Segeln mit Yemanja

Genova Sestri Ponente – Gehen mit Yemanja

Jeden Tag 10000 Schritte zu tun, ist gar nicht so einfach, vor Allem dann nicht, wenn die Umgebung nicht dazu einlädt. So schön die Marina Genua Aeroporto als Liegeplatz im Winter ist, so freundlich die Mitarbeiter, so wenig ansprechend ist die Umgebung. Weder die Werft gegenüber, noch der Ort Sestri Ponente laden zum Gehen ein. Trotzdem müssen wir einkaufen. Parkplätze gibt es ja in italienischen Orten auch kaum, also schultere ich mein modernes Reh – meinen Rucksack – und mache mich auf den Weg. Rechts von mir liegt der Flughafen, TNT und andere nichtsagende Gebäude, links erst kleine Restaurants der Marina, dann die Trockenliegeplätze und kleinen Werften für die Sportboote. Unter meinen Füßen tummeln sich Zigarettenstummel, Glasscherben und Kronkorken – meine Vorurteile gegen Italien werden hier bestens genährt.

In der Marina Genova Aeroporto

Nach vielleicht 800 m geht es links über eine hübsche, kleine Brücke in ein Wohngebiet mit Sportbootliegeplätzen, Borgo alla Marina genannt. Die Absicht der Investoren dort war wohl, ein gehobenes Viertel zu schaffen, nur ist das bis jetzt nicht wirklich gelungen. Die Ladenlokale sind zu 90% leer und verrammelt, von den Appartements ist nur die Hälfte bewohnt. Vielleicht ist dieser ganze Marinakomplex aber auch ein Steuersparmodel oder eine Geldwaschanlage…

Hinter den Wohnblöcken, die tatsächlich recht nett aussehen und Potenzial haben, geht es zwischen abgewrackten Industriebauten über eine ebenfalls vermüllte Treppe über die Bahngleise (Mittlerweile gibt es eine neue, da fällt der Müll durchs Gitter…). Gleich links dahinter ist der Bahnhof, von dem alle 20 Minuten Züge nach Genua fahren.

Verfallene Industriegebäude

Ich aber möchte über die vielbefahrene Straße nach Sestri hinein. Und stehe an der Ampel. Und warte. Stehe. Warte. Stehe. Warte. Stehe….

Nach gefühlten zehn Minuten wird die Ampel für mich grün. Ich gehe eine unsympatische Gasse geradeaus bis zur Fußgängerzone, wende mich nach links. Die Fußgängerzone ist tatsächlich ganz nett!

Mein Ziel heute ist erst einmal der Parco Villa Rossi: Die Statue am Eingang lässt mich auf einen hübschen Park mit noch hübscherer Villa hoffen. Doch ich werde enttäuscht. Die Statue ist tatsächlich das Schönste dort, schade, es wäre ein brauchbares Ziel fürs Gehen gewesen!

Verspricht und hält nicht

Ich drehe um, gehe parallel zur Fußgängerzone durch eine enge Gasse. Die ist nun wirklich nichts Besonderes, aber an der Brücke über den Fluss liegt eine kleine, mit Kunstblumen geschmückte Kapelle, Maria Annunzia. Ein Stückchen weiter liegt zwischen der Gasse und der Fußgängerzone ein kleiner Markt mit drei Ständen mit Blumen, Fischen, Obst und Gemüse. Heute brauche ich leider nichts! Ich gehe vor zu dem Platz unter den hohen Bäumen. Links ist ein wunderschönes altes Haus, darin eine Pastamanufaktur. Ich erstehe zwei Portionen Pansotti, diese Pasta mit den dicken Bäuchen, die mit Spinat und Ricotta gefüllt sind.  Sie sind eine ligurische Spezialität, die traditionell mit Pesto gegessen wird. Wir mögen sie lieber Alla Paola – in Salbeibutter mit Walnüssen geschwenkt und mit Parmesan bestreut. Wer Paola ist? Lange Geschichte- kommt! Versprochen!

Jetzt wende ich mich nach rechts zurück zur Fußgängerzone. Links ist eine Gelateria, in der es sehr gutes Eis gibt, Kokos und Schokolade sind besonders gut. Gegenüber der Kirche kaufe ich in der Bäckerei „Due Noci“. Was das genau ist, weiß ich nicht, aber es ist eckig, salzig, voller Nüsse und verdammt gut! Ist leider auch eine Kalorienbombe, da in Fett gebacken.

Mein nächstes Ziel ist der Supermarkt, der auf dem Weg von der Bäckerei zur großen Straße liegt. Und bin sofort wieder mit Italien versöhnt: Es gibt dort noch einen Metzger, guten Käse, frische Nudeln, Oliven und brauchbares Obst und Gemüse. Eigentlich ist der Supermarkt nicht viel größer als früher ein Tante-Emma-Laden, aber es gibt dort alles, was ich brauche in guter Qualität – wie in fast allen kleinen Supermärkten in den engen Gassen Liguriens.

Ich fülle mein Rucksackreh und mache mich auf den Rückweg… Täglich. Außer wir fahren dorthin, wo Ligurien schön ist: Nach Noli, Finale Ligure, Neirone, Portofino, Nervi, Genua, Camogli

Marina Aeroporto Pontille G – Borgo alla Marinna – Bahnbrücke – Fußgängerzone – Parco Villa Rossi – Kirche – Supermarkt  – Bahnbrücke – Borgo – Pontille G: ~ 8200 Schritte ~ 6 km

Blick auf Sestri Ponente, die Wewrftem die Marina und den Flughafen vom Monte Gazzo aus.

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Laufen oder Joggen mögen meine Füße nicht mehr, also gehe ich. 30km in der Woche sind mein Ziel, am liebsten über Stock und Stein. Das ist weniger, als die von den Krankenkassen propagierten 10000 Schritte am Tag, aber das was angeblich unsere Vorfahren in einer Woche zurücklegten

Gehen ist eine Kolumne die jeden Samstag in der Freizeit-Beilage des Kurier erscheint, rund 500 Wörter kurz, mal mehr, mal weniger informativ und persönlich. Mir gefällt sie! Nicht, dass ich an die Qualität der Schreibe von Herrn Christian Seiler herankomme, als Inspiration für kurze Beiträge möchte ich sie dennoch nutzen.

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