3. Tag Sneek bis Grou
Unser heutiges Ziel ist Leeuwarden. Dazu müssen wir erst durchs Sneeker Mer und dann in den Prinses Margrietkanaal. Auf dem sind große Rheindampfer unterwegs, außerdem ist er schnurgerade und genauso langweilig wie das Sneeker Mer.

Auf dem Prinses Margrietkanaal fahren auch große Pötte
Bis wir zur Spoorbrug, der Eisenbahnbrücke, kommen. Die ist nämlich geschlossen, weiter fahren ist nicht möglich.
Doch wie es unser Glück will, ist vor uns ein holländisches Segelschiff, die Skipperin ruft uns zu, dass wir über Akkrum ausweichen können. Also folgen wir den Holländern. Alleine hätten wir uns nicht getraut, diesen doch recht schmalen Kanal zu folgen.

Akkrum
Er windet sich durch Wiesen und Äcker, vorbei an schönen Häusern und bunten Gärten. In Akkrum müssen wir durch zwei Brücken, eine davon die Eisenbahnbrücke.

Eine der vielen Brücken
Etwa eine Stunde später sind wir in Grou und beschießen spontan dort zu bleiben. Nach Leeuwarden ist es noch ein Stück, der Umweg hat Zeit gekostet und an die Sonne müssen wir uns erst noch gewöhnen. Noch schlaucht sie.

In Grou

Aber abends wundern wir uns, dass wir erst drei Tage unterwegs sind. Es fühlt sich wie drei Wochen an!
4. Tag Grou bis Leeuwarden
In Grou zu bleiben war genau richtig! Um nach Leeuwarden zu kommen, müssen wir einige Brücken passieren, darunter zwei Eisenbahnbrücken. Ich rufe die erste per Funk an, sie öffnet etwa 7 Minute später, vor der zweiten müssen wir etwas warten. Kurz vor der Stadt liegt die spektakulärste Brücke, die Slauerhoffbrug. Es ist eine Art Hebebrücke, die ein Stück Straße an einem langen Hebelarm in die Luft hebt. Faszinierend!
Ich staune ständig über dieses System von Straßen, Kanälen, Bahnlinien, Schleusen, Brücken und Aquaducten, das sind Kanäle, die über die Autobahnen führen. Das alles zu koordinieren, die Technik hinter den Brücken, die zahllosen Brückenwärter, die Geduld der Verkehrsteilnehmer – unglaublich was Holland da leistet! Und all das ist für uns Seefahrer auch noch kostenlos! Die Städte dürfen allerdings Brückengeld verlangen, aber nur wenige tun es.
Dafür machen die Brücken in Leeuwarden am Wochenende Mittagspause. Also daddeln wir eine halbe Stunde vor der nächsten Brücke herum. Wir sind nicht die einzigen.
Pünktlich um eins öffnet die erste Brücke und wir fahren im Konvoi im Zickzack auf der Suche nach einem Liegeplatz um die Stadt herum. Kurz vor dem Ende des Prinsentuins ist rechts eine größere Lücke, die wird allerdings von einem winzigen Motorboot blockiert. Doch die beiden Männer, vermutliche Tschechen, verstehen unser Anliegen und machen Platz. Vom Schiff vor uns kommt jemand und hilft uns beim Anlegen. Ich hätte sonst vom Schiff an Land springen müssen, und springen ist nicht meine Lieblingsdisziplin.
Wir bezahlen mit I-Marina und machen uns auf ins belebte Städtchen.

Der schiefe Turm in Leeuwarden
Entlang des Kanals, der durch Leeuwarden führt, sind viele Geschäfte, im Kanal liegen Restaurantschiffe. Gerne hätte ich auf einem davon ein Bierchen genossen, aber es beginnt zu regnen. Gewitter ist angesagt. Doch es tröpfelt nur. So können wir dem riesigen Blasorchester unter dem schiefen Turm von Leeuwarden lauschen, rauchige Seifenblasen fangen und ein Selfie im Spiegelkabinett machen.

Selfie im Spiegelkabinett
Später, nach dem Abendessen am Schiff, krieg ich doch noch mein Bier auf einem der Restaurantschiffe.
5. Tag Leeuwarden bis Dokkum
Unser nächstes Ziel in Dokkum. Es soll eine hübsche Stadt sein. Leeuwarden hat uns ja auch nicht vom Hocker gerissen, aber vielleicht sind wir einfach zu wenig herumgelaufen.
Die Fahrt nach Dokkum führt wieder mal an Gärten und Villen mit eigenem Bootsanleger vorbei, zumindest anfangs. Später führt die Ee, das Flüsschen auf dem wir fahren, wieder durchs platte Land. Hier gibt es einige Anleger von Marrekrite. Das ist eine friesische Organisation, die kostenlos Anleger zur Verfügung stellt. Sie sind immer sehr gut gepflegt, bieten aber außer Natur keine weiteren Annehmlichkeiten. Es gibt jedes Jahr eine neue Flagge, hergestellt in Friesland aus recycelten PET-Flaschen, die signalisiert, dass man einen Beitrag, 20 Euro, zur Erhaltung geleistet hat. Die Flagge haben wir uns in Makkum gekauft, aber bisher nicht genutzt.

Wir spiegeln uns in den Fenstern der Häuser
In Dokkum müssen wir zum ersten Mal Brückengeld bezahlen. Dazu lässt der Brückenwärter einen Holzschuh an einer Angel hinunter aufs Schiff, das Geld kommt dort hinein. Ich finde das einen sehr netten Brauch!
Die Dokkumer Windmühlen sind wirklich sehr malerisch!
Wir ignorieren den Hinweis in unseren Törnführern, dass Schiffe mit 1,70m Tiefgang hinter der nächsten Brücke liegen sollten. Es ist einfach zu romantisch hier! Gleich gegenüber der ersten ist auch ein Platz frei, doch schon einen Meter vor dem Ufer stecken wir im Schlamm.
Gut dann eben gegenüber, direkt unter der Windmühle.
Ich werfe die Leine über den Poller, erwische ihn auch sofort – doch wir stecken fest, allerdings direkt am Anleger und parallel dazu, also quasi perfekt! Über uns die Windmühle – wir bleiben da!

In Dokkum liegen wir unter der Windmühle
Dokkum ist ein kleiner überschaubarer Ort, hier sind auch kaum Touristen. Am heutigen Sonntag wirkt er fast ausgestorben. Aber: Es gibt eine lokale Bierbrauerei! Und Restaurantschiffe an der Stadtkade. Das Bier ist gut, Tomys Burger lecker, mein Wrap fad, egal, schön ist es!

Dokkum
Zum ersten Teil des Törns geht es hier.

