Mein perfekter Reisetag

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Einer meiner Lieblingsblogs, Ferngeweht.de, hat Geburtstag. Deshalb fragt Sabine ihre Bloggerkollegen nach deren perfekten Reisetag. Nun, die Frage nach dem perfekten Tag ist auch eine beliebte Frage im Coaching. So sehr ich mich auch seit Jahren bemühe: Ich kann sie nicht beantworten! Es ist unmöglich, alles was ich liebe und gerne tue, in 24 Stunden zu packen! Aber es gibt Bausteine, Ereignisse und Erlebnisse, die sich zu vielen perfekten Tagen zusammensetzten lassen.

Hier also die Bausteine für meinen perfekten Reisetag. Nicht an jedem Tag einer Reise kann oder muss alles davon vorhanden sein, nicht jeden Tag muss alles gleich gewichtet sein, aber ein perfekter Tag sollte schon mindestens fünf der Elemente enthalten:

Erstens: Reisebegleiter

Ich gehöre zu den Menschen, die sehr gerne alleine sind, ja, die ihre einsame Höhle brauchen, um nicht kratzbürstig zu werden. Doch eine Reise, ohne einen Menschen an meiner Seite, mit dem ich meine Erlebnisse teilen kann, hat keinen Reiz für mich. Am liebsten reise ich natürlich  mit Tomy, und mit keiner weiteren Person, außer unseren Kindern und Enkel. Ich liebe es, mit meiner ganzen Familie zu verreisen – aber nicht zu lange, höchsten zwei, drei Wochen, denn Tomy und ich brauchen unsere eingespielte Zweisamkeit. Es macht allerdings auch Spaß, mit Gästen an Bord oder zu Hause die Welt zu entdecken.

Tomy und ich auf den Azoren

Eine sehr gute Reisebegleiterin ist übrigens die Frau meines Bruders. Wir waren gemeinsam in Südostasien und in Südafrika und beide Male waren wir ein Super Team, das sich wortlos verstand. Auch schön war die Reise nach Jordanien vor acht Jahren mit meinen beiden besten Freundinnen aus der Jugend – die nächste gemeinsame Reise ist in Planung.

Zweitens: Wetter

Es darf trocken sein. Und zwischen 25 und 32 Grad warm, mit kühlender Brise oder angenehmen Schatten. Ein paar Wolken stören nicht, leichter Regen auch nicht. Oder doch: Ich habe nämlich nie Regenschutz mit!

Auf Guadeloupe hatte wenigstens Anna Maria einen Regenschirm für uns

Drittens: Wachsen

Wachstum gehört dazu, über die eigenen Grenzen hinauswachsen, die Komfortzone verlassen, Herausforderungen zu meistern. Woran es liegt, weiß ich nicht, doch das ist eine meiner größten Quellen für Freude beim Reisen und im Leben. In den allermeisten Fällen hat das etwas mit Bewegung zu tun und kann etwas sein, was für manch‘ anderen ganz einfach ist: Über ein Mäuerchen zu balancieren, einen Weg zu gehen, der Trittfestigkeit verlangt oder auch einfach so wie heute Morgen einen Purzelbaum, eine Rolle vorwärts auf einer weichen Wiese am der Küste zu machen: Zum ersten Mal seit vierzig Jahren!

Viertens: Bewegung

Ich brauche Bewegung! Ein perfekter Reisetag beinhaltet eine Wanderung, gerne über zehn Kilometer oder mehr, am Strand, an der Küste oder in den Bergen. Es reicht mir aber auch, wenn ich den Tag mit meinem Fitnessprogramm beginnen kann. Schnorcheln mag ich auch, ich kann mir aber auch Paddeln, Surfen oder Kiten vorstellen. Oder einfach

Schaukeln!

Bequia

Lacht nicht: Ein schöner Tag unterwegs wird erst mit einer Runde Schaukeln perfekt

Fünftens: Autofahrt oder Roadtrip

Reisen beinhaltet ja die Überwindung einer größeren Distanz, per Flugzeug, Schiff, Auto, mit der Eisenbahn, mit dem Rad oder Bike oder per pedes. Mein Favorit ist dabei eindeutig Autofahren. Ich liebe Roadtrips! Ich fahre gerne Auto, das heißt am liebsten lasse ich mich von Tomy fahren, weil ich selbst nach einer Stunde am Steuer einschlafe. Beim Autofahren kann ich  theoretisch immer stehenbleiben, etwas bewundern, ein Foto machen. Praktisch erzählt Tomy mir meistens, dass er so schnell nicht stehen bleiben kann, während er gerade langsam an einer Haltemöglichkeit vorbeirollt. Wobei ich ihm zu Gute halten muss, dass ich früher als er weiß, dass ich anhalten möchte.

Wie auch immer: Ein guter Reisetag beinhaltet etwas Autofahren. Wenn die Gegend schön ist, gucke ich, wenn nicht, stricke oder häkle ich!

Ach so, ich reise ja auch sehr oft mit dem Segelschiff. Nein, es ist nicht meine bevorzugte Art des Reisens, mit Segeln habe ich es einfach nicht,  aber es ist meine bevorzugte Art des Seins. Ich liebe es, in einer hübschen Marina zu liegen oder vor Anker leicht in den Schlaf geschaukelt zu werden. Leben auf dem Schiff finde ich wundervoll! Weil es in der Natur ist.

Sechstens: Natur

Ein perfekter Reisetag enthält blauen Himmel, Wolken, Mond und Sterne, Wind, Bäume, Blüten, Berge und Wasser, Vögel und anderes Getier. Von daher sind Städtetouren nicht wirklich was für mich, aber alles was im weitesten Sinne im Grünen ist.

Laguna Verde mit Flamingos, Uyuni Tour

Nur bedingt grün, aber viel Natur: Laguna Colorada in Bolivien

Siebtens: Kreativität und Schönheit

Wie soll ich beschreiben, was ich darunter verstehe? Einerseits natürlich die Schönheit einer Landschaft, die durchaus vom Menschen berührt, aber nicht zerrstört sein darf, andrerseits auch von Menschen Erschaffenes: Fachwerkhäuschen, blumengeschmückte Bauernhäuser in den Alpen, die liebevoll dekorierten Fenster und Vorgärten in Holland oder die Murals in Salvador oder Ehrenfeld, kleine witzige Details am Wegesrand, alles Zeichen, dass den dort lebenden Menschen ihr Umfeld wichtig ist.

Auf Sao Miguel findest du viele Herzen gemalt von Yves Decoster

Achtens: ein Schatz – Serendipity

Mein Ziel ist es, jeden Tag einen Schatz zu finden, etwas Besonderes, das ich nicht suche, das aber trotzdem für mich da ist und mich entzückt, weil es so schön ist, weil es mich zum Staunen bringt und meinem Herzen ein stilles „Danke“ entlockt: Eine Schaukel; eine seltene Pflanze; das Lächeln eines Kindes, ein schöner Stein, eine kleine Katze, ein nettes Lokal, eine hübsche Muschel…

Im Grunde ist das eine Frage der Wahrnehmung, braucht aber ein wenig Training. Dann kann ich, wenn ich will, alles zu einem Schatz erklären.

Die Blüte der Königin der Nacht öffnet sich nur einmal – ein richtiger Schatz für mich!

Neuntens: Fotos

Ein perfekter Reisetag ohne Fotos? Undenkbar! Sie helfen mir dabei, mich auch zu Hause daran zu erinnern, wie wundervoll die Welt und mein Leben doch sind. Und natürlich zeige ich das auch gerne dir!

Hier!

Zehntens: ein kaltes Bier und Gaumenfreuden

Abends, zum Abschluss des Tages ein kaltes Bier – der Himmel auf Erden. Wobei mir am liebsten ein Jever Fun ist oder ein alkoholfreies Weizen. Das auf einer Reise zu bekommen, ist allerdings reiner Luxus! Der Gipfel wäre ein gezapftes Wieckse Witte (mit Alkohol), das bekomme ich leider wirklich nur sehr, sehr selten.

Ein altes Foto von unserer Fahrt durch die Staande Mast Route 2013: Ich hatte schon lange kein Wieckse Witte mehr!

Außerdem gehört zu einem perfekten Reisetag auch gutes Essen, gerne etwas Lokales. Das kann Streetfood sein oder selbstgemachte Ravioli in Liguriens Bergen, Moqueca in Bahia, Pho in Vietnam, Lab in Laos, ein phantasievoller Salat in Südafrika, eine unglaublich süße Ananas auf Sao Miguel oder auch eine Avocado auf Brot am Rande des Titicacasees…

Elftens: gutes Internet

Damit sind wir fast wieder am Anfang: Sosehr ich es liebe, in fast einsiedlerischer Zweisamkeit mit Tomy unterwegs zu sein, so sehr brauche ich den täglichen Kontakt mit meinen Kindern, ein zwei Worte reichen schon. Ich brauche aber auch den Austausch in der digitalen Welt mit meinen Freunden in der realen Welt, in Brasilien, Kanada, Australien, Afrika und in fast jedem Land Europas.

Ich brauche aber auch Internet für meine Recherchen, zur Vorbereitung oder Fortführung einer Reise, um ein Hotel zu buchen, mehr Info über eine Sehenswürdigkeit herauszufinden. Mobiles Internet hatte ich bisher selten, also hilft nur suchen…

Zwöftens: Ausklang

Last not Least gehört ein angenehmes Nachtlager dazu. Ich habe die praktische Gabe, überall schlafen zu können, zur Not auch auf einer Parkbank in Samaipata, auf der Erde am Flughafen, in einem Hostel, aber ich ziehe doch ein festes, warmes Bett in ansprechenden Ambiente vor. Das Zimmer muss außerdem ein Fenster haben, durch das ich morgens den Himmel sehen kann – und es muss geöffnet sein. Auch bei minus 32 Grad!

Ich schlafe daher nirgends so gut ein, wie in Tomys Armen am Schiff, Himmel über mir, Wind um meine Nase!

Hostal Las Olas, Copacabana

Und wenn ich mir jetzt diese Liste so ansehe, merke ich: Sie passt auch auf meinen perfekten Alltag – Coaching-Frage doch noch beantwortet!

Was brauchst du, damit dein (Reise oder Urlaubs)tag einfach perfekt ist?

5 Kommentare

  1. Was für ein schöner Beitrag! Ich hab auch vor, noch bei dieser tollen Blogparade mitzumachen.
    Liebe Grüße
    Julie von julie-en-voyage.com

  2. Pingback: Ein perfekter Tag: Blogparade zum Geburtstag | Ferngeweht

  3. Ach, was für eine schöne Liste für den perfekten Reisetag! Vielen lieben Dank für den Blogparadenbeitrag. (Und über den Titel „Lieblingsblog“ freue ich mich natürlich ganz besonders!)

    PS: Psst, das Bild von den Flamingos dürfte die Laguna Colorada sein, nicht die Laguna Verde ;-)

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