Segeln mit Yemanja

Erste Male im März – Monatsrückblick

Am Karfreitag, also fast am letzten Tag des Monats, fragte die Moderatorin im Radio:

„Wann haben sie zuletzt etwas zum ersten Mal gemacht?“

Heute? Nein, das stimmt nicht ganz, aber im März gab es ganz viele erste Male:

Erstens: Wir waren zum ersten Mal auf einer Hochzeit in Brasilien.

Auf diese Hochzeit hab‘ ich mich schon seit November gefreut! Schließlich verstehen es die Brasilianer zu feiern, sich zu herauszuputzen, zu dekorieren, zu speisen und zu tanzen. Nun, wir wurden nicht enttäuscht! Der Blumenschmuck und die kleinen, feinen Leckereien und Aufmerksamkeiten waren atemberaubend! Diese Hochzeit wird mir lange in Erinnerung bleiben!

Zweitens: Der erste Besuch bei Segelfreunden in Petropolis, ein Spaziergang im Vale do Amor und ein saftiges Gewitter

Petropolis, die Sommerresidenz des brasilianischen Kaisers Don Pedro II liegt etwas oberhalb von Rio de Janeiro in den Bergen. Dort ist es im Sommer kühler als in Rio, oft um knapp 10 Grad. Was es dort auch tut, ist regnen. Am ersten Abend bei unseren Freunden gewitterte es so heftig, dass ich sagen würde: Drei heftige Donnerschläge innerhalb weniger Minuten habe ich noch nie erlebt. Am letzten Tag unseres Besuches war das Wetter dann halbwegs trocken, so konnten wir ins Vale do Amor, darüber habe ich euch schon erzählt.

Übrigens: Die Stadt wurde von Tiroler Einwanderern gegründet und von deutschen Architekten gebaut. Deshalb liegen unter anderem die Orte Bingen und Mosel auch in Brasilien.

Der Blick aus unserem Zimmer in Petropolis

Drittens: Unser erster Besuch im Museu do Futur, erster Ausflug zu einem Aussichtspunkt unterhalb des Christus und nach Urca, erste Übernachtung an der Copacabana, erstes Mal U-Bahn fahren in Rio

Nun, in Rio, waren wir schon mal, vor 22 Jahren, auf meiner Löffelliste stand es also schon lange nicht mehr. Aber letztes Jahr im Oktober ist meine deutsch-brasilianische Freundin wieder nach Rio gezogen, und da wir ja in Petropolis, also quasi um die Ecke waren, wollten wir sie auch besuchen.

Obwohl Petropolis nur 60 km entfernt von Rio liegt, dauert es fast zwei Stunden um mit dem Auto in die Stadt zu gelangen. Der Verkehr ist der reine Wahnsinn! So brachten uns unsere Freunde einen Tag nach Rio, erst mal zum Museu do Futuro. Das ist ein irrer Bau in der Nähe des Hafens. Drinnen geht es um die Zukunft. Das ist manchmal sehr gut, manchmal etwas überwältigend, manchmal mau dargestellt, sicher interessant für Jugendliche und für Menschen, die sich nicht so viel informieren, wie wir. Soviel Neues gab es dort also nicht für uns. In Erinnerung geblieben sind mir der Globus mit der Darstellung der Meeres- und Windströmungen.

Museo do Amanha

Von dort spazierten wir zum Teatro Muncipal, ein mindestens ebenso beeindruckendes Gebäude. Mit der U-Bahn fuhren wir an die Copacabana, wo Moni klein, aber fein wohnt. Am nächsten Tag mieteten wir einen Fahrer und fuhren zu einem Aussichtspunkt unterhalb des Christo Redentor.

Teatro Municipal in Rio de Janeiro

Was soll ich sagen? Wer glaubt, in Rio scheint immer die Sonne, irrt. Der Christus war genauso wie vor 22 Jahren in dichte Wolken gehüllt. Wie gut, dass wir erst gar nicht bis hinauffuhren, sondern nur zum Mirante etwas unterhalb. Der Blick auf Rio von dort oben ist atemberaubend und das, was den Zauber von Rio ausmacht.

Rio von oben ist zauberhaft

Denn ganz ehrlich? Unten, im dichten Verkehr kann Rio mir gestohlen bleiben. Die Copacabana, benannt nach einem Wallfahrtsort in Bolivien, ist für uns ein nichtssagender Stadtstrand. Wie wunderschön sind dagegen Salvadors palmenbestandene Strände! Sorry, Monika, ich weiß, du liebst deine Stadt, es ist halt nicht meine!

Copacabana

Gut gefallen hat es mir allerdings im alten Viertel Urca, unterhalb des Zuckerhutes. Dort an der Ufermauer aßen wir ein paar Pasteis, tranken ein Bier und genossen die Aussicht. Abends trafen wir unsere Freunde in der Churrascaria und kehrten zurück nach Petropolis.

Ach: einen kurzen Blick auf den Christus konnten wir doch erhaschen!

Viertens: Unsere erste Bärlauchkur

Während wir in Brasilien die tropische Pflanzenwelt genossen, sprießte im heimischen Garten der Bärlauch. So fand ich nach der Heimkehr ein Bärlauchfeld unter dem Haselnussstrauch. Von nun an aßen wir täglich Bärlauch: Spagetti Alio Olio mit Bärlauch, Bärlauchrisotto, Nudeln mit Bärlauchpesto, Lachs mit Bärlauchkruste, Bärlauchquiche, Kartoffelcurry mit Bärlauch statt Spinat… Letzteres war ein Novum und saulecker!

Fermentiert habe ich den Bärlauch auch. Das ganze Haus stinkt danach. Aber das Zeug schmeckt.

Fünftens: Meine Töchter und Enkel helfen bei der Vernichtung der Ahornplage

Fünftens: Meine Töchter und Enkel helfen bei der Vernichtung der Ahornplage

Als wir vor 33 Jahren in unser Haus zogen, stand im Garten ein etwa 1m hoher Baumsämling. In unserem Leichtsinn und in völliger Unkenntnis der Wuchsfreude eines Ahornbaumes pflanzten wir ihn an eine geeignetere Stelle. Seitdem ist er trotz regelmäßigen Schnittes zu einem gehasst-geliebten, gut 10 m hohen Baum herangewachsen. Etwa 11 Monate im Jahr liebe ich es, einen richtigen Baum in meinem Reihenhausgarten zu haben. Einen Monat lang hasse ich ihn, nämlich dann, wenn ich gefühlt mindestens 100 Sämlinge aus meinen Beeten ziehe. Täglich! Am Ende sind es gefühlt eine Million.

Dieses Jahr kamen meine Enkelkinder zu Besuch und fragten, was ich denn da tue. Also habe ich ihnen die Sämlinge gezeigt. Seitdem werden sie so wie ich von ihnen verfolgt. Und zupfen und rupfen überall.

Das mittlere Enkelmädchen mit ihren knapp 5 Jahren, ist im Garten schon fast Hilfe: Sie reißt Ahörner aus, kratzt das Moos aus den Fugen (und die Verfugung mit), schleppt immer wieder den halbleeren Unkrautkübel zum Kompost, plappert ununterbrochen, beobachtet die Nachbarskatze, fühlt sich wohl neben mir und lässt mich arbeiten. Das alles natürlich nur, wenn sie nicht in den Kindergarten kann, weil sie sich nachts übergeben hat und morgens quietschfidel ist.

Ihre große Schwester malt mit mir, das kann ich aber noch nicht verraten, weil es ist für die Mama zum Muttertag.

Sechstens: Die ersten Narzissenfelder in Holland und der erste Sonnenuntergang dieses Jahres am Schiff

So wie, dreh ich das denn jetzt zu einem ersten Mal? Denn natürlich waren wir schon oft in Holland, auch Tulpenfelder und Hyazinthenfelder kenne ich. Aber tatsächlich habe ich zum ersten Mal Narzissenfelder gesehen! Angelegte Narzissenfelder, bei der Narzissenblüte in der Eifel war ich auch schon.

Sonnenuntergang in Katwoude

 

Siebtens: Der siebte Geburtstag des Enkelmädchens war ihr erster siebter Geburtstag.

Als nächstes kommt dann ihr erster achter Geburtstag

Achtens: Mein Einhornmoment, mein erster horizontaler Regenbogen

Siehst du ihn?

Ein letztes Mal

gab es im März auch, ein letztes Mal den mittleren Enkeljungen abends betreuen. Er füttert mit mir seine Rennmäuse, erzählt mir von seinen sportlichen Erfolgen (er hat bei einem Feldhockey Turnier 20 von 22 Toren geschossen), zeigt mir seine Bilder und liest mir vor. Und das immer besser. Schade, dass es vorbei ist, denn das Eishockeytraining seines älteren Bruders ist jetzt erst Mal vorbei.

Meinen größten Erfolg dieses Monats wollt ihr auch noch wissen? Ich habe die Rote Kiste geleert!!!

In die Rote Kiste, ein roter Pappkarton von Ikea, kommen im Laufe des Jahres alle Rechnungen, Spendenquittungen, Kontoauszüge und alles, was wichtig erscheint. Einmal im Jahr, im Frühling, wird aussortiert, abgelegt und die Steuererklärung vorbereitet. Das ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung! Und deshalb bin ich jetzt stolz auf mich!

Kreativ war ich natürlich auch:

Wie war dein Monat? Was hast du zum ersten Mal gemacht? Was war dein Einhorn-Moment?

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