Barfuß in Viana do Castelo

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Die Barfußroute! Endlich haben wir sie erreicht, wenn auch vielleicht nur bis zum nächsten Nebel. Vor Viana do Castelo fror ich noch im kräftigen Wind, schaute sehnsüchtig auf den Berg hinter der Hafeneinfahrt:

„Noch ein Stück, noch eines – gleich sind wir im Windschatten, dann wird es bestimmt wärmer, noch ein kleines Stück, dann frier ich nicht mehr…“
Peng!
Da haute uns die Hitze um!

Peng machte auch der Baum ein paar Mal unterwegs, nein, keine Patenthalse, aber mit wenig Wind und Welle ist ein Vorwindkurs selbst mit Bullenstander und perfekt steuerndem Windpilot kein reines Vergnügen, der Baum ist kaum so fest zu binden, dass er nicht doch etwas schlägt. Irgendwie war gestern der Wurm drin. Bedingt durch zu viel angesagten Wind für montags Nachmittag und Abend, hatten wir unser Vorhaben vor den Islas Cies zu ankern aufgegeben, worüber ich doch etwas enttäuscht war. Nervös machte mich der Gedanke an die Einfahrt in Viana do Castelo, oder genauer die Hinweise im Reeds Nautical Almanac, dass Portugals Häfen bei Wind und Welle schwer bis gar nicht anlaufbar sind. Und wie das so ist, fand meine innere Unruhe auch Ausdruck

Wir setzten das Großsegel noch in der Bucht vor Baiona, wo nur wenig Wind war. Ein, zwei Meilen später blies es mit 22 Knoten, wir hatten mit Groß und Fock zu viel Tuch drauf, ich brauchte meine ganze Kraft um zu steuern. Also sollte ich die Fock einholen, doch sie bewegte sich keinen Millimeter, Tomy musste nach vorne, um die Fockschot, die sich um die Klampe gelegt hatte, zu lösen. Doch meine Kraft reichte immer noch nicht, die Leine rutschte durch meine Hände, die Handschuhe machten es noch schlimmer – bevor ich die Winschkurbel draußen hatte, zog Tomy an der Leine – weg war die Genua.

Das sind so die Momente, in denen ich mir denke: „Scheiße, was machst du, wenn Tomy aus irgendeinem Grund ausfällt?“  Wind und Wellen waren ja im Grunde harmlos!

Dann war der Wind plötzlich weg, fiel auf  7 Knoten, jetzt Vorwindkurs, da spielt  Yemanja in den Wellen, bewegt sich aber kaum vorwärts. Also auch das Groß weg, Dieselwind an, dabei immer Ausschau haltend, denn die Fischernetze vor Portugal sind nur mit schwarzen Fähnchen gekennzeichnet. Die sieht frau erst kurz vorm Drüberfahren. Tomy war dabei die ganze Zeit unleidlich, weil er schließlich um die Welt SEGELN will…

Nur leider nutzt es gar nichts, die Dinge anders haben zu wollen, als sie sind – im Gegenteil, normalerweise wird alles nur schlimmer. Es nutzt auch nichts, wenn ich Tomys Reaktion anders haben will…

Ich erkenne meinen Anteil, dich als meinen Spiegel, bitte vergib mir, ich vergebe dir, ich liebe dich, ich liebe mich, Danke (für die Erkenntnis)!
Ah, Ho’oponopno verfehlt selten seine Wirkung!

Drei Meilen vor Viana do Castelo frischte der Wind wieder auf 22 Knoten auf, doch wir hatten keine Lust mehr auf Action, die Segel blieben unten, der Motor an. So folgten wir dem spanischen Boot vor uns durch die offene Brücke in die kleine Marina. Am Steg winkten schon Leentje und Patrick, das belgische Pärchen von der Silmaril, das wir seit Camaret sur Mer immer wieder treffen.

Das Wiedersehen feierten wir im alten Fischerhafen, der mit seinen bunten Häuschen neben dem Fort liegt. In der Tasquinha da Linda gibt es Brot mit Butter, Käse und Oliven, köstliche Bolinhos de Bacalhau, kleine Garnelen, leckeren gegrillten Fisch, fangfrisch, und guten Wein, danach frisches Obst für 30 Euro pro Person. Das können wir nur genießen!

Zu genießen gibt es hier vieles:

– Die Aussicht von der Kuppel der Basilika der Heiligen Luzia, auch Tempel des Heiligen Herzens von Jesu, soll laut National Geografic die drittschönste der Welt sein. Ich sag‘ dazu nichts, seht und entscheidet selbst:

– Der Duft der Eukalyptusbäume beim Abstieg von der Basilika (Rauf ging es mit dem Bähnchen)

–  Herzen – das Symbol der Stadt ist ein Herz, es mutet orientalisch an und soll das Herz des portugiesischen Volkes darstellen. So verstehe ich sowohl die unverständliche Übersetzung in der Broschüre als auch das portugiesische Original. Jedenfalls prangt dieses Herz auf den typischen Stickereien, es hängt gülden von Ohren oder über Busen, es verziert Keramik, Schürzen und Geschirrtücher. Es ist unmöglich zu übersehen.

– Der Blumen- und Stolenbaldachin in den kleinen Gassen der Altstadt:

Blumenhimmel

Blumenhimmel
Tücherhimmel

Tücherhimmel

– Jede Menge Kirchen, hübsche Plätze und reich verzierte Häuser, mit schmiedeisernen Balkonen, mit Kacheln oder steinernen Ornamenten verzierten Fassaden – leider ist es fast unmöglich diese in den engen Gassen zu fotografieren.

– Kramläden wie zu Omas Zeiten, jede Menge Bäckereinen mit süßen Schleckereien, und einen gut sortierten Fleischer – hier wird das Tier insofern gewürdigt, als nichts weggeworfen wird, Hühnerbeine, Hals, Herz, Leber und Magen kommen noch in die Suppe, vom Rind werden nicht nur Steak sondern auch Herz und Magen verkauft, ebenso wird alles vom Schwein verwendet, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

Kramladen

Kramladen

– ein liebevolles und modernes Trachtenmuseum, in dem frau auch viel über das Leben der Menschen hier erfährt. Es gab eine Tracht, die nur zum Sammeln von Kelp, mit dem die Felder gedüngt wurden, getragen wurde. Sie war aus Wolle, weil beim stundenlangen Waten in den Wassern des Atlantiks die nasse Wolle trotzdem wärmte. Die Hirten schützen sich mit Strohüberwürfen. Am schönsten sind natürlich die Festtrachten, die A Vianesa oder Lavradeira war besonders Farbenprächtig – rot. Sie war mit gestickten Ornamenten und Blumen verziert, um den Reichtum der Menschen und der Fruchtbarkeit des Landes zu zeigen. Nach der eigentlichen Trauerzeit, oder wenn die Frau einen Verwandten, der fern war, vermisste, war die Tracht genauso reich verziert, aber in dunklen Farben, meist blau gehalten.
Im oberen Stockwerk ist zur Zeit eine Ausstellung der Schmuckstücke der Künstlerin Fernanda Vilas Boas zu sehen: Diese Fantasie, diese Extravaganz, diese Farben, alles modern und doch die Tradition der Gegend würdigend – toll. Und praktisch untragbar.

A Vianesa

A Vianesa

– freundliche Menschen, gut die treffen wir überall, aber warum nicht erwähnen? Der Hafenmeister hier behandelt uns alle, als wären wir Gäste in einem exkusiven Hotel. Außerdem sprechen die Menschen hier die zweitschönste Sprache der Welt: Portugiesisches Portugiesisch! 3x dürft ihr raten, welche ich noch schöner finde!

Viana do Castelo, erkundigt in Sandalen, kommt uns vor wie Brasilien mit europäischen Annehmlichkeiten. „Wer es mag, kommt, wer es liebt, bleibt“, behauptet der Slogan der Stadt. Und „Viana bleibt im Herzen“.

In unserem bestimmt, neben vielen anderen schönen Orten auf dieser Welt!

Irdische und himmlische Bedürfnisse vereint

Irdische und himmlische Bedürfnisse vereint

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The barefoot route! We have reached it finally, or at least till the next fog. In front of Viana do Castelo I was still freezing, looking longingly to the hill behind the port entrance: “ Just a view more minutes and the wind will stop, then I will be warm!“
Peng!
The heat was hitting us!

„Peng“ was the noise of the day, nothing serious, but going with not much wind from behind through waves is not much fun. I was disappointed as we had to skip anchoring at Islas Cies, due to 30 knots wind and waves. I was also nervous, as the Reeds Nautical Almanac states, that the entrance in Portuguese ports can be impossible in wind and swell. Well, and of course my inner fear manifested outside.

We raised the mainsail and the foresail in the bay of Baiona, there was hardly any wind. But one or two miles out, there it was with 22 knots, I could hardly steer. We had to take down  the foresail, but again, I was not strong enough. Luckily Tomy managed within seconds, but it is an uncertain feeling. What if for some reason he is unable to do so? How can I cope?

Suddenly the wind was gone back to 7 knots, enough for Yemanja to play, but not to move on. So we removed the mainsail as well and turned on the engine. Tomy way grumpy, as he wants to SAIL around the world…

Unfortunately nothing gets better, if you want things to be different than they are. Usually things get worse. And it does not help, if I want him to react differently…

I realize my share, please forgive me, I forgive you, I love you, i love myself, thanks (for the lesson learned)
Ah, Ho’oponopono rarely ever fails me!

3 miles before Viana do Castelo the wind came back, but now we were too lazy to raise sails. We followed the Spanish boat through the open bridge into the small marina. Leentje and Patrick, whom we first met in Camaret sur Mer were waiting for us.

We celebrated the reunion in the old fishing harbour, which is near the fort. In the Tasquinha da Linda you can have bred wiht butter, cheese and olives, Bolinhos de Bacalhau, small shrimps, delicious grilled fish, tasty wine and fresh fruit for 30 Euros a person. All we can do is enjoy this!

There is s lot to enjoy in Viana do Castello:

– The view from top of the Basilica Santa Lucia is according to National Geografic he third best in the world. I am saying nothing, decide for yourself:

– The smell of the eucalyptus when wandering down from the basilica (We went up with the small train)

–  Hearts – the symbol of the town is a heart, which looks quite oriental and stands for the heart of the Portuguese people. At least that is, what I understand.  Anyway you can find it everywhere: On traditional embroidery, in earrings and as pendant, on aprons and ceramics. There is no way to miss it.

– Flowers and scarves hanging above the streets.

– Lots of curches, beautiful houses and little places

– a very interesting and modern museum for traditional costumes, where you can also learn al lot about the life of the people here, as it is mirrored in the clothes. There was a costume only worn for collecting kelp. It was woolen, as the wet wool kept warm when waddling in the cold Atlantic sea.  They used the kelp to fertilize the fields. The guardians used kind of ponchos made of straw. Of course the most beautiful costumes were made for festivities. A Vianesa or Lavradeira used to be very colorful – mainly red. The embroideries ornaments and flowers symbolized  the richness of the people and the fertility of the country. Women still mourning or missing somebody, who lived far away wore the same  costume, but it was less colorful, darker, mainly blue.
There was also an exhibition of jewelry, made by a local artist, Fernanda Vilas Boas: full of fantasy, extraordinary, colorful, honoring the tradition of the area and still very modern. And practically not wearable.

– old fashioned shops, selling everything; lots of bakeries where you can get sweet treats and a butcher, where animals are still honored by using everything, including legs, hearts, lungs, ears …, like my parents did, when I was a kid.

– very friendly people. Okay, we meet friendly people everywhere, but why not mention? The harbour master here treats everybody like a special guest. Also the people here speak the second most beautiful language in the world: Portuguese Portuguese. You may guess, which one I consider to be the most beautiful.

Viana do Castelo, explored in sandals, seems like Brazil but with European comfort. „Who likes it, comes, who loves it stays.“ is the slogan of the town. Or: “ Viana stays in the heart.“

It will stay in ours, together with other beautiful locations in this world.

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