sind weit, eher in Erdtönen gehalten, auch tragen sie Hüte mit breiten Krempen. Die Frauen sind bis ins hohe Alter schön und die Kinder sind einfach hinreißend! (Fotos werden durch Anklicken groß)

Im gemütlichen Kaffeehaus am Platz trinken wir leckere heiße Schokolade und genießen einem köstlichen Schokoladekuchen. Das Abendessen ist der krönende Abschluss: Das Beste, das wir bisher in Bolivien gegessen haben, von der Qualität, dem Ambiente und dem Service her europäischer Standard. Toll!

Hier gibt es die beste heiße Schokolade, cremig geschmolzen, Boliviens!

Hier gibt es die beste heiße Schokolade, cremig geschmolzen, Boliviens!

INFO

Gutes Kaffeehaus am Platz 6 de Agosto mit sagenhafter heißer Schokolade – also echte geschmolzene! Ich weiß leider nicht mehr, wie es heißt, ist aber das einzige dort. Riesig ist der Platz ja nicht

Bestes Restaurant, das wir in Bolivien fanden: Phisqa Warmis, Calle Sucre 55

Hostel: Casa Blanca, Calle Tarija 35

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Salar de Uyuni - Kakteem auf der Isla Incahuasi

9. März 2016
von Steffi
4 Kommentare

Salar de Uyuni Tour Tag 4: Salziger Schnee – und fast kein Lama

Es ist weiß wie Schnee.

Es knirscht unter den Füßen wie Schnee.

Es schmeckt nach Salz. Und es ist warm, das was da unter meinen Füßen liegt und sich endlos vor meinem Auge erstreckt…

Salar de Uyuni

Salar de Uyuni im Morgengrauen

Irgendwie ist das komisch, denn für mich ist dieser Salzsee Schnee – mein Kopf kriegt das einfach nicht anders hin! Ein endloses, weites Schneefeld, mit Bergen darin, die sich wie Inseln erheben. Auch wenn es aus unterschiedlichen Schichten Speisesalz, Wasser und Lithium besteht, hunderte Meter tief. Es soll das größte Lithiumvorkommen der Welt sein. Darin besteht die größte Gefahr für den Salar und die größte Chance für Bolivien. Denn Lithium ist sozusagen der Tampon des Mannes: Man kann damit alles machen: Je nach Verbindung dient es als Schmiermittelzusatz, Raketentreibstoff, zur Bleistiftherstellung, zum Aufblasen von Rettungswesten und zur Therapie von Depressionen und Manien, um nur ein paar Verwendungsmöglichkeiten zu nennen. Ganz zu schweigen von Lithiumbatterien, die jeder Elektronikfreak kennt.

Die Berge sind tatsächlich Inseln, schließlich war das mal ein riesiger See. Die berühmteste davon ist die Isla Incahuasi mit ihren jahrhundertealten Kakteen, die auf versteinerten Korallen wachsen. Doch noch haben wir Regenzeit und Felix hatte uns schon gestern Abend erklärt, dass der Weg dorthin zu gefährlich ist, wenn der Salar nass ist. Ich Pflanzennarr bin etwas enttäuscht, aber was ist, das ist. Wir fahren jedenfalls um halb sechs Uhr morgens los, um den Sonnenaufgang im Salar zu erleben. Nach etwa dreißig Minuten Fahrt hält Felix an, noch ist es dunkel. Er steigt aus, berät sich mit den anderen Fahrern.

Schwungvoll schmeißt er sich wieder auf den Fahrersitz: „Auf zur Insel! Es ist trocken genug!“

Doch erst bewundern wir noch den Sonnenaufgang.

Und während die Sonne langsam höher steigt, wandern wir über die Isla Incahuasi, zwischen riesigen alten Kakteen, die wie Finger einer ertrinkenden Hand in den Himmel wachsen. Der Blick auf den weißen Salar und die silbrigen Berge in der Ferne ist zauberhaft!

Salar de Uyuni - Kakteen auf der Isla Incahuasi

Salar de Uyuni – Kakteen auf der Isla Incahuasi

Es ist so unglaublich schön!

Salar de Uyuni - Kakteen auf der Isla Incahuasi: Hier kann man das Ufer erkennen

Salar de Uyuni – Kakteen auf der Isla Incahuasi: Hier kann man das Ufer erkennen

Salar de Uyuni - Kakteen auf der Isla Incahuasi

Salar de Uyuni

Am Fuße der Insel, quasi mitten im See, frühstücken wir, dann brechen wir auf, um die berühmten Salar-Fotos zu machen. Es gibt tausende davon im Internet! Hier nur eines, obwohl wir sehr viel Spaß haben, uns immer wieder andere Szenen auszudenken.

Salar de Uyuni

Tomy in meiner Hand

Irgendwann ist Schluss, es geht weiter nach Colchani, wo in der Trockenzeit Salz gewonnen wird, und das ganze Jahr Souvenirs an die Touristen verkauft werden. Danach fahren wir noch zum Friedhof der Züge, wo einst stolze Dampfrösser vor sich hin rosten…

Salar de Uyuni - Friedhof der Züge

Schaukeln am Friedhof der Züge

Am Busterminal von Uyuni verabschieden wir uns von Felix und Lidia und umarmen Ben und Toni. Wir bleiben eine Nacht hier und fahren morgen nach Potosi weiter. Ben und Toni nehmen den Nachtbus nach Sucre, dort sehen wir uns hoffentlich nochmal wieder, bevor die Beiden nach Westen und wir nach Osten weiterreisen. Nach einer Pizza – Uyuni existiert für vornehmlich Twenager-Touristen und die leben offensichtlich von Pizza – fallen wir müde und glücklich ins Bett.

Wir haben so viele unvergessliche Eindrücke in den vergangenen vier Tagen gesammelt!

Und das Lama? Das hab ich diesmal zum Nachtisch gegessen, in einer Garküche in Colchani. Sehr lecker! Nur die Beilage, der gekochte weiße Mais, schmeckt fad.

Das obligatorische Lama - diesmal gebraten

Das obligatorische Lama – diesmal gebratenß

Und du? Welche unvergesslichen Eindrücke hast du in letzter Zeit gesammelt?

INFO

SALAR DE UYUNI
Beste Reisezeit: Vermutlich September bis Oktober, nach dem eisigen Winter und vor der Regenzeit, wenn die Flamingos wieder da sind.
Uns wurde mehrfach gesagt, dass die Touren von Tupiza besser und schöner seien, als die von Uyuni aus. Es gibt Touren von einen bis zu fünf Tagen Länge, die längeren schließen auch Vulkanbesteigungen ein. Drei Tage ist ein guter Kompromiss. Wer nur den Salar besucht, versäumt das Beeindruckenste. Die Quartiere sind sehr einfach, es soll allerdings auch bessere geben, das ist eine Preisfrage (nur von Uyuni aus). Wer mag, kann auch auf einem Motorbike die Tour machen. Je nach Geldbeutel ist einiges möglich!
TIPP: Vor allem im Winter (Mai bis Oktober) kann es nachts extrem kalt werden, dann reichen die Decken in der Unterkünften eventuell nicht und ihr braucht einen Schlafsack.
Touranbieter in Tupiza: Torretours
In Uyuni hat uns Tomys Neffe Red Planet empfohlen
Übernachten und Essen: Sowohl Uyuni als auch Tupiza sind reine Uyuni-Tour Orte, ausgerichtet auf junges Backpackerpublikum: Einfache Unterkünfte und Pizza!
TIPP: Überlegt auch vorher, welche Fotos ihr machen wollt! Bei den Touranbietern und im Internet gibt es ja viele Anregungen., z.B. hier und hier. Und zieht alte Klamotten an, ihr liegt dabei im feuchten Salz! Auf den Schatten achten, wenn der stimmt, wirken die Fotos noch „echter“. Generell ist eine Kamera mit altmodischen Sucher besser, auf den Displays lässt sich die genaue Position der Personen kaum feststellen.

Uyuni-Potosi-Sucre
Es gibt keine direkte Busverbindung zwischen Uyuni und Sucre, man muss in Potosi umsteigen – entweder in ein Taxi oder zum anderen Busterminal in einen Bus. Es gibt genug Taxis, die von der Endhaltestelle Uyuni-Potosi in Potosi nach Sucre fahren, auch nachts. Am besten mit anderen Reisenden zusammentun, dann wird es preiswerter, kostet aber auch alleine nicht viel. Oder eine oder zwei Nächte in Potosi einlegen.

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Vallee des Roches, Uyuni Tour

8. März 2016
von Steffi
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Salar de Uyuni Tour Tag 3: Vallee des Roches und – Lamas

Das erste Ziel des Tages ist – eine Lagune mit Flamingos! Wenn ich diese Vögel sehe, dann packt mich der waidmännische Ehrgeiz: Ich will ein gutes Flamingo-Foto! Dazu pirsche ich mich durch das matschige Ufer heran – unter meinen Füßen knirscht jungfräuliches Eis!Uyuni 3F

Kalt wird es hier oben, selbst jetzt im ausklingenden Sommer. Gestern Abend fegte ein eisiger Wind durch das Herbergsdorf. Staubig war er auch. Wie halten es Menschen hier oben nur aus? Ich bin hin und her gerissen: Für mich ist das purer Wahnsinn, aber ich bin auch voller Dankbarkeit: Ohne diese leidensfähigen Menschen könnte ich diese einzigartige Landschaft nicht sehen, oder ich würde dabei glatt erfrieren.

Heute ist der Tag der Steine: Den Anfang macht der Steinerne Baum, der in einer Dali-artigen Wüste liegt. Dann gelangen wir zur schwarzen Lagune, die allerdings anders beschaffen ist als die vorherigen: Es ist ein Kratersee. Hübsch, doch uns gefallen die Steinformationen an seinem Ufer viel besser: Sie regen unsere Fantasie an, wir erkennen Gesichter und Figuren.

schwarze Lagune, uyuni Tour Tag 3 von Tupiza aus

An der schwarzen Lagune

Es wird grüner, die zahlreichen Lamas, scheuen Vicuñas und seltenen Nandus finden mehr zu fressen. Uns überrascht das Tal der Steine, Vallee des Roches. Weder hab ich je davon gehört oder gelesen, noch hatte es irgendjemand angekündigt: Dabei ist es der Höhepunkt des Tages, viel schöner und eindrucksvoller als die Dali-Desert am ersten Tag. Hier können wir nach Herzenslust herumklettern, in kleinen Höhlen meditieren oder Gestalten in die Felsen interpretieren…

Vor allem Tomy ist hin und weg!

Uyuni 3 (6)

Später geht es nach links in ein breites, grünes Flusstal, in dem Lamas weiden und Quinoa wächst. Doch der Schein trügt: Es geht wieder hinauf, bald breitet sich vor uns eine weite Ebene aus. Und in ihr liegt Jallala, mitten im Staub, mit einem Fußballplatz und Eisennbahnschienen. Außer uns ist kein Mensch zu sehen, so als hätten sich alle verschanzt, weil gleich der Zug mit den berüchtigten Revolverhelden ankommt, die John Wayne zur hohen Mittagszeit an den Kragen wollen.

Jallala

High Noon – John Gus Wayne wartet auf den Zug

Der wird dann hier begraben:

Friedhof in Jalalla, Uyuni Tour Tag 3 von Tupiza aus

Friedhof in Jallala

Oder nein, doch die anderen. Jedenfalls sind die Toiletten das beste Haus im Ort.

Die Toilette ist ganz links

Die Toilette ist ganz links

Hier beginnt der Salar Chiguana. An seinem anderen Ende, etliche Quinoafelder und Kakteen bestandenen Hügeln weiter, liegt unser Quartier: Ein Salzhotel.

Es befindet sich – wie kann es anders sein – in einem von Gott verlassenen Nest und sieht von außen alles andere als einladend aus. Drinnen ist es überraschend freundlich und hübsch. Der Begriff Hotel ist allerdings unglaublich übertrieben: Die Betten sind diesmal nicht aus Beton, sondern aus Salzziegeln, ebenso die Tische und Bänke. Immerhin gibt es eine warme, saubere Dusche. Und zwei Haken an den Wänden! Welch‘ ein Luxus!

Salzhotel

Salzhotel

Im Gang dahinter liegen die Küchen: Jede Tour bringt ja eine eigene Köchin mit, jede hat dort ihr eigenes Reich mit Kochplatten, an denen die mitgebrachte Gasflasche angeschlossen wird, einer Spüle und einem Bett. Spätestens hier steigt meine Bewunderung für Lidia ins Unermessliche: Schon vor fünf Uhr früh stand sie in der Küche an der Laguna Colorado und bereitete unser Mittagessen, ein Picknick aus gebratenen Hähnchen mit Salat, Reis und Kartoffeln, vor. Jetzt bereitet sie Lasagne fürs Abendessen, bäckt Brot fürs Frühstück und kocht das Mittagessen vor. Ich glaube nicht, dass sie vor Mitternacht ins Bett kommt.

Danke, Lidia!

Salzhotel, Uyuni Tour

Aufenthaltsraum und Eßzimmer im Salzhotel

Wir schlafen alle zum ersten Mal seit zwei Tagen wieder richtig gut: Das Salz hält recht warm, gibt ein angenehmes Raumklima und vor allem sind wir ein paar hundert Meter tiefer: In den Nächten zuvor schnappten wir alle trotz Kokablättern, Spezial-Kräutertee von Lidia (ungenießbar, aber hilfreich gegen höhenbedingte Kopfschmerzen) und Sorojchi-Pillen nach Luft.

Aber bevor wir schlafen gehen, besuche ich noch die Lamas – auch sie erwecken die Jägerin in mir: Ich brauch ein Foto! Das gefühlte hundertste mit einem Lama drauf…

Uyuni 3 (13)

Das obligatorische Lama

INFO

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7. März 2016
von Steffi
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Salar De Uyuni Tour Tag 2: Flamingos, Lagunen und dösende Vulkane

Der Tag der Flamingos in salzigen Lagunen und anderen Höhepunkten beginnt mit – Lamas.

Solar de Uyuni Tour von Tupiza aus, 2. Tag: Lagune, Flamingos, Vulkane

Ein buntgeschmücktes Lama

Wieder führt die Piste über Stock und Stein, doch heute sind die Flussbetten schon mal mit etwas Wasser gefüllt. Das ist hübscher als gestern, dennoch wird die Landschaft rauer und trockener. Die ersten Lagunen, auf die wir treffen, sind die stinkende Lagune und eine, von der Borax abgebaut wird. Ihr Ufer ist salzig weiß, darin staken ein paar Flamingos herum. Vier Arten gibt es in den Lagunen, nicht alle überall und wir können sie sowieso nicht unterscheiden. Doch Flamingos sind etwas Großartiges!

Solar de Uyuni Tour von Tupiza aus, 2. Tag: Lagune, Flamingos, Vulkane

Borax und andere Salze und Flamingos

Unser nächstes Ziel ist die Dali-Desert, eine kleine Sandwüste, in der Steine wie in einem Gemälde von Dali herumliegen. Das sieht toll aus, sicher, doch die Piste führt viel zu weit davon entfernt vorbei: Wir sehen sie nur aus der Ferne.

Solar de Uyuni Tour von Tupiza aus, 2. Tag: Dali Desert

Dali Desert

Pünktlich zur Mittagszeit sind wir bei der Laguna Verde: Zur Tagesmitte verfärbt sich ihr sonst klares Wasser und wird türkis, manche sagen smaragdfarben. Und woran das liegt, daran scheiden sich wieder die Geister: Unser Buch sagt, die Sonneneinstrahlung und die Reaktion von Plankton mit den darin enthaltenen Salzen sind dafür verantwortlich. Unsere Fahrer sagen: Es ist der Wind. Dieser sorgt dafür, dass sich die farbgebenden Salze (und vielleicht auch das Plankton) nicht absetzen Wie auch immer: Der Anblick dieses türkisfarbenen Sees vor dem 5920 m hohen Vulkan Licancabur ist atemberaubend schön!

Uyuni Tour von Tupiza aus, Tag 2: Laguna Verde vor Vulkan Licancabur

Laguna Verde vor dem Vulkan Licancabur

Um uns herum liegen überall ockerfarbene bis rötliche Berge, in der Ferne taucht immer wieder ein Vulkan auf. Wir fahren durch ein relativ aktives Vulkangebiet. Mutter Erde ist schroffer hier, und auch um einiges wacher! Sie atmet und verdaut und blubbert und wärmt ihr Blut: Wir halten an einer heißen Quelle. Während wir im bis zu 40 Grad warmen Wasser suhlen, zaubert Lidia wieder in der einfachen Küche, die den Touranbietern dort zur Verfügung steh, etwas Leckeres. Diesmal gibt es würziges Rindfleisch mit Gemüse, die beiden Vegetarierinnen aus dem kollegialem Jeep bekommen gebackenes Gemüse.

Solar de Uyuni Tour von Tupiza aus, 2. Tag: Thermalquelle

In der Thermalquelle

Nach dem Essen besuchen wir den Geysir de Mañana, der nur morgens früh Dampf speihen soll. Nun, er tut das den ganzen Tag. Morgens bewegt sich nur kein Lüftchen, da bläst er 10 Meter in die Höhe, jetzt verweht ihn ein sturmartiger Wind. Neben ihm dampft und brodelt es in kleinen lavagefüllten Becken. Hier möchte ich Pachamama, Mutter Erde, nicht zu nahe treten! Wenn die hier Durchfall bekommt, schau ich alt aus!

Aber schön ist sie trotzdem! Unglaublich schön sogar. Und hier in Bolivien zeigt sie eine ihrer Schokoladenseiten – der Höhepunkt unserer bisherigen Reise. Hat oberflächlich nichts mit Segeln zu tun, aber ohne unsere Segelreise wären wir vermutlich nicht hier.

Tatsächlich befinden wir uns in unmittelbarer Nachbarschaft des Vulkans Uturuncu. Und der hat es in sich: Es ist ein Supervulkan von enormer Größe. Und er wächst bis zu zwei Zentimeter im Jahr. Niemand weiß, ob Pachamama hier nur tief Luft holt – oder ob sie sich gegen die globale Erwärmung wehren wird: Bei einem Ausbruch ist die nächste Eiszeit garantiert.

Solar de Uyuni Tour von Tupiza aus, 2. Tag: Lagune, Flamingos, Vulkane - der Uturuncu

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber wir glauben es ist der Uturuncu

Nach wie vor treffen wir auf Lamas und ihre wilden Verwandten, die Vicuñas. Unsere Augen können kaum etwas Grünes erkennen, aber diese Tiere weiden hier! Manchmal gibt es „Wiesen“ mit den langen, borstigen Grasbüscheln mit denen die Dächer gedeckt werden. Fressbar sind diese allerdings offenbar nicht.

Vicunas

Vicunas suchen auf dem kargen Boden nach Gras – der Vordergrund täuscht: normalerweise ist es nur braun!

Am späteren Nachmittag erreichen wir unsere Betonbettenunterkunft bei der Laguna Colorada, laden Lidia, die Küchenutensilien und unsere Rucksäcke ab und begeben uns auf Flamingobeobachtungstour: Über 5000 Nester werden hier gezählt, der seltene Anden-Flamingo brütet hier. Und er ist uns hold, genauer vier oder fünf Stück davon: Sie lassen uns so nahe heran, dass wir einige gute Fotos schießen können.

Flamingos in der Laguna Colorada, Uyuni Tour von Tupiza aus

Flamingos in der Laguna Colorada

Laguna Colorada, Uyuni Tour von Tupiza aus

Laguna Colorada

Laguna Colorada mit Flamingos, Uyuni Tour

Laguna Colorada mit Flamingos

Lamas an der Laguna Colorada

Lamas an der Laguna Colorada

Übrigens gibt es hier auch Lamas…

INFO

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Uyuni Info bei Beitrag für den ersten Tag

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