5. April 2016
von Steffi
6 Kommentare

Mein liebstes Märchen

Mein liebstes Märchen? Rate mal…

Ich bin mir sicher, dass du es schon weißt! Oder?

Märchen haben mich schon immer in ihren Bann und ihre magische Welt gezogen. Ein wenig ist meine Welt bis heute magisch geblieben, auf jeden Fall aber voller Geschichten, Mythen und Märchen.

Aber dieses eine hatte immer eine Sonderstellung inne. Dabei mag ich die Geschichte gar nicht besonders: Der Prinz liebt eine andere und überhaupt ist sie viel zu dramatisch und ohne tieferen Sinn. Zumindest habe ich ihn nie begriffen, nicht mal im Entferntesten.

Doch als Kind sprang ich im damaligen Jugoslawien, das ja immer eine felsige Küste hatte, von Stein zu Stein. Ich gab ihnen Namen, einen großen flachen nannte ich Küche. Und wenn ich dort meine Muschelsuppen kochte, dann stellte ich mir vor, dass ich ganz einfach einen Fischschwanz und Kiemen haben könnte, indem ich untertauchte. So konnte ich zwischen den Felsen schweben und zu den schönsten Muscheln tauchen. Und wenn es mir so gefiel, kletterte ich an Land und – schwups – hatte ich zwei Beine!

Wasser und Land – bis heute kann ich mich für keines der beiden richtig entscheiden, bin hin und hergerissen zwischen dem Leben am Wasser – im geht immer noch nicht, nicht mal mit künstlichen Flossen – und dem Leben an Land. Ich liebe die weiche, warme Seeluft, das Schaukeln meines Schiffes am Ankerplatz, die unmittelbare Nähe des Wassers, wenn wir mit dem Dinghi an Land fahren. Ich liebe es, Buchten und Küsten zu erkunden, nur ins Wasser gehe ich nicht gerne. Und genauso wie ich mich auf unbekannte Inseln und Küsten freue, genauso lockt mich das Land: Mit dem Wohnmobil nach Indien, in die Mongolei, oder von Alaska nach Feuerland fahren – das wäre doch etwas!

Es reißt mich hin- und her zwischen der Liebe zu dem Mann, der die See zum glücklichen Leben braucht, und der Liebe zu meinen Kindern an Land, die nicht viel vom Segeln halten. Die Sehnsucht ist immer bei mir, wie Schaum auf den Wellen. Und das ist in Ordnung so.

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Foto: Joanna Barck

Jedenfalls als wir vor 16 Jahren zum ersten Mal nach Bahia kamen und an den Strand gingen, stand da vor mir die Statue Yemanjas. Und ich wusste sofort, dass es richtig sei, für einige Zeit nach Brasilien zu ziehen.

Seht ihr, da ist es wieder, das Magische…

Mir war auch klar, dass mein Schiff, sollte ich jemals eines haben, den Namen der afrikanisch-brasilianischen Meeresgöttin tragen würde. Sie ist eher die Meerhexe, die mächtige Zauberin, keine verliebte Meerjungfrau, aber eines kann sie wie die Figur in meinen kindlichen Fantasien: Mal Fischschwanz zum Schweben im Meer, mal Beine zum Tanzen wählen…

Und so begleitet sie mich durchs Leben, die kleine …

Kennst du den Titel des Märchens? Und weißt du, wer es geschrieben hat?

Meine_Liebste_Blogparade

Wenn du magst, dann mach mit bei Tamys Blogparade und erzähle von deinem Lieblingsmärchen!

Baumfarne im Nationalpark Amboro

19. März 2016
von Steffi
1 Kommentar

Zu den Baumfarnen im Nationalpark Amboro

Wieder geht es früh los, diesmal zu den Baumfarnen im Nationalpark und Naturschutzgebiet Amboro. Der ist etwas Besonderes: Auf 637000 Hektar tummeln sich 843 Vogelarten, mehr als in gesamt Kanada, außerdem 127 Säugetiere, wie Pumas, Ozelot, Nasenbär, Tapire, viele Fledermäuse, außerdem Fische, Insekten und Reptilien. Der Grund dafür sind 11 verschiedene Ökosysteme – so viel wie Costa Rica, die mit dieser Zahl groß Werbung machen. Diese elf Ökosysteme ergeben sich aus der Lage des Parkes am Übergang von den tropischen Tiefebenen zum Hochland der Anden. Er ist durchzogen von tiefen Tälern.

Bolivien hat eine Menge Naturschutzgebiete und Nationalparks, und alle sind sie ein Dorn im Auge der gegenwärtigen Regierung Morales: Sie wurden auf Druck der internationalen Gemeinde geschaffen, als Ausgleich zum Nachlass der Staatsschulden und als solches als Imperialismus verstanden. Außerdem gibt es unter den Bergen von Amboro Öl und Gas…

Aber noch ist das Gebiet unangetastet. Rundherum liegen Pufferzonen, in denen die Landwirtschaft die bei der Gründung vorhanden war, weitergeführt werden darf. Die dehnt sich auch etwas aus…

Zugänge gibt es nur eine gute Handvoll, zwei oder drei von Süden von Samaipata aus, und ebenso viele im Norden von Buenavista aus. Im Norden kann man nur in der Trockenzeit in den Park, weil ein Fluss den Zugang versperrt. Sollte es regnen, kommt man unter Umständen nicht mehr raus, oder nur unter sehr abenteuerlichen und riskanten Umständen, wie schwimmend und sich dabei festhaltend an dem Schwanz eines Pferdes. Aber das ist nicht unsere Geschichte.Baumfarne im Nationalpark Amboro

Wir stapfen durch den Wald, wieder auf einen von den Guides Samaipatas ausgetretenen Pfad. Wir steigen über umgefallene Baumstämme, oder ducken uns unten drunter durch, halten uns an den steilen und abschüssigen Stellen an Wurzeln und Ästen fest. Wir balancieren auf moosigen Baumstämmen über den reißenden Amazonas –

Na gut, es ist nur ein Rinnsal.

Die zahllosen Bäche hier im Amboro entwässern in den Amazonas – wer weiß, wenn man mal richtig nachmisst, ob der Amazonas dann immer noch in Peru entspringt – oder doch hier in Bolivien, im Nationalpark Amboro?

Amboro, Samaipata

Einer der Quellbäche des Amazonas

Außer ein paar Faltern sehen wir so gut wie keine Tiere, aber dafür jede Menge Baumfarne. Es gibt drei Arten im Park, zwei davon bekommen wir zu Gesicht: Den freundlichen mit dem Blätterröckchen, an dessen Stamm frau sich ruhig festhalten kann und den unfreundlichen mit Stacheln am Stamm. Ersterer wächst in 40 Jahren einen Meter, wir sehen welche, die fünf sechs Meter hoch sind – also über 200 Jahre alt. Manchmal schweben sie wie UFOs über uns,  denn den Stamm können wir dank des Blätterrockes nicht sehen. Die unfreundlichen wachsen schneller, allerdings bilden sie Wurzelausläufer. Und niemand kann sagen, wie alt die Wurzeln sind.

Baumfarne im Amboro nationalpark, Bolivien

Ein unfreundlicher Baumfarn vor den freundlichen

Wunderschön sind sie beide, wenn das Licht durch ihre fedrigen und frühlingsgrünen Blätter scheint.

Und mit diesem Leuchten geht unser Aufenthalt in diesem atemberaubend schönen Land Bolivien zu Ende. In zwei Tagen fliegen wir wieder zurück nach Salvador. Dann werde ich die Infos und Tipps zusammenstellen, und im Sommer, wenn ich wieder auf Urlaub daheim bin, nochmal das eine oder andere zusammenfassen, die eine oder andere Kuriosität würdigen und über die Pflanzen Boliviens, Essen und Trinken sowie die textile Kunst schreiben. Schließlich bin ich ja auch Gärtnerin und Quilterin auf Urlaub!Baumfarn im Amboro Nationalpark, Bolivien
Dieser Bericht ist auch ein Beitrag zur Blogparade Amazonas von Dirk auf planetenreiter.de

INFO

Touranbieter:
Michael Blendinger, Biologe, weiß viel über Vögel und manches über Pflanzen; deutsch, englisch, spanisch
Kaleidoscope Tours, deutsch, englisch, spanisch, niederländisch

TIPP: Die Wege sind anspruchsvoll! Es geht steil hinauf und hinunter, über Geröll und durch Matsch. Alte Schuhe und Kleidung anziehen, am besten lange Hosen und Ärmel, wegen dem Gestrüpp und Matsch.

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El Fuerte, Samaipata

17. März 2016
von Steffi
2 Kommentare

Kennst du diese wichtige Inka-Stätte bei Samaipata?

Samaipata haben vergleichsweise wenige Touristen auf ihrer Reiseroute durch Bolivien. Dabei ist es ein gesegnetes Stück Land – und fest in der Hand der Gringos.

Menschen aus gut 30 Nationen sollen hier leben, wobei ich fast sagen würde: Es ist ein deutsches Nest, oder wenigstens ein europäisches: Es gibt anständiges Brot und Marmelade und Kuchen, viele Hotels, Restaurants und Touranbieter gehören Ausländern, auf der Straße sprechen selbst die „Einheimischen“ schon mal deutsch. Vor rund 30 Jahren hatte Samaipata knapp über 2000 Einwohner. Dann kamen die Gringos und entwickelten den Tourismus. Jetzt hat der Ort wieder über 4000 Einwohner, die Menschen aus Santa Cruz erholen sich hier in den Bergen von der tropischen Hitze.

Samaipata

Samaipata

Samaipata ist wirklich so etwas wie ein kleines Paradies: Es liegt in einem grünen Tal, von malerischen Bergen umgeben. In den Tälern und Bergen rundherum wachsen Kartoffeln, Tomaten, Mais und Pfirsiche, in den Höfen und auf den Weiden gedeihen Rinder, Schweine, Hühner und Truthähne. In den Gärten wachsen sämtliche Pflanzen die einen deutschen oder österreichischen grünen Daumen zum Jucken bringen: Rosen und Lavendel neben Orchideen und Kakteen, Oleander und Bougainvillea sowie Maracuja, Pflaumen und Brombeeren für den Gaumen.

Im Garten des Landhaus

Im Garten des Landhaus

Rund um Samaipata

Rund um Samaipata

Und es ist einfach schön rundherum!

Die Wasserfälle von Cuevas sind ein beliebtes Ausflugsziel. 100 Bolivanos kostet uns die Hin- und Rückfahrt mit dem Taxi, zwei Stunden Wartezeit vor Ort für den Taxler inbegriffen. Erst spazieren wir entlang eines Baches ein wenig ein Tal hinauf. Dabei tanzen uns blaue Morpho-Falter und orange Monarch-Falter vor der Linse herum, sie lassen sich aber nur schwer fangen! Dann folgen drei Wasserfälle, wobei der oberste der schönste ist: Er ist relativ hoch und fällt in ein sandiges, knöchel- bis knietiefes Becken mit Sandstrand – zumindest im Moment. Ein magischer Platz für Kinder! Natürlich träume ich sofort davon, meinen Engelchen diesen wundervollen Platz zu zeigen! Sicher ist er nicht immer so idyllisch und friedlich: Je nach Regenfällen wird das Wasser tiefer und reißender.

Ein magischer Platz ganz anderer Art ist El Fuerte. Den Namen verdankt diese archäologische Stätte den Spaniern, ob es je ein Fort war, ist ungewiss. Sicher ist, dass es einer der bedeutesten Orte aus der vorspanischen Zeit ist: Es ist der größte bearbeitete Felsen weltweit, seine Anfänge datieren bis weit vor Christus. Im 16. Jahrhundert wurde er von den Inkas übernommen, dann von den Spaniern erobert. Lange Zeit wusste niemand wirklich, was dieser Fels mit ein paar Grundmauern rundherum war. Heute ist man sich einig, dass es ein Kultplatz war, eventuell auch ein administratives Zentrum der Inkas und deren östlichster Außenposten. Manche sagen, es sei archäologisch so bedeutend wie Machu Picchu, nur kommt hierher kein Schwein…

El Fuerte, Samaipata

El Fuerte, Samaipata

El Fuerte, Samaipata

El Fuerte

Ein Puma soll eingraviert sein, erkennbar ist er für uns nicht – da sind die Tiere im Gras besser!

Erich von Dänicken hielt die parallelen Furchen, die genau in Ost-West-Richtung verlaufen (was für ein Glück, dass der Fels in dieser Richtung liegt!) für Raketenabschussrampen, ich würde ebenso ohne wissenschaftlichen Beleg Kanäle zum Abfließen des Blutes der Opfer vermuten… Vielleicht waren sie auch nur eine Art Rutschbahn für Kinder…

Der größte behauene Monolith der Welt - El Fuerte, Samaipata

Der größte behauene Monolith der Welt – El Fuerte

Ausgegraben, vermessen und die Bedeutung erkannt, hat das ganze übrigens ein deutscher Archäologe aus Bonn mit seinem Team.

Außerdem kann man in Samaipata auf einer Parkbank* übernachten, in der Nähe Kondore beobachten und den Nationalpark Amboro besuchen. Und der hat es in sich – dorthin geht es morgen.

*Kommt im Sommer

INFO

El Fuerte und Wasserfälle Cuevas: Keine Tour notwendig (außer man will viel über El Fuerte wissen), Anfahrt mit dem Taxi, im Fahrpreis ist eine Wartezeit vor Ort von zwei Stunden und die Rückfahrt inbegriffen. Leichte Spazierwege
Cuevas lohnt für länger als zwei Stunden, mit dem Taxifahrer den Tarif aushandeln, Badezeug und Sonnenschutz nicht vergessen (Essen mitnehmen ist leider verboten, Wasser ist okay)

Alle Infos hier (PDF, April 2016)

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16. März 2016
von Steffi
2 Kommentare

El condor pasa – Der Kondor fliegt vorbei

Irgendwie dachte ich immer, der Kondor lebt hoch oben in den Anden, also mindestens auf 4000m Höhe. Aber nein, er fliegt hier in der Nähe von Samaipata herum auf läppischen 2000m. Eines ist trotzdem richtig: Wer ihn sehen will, muss Mühen und Strapazen auf sich nehmen.

Um 6:30 holt uns Michael, unser Guide, vorm Hotel ab. Zwei Stunden fahren wir durch wunderschöne Täler, vorbei an Geisterdörfern, deren Bewohner längst in der Stadt ihr Glück suchten; wir überqueren Fuhrten und überholen Rinder. Eine Sau liegt mitten auf der Piste und säugt ihre Ferkel. Ich will sie fotografieren, doch sie verschwindet mit ihrem Nachwuchs im Dickicht. Tja, hier gibt es noch glückliche Kühe und Schweine, zumindest oberflächlich betrachtet. Sie sind frei, sich ihr Futter auf den Weiden zu suchen, gemeinsam mit ihren Jungtieren. Andrerseits ist das Gras in den Tropen von minderer Qualität, es fehlt ihm an Nährstoffen und Vitaminen, Parasiten machen ihnen zu schaffen. In den Tierarzt wird nur investiert, wenn das Tier sehr starke Schmerzen hat. Dann bekommt es Diclofenac.Condor-0905

Und das ist eine der größten Gefahren für Aas fressende Vögel wie den Kondor. Es reichert sich in den Geiervögeln an und führt zu Nierenversagen. Fast die gesamte Geierpopulation Indiens und Pakistans ist dem erlegen. Noch geht es den Tieren hier gut, auch den anderen Aasfressern, aber sie stehen unter Beobachtung. Wobei – viel weiß man nicht über sie, nicht mal in Wikipedia.

Aber noch fahren wir zum Ausgangspunkt der Beobachtungstour. Michael hat zwar auch einen deutschen Nachnahmen, aber eigentlich kommt er aus Argentinien. Dorthin wanderten seine Großeltern im ersten Weltkrieg aus. Grundkenntnisse in Deutsch lernte er von seiner österreichischen Mutter aus Völkamarkt, die sein Vater, ein Koch,  bei einem Aufenthalt in Deutschland kennen lernte. Mit neun Monaten überquerte er den Atlantik auf einem Schiff, von Lissabon, nach Afrika, Salvador nach Buenos Aires. Auf einer Reise kam Michael nach Bolivien, hier konnte er tun, was er wollte: Guides ausbilden, Nationalparks erkunden und selber Touren führen. Seine Kunden brachten ihm dann an Deutsch bei, was ihm noch fehlte.

Nach ein paar kritischen Stellen wie unterspülter Piste, gelangen wir an eine einsame Hütte im Wald, wo ein alter Mann und seine Tochter leben. Der älteste Sohn darf studieren, oder muss, ob er will oder nicht, ein Kind muss daheim bei den alten Eltern bleiben. Die dazwischen liegenden Kinder haben wohl die Chance ihre Vorstellung vom Leben zu verwirklichen…

Ausgangspunkt der Tour

Ausgangspunkt der Tour

Es – in unserem Falle, er – könnte zum Beispiel über die Berge wandern, ins nächste Tal und dort eine Braut finden. Die besucht er öfter und dabei beobachtet er die Kondore. Das erzählt er den Guides in Samaipata – und die machen daraus eine neue Tour!

So geschehen.

Das heißt allerdings auch, dass sie die Wege mit der Machete freischlagen und anlegen und die wenigen Bewohner dafür bezahlen, damit sie die Piste reparieren.

Wir parken das Auto und machen uns auf den beschwerlichen Aufstieg: Vor allem der Anfang ist steil und geht außerdem noch über rutschigen Schotter. Doch auch in weiterer Folge wird der Weg nur abschnittsweise besser. Es ist heiß, die Sonne brennt, ich bin froh um meinen neuen Strohhut…

Ich hab mir ja bei Copacabana schon einmal saftigen Sonnenbrand geholt, jetzt ziehe ich Verschleierung a la Tania Blixen vor.

Auf der Suche nach dem Kondor

Auf der Suche nach dem Kondor

Michael und Tomy gehen vor. Michael, eigentlich Biologe, zeigt uns Tarantel-tötende Wespen, die die Tarantel erst mal  nur einschläfern, ihre Larven fressen diese dann bei lebendigen Leib auf;  giftige Pflanzen, von denen sich die schönen Monarch-Falter ernähren, beide Männer vertreiben eine giftige Korallenschlange, die sich am Weg sonnt. Die Orchidee am Wegesrand entdecke ich, ebenso Verbenen, Kakteen und andere „Topfpflanzen“, aber davon ein anderes Mal.

Wir sahen eindeutig mehr Schmetterlinge als Vögel!

Wir sahen eindeutig mehr Schmetterlinge als Vögel!

Irgendwann sind wir oben. Die Kondore brüten weit entfernt gegenüber in einer schroffen Felswand. Ein Kondor legt ein Ei vorsichtig an einem Felsvorsprung ab. Ist die Schale zu weich bricht es, und genau das bewirkt Blei aus Schrotkugeln. Das gefährdet wiederum die Wieder-Auswilderung des kalifornischen Kondors.

Samaipata, Kondor Tour

Irgendwo dort hinten nistet der Kondor

Ist alles gut gegangen, liegt das Ei schutzlos an der kahlen Wand, auch das Jungtier verbringt dort ein ganzes Jahr bevor es richtig flügge ist und selbst nach Aas suchen kann. Jungtiere sind braun, erst ab dem fünften Jahr werden sie schwarz mit den charakteristischen weißen Flügelspitzen. Drei Meter beträgt ihre Flügelspannweite, bis über 12 Kilo werden sie schwer. Sie fliegen übrigens nicht wirklich, sie gleiten mit dem Wind.

Wir sitzen und warten. Millionen von blassblauen Schmetterlingen flattern und schweben über uns hinweg. Wie kleine Taschentücher tanzen sie im Wind. Sie begleiteten schon unseren Aufstieg. Jetzt fliegen sie weiter nach Süden, wer weiß wohin. Seltsam, dass selbst diese zarten kleinen Flatterwesen hunderte Kilometer weit ziehen!Condor-0930

Ein Schwarm grüner Papageien fliegt vorbei, zu schnell, um die Kamera hochzureißen,  ebenso ein oder zwei Hühnergeier, nur der Kondor lasst auf sich warten.

Da – endlich ein Jungtier!

Kondor

Kondor

Wir gehen weiter zur Trinkstelle der Kondore, dort wollen wir unser Picknick halten. Michael packt sein Riesenobjektiv aus, denn dort sollen die Tiere manchmal so nahe kommen, dass man die Luft zwischen ihren Flügelfedern rauschen hört.

Aber nicht heute. Der eine oder andere Kondor lässt sich zwar blicken, doch schweben sie alle viel zu hoch über uns!

Schad, aber es war trotzdem sehr schön! Die Tour lohnt sich auf jeden Fall, mit und ohne Kondor!

Hast du schon mal einen Kondor gesehen? Oder ein anderes seltenes Tier? Erzähle mir davon!

INFO

Touranbieter:

Michael Blendinger, Calle Bolivar, Biologe, weiß viel über Vögel und manches über Pflanzen; deutsch, englisch, spanisch

Kaleidoscope Travel, Calle Campero 217; deutsch, englisch, spanisch, niederländisch

TIPP: Die Wege sind anspruchsvoll! Es geht steil hinauf und hinunter, über Geröll, druch die Sonne und durch Matsch. Sonnenhut, alte Schuhe und Kleidung anziehen, am besten lange Hosen und Ärmel, wegen dem Gestrüpp und Matsch.

Alle Bolivien Tipps unter Downloads und Tipps

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Parque Cretacico, Sucre

13. März 2016
von Steffi
2 Kommentare

Dinosaurierpark Parque Cretacico oder Zementfabrik?

Die größte Ansammlung von Dinosaurierspuren, noch dazu von mindestens sechs verschiedenen Arten samt lebensgroßen Dinosaurierfiguren, all das findet sich im Dinosaurierpark Parque Cretacico. Folglich müssen wir dahin.

Saurotours, der offene Bus des Parks, fährt pünktlich um 9:30 gegenüber der Kathedrale am Plaza 24 de Mayo ab. Und dann ganz langsam um den Platz herum, damit auch der letzte Nachzügler mitkommt. Und n o c h e i n m a l…

Saurotours

Saurotours

Endlich quält sich der alte Dino (Ich weiß, die waren eher ziemlich flott) schön langsam den Berg hinauf, erst mal vorbei an den Villen, dann durch die Straße der Autowerkstätten: Geschäfte mit Ersatzteile in Form von alten Kotflügeln und abgefahrenen Reifen reihen sich endlos aneinander. Repariert wird auf der Straße. Dazwischen liegt schon mal eine Suppenküche, oder eine Frau verkauft Pasteten oder Obst.

Straße der Autowerkstätten und Ersatzteile

Straße der Autowerkstätten und Ersatzteile

Die Straße weiter hinauf wird an den Lastwagen herumgeschraubt. Aber vielleicht vertreiben sich die Fahrer auch nur die Zeit und warten in Wirklichkeit darauf, mit Zement beladen zu werden. Endlos reihen sich LKW an LKW, es staubt. Schließlich sind wir am Zementwerk.

Und dort biegt der Saurotours busensis links durch das Tor auf das Werksgelände der Zementfabrik ein.

Parque Cretacico im Zementwerk

Parque Cretacico im Zementwerk

Die Frage in der Überschrift war falsch gestellt: Die Zementfabrik IST der Parque Cretacico. Zugegeben, das Parkgelände mit den Nachbildungen der Dinosaurier ist ein modernes, echtes Freiluftmuseum. Ich frage mich nur, woher sich die Wissenschaftler so sicher sind, wie die Viecher ausgesehen haben? Ja, ich weiß, Knochenfunde, Knochengröße und –dichte und so weiter und so fort. Aber vielleicht war der Dinosaurus Rex in Wirklichkeit knatsch-orange-lila gestreift wie ein Zebra? Oder er hatte giftgrüne Punkte auf rosarotem Fell? Noch besser: Pinke Reptilienhaut mit türkisfarbenen Fellbüscheln…

Ich meine, die Natur ist doch wirklich nicht zimperlich mit Farben!

In St. Peterburg, im Gebäude der Stallungen hinter der Blutskirche, sah ich einmal einen Schrank mit Löwenköpfen als Füßen. Oder genauer gesagt mit dem, was sich der Schreiner nach der Beschreibung des Auftraggebers unter einem Löwen vorgestellt hat. Denn selbst gesehen hat er nie einen Löwen. Glaubt mir – Löwen sehen anders aus! Ich werde das Foto raussuchen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Nur damit ihr wisst, dass Dinosaurier vielleicht gar nicht so aussahen, wie wir glauben.

Mit der Vorstellung oder der Erwartung ist das überhaupt so eine Sache: In unseren Köpfen lief die über 300m lange Spur natürlich eben über eine Art Felsen. Aber nix da: Die Spuren führen eine senkrechte Wand aus Kalkstein hoch und laufen kreuz und quer darüber her!

Parque Cretacico, Dinosaurier Spuren

Dinosaurier Spuren, Parque Cretacico

Parque Cretacico

Kreuz und quer liefen sie – wer sieht die Spuren?

Und diese Wand liegt nun wirklich mitten im Kalkabbau des Zementwerkes!

Vor 65 Millionen Jahren war diese Wand mal eine horizontale Ebene und eher auf Meereshöhe. Durch Vulkanismus richtete sich die Ebene senkrecht auf und wurde auf knapp 3000m Höhe geschoben.

Und so fahren heute hoffentlich bald aussterbende Baufahrzeuge an den Fußspuren von seit Millionen Jahren ausgestorbenen Tieren vorbei.

Stirbt hoffentlich bald aus!

Stirbt hoffentlich bald aus!

Ich würde zu gerne wissen, wo unser Zementwerk in 65 Millionen Jahren ist. Und wie die dann lebenden intelligenten Wesen sich den Menschen vorstellen.

Vielleicht verpassen sie uns Antennen statt Ohren?

Was meinst du?

INFO

Die größte Ansammlung von Dinosaurierspuren weltweit, liegt etwas unspektakulär in einem Zementwerk. Die Busse Sauromobil fahren täglich um 9:30 und 12 Uhr an der Plaza gegenüber der San Françicso ab – sie sind nicht zu übersehen. Führungen zu den Spuren täglich um 12:00 und 13:00.

Alle Bolivien Info unter Downloads & Tipps

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