Segeln mit Yemanja

Canyoning – die Wahrheit über mein erstes Mal

Ich stehe vor einem Abgrund, unter mir das Wasser des Pulischellu. Marco, unser Guide, erklärt, wie wir springen müssen: Ein Bein vorne, eines hinten, gut abstoßen und beim Sprung strecken, damit man nicht nach hinten fällt.

Ich soll springen, als Vorbereitung für das, was uns bevorsteht: Canyoning, also einen Fluß mit Wasserfällen hinunter rutschen, springen, klettern.

„Marco, das letzte Mal, als ich diese Höhe gesprungen bin, war ich 16, jetzt bin ich 59!“

Der Fels ist vielleicht 120cm hoch. Und ja, ich kokettiere mit meinem Alter.

Ich springe –

von den besagten 10 cm des letzten Posts! Na gut, es waren 30 cm! Weil ich nämlich vom tieferen Felsen gesprungen bin, nicht von den 1m20.

Mein heldenhafter Sprung

Trotzdem werde ich jetzt den Canyon der Pulischellu irgendwie hinunterkommen.

Müssen.

Und ich kann niemand anderem die Schuld daran geben: Dieses Canyoning war mein Vorschlag! Tomy wusste nicht mal, was genau ich meine, der Schwiegersohn hat die Idee begeistert aufgenommen.

Die erste Aufgabe konnte ich schon von oben beobachten: Eingehakt in ein Seil lässt dich der Guide einen Wasserfall hinunter, langsam die Ängstlichen, schnell die Mutigeren. Oder sind die Mutigeren die, die mehr Angst haben?

So sieht das von oben aus

Hinter uns liegen etwa 20 Minuten Gehen mit Klettergeschirr um den Bauch und Neoprenanzug am Rücken zum Ausgangspunkt der Canyoning Tour. Unser Guide geht übrigens barfuß. Am obersten Becken quetschen wir uns in den Anzug: So muss sich Wurst fühlen! Dann geht es erst mal zum Akklimatisieren ins kalte Wasser. So weit so gut. Noch lache ich…

Ich verrate es jetzt gleich: Ich habe nicht ununterbrochen vor Freude gestrahlt, wie die anderen Teilnehmer, aber es hat trotzdem Spaß gemacht!

Es dauert eine Weile, bis unsere Gruppe an der Reihe ist: Nach dem verregneten Wochenende herrscht in der Klamm ein Betrieb, wie auf der Hohe Straße. Oder der Kärntner Straße. Trotzdem ist alleine schon das Sein in dieser schönen Umgebung eine Bereicherung.

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Und dann sind wir dran. Tomy rutscht zuerst, damit er Fotos von mir und unserem Schwiegersohn machen kann. Dann hängt Marco mich ein, lässt mich die erste Hälfte langsam herunter, den Rest falle ich – und es ist toll!

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Danach folgen einige kleiner Wasserfälle, die wir ohne Sicherung hinunterrutschen. Jeder fordert eine besondere Technik für den Einstieg: Mal musst du dich schräg hineinlegen, mal seitlich hineinspringen – oder hinsetzen und hineinscheiben lassen.

Einen Wasserfall rutschen Tomy und ich gemeinsam eingehakt hinunter: Die Experten streiten sich, ob ich dabei lache oder ob mein Gesicht vor Angst verzerrt ist… Ich überlasse es dir, das zu entscheiden!

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Danach folgt ein optionaler Sprung. Tomy und Thomas klettern natürlich mit Begeisterung auf den Felsen, ich bleibe unten und mache Fotos. Und stehe vor einem Problem: Ich kann nicht erkennen, wer da gerade springt! Ohne Brille sehe ich das nicht. Ich kann zwar ganz gut erkennen, wohin ich trete, ich kann auch Menschen erkennen, die gerade vor mir stehen, aber nicht auf diese Entfernung. Dann haben auch noch alle die gleichen Anzüge an…

Tomy erkenne ich einzig an seinen blauen Schuhen, Thomas an seinen Sprüngen…

Tomy erkenne ich an den Schuhen. Links ist übrigens der Profi.fotograf, vorne sein Hund

So springt nur Thomas

Den nächsten Wasserfall rutschen wir auf dem Rücken mit dem Kopf voran hinunter. Marco steht lässig und locker im Einstieg, packt uns an den Füßen und dreht uns in den Wasserstrahl. Er strahlt dabei eine unglaubliche Ruhe aus und sorgt so dafür, dass nicht mal ich Angst haben muss.

Das ändert sich am nächsten Wasserfall: Der ist nicht zum Rutschen, da muss man springen. Es ist nicht hoch, die jungen Leute zwischen 12 und 35 machen die wildesten Sprünge, auch der Opa tobt sich aus. Aber ich kann nicht springen. Ich kann sehen, dass es nicht hoch ist, kann mich aber nicht überwinden, diesen Schritt nach vorne zu machen.

Tomy, *

Thomas, *

Marco gibt mir Zuversicht. Er nimmt meine Angst Ernst, er traut mir trotzdem zu, dass ich springe. (Wir wissen beide insgeheim, dass ich notfalls seitlich wie der Fotograf vorbeiklettern könnte, was vermutlich für mich gefährlicher wäre). Vielleicht will er mir auch nur das Erfolgserlebnis verschaffen…

Ich mache die Augen zu. Wenn die Tiefe mich nicht sieht, ist sie vielleicht weg…

Mache den Schritt – gemeinsam mit Marco. Schreie…

Danke, für’s Mitspringen! *

Und nehme mir fest vor, das Ins-Wasser-springen zu üben.

Vor uns liegt die letzte Herausforderung: Ein Wasserfall mit Abschussrampe. Dafür wird das Wasser erst aufgestaut. Dann rutscht du mit dem Kopf voran hinunter, das letzte Stück fliegst du, bevor du mehr oder weniger hart auf dem Wasser landest.

Das Wasser wird gestaut

Abflug ins Nirwana*

So sieht das von unten aus

Ich lande hart, aber das ist schnell vergessen: Ich habe es geschafft! Eigentlich habe ich mir einen Orden verdient! Da mir aber niemand einen überreicht, werde ich mir wohl selber einen basteln müssen. Und noch mehr trainieren und springen, damit ich beim nächsten Canyoning nicht nur ein wenig, sondern viel Spaß habe!

Blick zurück*

* Fotos mit * sind von Guet Limage, die anderen wurden abwechselnd von uns dreien gemacht.

INFO Canyoning Pulischellu Korsika

Es gibt auf Korsika sehr viele Anbieter von Canyoning, aber im Grunde nur drei Touren, alle im Bavella-Gebiet: Vacca (Oberlauf der Solenzara) ist am anspruchsvollsten, Pulischellu ist für Anfänger und Purcaraccia. Ein Anbieter macht auch Cavu, einer eine Kindertour im Fiumicelli, Kindertouren ab 7 gibt es auch in anderen Bächen, einer bietet auch eine anspruchsvollere Tour am Pulischellu an. Preislich tun sie sich nichts!

Werbung: Marco findet ihr beim Parc Aventure direkt an der Straße T10 kurz vor Solenzara, von Bastia kommend.

Nikon Coolpix ist die Kamera, die auch Canyoning aushält! Wir hatten sie vorne im Anzug stecken.

Für Kinder ist Korsika das reinste Abenteuerparadies! Sehr zu empfehlen ist der Führer von Stefanie Holtkamp: Korsika mit Kindern.

PS: Ich sag doch, ohne Manner Schnitten geht gar nichts…

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