Mojitos

Einer jener Abende, die frau nie vergisst, einer, der für immer im Gedächtnis bleibt, verbracht mit  guten Freunden, bei einem Glas Wein, oder auch zwei und mit gutem Essen…

Auch wenn wir Christine, Heinz, Walter und Elke erst vor ein paar Tagen kennengelernt haben, so verbindet uns doch das gemeinsame Ziel „Weit und lange segeln“ und das schon erreichte „Biskaya hinter uns“. Tipps und Wetterkarten werden ausgetauscht. Unterwegs ist jeder irgendwann auf Hilfe angewiesen, jeder steht vor den gleichen Herausforderungen und Hindernissen, das verbindet in einer Art und Weise, die im üblichen täglichen Trott nur schwer zu erreichen ist.

Wir hatten die vier überzeugt, dass  Combarro unbedingt sehenswert ist. Gestern Nachmittag legten sie neben uns an, am Abend zeigten wir ihnen diesen überraschend hübschen und in Deutschland vollkommen unbekannten Ort. Wir zogen durch die Gassen, fotografierten, schnupperten in die Bodegas und Tapas Bars. Am Ende der Straße führten steile Stufen hinab in einen von Weinreben überdachten Hof, einfache Tische und Stühle darunter, direkt am Meer – eindeutig keine hochprofessionelle Schickimicki Tapas Bar, eher etwas wie bei Muttern…

Muttern, groß und kräftig, offenes Gesicht, saß in der Kittelschürze am ersten Tisch, ich glaub beim Kreuzworträtsel, und wusste nicht so recht, ob sie sich über die ersten Gäste des Abends freuen sollte oder nicht.

„Bebida? Comida? Trinken? Essen?“

Wir gaben ihr zu verstehen, dass wir zu sechst sind und essen wollten. Widerstrebend und schwerfällig, doch durchaus freundlich, erhob sie sich von ihrem Stuhl, um vom schönstgelegenen Tisch die halbleeren Biergläser abzuräumen. Sie empfohl uns den lokalen Weißwein, unbedingt. Der rote wäre auch lokal, aber nicht ganz so, lieber der weiße… Ich wollte erst Bier, drei dennoch Rotwein, zwei Weißwein. Die Speisekarte hatte sie im Kopf: kleine Fische, große Fische, Pulpo, Chipirones, Pimenta Padron, Cordeiro – Lamm, ein paar Worte deutsch konnte sie.

Dieser Moment als sie den leicht zerfledderten Collegeblock hinterm Rücken hervorholte um die Bestellung aufzunehmen! Wie die Karikatur einer strengen Lehrerin stand die da in ihrem blauen Kittel mit erhobenen Bleistift vor uns!

Muttern begab sich erst mal lange hinter die Theke. Nach gefühlten 10, 15 Minuten brachte sie schlurfenden Schrittes drei Gläser mit Weißwein, fest gehalten mit zwei Händen. Ja, genau drei. So kam ich in den Genuss, diesen zu kosten und für ausgezeichnet zu befinden – meinem Vater, meinem Bruder und meiner Schwägerin hätte dieser auch sehr gut geschmeckt. Auch der Rotwein, schlurfend, drei in zwei Händen vor sich hergehalten gebracht, war lecker, das Bier schnell weg!

Dann verschwand Muttern hinter der spanischen Wand und begann zu kochen. Erst den Pulpo, dann – etwa 10 Minuten später – die kleinen Fische, dann die kleinen grünen Paprika (immer mit Zubereitungszeit dazwischen), dann die großen Fische , die eigentlich auch klein waren, danach die Chipirones, die kleinen Tintenfische, und zu guter Letzt das von Heinz heiß ersehnte Lamm: Er isst keinen Fisch. Lamm mag er eigentlich auch nicht. Das Brot, glaub ich, mochte er.

Dazwischen brachte der Sohn des Hauses, vielleicht 16 oder 17, Nachschub an Wein…

Kurz vor Mitternacht machte er sich dann daran in dem Schulheft die Preise zusammenzuzählen und so die Rechnung zu erstellen.

Doch dieser wundervolle Abend war noch nicht zu Ende, denn auf dem Weg zurück zu unseren Schiffen lagen noch zwei Bars mit Lifemusik. Christine verschwand schnell im Getümmel, bahnte sich den Weg zur Bar und bestellte 6 Mojitos.

Sie kam nicht wieder.
Und immer noch nicht.
Und immer noch nicht.

Der Barkeeper kam einfach nicht mit den Bestellungen nach, der Schweiß stand ihm auf der Stirn:
Erst mal die Limonen aufschneiden, in Gläser verteilen, Zucker drauf, dem Kühlschrank auf, Pfefferminzstengel entnehmen, mit deutscher Gründlichkeit je drei Blättchen abzupfen und in ein Glas geben, sechsmal, Kühlschrank auf, Pfefferminze weg, mit dem Stößel alles zerstampfen, je ein Schuss Hochprozentiges dazu, anderer Kühlschrank auf, eine Schippe Eis drauf…

Christine kam immer noch nicht, Heinz stand schon mit dem Tablett neben ihr, um die fertigen Mojitos abzufangen.

Endlich war es soweit. Der Barkeeper wusch sich die Hände, trocknete sie ab, nahm eine blaue Serviette, faltete sie sorgfältig und umhüllte damit das erste Glas. Dann das zweite, das dritte…

Unseren Mojito bekamen wir um viertel vor eins oder so, er war lecker und wir hatten uns köstlich amüsiert! Danke Christine, danke Heinz für die Einladung!

Danke auch an Elke und Walter, ohne euch vier hätten wir diesen Schatz – Muttern und ihre Sommerküche – nicht gefunden!

Möget ihr immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel haben!
Auf Wiedersehen!

 

Rechts hintern der Weingarten - dort kocht Muttern

Rechts hintern der Weingarten – dort kocht Muttern

This post is about a great evening with friends in a Tapas Bar, where „mum“ was cooking. We some excellent wine and some Mojitos later on…

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