Die Karneval in Mindelo

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Kann der Karneval in Mindelo mit dem in Rio, Salvador oder Köln mithalten?
Aber ja doch!

Von der Struktur her erinnert er eher an Köln, optisch an Rio. Und da muss ich gleich mit einem Vorurteil aufräumen.
Das Bild vom tropischen Karneval ist dieses:

Karneval in Mindelo

Doch in Wahrheit ist der Karneval hier zum größten Teil eine Sache der Kinder und ihrer eher beleibten Mütter und Großmütter. Die Realität sieht meist so aus:

Karneval (79)sk

Oder so:

Karneval (65)

Doch eines ist sicher: Karneval in Mindelo ist weiblich! Abgesehen von einigen wenigen Musikern, Trommlern und Tänzern oder kleinen Jungs sind die Zugteilnehmer Feminin. Und das schließt gar machen Mann mit ein!

Karneval in Mindelo

Karneval beginnt mit den Mandingas, das sind jene schwarzen Männer, die mich schon am ersten Abend so beeindruckt haben. Ihnen etwas Feminines anzudichten wäre jetzt allerdings völlig falsch! Meist sind es Männer, angemalt mit schwarzer Farbe, die angeblich aus Öl, Kohle und dem Zink aus alten Batterien gemischt ist…
Sie ziehen an den Sonntagen vor Karneval trommelnd und tanzend durch den Ort. Die Menschen sollen mittanzen, Spaß haben, das ist ihr Ziel.
Und ahnungslose Touristinnen beeindrucken.

Mandinga

Mandinga

Karnevalssonntag geht auch in Mindelo der „Schull- und Veedelszug“. Die Kindergärten, Schulen, Lehrer und Kirchengemeinden ziehen am Nachmittag bis in den frühen Abend durch die Stadt.

Mindelo Karneval (3)

„Schull- und Veedelszug“

Montag kurz vor zehn Uhr abends wird Samba getanzt: Etwa fünf Sambagruppen ziehen unten am Meer los, hinauf in die Stadt. Sie sind ja hübsch anzuschauen, doch die Polizei baut sich demonstrativ breitbeinig vor uns auf, ein finster dreinsehender Kerl jede 10 Meter. Mann, was soll das? In Kölle würdet ihr gebützt! Da gäbe es beijos, Küsschen, für euch und eure Mützen hätte ein lecker Mädche auf! Aber bei eurem Schlagstöcken ist es kein Wunder, dass die Zuschauer lange Gesichter machen und stocksteif stehend zusehen!

Samba Tropical

Samba Tropical

Was soll das bei der großen Parade geben?

Gottseidank, da ist alles anders und ganz so, wie es uns gefällt! Glitzernd und fedrig beflügelt, knatschgelb, giftiggrün, königlichlila, prinzessinnenpink und spärlich bekleidet tanzen die Frauen an uns vorbei – in Schuhen, bei denen ich mir beim Hinschauen die Haxen brich! Vier Gruppen gibt es, die um eine Auszeichnung wetteifern, jede mit eigenem Lied und Band, eigener Choreografie und eigener Königin in luftiger Höh‘ auf großem Wagen: Nicht nur die Deko, auch sie selbst wird mit dem Bagger da hinauf gehoben. Die Gruppen sind wieder unterteilt, sie bestehen aus vielleicht einem gutem Dutzend Abteilungen. Jede wird angeführt von einer Sambatänzerin, dann kommt eine tanzende Gruppe, oft Kinder, die von den Eltern sehr abgeschirmt werden. Ein Wagen folgt, ein paar Trommler und Tänzer ebenso.

Auch die Menschen am Wegesrand sind oft verkleidet, tanzen mit. Heute ist die Polizei nachsichtig, ordnet nur die Aufstellung der Gruppen.

Nach zwei Gruppen ist der Akku unserer Kamera leer, der Chip voll mit 350 Fotos – so vielversprechend die nächste Gruppe aussieht, wir sind auch alle!

Mit dem Beitrag nehme ich an der Blogparade Karneval als Reisegrund teil

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