Longitude Act

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Wer heute über die Meere fährt, schaltet irgendein Gerät mit Karte und GPS ein – Laptop, iPhone, Plotter, Garmin, Yellow Brick – und weiß immer auf wenige Meter genau wo er ist. Auch auf dem Meer. Keiner der modernen Seefahrer macht sich mehr Gedanken über eine Navigation ohne GPS, oder die genaue Bestimmung der Länge oder Breite. Oder darüber wie spät es ist.

Das Unglaubliche ist: Die Entdecker Amerikas, auch die alten Ostindienfahrer wussten auf See nie wirklich, wo sie sich befanden: Die geografische Länge war bis Mitte des 18. Jahrhunderts nicht genau bestimmbar! Das machte die Fahrten gefährlich und teuer, weil dadurch Umwege durch bekannte Gewässer gefahren werden mussten.

Vor 300 Jahren lobte deshalb die englische Regierung im Longitude Act einen Preise aus, für denjenigen, dem es gelang die geografische Länge auf 0,5 Grad genau zu bestimmen. 20 000 Pfund sollte derjenige welche erhalten, ein einfacher Arbeiter lebte damals von 10 Pfund im Jahr! Es gab verschiedene Ansätze das Ziel zu erreichen, eines beinhaltete genaue Zeitmessung. Die genauesten Uhren der damaligen Zeit gingen am Land täglich etwa eine Minute falsch, im Geschaukle der See und extremen Temperaturschwankungen versagten sie völlig. John Harrison gelang es schließlich einen Chronometer zu bauen, der den Ansprüchen genügte, um den Preis musste er dennoch kämpfen. Auch Tobias Meyer, Waisenkind und selbstgelehrtes Geometriegenie, bekam einen Teil des Preis für seine Mondtabellen, die ebenfalls für die Navigation genutzt werden konnten.

Das erfuhren wir im Marinemuseum in Belem. Na ja, nicht ganz. Dort war zwar eine Ausstellung „300 Years Longitude Act“, aber die Details hab ich in Wikipedia nachgelesen. Ist ganz schön kompliziert, sowohl alles rund um das Längenproblem, wie auch die Navigation ohne GPS!

Unglaublich was unsere Vorfahren alles geleistet haben, mit viel Entbehrung, Mut, Wissbegierde und Abenteuerlust sie die Welt erkundeten!

Und heute fahren wir in großen schiffsförmigen Yogurtbechern mit „Schöner Wohnen“ Ambiente und allen möglichen elektronischen Schnickschnack übers Meer und halten uns für Helden!

Das ist schon zum Staunen und Wundern!

Bisher haben wir nur wenige Schiffe auf großer Fahrt getroffen, die kleiner waren als unseres, die Anima Mea und die Sputnik II, sind zwei davon. An diesem Steg liegen auch ein paar junge Norweger, zu vier,t in einem kleinerem Schiff als unseres. Alle anderen sind größer, oft genug viel größer!

Da sind riesige Katamarane unterwegs, die eine ganze Box für sich beanspruchen und sich wundern, dass sie auch dafür zahlen müssen: Mindestens 50% mehr als Einrümpfer.

Andere sind immer noch groß genug, 13 m ist praktisch das Minimum, um jegliche Annehmlichkeit an Bord zu haben, die das moderne Leben so bietet: Waschmaschine, Tiefkühltruhe, Mikrowelle, Thermomix, Duschkabine, Watermaker, Flachbildschirm…

Mit anderen Worten, all das haben wir nicht. Wollen wir nicht. Okay, ’ne Waschmaschine wäre schon super, aber bisher taten es auch die in den Marinas. Und so viele Klamotten brauchen wir unterwegs gar nicht. Bei den Waschmaschinen trifft man auch immer interessante Leute, denn natürlich haben nicht alle Schiffe eine an Bord. Oder sollen wir uns eine Campingwaschmaschine besorgen? Die braucht aber 220 V!

Um die Welt segeln mit all dem Komfort von zu Hause? Nur schaukelnd? Wo bleibt da das Abenteuer, der Entdeckergeist, ja, das sich selbst entdecken, die Einfachheit, das Wenige, das der Mensch eigentlich zum Leben braucht?

Und all das Equipment, das da drauf ist, riesige Plotter z.B. Manchmal, so scheint es, muss es das mangelnde Können der Crew ersetzen. Anlegemanöver sind da immer wieder ein schönes Beispiel, auch eines bei dem ich mich selbst an der Nase nehmen muss. Denn ich stelle mich immer noch oft genug ziemlich dämlich an! Aber zumindest schaffen wir beide das alleine, wenn auch nicht immer ohne Blessuren.

Und immer wieder ARC-Teilnehmer. Ja, natürlich haben wir auch überlegt, ob wir mit der ARC, der Altlantic Ralley for Cruisers des World Cruising Clubs, von Gran Canaria nach St. Lucia über den Atlantik fahren sollen. Es muss schon toll sein, in großer Zahl unter Pomp and Circumstances abzulegen… Auch die Vorbereitungskurse sind sicher hilfreich. Wir haben viele erfahrene Segler unter den Teilnehmern getroffen. Und genauso viele bei denen wir uns fragen, ob sie nicht der Illusion von Sicherheit einer großen Veranstaltung erliegen, ähnlich wie jeder der genügend Kleingeld hat heutzutage auf den Himalaya kriechen kann, ist ja alles organisiert.

Da draußen, auf dem Atlantik, bist du immer noch auf dich selbst gestellt! Ob dir da ein anderer Teilnehmer helfen kann und will? Ja, will! Uns ist zu Ohren gekommen, dass die viel beschworene Gemeinschaft noch lange nicht hält, was sie verspricht.

Wir haben uns letztendlich dagegen entschieden: Wir sind keine Herdentiere, sind immer einen eigenen Weg gegangen, wobei wir Herden, Rudel und Schwärme durchaus lieben und achten. Sie sind nur nichts für uns. Wir wollen frei sein! Frei, dahin zu segeln wohin wir wollen, bleiben, solange wir wollen, weiter ziehen, wann wir wollen und Wind und Wetter es zu lassen.

Oder die Pläne unserer Töchter!

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