Segeln mit Yemanja

Sirmione – Gehen mit Yemanja

Sirmione: Die Grotten des Catull - Reisen mit Yemanja

Sirmione: Die Grotten des Catull

Wir parken unser Auto auf dem Parkplatz kurz vor dem Stadttor von Sirmione, ich habe ihn übers Hotel gebucht. 800m müssen wir zu Fuß zurücklegen, bepackt mit Kameras und Rucksack, das Gepäck lassen wir im Auto. Ja, wir sind in Italien, welches in mir immer noch einen zweifelhaften Ruf hat.

Italien, musst du wissen, war nie unseres. Wann auch immer wir uns auf dem Weg nach Süden dorthin verirrten – wir fanden es abgewrackt, ungepflegt, mit schlechten Straßen und fehlenden Wegweisern. Nicht mal Venedig konnte mich vor knapp 40 Jahren überzeugen. Nur Triest mochte ich. Mit anderen Worten: Freiwillig wäre ich nie nach Italien gesegelt!

Jetzt liegt YEMANJA in Genua und ich bin verliebt in Italien. Ja, es ist immer noch abgewrackt, die Straßen sind in all den Jahren auch nicht besser geworden. Italien hat die EU nicht so wie andere Länder zur Sanierung genutzt. Wohin die teure Autobahnmaut geht, ist uns ein Rätsel! Unser Vorurteil steht immer noch: Korruption, Mafia und sowas wie Laissez-faire. Und doch – Italien hat Charme! So nutzen wir jede Gelegenheit, uns diese oft morbide Schönheit anzusehen: Auf der Fahrt von Wien nach Genua machen wir am Gardasee, in Sirmione, Halt.

Wir checken in dem Hotel gleich hinter dem Wassergraben ein und machen uns auf dem Weg, erst zurück zur Festung, der eindrucksvollsten aller Scaligerburgen mit einem großen Hafenbecken, das einst der Gardasee-Flotte Schutz bot. Die Burg mit einer Ringmauer schottet den Ort vom Festland ab. Sie wurde als Wehranlage im 13. Jahrhundert aus einem alten Römerkastell gebaut, auf Wunsch von Mastino I della Scala, dem Stadtherrn von Verona. Es blieb nicht die einzige Festung der Scaliger – sie mussten ihre Vorherrschaft verteidigen und ihre Macht zur Schau stellen. Die Burgen der Scaliger sind übrigens alle mit besonderen Zinnen in Form eines Schwalbenschwanzes geschmückt.

Die Burg in Sirmione

Wir schlendern zum gegenüberliegenden kleinen Hafen, machen Fotos, schlüpfen wieder durch das Stadttor und schauen in die Kapelle, die links davon liegt. Dann folgen wir dem Weg durch das Städtchen hinauf zur Kirche San Pietro in Mavino. Der Name deutet darauf hin, dass sie einst in Weingärten lag ‘in summas vineas’, heute ist sie von Olivenbäumen und Zypressenhainen umgeben. Der jetzige Bau stammt aus dem 11. Jahrhundert und enthält einige interessante Fresken. Ungewöhnlich ist, dass der Altar auf Ruinen zu schweben scheint: Durch den Glasboden sind Reste der Vorgängerkirche oder eines antiken Heiligtums zu erkennen. Was genau es ist, kann ich nicht herausfinden.

San Pietro in Mavinas

Wir gehen weiter zur Spitze, dort wo die Grotten des Catull liegen. Ich kann mir darunter erst mal gar nichts vorstellen, und hoffe, eine Idee davon zu bekommen, wenn wir unten am Ufer den Berg umrunden. Doch kaum sind wir um die Ecke, bläst uns ein stürmischer Wind Sand ins Gesicht – wir drehen um und wundern uns, wo dieser Wind so plötzlich hergekommen ist. Er begleitet uns zurück ins den Ort, fast bis in die kleine Osteria, in der wir uns Wein, Schinken und Tortellini gut schmecken lassen.

Stürmischer Wind am Gardasee

Am nächsten Morgen, nach einem köstlichen Frühstück, führt unser Weg erst Mal auf die Terrasse des Hotels: Ein goldener Sonnenaufgang lässt uns schnell Kamera und Drohne einpacken, diesmal geht es am Ostufer entlang. Tomy fliegt erst über die Burg, später über die Grotten des Catull. Ich springe derweil von Stein zu Stein bis knapp an ein Seezeichen. Als ich mich umdrehe, bleibt mir vor Überraschung der Mund offen: Am Berg thronen ziemlich eindrucksvolle Ruinen! Mit Grotten haben die nichts zu tun, der römische Dichter Catull, war wohl auch nie hier, das nimmt ihnen nichts von ihrer Faszination.

Sonnenaufgang auf der Terasse des Hotels

Sirmione

Suchbild: Wo bin ich? Am Morgen ist der Wind weg

Grotten heißen die Ruinen, weil sie eine Zeit lang dem Verfall preisgeben und überwuchert waren. Trotzdem gelten sie heute als größte und besterhaltene Ruine einer römischen Villa im nördlichen Italien. Haupteingang und  Badeanlagen befanden sich auf der Südseite, Panoramaterrasse auf der Nordseite bot einen Blick auf den See. Von Catull weiß man nur, dass er in der Nähe ein Landgut hatte.

Die Grotten des Catull in Sirmione

Es ist zu früh, um die Grotten zu besichtigen, außerdem glaube ich, dass sie vom Nahen betrachtet gar nicht so eindrucksvoll sind, wie aus der Ferne. Also machen wir uns wieder auf den Rückweg, vorbei an einer kleinen Therme, die reich an Schwefel, Brom und Jod ist und schon in römischen Zeiten das Thermalbad in der Villa mit warmen Wasser versorgte.

Gerüstet auf den Ansturm

Wow, das alles habe ich gar nicht erwartet! Ich habe nur ein paar Fotos der Burg im Internet gesehen und dachte, es wäre nett, die lange Fahrt, hier zu unterbrechen.  Und dann finden wir ein Kleinod! Eines mit Haken: Ich möchte nicht im Sommer hier sein, es war auch Mitte Oktober noch voller Touristen!

Über den Touristen ist Sirmione sehr hübsch!

Parkplatz – Burg – San Pietro de Mavino – Grotten des Catull – Strand – Thermenbecken – San Margarita – Hotel – Parkplatz: ~ 4km; 3400 Schritte

TIPP Sirmione

Wer den Namen des Hotels oder der Osteria wissen möchte, schreibe mir bitte ein Mail oder einen Kommentar.

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Laufen oder Joggen mögen meine Füße nicht, also gehe ich. 30km in der Woche sind mein Ziel, am liebsten über Stock und Stein. Das ist weniger, als die von den Krankenkassen propagierten 10000 Schritte am Tag, aber das was angeblich unsere Vorfahren in einer Woche zurücklegten

Gehen ist eine Kolumne die jeden Samstag in der Freizeit-Beilage des Kurier erscheint, rund 500 Wörter kurz, mal mehr, mal weniger informativ und persönlich. Mir gefällt sie! Nicht, dass ich an die Qualität der Schreibe von Herrn Christian Seiler herankomme, als Inspiration für kurze Beiträge möchte ich sie dennoch nutzen.

 

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