Wir führen Spinnen spazieren.
Das liegt zum einen daran, dass es in Katwoude Millionen von Spinnen gibt und sich gefühlt 1000 davon auf unserem Schiff heimisch fühlen. Gut, hat den Vorteil, dass es weniger Mücken gibt, doch ich würde die Mücken lieber den Schwalben, die um die Masten sausen, überlassen und auf die Spinnen verzichten. Die sind nämlich richtig fett und ekelig. Also so richtig! Los wird man die nur auf die brutale Art, wohlgemerkt Mann, ich kriege Panik.
Zum anderen liegt es daran, dass wir endlich mal wieder ein wenig segeln oder wenigstens mit dem Schiff unterwegs sind. Diesmal haben wir uns für die Staande Mast Route durch Friesland entschieden.
Der ursprüngliche Plan war, am Freitag vor Pfingsten nach Makkum, wo unsere Töchter samt Familien am Campingplatz waren, zu segeln und von dort nach Pfingsten nach Lemmer, den offiziellen Einstieg in die Staande Mast Route.
Dieser Plan fiel ins Wasser, buchstäblich.
Freitags wehte ein strammer Wind, es regnete und war saukalt. Wir sagten Makkum ab, und besuchten die Töchter mit dem Auto. Dann fahren wir eben am Dienstag!
Die Wetteraussichten sind auch am Montag nicht gut, trotzdem entfernen wir die Segelpersenning und den Schutz des Vorsegels. Immer wieder fallen Monsterspinnen aufs Deck, die Tomy ins Wasser wirft – und das gegen den Wind! Dass so ein Biest nicht auf mir landete, war purer Zufall! Aus dem Wasser spinnen die sich nämlich oft ganz schnell wieder aufs Schiff. Zewa und ein beherzter Griff (man hört es knacken) sind sicherer.
Ja, ich weiß, es sind nützliche Tiere, aber glaubt mir, das sind keine hübschen Kreuzspinnen, auch keine Hauswinkelspinnen, diese hier sind EKELHAFT!
Nun gut, ich habe es ohne hysterischen Anfall überlebt und außerdem noch etliche Nester mit Eiern vernichtet. Ich hoffe nur, es sitzt keine im Baum über mir!
Ich greife vor: Dennoch entferne ich in den nächsten Tagen täglich mindestens 20 winzige Moneyspider aus dem Cockpit. Die stören mich zwar noch nicht, aber sie wachsen!
1. Tag: Katwoude bis Stavoren
Am Dienstag ist das Wetter immer noch nass und kalt, also verschieben wir die Abfahrt auf Mittwoch.
Um 8 Uhr machen wir die Leinen los, um 12 sind wir an der Schleuse in Enkhuizen.

An der Schleuse in Enkhuizen
Kurz vor Stavoren rufe ich die Marina an und reserviere uns einen Platz in der Marina hinter der Schleuse.
Vor der Johan Frisosluis müssen wir kurz warten, also am Wartesteiger anlegen, ich werfe vorne die Leine rüber, Tomy hinten. Theoretisch.
Mir gelingt es beim zweiten Anlauf, aber da Tomy hastig den Rückwärtsgang eingelegt hat –
hatte sich die Leine um die Schraube gewickelt.
Er wirft die Leine von der anderen Seite über, wir liegen fest. In unserem Köpfen spukt es: Tomy ruft Taucher, ich sehe ihn im Neoprenanzug mit dem Messer zwischen den Zähnen im trüben Wasser tauchen.
Ich will trotzdem den Rest der verwickelten Leine am Schiff festmachen – und halte plötzlich einen veritablen Knoten in der Hand. Wir sind frei! Und flugs in der Schleuse und bald danach auf unserem zugewiesenen Liegeplatz.
Auf dem Weg zum Marinabüro treffe ich drei Männer, die mich bitten ein Foto von ihnen zu machen. Es fällt das Wort „ticho“, woran ich sie als Tschechen erkenne, was sie unheimlich freut. Mich erinnert es an meine Kindheit: Ich war eine schlechte Esserin, gelegentlich eskalierte deshalb mein Vater am Mittagstisch. Meine Mutter zischte dann zwischen den Lippen „Ticho – still“. Mehr tschechisch konnte sie als Südmährerein nicht, und mehr kann ich auch nicht!
Danach besichtigen wir Starvoren. Allerdings gibt es da nicht wahnsinnig viel zu sehen. Aber der Kibbeling am alten Hafen ist lecker!
2. Tag: Stavoren bis Sneek
Um 9 Uhr werfen wir die Leinen los, wir wollen nach Sneek.
Ach so, du fragst dich, wieso wir nicht in Lemmer in den PrinsesMargrietkanaal fahren. Der Hauptgrund ist, dass die Brücke in Uitwellingwerder seit Herbst gesperrt ist und wir sowieso über Sneek müssen. Der Weg über Starvoren ist kürzer, außerdem sind wir von Katwoude aus schneller dort.
Gut, kürzer ist der Weg, aber auch ziemlich langweilig und mühsam. Die Seen, die wir passieren müssen, waren einst Teil der See, jetzt sind es Mere und für uns meist zu seicht zum Segeln. Außerdem weht der kräftige Wind von vorne. Erst in Ijlst wird es hübscher.

Ijlst
Bald danach sind wir in Sneek und machen sofort an der ersten Möglichkeit, direkt hinter der Werft vor einem hübschen Haus, fest.

Haus in Sneek
Annehmlichkeiten wie Wasser, Elektrizität oder eine Toilette gibt es hier nicht, trotzdem soll die Nacht laut i-Marina über 27 Euro kosten. Wir beschließen, uns die Situation in Sneek erst mal per pedes anzusehen. Es ist ein netter Ort, mit eindrucksvollem Stadttor, etlichen Brücken und einigen Geschäften.

Sneek
Vor der ersten Brücke ist alles belegt, dahinter sind viele Plätze frei, aber immer noch so gut wie ohne alles. Hinter der letzten Brücke ist die Marina, dort gibt es Duschen und Strom und eine Menge freier Liegeplätze. Also retour, Leinen los und durch die Brücken!

Auf geht’s!
Jetzt liegen wir zwar vor einem Sandhaufen auf einer Baustelle, zahlen ebenfalls 27 Euro und ein paar Tote, aber haben wenigstens Strom und Waschräume. Und so schlecht ist der Blick aus dem Cockpit auf die Häuser gegenüber auch wieder nicht.

Im Gemeindehafen von Sneek
Am nächsten Tag geht es nach Leuwaarden. Oder?
Hier geht es zum ersten Beitrag der Staande Mast Route nach Vlissingen, das war 2013

