Tidenstrom

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Sanfter Wind, keine Welle, Sonnenschein – so hab ich mir den Einstieg ins Seglerleben bestellt. Was ich vergessen habe, ist, für günstigen Tidenstrom zu sorgen.

Nun gut, wir haben einiges gestern gelernt:

1. Hole dir den Rat von Einheimischen und integriere ihn in dein Wissen und deine Berechnungen. Tu dann das, was dir richtig erscheint. Denn niemand kennt dein Boot so gut wie du.

Wir hatten am Vortag den Marineiro gefragt, wann die günstigste Zeit sei, um nach Cherbourg abzulegen. Drei Stunden vor Hochwasser in Le Havre, also 8 Uhr morgens, war die Antwort. Dann hätten wir 7 Stunden den Tidenstrom mit uns. Wir waren nach unserem Ausflug nach Honfleur müde und rechneten nicht mehr nach. Dabei hatte ich in Erinnerung, dass wir früher los müssen, um den starken gegenläufigen Tidenstrom vor Cherbourg zu vermeiden. Sicher, wir hätten dann die Tide vorher gegen uns gehabt: mit vielleicht 1 Knoten, nicht mit bis zu 3!

2. Sissi arbeitet so gut wie Franz, allerdings braucht sie eine liebevolle, geschickte Hand.

Sissi?
Franz?
Woher die Neigung der Langzeitsegler kommt, ihre technischen Helfer mit Namen zu belegen, weiß ich nicht. Vielleicht fühlen sie sich so auf den Ozeanen der Welt weniger allein.
Franz jedenfalls war im Ersten Weltkrieg der Spitzname für die Navigatoren in Flugzeugen. Daher kommt auch das Wort „verfranzen“ für verirren oder verfahren. Na und dem Franz steht halt die Sissi zur Seite…
So heißt also unser Autopilot, der steuert wenn der Motor läuft Franz, weil er stark und kräftig ist, auf Knopfdruck reagiert  und viel Energie braucht.
Der Windpilot, die anmutige, leichte Sissi hingegen steuert bei Wind. Sie richtig einzustellen braucht Geduld und Geschickt. Doch dann folgt sie zuverlässig ihrem Kurs.

3. Kaps mit unterschiedlichen Tiefen und Tidenströmungen sind kochende Hexenkessel, aber bei wenig Wind wenigstens nur lästig und faszinierend, aber nicht gefährlich.

Um von unten nach Cherbourg zu kommen muss man ums Eck. Und genau dort ist der größte Tidenstrom. Das Wasser kocht. Eigentlich toll. Nur mühselig zu steuern, selbst für Franz. Um einen Kurs von 264 Grad zu fahren, wirbelt es einmal nach 200° dann wieder nach 310°. Bei mehr Wind könnte das fatal werden. Also in Zukunft lieber weiter und außen rum fahren.

4. Bei 3,5  Beaufort und schiebender Tide fliegen wir mit über 8 Knoten übers Wasser. Ohne Wind und Gegenstrom von fast 3 Knoten braucht es einen kräftigen Motor für 1,9 Knoten.

5. Nachts in einen unbekannten Hafen zu fahren verlangt volle Aufmerksamkeit, selbst in heller Mondnacht. Cherbourg hat es sich noch dazu zur Aufgabe gemacht, rund um den Hafen jede Menge roter und grüner Lichter zu installieren. Welches sind nun die entsprechenden Einfahrten? Nun, wir haben sie gefunden! Zum ersten Mal alleine nachts einen Hafen angesteuert – bin stolz auf uns!

Rechts versinkt die Sonne rotglühend im Meer, links geht der Vollmond auf…

We learnt a lot yesterday!

1. Ask the advice of locals but integrate it to your knowledge. Nobody knows your boat as well as you do.

The day before we had asked in the Marian, what the best time to leave for Cherbourg would be. 3 hours before high water, was the answer. We would then have the tide with us for 7 hours. After our tour to Honfleur we were too tired to check and count and plan. However, we had looked at it before, so we kind of knew that we should leave earlier to have the tide with us just before Cherbourg. Yes, this would have meant to have it against us for longer before – but with 1 knots, not with 3.

2. Franz and Sissi are both working well, however Sissi needs a loving and skilled hand.

I have no clue, why long term sailors name their devices. Maybe they feel less lonely on the huge ocean.
Anyway, Franz used to be the nickname for the navigator on airplanes during World War I. So we named the strong autopilot steering when under engine Franz. He reacts immediately on pushing the buttons and needs lots of energy.
You may need to know, that there was an emperor called Franz in Austria and his wife was Empress Elisabeth, called Sissi. Romy Schneider got famous acting Sissi, everybody in Germany and Austria know this kitsch.
This is the reason why we called the wind pilot Sissi. It takes a while to adjust her, but then she is as reliable as Franz even in strong winds.

3. The water at a cap can be boiling, stay away! Luckily there was no wind and wave, so we were safe. Actually watching the water was pretty fascinating. Steering on the other hand was a challenge: To go 264 degrees, the needle went between 200° and 310°.

4.  With 3.5 Beaufort and tide from behind we fly over the water with 8.2 knots, without wind and tide against us with 1.9 knots. Luckily we have a strong engine.

5. Entering a port a night is a challenge, even when the moon is shining brightly. The many red and green lights around the harbor in Cherbourg added to it. But we made it. We can do it! I am proud.

The red sun setting to the right, the full moon rising to the left…

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