Nazaré

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Nazare gilt als einer der wenigen Häfen an der portugiesischen Atlantikküste, der unter den schlechtesten Bedingungen angelaufen werden kann. Steht so in cruiserswiki.org und im Reeds. Gut, der Hafen liegt etwas südlich vom Surfer Hotspot Praia do Norte. Trotzdem kann ich das kaum glauben: 2012 erhielt Garrett McNamara den Biggest Wave Award für die höchste je gesurfte Welle: 24 m hoch, gesurft am 1. November 2011 in Nazaré, und das war nicht die höchste je gesehene Welle hier. Im Herbst und im Winter werden die Geschäfte und Restaurants unten am Meer zum Schutz vor der Brandung verbarrikadiert. Na, dann…

Uns hat gestern der Nebel erwischt. Morgens cremte ich mich noch ganz mit Sonnencreme ein, zum ersten Mal übrigens, denn normalerweise ist es draußen am Meer im Wind recht kühl. Doch gestern Morgen war es schon so heiß, nichts mehr von Herbst zu spüren, Wind war keiner angesagt, also dachte ich, ich könnte in der Sonne baden. Nix da!
Nördlich von Figueira da Foz lauerte der Nebel, langsam zog er südwärts. Immer wieder umwabberte er uns, gab uns frei, machte der Sonne Platz, nur um sich unvermutet wieder um uns zu legen. Immer wieder drohte er, uns ganz die Sicht zu nehmen, verlangte, dass wir ihn ernst nehmen, doch die Sonne leuchtete immer wieder durch. Sie tauchte die Welt in ein seltsam milchiges Licht, ließ sie hinter den zwei oder drei Meter hohen Wellenbergen enden. In den Wellentälern führte sie ins Ungewisse. Bläulich silbern schimmerte das ruhige Meer – gestern wurde ich nicht müde, es zu betrachten, während wir sanft auf der Dünung unserem Ziel entgegen schaukelten! Und leicht und mühelos in den Hafen von Nazaré einfuhren.

Der Hafen von Pederneira, der ursprünglichen Siedlung, lag weiter innen in der Lagune, selbst die größten seegängigen Schiffe der damaligen Zeit konnten ihn bis ins 17. Jahrhundert anlaufen. Die Siedlungen der Fischer befanden sich oben auf den Bergen, wohl schon damals zum Schutz vor der Brandung. Dann wurde der Hafen ans Meer verlegt. Die Fischer ließen sich von den Wellen an den Strand spülen, Ochsen zogen die Schiffe über den Sand in Sicherheit. Seit ein Tsunami 1772 die Bucht bis 10 km ins Landesinnere überschwemmte, verflacht sie immer weiter. Die ersten Fischer bauten ihre Häuser unten in der verlandeten Lagune – Nazaré ward geboren.

Den Namen verdankt die Stadt der „Lieben Frau von Nazareth“, einer hölzernen Statue der Jesus stillenden Maria, angeblich gefertigt in Nazareth. Es ist vermutlich eine der älteste Marienstatuen der Geschichte – wenn frau mal völlig außer Acht lässt, dass die Große Mutter schon in der Steinzeit verehrt wurde. Jedenfalls war Sitio, der Stadtteil hoch oben auf der Klippe, der bedeutendste Marienwallfahrtsort Europas bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch Vasco da Gama suchte den Beistand der Senhora de Nazaré bevor er nach „Indien“ aufbrach. Von Portugal gelangte die Marienverehrung nach Brasilien, vermischte sich im Candomblé mit Yemanja…

Sitio

Sitio

Nazaré heute ist ein lebhafter und gepflegter Urlaubsort, mit bunten Strandhäuschen, Restaurants und Kinderbelustigung. Am Strand wird immer noch Fisch von Sonne und Wind getrocknet. Die alten Frauen tragen Tracht: recht kurze, höchstens knielange, meist karierte Röcke, mit bestickten Schürzen darüber, Tücher werden um den Kopf gelegt. Doch die wichtigste Zier sind die Falten – tiefe Falten, doch sie sind selten hart und bitter, sondern sanft lächelnd und in Frieden. Die meisten der alten Frauen hier, auch die schwarz tragenden Witwen sehen heiter, ja glücklich aus.

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