Botanicher Garten in Entebbe, www.sy-yemanja.de
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Uganda Tag 1: Im botanischen Garten von Entebbe

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Wir brauchen Geld und einen Überblick, was es wo zu kaufen gibt, denn morgen beginnt das Abenteuer: Um neun Uhr soll der Jeep ins Hotel in Entebbe geliefert werden, dann geht es los, einmal im Uhrzeigersinn drei Wochen lang durch Ugandas Nationalparks. Auf diese Idee hat uns unsere jüngste Tochter gebracht: Sie war 2017 bei den Gorillas. Ihre Fotos machten mir klar: Da will ich hin!

Tomy war erst skeptisch, doch als er hörte, dass er selbst fahren kann, wir also einen Roadtrip durch Uganda auf eigene Faust, über Stock und Stein machen könnten, war er einverstanden. Er war das erste Mal in Afrika, mal abgesehen von unseren Besuch auf den Kap Verden. In den folgenden Wochen werde ich von den täglichen Eindrücken berichten, am Ende kommt eine Zusammenfassung mit allen Infos, die du für deine eigene Tour brauchst.

Die Sache mit dem Geld macht mich erst mal nervös: Die ATM im Einkaufszentrum in Entebbe nehmen unsere Maesto-Karte nicht, der Supermarkt zwar Visa, auch kann ich Geld wechseln, aber die Infrastruktur wird schlechter, nicht besser. Ich bin sehr erleichtert, als wir an der Tankstelle doch einen Bankomat finden, der uns erst mal ausreichend Geld gibt!

Auf dem Weg von der Tankstelle über den Markt zurück zum Einkaufszentrum gesellt sich ein junger Mann zu uns: „First time in Uganda? Do you like it? Are you going to the botanical garden?”

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Hier wurden die Tarzan-filme mit Johnny Weißmüller gedreht.

Wie sich herausstellt, ist er Biologiestudent und führt in seiner Freizeit unentgeltlich Touristen durch den Park. Bald schon beglückwünsche ich uns wieder selbst: Der junge Mann, Bright mit Namen, ist ein Segen: Ohne ihn hätten wir Bäume gesehen. Langweilige Bäume. Mit ihm sahen wir Tiere.

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Der Krokodilbaum

Den Krokodilbaum zum Beispiel. Gut, das ist jetzt doch ein Baum, doch seine Wurzeln sind knorrig wie Krokodile. Auf dem Weg zu ihm zeigt er uns Flughunde, die in einer Palme hängen – nie hätte ich die ohne ihn gesehen. Mit ihm war schon schwierig. Er machte uns auf den rotschwänzigen Affen, der aus dem Zoo ausgebrochen ist, aufmerksam, auf den Seeadler, einen Schwarzstorch, Vögel, die aus allem ein Nest bauen, auch aus deinen Klamotten, wenn du sie beim Baden am Ufer des Sees liegen lässt. Er erzählte uns, dass Marabus giftig sind: Sie fressen alles auf den Müllkippen, verdauen auch Plastik. Ihr Fleisch ist dadurch so sauer, dass es angeblich ein paar Soldaten tötete, die es aßen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Die Viecher sind hier auch überall! Fast mannshoch und ohne Angst schreiten sie neben dir her, fliegen über deinen Kopf und landen hoch oben auf den Bäumen. Da wird man echt dankbar für Tauben…

Am Markt in Entebbe, www.sy-yemanja.de

Marabus neben dem Markt in Entebbe

Und ich dachte immer, Marabus wären besonders schön, dabei sind es riesige, fliegende Ratten! Als Aas-, Schädlings- und Müllvernichter gelten sie jedoch als nützlich.

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Marabus sind riesige fliegende Ratten!

Interessant sind die Termitenbauten: Junge sind erdig und braun, dann werden sie durch Moose und Algen grün und orange, schließlich wachsen Bäume und Sträucher daraus. Daran lässt sich ihr Alter ablesen.

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Termitenbau, etwa 70 Jahre alt

Bright pflückt Blüten und Blätter von Bäumen, Sträuchern und Pflanzen: Da gibt es den Schmirgelpapierbaum, mit dessen Blättern sich die Frauen die Nägel feilen und die Gorillas ihren Magen reinigen, den Kanonenkugelbaum, den Hennabaum, Sanseveria ist gut gegen Schlangengift, gegen alles ist ein Kraut gewachsen. Ich behalte bald gar nichts mehr!

Doch! Da ist noch etwas: Elefanten lieben die Früchte eines bestimmten Baumes, wenn diese vergoren sind. Nur werden sie dann besoffen und stehen trunken in der Gegend rum. Deshalb darf man sie nie mit Blitzlicht fotografieren, da drehen sie durch.

Gerne hätte ich die Bäume gesehen, aus deren Rinde die Könige von Buganda früher ihre Kleidung herstellen ließen. Aber zum Zeitpunkt unseres Besuches hatte ich noch nie von Rindentuch gehört. Ich konnte folglich nicht danach fragen! Vielleicht wachsen die Bäume dort ja gar nicht! Rindentuch gilt als ältestes Textil der Welt und zählt zum UNESCO Weltkulturerbe. Es wird durch Ernten der inneren Rinde bestimmter Bäume, meist Ficus-Arten, gewonnen. Wenn die Bäume danach richtig verbunden werden, können sie bis zu 30 Jahren lang einmal jährlich geschält werden. Unter dem Namen Barktex wird das Material heute von einer deutsch-ugandischen Firma hergestellt und im Bereich von Innenarchitektur, Schuhen, Assecoires u.a. verwendet. Muss ich mir unbedingt mal ansehen, nur wo genau? Augsburg, Ravensburg, Wien, Chur, Berlin…? In Uganda selbst habe ich keines geffunden.

Der Höhepunkt des Spazierganges sind allerdings die grünen Meerkatzen: Ein Affenkind hat noch ein rosa Gesicht, es wurde erst am Tag zuor geboren. Wie eine kleine Katze torkelt es noch über die Äste und muss sich gelegentlich schnell festhalten. Die Mutter stellt sich schützend davor, als ich zu nahe komme. Sie lassen sich aus der Hand füttern, sind sehr vorsichtig und keinesfalls so frech wie die Paviane in Asien. Sie posieren für uns, springen über Stock und Stein – ich bin restlos verliebt!

Im Park wohnen auch zwei Drachenspinnen: Bright weiß genau wo! Also gärtnern in Uganda würde ich, glaube ich, sein lassen… Dragon-spiders sind mir zu groß…

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Zu groß für mich! Den winzigen Kite-Spider habe ich leiderr nicht fotografieren können

Die kleinen Drachenspinnen jedoch, Kite-spiders, für die könnte selbst ich mich erwärmen…

Hin- und weg bin ich endgültig als Bright mir draußen an einer Mauer die Agame-Lizzards zeigt: Einen blitzblauen, einen roten und ein paar unscheinbarere, dennoch schöne!

Was für ein Land!

Info ENTEBBE

Am Ende der Berichte über unsere täglichen Erlebnisse und Eindrücke kommt eine Zusammenfassung als Blogartikel und PDF damit du deine eigene individuelle Reise durch Uganda besser planen kannst!

2 Kommentare

  1. Liebe Steffi, ein sehr schöner Bericht. Muss ein wunderbarer Park gewesen sein.

    Nur eines kann ich nicht so stehen lassen: Marabus sind keine Ratten :-)
    Vielmehr sind sie wunderbare Vögel. Stolz und stark. Dass sie so aussehen wie sie jetzt aussehen, verdanken sie alleine unserem Müll. Und wenn wir uns um unseren Müll nicht kümmern, dann tun sie es. Ohne sie, sicherlich noch mehr Ratten. Und im Bush sorgen sie für die saubere natürliche Umwelt, kein verdorbenes Fleisch, keinerlei „Dreck“, alles verputzt und sauber.

    (Übrigens, Wale in den Ozeanen nehmen diese Aufgabe wohl jetzt auch statt uns wahr. Nur leider sterben sie daran.)

    • Du hast Recht, in den Nationlparks sehen die Marabus besser aus, schön sind sie aber auch dort nicht. Und ich hätte wohl hinzufügen müssen, dass ich durchaus Ratten-Fan bin: Sie sorgen in unseren Städten durchaus auch für Sauberkeit. Ohne eine gewisse Population von Ratten würden unsere Städte trotz Müllabfuhr, die ja nicht überall hinkommt im Dreck versinken. Also ein hoch auf die Ratten, Marabus und Wale, die da unfreiwillig mithelfen!
      Liebe Grüße an euch drei!

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